Eva am Herd

Eine Eva Hermann müsste mensch sein. Dann würden einem die Leute auch zuhören. Nicht, dass das was bringen würde, wenn mensch Eva Hermann wäre. Aber immerhin, sie würden zuhören. Und so wurde im Feuilleton, im Panorma, auf den Gesellschafts-, Kultur- und Lebens-Seiten der einschlägigen Zeitungen auch kräftig debattiert über Frau Hermann und ihre Ansichten über Gegenwart und Zukunft des Feminismus in Deutschland.

Es lohnt sich durchaus, sich den Aufsatz aus dem Cicero, der die Debatte hervorgerufen hatte, noch mal genau anzusehen. Das Ausgangsproblem von Eva Hermann ist nämlich ein alt bekanntes: „Die Deutschen sterben aus“ – so beginnt sie ihren Aufsatz. Das heißt, vermutlich war sie das gar nicht selber, sondern der Cicero, der einen krachigen Aufmacher haben wollte. Im richtigen Text beginnt sie dann mit „Deutschland bekommt kaum noch Kinder“. Was ja erstmal gar nicht so schlecht klingt: dann müssten die nicht immer „Lebensraum im Osten“ suchen, die Deutschen. Und auch für das mit den überlasteten Arbeitsmärkten würde sich langfristig zumindest nicht noch verschärfen. Darüber allerdings denkt sie gar nicht nach. Das die Deutschen nicht aussterben respektive nicht weniger Kinder kriegen dürfen, scheint ihr ein Herzensanliegen zu sein. Eins von der Sorte, für die es keine gesonderten Begründungen mehr braucht.

Die Debatte rund um dies Problem – und an der Stelle ist ihr Recht zu geben – rankt sich dann um die Frage, welche Fehler im System es denn wohl sein mögen, die da dran Schuld sind, das es nicht so gut steht um den deutschen Nachwuchs (rein quantitativ diesmal, für die qualitativen Befürchtungen ist PISA zuständig…). Der eigentliche Fehler, so Hermann, liege allerdings nicht an polit-technologisch zu lösendem Missmanagement, sondern – nein, nicht am System selber natürlich. Das würde sie nie sagen. Im Verhalten der Menschen natürlich. Insbesondere das Verhalten der Frauen selbst: „Doch nicht das ;System‘ muss überprüft werden. Wir Frauen kommen nicht drum herum: Jetzt müssen wir uns selbst einmal kritisch betrachten und nach unserem Handeln als Frau in all unserer Verantwortung fragen.“

Mal abgesehen davon, dass sie das System als solches mit eventuell zu behebenden Fehlern innerhalb dieses Systems gar nicht wirklich trennt (was darauf hindeutet, wie sehr sie den ganzen Kladderadatsch schon verinnerlicht hat), zeigt sie, wie sehr sich die vielen standartisierten Floskeln, die sie im Rahmen ihrer Tätigkeit als Tagesschau-Sprecherin immer wieder runterbeten durfte, schon in ihr alltägiches Denkschema eingeschrieben haben: Wenn (gemäß der neoklassischen oder wahlweise rational-choice Theorie) die Gesellschaft nichts ist als eine Ansammlung von Individuen, die sich halt in ihrer naturhaften Umgebung sich quasi autonom bewegen, dann müssen sämtliche Probleme eben auch durch das Verhalten der Menschen entstehen. Die Art der gesellschaftlichen Organisation kann nicht Schuld sein. Es gibt nur Biologie und Psychologie – weshalb die Psychologie ja in einigen Universitäten auch an der Biologischen Fakultät untergebracht ist.

