Wettbewerbsvorteile für Bus und Bahn

Der Visionär, SPD-Politiker und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat angekündigt, eine Initiative zur Qualitätssteigerung im öffentlichen Personennahverkehrs zu starten. Die arg gebeutelten Anbieterinnen von Bus und Bahndienstleistungen sollen personelle Unterstützung bekommen, und zwar von Hartz IV- EmpfängerInnen. Das Pilotprojekt dafür ist in Leipzig, wie heute in der Tagespresse zu lesen war (1|2|3).

Ein Sprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) nannte es eine Möglichkeit, Hartz IV-Opfern eine sinnvolle Betätigung zu bieten. Nun scheint Erwerbsarbeit, sicherlich auch nur in den seltensten Fällen eine sinnvolle Betätigung, langfristig ausgeschlossen. Und wenn schon nicht arbeiten für Geld, dann doch zumindest einfach arbeiten. Und dabei sinnvolle Dinge tun. Dachte sich Herr Tiefensee. Zumindest hat er es gesagt. Ob er vorher auch gedacht hat, mag getrost bezweifelt werden.

Zum Beispiel verhindern, das freche junge Menschen Graffitis sprühen und damit das kostbare Eigentum der LVB zerstören und das saubere Image der Stadt kaputt machen. Oder mal Fahrkarten kontrollieren, damit nicht egoistische Leute einfach auf die Kosten der anderen mit dem Bus durch die Gegend gondeln – zur Agentur für Arbeit etwa, wegen der wöchentlichen Schikanevorladung. Die sollten mal lieber arbeiten gehen. Als Buskontrolleure zum Beispiel, was allerdings auch nicht besonders gut bezahlt wird, seit es dem Demütigungskatalog der Hartz IV – VerwalterInnen untergeordnet wurde. Laut Wolfgang Tiefensee sollen sie ganz einfach „in Bussen oder Straßenbahnen nach dem Rechten sehen“. Darum wurde wohl auch Leipzig als Pilotstadt ausgewählt. Da können sie dann auch gleich „nach den Rechten sehen“, was dort wohl nicht allzu schwer fallen dürfte. Kein Scherz. Der Stern spekulierte bereits, das in solchen Verhältnissen auch AusländerInnen wieder sicher durch no-go-areas fahren könnten. Oder Frauen, „die spätnachts nach Hause fahren“

Möglich wäre das Ganze natürlich auch andersrum. Ein Kommentator der Berliner Zeitung etwa witzelte munter drauflos, es gäbe in den neuen Bundesländern ja „jede Menge arbeitslose, kräftige, junge Männer, die eine gewisse Erfahrung darin haben, friedliche, deutsche Fahrgäste von gefährlichen Ausländern zu unterscheiden. Man muss ihnen nur mal eine Chance geben.“

Überhaupt ist der Stern sehr um das Image der Arbeitslosen besorgt und beginnt im selben Text umgehend, öffentlich für Langzeitsarbeitslose zu werben: „Öffentliche Hecken dürfen sie schneiden, öffentliches Unkraut dürfen sie jäten, aber im Bus sollen sie keinesfalls für Ruhe sorgen. Offenbar besteht auf Seiten der Kritiker immer noch das Vorurteil, dass es sich bei Hartz-IV-Empfängern in der Regel um übel riechende Alkoholiker am Rande der Zurechnungsfähigkeit handelt. … Vertraut den Hartz-IV-Empfängern doch, traut ihnen mehr zu!“ Bei solchen Freunden brauchst du keine Feinde mehr…