Keine Chance – nirgendwo

Während weltweit immer mehr Menschen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben in ihren Heimatländern verbaut wird (wir haben immer noch Kapitalismus, remember), machen diese sich auf, ein besseres Leben in den Industrienationen zu suchen. Rein geographisch wandern afrikanische FLüchtlinge in Richtung Europa. Was die amstführenden Charaktermasken in Europa gar nicht so lustig finden. Und entsprechend versuchen, eine große Mauer um Europa zu ziehen.

Nicht wörtlich, natürlich. Aber der Einsatz von Flugzeugen Aufklärungsschiffen, um die Flüchtlinge vor betreten europäischen Hoheitsgebietes orten und abfangen können, hat schon eine recht ähnliche Wirkung. Dazu kommen die ständigen Verhandlungen des spanischen Innenministeriums (in Abstimmung und Einverständnis mit der restlichen EU) mit den nordafrikanischen Küstenstaaten. Die sollen nämlich ihrerseits bereits die Abfahrt der Flüchtlinge verhindern. Was dazu führt, das die nun an der afrikanischen Küste entlangreisen um dann immer weitere Strecken mit dem Schiff auf sich zu nehmen. Früher dauerte die Reise mit dem Schiff einen Tag. Heute sind es ein bis zwei Wochen. Tendenz steigend. Ebenso wie die Tendenz der Opfer dieser Reiseroutenverlängerung steigt. Auf etwa 3000 schätzt das Deutsche Rote Kreuz die Zahl der jährlichen Todesopfer. (1|2)

In weiten Teilen von Presse und Politik scheint diese Seite der europäischen Flüchtlingspolitik nicht besonders relevant zu sein. Die FAZ beispielsweise sieht in der aktuellen Situation eher ein Problem für die spanische Innenpolitik denn für die betroffenen Menschen die vielen Flüchtlinge würden den SpanierInnen angst machen, sammeln sie sich doch in großen Horden in den Parks der ihnen zugeteilten Großstädte, „trommeln dort, verkaufen Rauschgift oder vertreiben Handtaschen und Raubdisketten.“ Immer wieder gäbe es „Szenen des Herumlungerns.“ Böse hingegen sind die Heimatländer der Betroffenen, denn die „verweigern oft trotz wohlklingender Abkommen und Entwicklungshilfe die Rücknahme“.

Das dabei nur altbackene rassistische Ideologien wiedergekaut werden, ist klar. Der für sein Rhythmusgefühl bekannte Schwarze trommelt selbstverständlich, und nebenbei geht er seinen kriminellen Neigungen nach, Rauschgift verkaufen beispielsweise. Aber das eigentlich Problem lieg noch viel weiter oben: das beklagte „herumlungern“ ist ja schließlich nichts weiter als die schlichte Tatsache, das die Menschen vorhanden sind und gesehen werden. Wo sollten sie denn hingehen? Was sollen sie machen? Es ist ein Ausdruck für die schlichte Tatsache, das diese Menschen nach kapitalistischen Kriterien überflüssig sind: in ihren Heimatländern ebenso wie in den Fluchtländern.

Eine leidlich bekannte Maßnahme hilft, dass das auch alle erkennen: bringe die Flüchtlinge so unter, das alle ihr Elend sehen. Dann werden die Menschen von ihrem Elend derartig angewiedert sein, dass sie sich nichts sehnlicher wünschen als sie wieder loszuwerden. Dafür braucht es bereits eine kräftige Portion Rassismus, aber da hat die FAZ halt keine Probleme mit.

Die mit finanziellen und politischen Zuwendungen erkauften Zugeständnisse haben aber auch von Seiten der afrikanischen Länder negative Konsequenzen – wie so oft im Kapitalismus vor allem für die betroffenen Menschen. So berichtete die Frankfurter Rundschau, die marokkanischen Behören hätten 53 Flüchtlinge mal ganz flott in der Sahara ausgesetzt, nachdem die mit ihrem Boot an der mauretanischen Küste gestrandet seien.