Aber kommen wir zurück zu dem Aufsatz. Die Frauen von heute, so argumentiert sie weiter, die übernehmen sich einfach. Die sind immer am rumwuseln, Karriere und so. Das ist wohl der Normalfall. Arbeitslosigkeit gibt’s da nicht. Manchmal haben sie dann auch noch Kinder, falls ihnen grade danach ist: „Kinder sind für sie eine Option, keine Selbstverständlichkeit.“ Wenn sie dann also mal Kinder haben, dann ist das Problem auch noch nicht gelöst. Dann reichen die 24 Stunden am Tag nämlich vorne und hinten nicht aus für das, was in der feministischen Theorie als „doppelte Vergesellschaftung“ verhandelt wird. Bei Eva klingt das dann so: „Hieraus muss unweigerlich folgern, dass sie keinem der genannten Bereiche in seinen Ansprüchen gerecht werden kann. Weder in der Karriere noch in der Küche ist die Frau voll handlungsfähig, Partner und Kind kommen ebenfalls zu kurz. Nie war Zeit kostbarer als heute – und knapper.“

Der gesellschaftliche Hintergrund scheint mir dieser: nachdem sich im Rahmen der Politik der Frauenbewegung einerseits und des fordistischen Aufschwungs andererseits vermehr Frauen ins Berufleben geworfen haben, sind die dadurch noch lange nicht ihre Hausarbeit losgeworden. Das ginge ja zu weit. Regina-Becker Schmidt, die den oben erwähnten Begriff der „doppelten Vergesellschaftung“ geprägt hat, formuliert das so: „Die nach Geschlecht spezifizierte familiale Arbeitsteilung geht zu Lasten der Frauen. Das erschwert die Partizipation von Frauen an der außerhäuslichen Arbeitswelt oder an anderen Formen der Öffentlichkeit.“ Bei Eva Hermann freilich liest sich das anders: „Ziehen wir Bilanz nach fast einem halben Jahrhundert Feminismus und Frauenemanzipation. Es werden so viele Ehen geschieden wie noch nie zuvor. In immer weniger Haushalten wird regelmäßig oder gar zeitaufwändig gesund gekocht.“ Der Feminismus ist es also gewesen, der den Frauen das eingebrockt hat. Hätte der sie nicht auf die Idee gebracht, mehr vom Leben zu verlangen als eine geräumige Küche, dann würden sie jetzt noch zufrieden hinterm Herd stehen und den Kindern und ihrem Männlein die Stullen schmieren. Kein Scherz, das sagt sie wirklich, so ähnlich zumindest: „Die Frauen, die vor knapp einem halben Jahrhundert entschlossen und hoffnungsvoll dem Ruf der Emanzen und Feministinnen auf dem Weg nach weiblichem Erfolg folgten, sind im beruflichen Kampf gegen die Männer am Ende ihrer Kräfte und Ressourcen angelangt.“

Schämen sollten sie sich, diese Emanzen. Nicht nur das sie den Frauen damit schaden, sie schaden auch Deutschland, denn „so zieht eine hochzivilisierte Kultur wie die unsere sich selbst den Boden unter den Füßen weg, die Basis, die uns Halt im täglichen Überlebenskampf geben könnte: die intakte Familie.“ Was dabei auffällt, sind die vielen Biologisierungen. Das die Frau etwa sich um die Familie zu kümmert hat, deshalb also im Falle einer Berufstätigkeit halt eine Doppelbelastung rauskommen muss, stellt sie gar nicht in Frage. Mal ganz abgesehen von der Frage, warum es denn wohl eine Familie braucht, um den Menschen im „täglichen Überlebenskampf“ zu unterstützen. Denn sie benennt hier ein Problem, das ein rein gesellschaftliches ist. So sehr der Kapitalismus auch danach strebt, sich die Erde Untertan zu machen, so wenig kann ihm das gelingen. Es brauchte eine andere Sphäre, um die notwendigen Voraussetzungen herzustellen. Damit die Menschen überhaupt in der Lage sind, sich die Tortur von Arbeitswahn und Geldnot Tag für Tag reinzuziehen. Eine Sphäre, die sich um das kümmern kann, was nicht in den Begriffen von Zeiteinsparung, Effizienz und stumpfer Leistungsorientierung aufgeht. Das gesunde, zeitaufwändige Kochen etwa, von dem eben die Rede war. Diese Sphäre, so ließe sich mit Roswitha Scholz sagen, wurde „abgespalten“ und konstituiert sich so als eigenständiger „privater“ Bereich neben dem Öffentlichen. Diesen Bereich braucht es, solange wir das mit dem Kapitalismus nicht losgeworden sind. Der Kapitalismus ist sozusagen strukturell patriarchal, hat das (viel ältere) Patriarchat nach seinen eigenen Vorstellungen umgemodelt. Vielleicht war es auch andersrum, das soll hier aber nichts zur Sache tun.

Das alles sieht Hermann natürlich nicht. Lieber stellt sie die Frage, ob „unbegrenzte Selbstverwirklichung“ und weibliche Autonomie wirklich so der Weißheit letzter Schluss sind. Frauen seien nämlich „überforderte, gestresste, unglückliche und ratlose Emanzipationsopfer“, stellt sie fest und bricht für sie eine Lanze: „Keiner verteidigt das Recht auf die traditionelle Rolle als Frau und Mutter. Keiner bricht das Tabu.“ Außer Eva Hermann, die genau weiß, was für die Frau von Heute das Richtige ist: ab an den Herd.

Der Feminismus immerhin, das gesteht sie durchaus zu, ist mehr oder minder Tod. Für sie kein Grund zur Trauer, eher ein Eingeständnis des eigenen Versagens: „Heute schweigen sie schamvoll, die Kämpferinnen von einst. Vielleicht, weil sie ahnen, dass sie wesentlichen Anteil an einer verhängnisvollen Entwicklung hatten, die speziell unser Land unbrauchbar für die Zukunft macht.“ Schluchz, es ist zum heulen. Und da platzt es auch aus ihr heraus: „Wir sterben aus.“ Wegen den Emanzen. Ware Antideutsche sind das. Was Herman allerdings nicht einfällt, ist die Möglichkeit, das gerade dei ‚Doppelte Vergesellschaftung‘ eine Folge nicht des Sieges, sondern der Niederlage des Feminismus sein könnte. Und das die feministischen Vorkämpferinnen von einst eben deshalb schweigen, weil ihre Position gesellschaftlich marginalisiert, an den Rand gedrängt ist.

Dabei war auch nicht alles gut früher: „Es geht mir nicht um schwärmerische Familienverklärung, ich will weder Abgründe verlogener Behaglichkeit beschwören noch alte Unterdrückungsmuster.“ Aber es muss doch mal gesagt werden dürfen, das die „Verweigerung der Mutterrolle“ bei der Frau und die „Verweigerung der Versorgerrolle“ beim Manne eben das natürliche Gleichgewicht durcheinanderbringt. „Ich spreche von einer verlorenen Welt, die unseren Vorfahren jahrtausendelang Kraft und Halt gab, die Misserfolge und Enttäuschungen auffing und eine Quelle des Glücks sein konnte. Wo ist heute die funktionierende familiäre Rückendeckung?“

„Ein warmes Nest bauen“ sagt sie an anderer Stelle dazu. Das ist es, was für gewöhnlich als „schwärmerische Familienverklärung“ bezeichnet wird. Genau hier lauern die „Abgründe verlogener Behaglichkeit“ und die in weiten Teilen immer noch akuten Unterdrückungsmuster, die es im Leben von Eva Hermann scheinbar nur in den vergangenen Jahrhunderten zu geben scheint.

Mit der „Verweigerung der Versorgerrolle“ ist dann auch benannt, was Herman von den Männern erwartet. Und damit es nicht heißt, ich würde immer so unseriös zusammenfassen, lasse ich das einfach die FAZ machen:

„Für Männer bedeute das, keine Hausarbeiten und Kindererziehung – „nie in der Menschheitsgeschichte“ hätten sie dies freiwillig getan und seien aufgrund ihrer Veranlagungen auch nicht dafür vorgesehen. Würde das starke Geschlecht trotzdem in die Pflicht genommen, könne dies bei ihm zu Verunsicherungen und psychischen Probleme führen. Überhaupt verwundere es nicht, daß Jungen durch die Gleichbehandlung in der Schule mit zunehmendem Alter verhaltensauffälliger und gewaltbereiter würden als Mädchen.“

Das ist natürlich auch eine Interpretationsmöglichkeit: Wer von den Männern verlangt, Hausarbeit zu vollrichten, der schadet ihnen damit letztlich. Damit sind nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer Opfer des Feminismus. Aber das hatten wir ja schon. MannDat und Christian Füller würden sich freuen…

Und weil’s ihr so viel Spaß gemacht hat, hat sie aus dem Artikelchen dann auch gleich ein Buch gebastelt: „Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit“ heißt das und soll am Freitag erscheinen. Was die Debatte um ihre Position noch mal verschärft hat. Und nun wollte sie doch noch mal sagen, das sie mit der Debatte doch recht unzufrieden ist und sich „total missverstanden“ fühlt. Das zumindest berichtet heute die Welt:


„‚Die Reduzierung meiner Thesen auf den Slogan ‚zurück zum Herd‘ ist falsch‘, sagte die langjährige ‚Tagesschau‘-Sprecherin bei der Vorstellung ihres Buches. Zugleich betonte sie: ,Die Frau muss wieder Frau werden, nicht Abbild des Mannes!‘ Es seine eine weibliche Fähigkeit, ein Heim gemütlich zu gestalten. ‚Dafür sind wir zuständig‘.“

Sie wollte also gar nicht sagen, dass die Frau nur an den Herd gehört. Vielmehr ist der Haushalt als Ganzer ihr Metier. Das kann sie gemütlich gestalten, liegt ihr wohl in den Genen. Zumindest sagt sie nicht, wie das sonst funktionieren soll. Einen Unterschied ums Ganze kann ich da aber nun jedenfalls beim besten Willen nicht erblicken.

Und wo wir schon mal hier sind: der Slogan „Wir sterben aus“, den Hermann da so unverblümt in ihre Tastatur getippt hat, der hat durchaus Geschichte. Nicht nur die BILD titelte einst „Hilfe, wir sterben aus!“. Und auch der Blick hatte einst einen spannenden Artikel zum Aussterben der Deutschen, der auch unter dem Titel lief. Unter diesem Titel berichtet etwa die NPD Hannover, wie furchtbar eng es doch aussieht mit Deutschlands Zukunft. Auch zur Frage „Sterben die Deutschen aus?“ gibt es wichtige Hinweise. Das Ganze gehört zur Kampagne „Heimreise statt Einwanderung – Deutsche Kinder braucht das Land“. Klingt fast wie Rüttgers.

Ganz ähnlich sieht’s aus beim Kreisverband Mettmann, der titelt nämlich „Neuer Geburtenminusrekord! Was getan werden müßte, um das Deutsche Volk noch zu retten“ und gibt sich ebenfalls furchtbar schockiert. Die sind nur wesentlich konsequenter als Frau Hermann, scheinbar liegt ihnen das Vaterland mehr am Herzen. „Verbot für Frauen, eine Lehre zu machen“ wird dort etwa gefordert. Und natürlich „Verbot des Studiums für Frauen, weil studierte Frauen die wenigsten Kinder bekommen“. Die F.D.P. würde sich freuen. Immerhin liegt die Begründung auch ganz auf der Linie von Eva Hermann, die ja auch nicht findet, dass das irgendwas patriarchales haben könnte: „Das ist kein männlicher Chauvinismus, sondern eine zum Erhalt des Volkes notwendige Maßnahme.“ Weshalb jetzt auch die „Wiederbelebung von wirklichen abendländischen Werten wie eheliche Treue und jungfräuliche Heirat“ auf der Tagesordnung steht. Bei der NPD zumindest, bei mir nich. Is mir doch egal, sollen sie doch aussterben…

Die CDU übrigens sieht das an dieser Stelle übrigens ganz anders – zumindest in Teilen: „Nicht nur vom Standpunkt der Gleichberechtigung aus, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sei es nicht vertretbar, gut ausgebildetes weibliches Potenzial nicht zu nutzen.“ zitiert die taz Karen Knoop, Familienexptertin der Hamburger CDU-Fraktion. Und auch die Wirtschaftsjournalistin Barbara Bierach findet: „Aus ökonomischer Perspektive ist es schlichtweg dumm, wenn eine Volkswirtschaft freiwillig auf 50 Prozent ihres Talentepools verzichtet. Und das, obwohl Nachwuchskräfte fehlen, obwohl Unternehmen mit Frauen in Vorständen wirtschaftlich erfolgreicher sind.“

Da haben wir wieder die Nummer mit den zwei Haufen Scheiße. ‚Mehr Frauen in die Lohnarbeit‘ kann wohl auch nicht so ganz die richtige Forderung sein, zumindest unter dem Gesichtspunkt gesellschaftlicher Emanzipation. Erstens ist das ohnehin ein Auslaufmodell mit der Lohnarbeit und zweitens macht die ja nun in der Regel auch einfach keinen Spaß. Dann doch lieber Kapitalismus und Patriarchat abschaffen. Könnte helfen.


2 Antworten auf “Eva am Herd”


  1. 1 Karl Peters 15. Februar 2007 um 14:07 Uhr

    Ich fühle mich durch die Emanzipation verarscht!

    Hallo zusammen. Habe gerade einige Artikel zum Thema Emanzipation gelesen und dachte mir, ich gebe mal meine Meinung dazu ab:

    Will hier mal versuchen, meine Überschrift zu erkären. Ich bin in den 90er Jahren zur Schule gegangen und bin somit in einer Gesellschaft aufgewachen, in der die Emanzipation einen hohen gesellschaftlichen Wert darstellt. Ich habe eine erfolgreiche berufstätige Mutter, habe mich aber nie von ihr vernachlässigt gefühlt oder ähnliches. Will sagen, ich habe schon immer das Bild einer emanzipierten, selbstbewusten und erfolgreichen Frau vor Augen gehabt. Ich habe die Werte der Emanzipation zutiefst verinnerlicht, sie zu einem Teil meiner selbst gemacht. Das liegt auch daran, dass ich nie Lust dazu verspürt habe ein typischer Machomann
    zu sein. Ich finde, die Emanzipation sollte auch für den Mann als Befreiung von seinem alten langeiligen Rollenbild sein, das besagt, er muß in allen Bereichen Initiative ergreifen und auch noch der alleinige Brotverdiener sein. In diesem Sinne mag ich Frauen sehr, die selbstbewusst und kreativ und deswegen auch interessant sind, da sie z.B. in einem Gespräch auch eine eigene Meinung vertreten können, statt ihrem Mann nur nach dem Mund zu reden.
    Wie bereits geschrieben, bin ich in diesem Bewusstsein der Gleichheit der Geschlechter aufgewachsen. Ich habe stets versucht, mich entsprechend zu verhalten, weil ich dachte, wenn ich den Wünschen der Frauen nach einem verständnis- und respektvollen Mann nachkomme, müßte ich wohl auf jeden Fall eine nette und ehrliche Frau finden, die diese Werte bei mir zu schätzen weiß. Aber – und hier kommt mein Hauptpunkt – hierbei habe ich mich gewaltig getäuscht.
    Mittlerweile bin ich in einer kleinen Stadt Student. Ich erzähle das, weil ich meine, das gerade an der Uni emanzipatorische Werte in besonderem Maße als eine Wissenschaft vermittelt werden, das Gedankengut hier also besonders präsent ist. Dementsprechend müßten also gerade Studentinnen ein entsprechendes Selbstbild haben. Da ich mich als einen Frauen respektierenden Mann ansehe, dachte ich, meine Komilitoninnen müßten mich doch dafür mögen. Aber weit gefehlt.
    Was ich in meinem Umfeld beobachten kann – und darin möchte ich beinahe meinen kompletten männlichen Freundeskreis, die genauso denken wie ich einschliessen – ist leider das genaue Gegenteil. Wenn man als Mann verständnis- und rücksichtsvoll ist, wird man nur wie ein Idiot behandelt. Studentinnen lassen sich grundsätzlich lieber von flachen, oberflächlichen Typen flachelegen, die einfach – und das scheint ihre bevorzugte Qualität zu sein – aufdringlich genug sind und ihnen ihren Willen mehr oder weniger aufzwingen. Sogar stadtbekannte Arschlöcher, von denen jeder weiß wie respektlos sie sind, kriegen leichter Frauen für (Fick)Beziehungen ab als respekvolle Männer.
    Ich frage mich hier, wenn wir doch alle gleichberechtigt sind, wo der Eigenwille von diesen Frauen bleibt. Scheinbar sind sie einfach nur leicht zu manioulieren, aer unfähig, selbst eine eigene Entscheidung zu treffen.
    Das stellt uns Männer vor ein großes Paradoxon: Wir, die wir unsere Jugend in den 90ern verbracht haben, haben die Emanzipation von klein auf eingetrichtert bekommen und haben daran geglaubt. Verhalten wir uns aber dementsprechend, haben wir immer das Nachsehen und können beobachten, wie das genaue Gegenteil, nämlich Chauvnismus und Machotum belohnt werden.
    Wo liegt da der Fehler? Ich kann ihn nicht auf Seiten der Männer sehen, die ja nur den angeblichen Wünschen von emanzipierten Frauen nachkommen wollen, sehen, sondern einzig und allein bei den Frauen, die solch absurde Forderungen an uns stellen und diese dann offensichtlich noch nicht mal selbst verfolgen.
    Auserdem haben über 50 Jahre Emanzipation immer noch nicht zu einem aktiveren Verhalten in Beziehungsdingen bei Frauen geführt. Mein Bild einer emanzipierten Frau äre in dieser Beziehung, dass sie auch mal die aktive Rolle übernimmt und dem Mann zu verstehen gibt, ob sie ihn will oder nicht. Aber in dieser Beziehung ziehen es die meisten Frauen vor, passiv zu bleiben und den Mann die ganze Arbeit übernehmen zu lassen. Und dabei sind sie so wenig direkt oder offen, dass man als Mann niemals weiß, woran man ist.
    Die einzige Möglcihkeit, die einem Mann somit bleibt, ist sich der Frau aufzudrängen. Entweder, wenn sie den Mann attrakti findet, geht sie darauf
    ein, oder sie denkt sich insgeheim, was für ein nerviges Arschloch sie gerade am Hals hat und erzählt dies auch ihren Freundinnen. Der Punkt ist: Als Mann ist man nach wie vor dazu gezwungen, alte Geschlechterrollen weiter aufrecht zu erhalten, auch wenn man dies eigentlich nicht will. Die Emanzipation verkommt so durch das Verhalten ihrer eigentlichen Protagonistinnen zu einem unerfüllbaren Idealbild, das man nicht verfolgen sollte, da es nur negative Konsequenzen bringt.
    Nachdem bei mir Jahre lang nichts mit Frauen lief, habe ich es vor ca. einem Jahr endlich geschafft, Konsequenzen daraus zu ziehen. Seitdem nehme ich das, was mir Frauen erzählen nicht mehr so ernst und bin beim Flirten weitaus aggressiver geworden. Das Ergabnis ist umwerfend: Habe seit dem soviele Afären gehabt wie fast nie zuvor.
    Was mir dabei aber völlig fehlt ist, so kitschig das klingt, die Liebe. Habe festgestellt, dass viele Frauen überhaupt keine Beziehung mehr führen wollen, sondern viel mehr an einem Mann interessiert sind, der sowas nicht zu ernst nimmt und deshalb auch leicht wieder zu entfernen ist, da er nicht emotional envolviert ist, kurzum an einem Schwanz, der sie ordentlich fickt
    und ansonsten keine Arbeit macht.
    Ich finde das äusserst traurig, da eine Beziehung so viel mehr sein kann, aber wenn die Grundeinstellung schon nicht vorhanden ist, kann so etwas wohl nicht zustande kommen.
    So ist also meine Geschichte. Als Resumee kann ich nur angeben, Frauen sollten sich entweder wirklich emanzipieren und Männer, die diese Werte annehmen dafür hoch schätzen, sie belohnen statt zu bestrafen, oder sie sollen das alte Geschlechterbild des Mannes auch öffentlich wieder mehr akzeptieren.
    So wie die Dinge im Moment stehen, befinden wir uns in einer paradoxen Situation, in der es niemand dem anderen Recht machen kann und in der niemand glücklich und zufrieden ist.

  2. 2 Felix 25. November 2007 um 7:47 Uhr

    Du hast soooo recht. Ich hätts nicht treffender sagen können!

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