Realität oder Wunschdenken – Anmerkungen zu Christoph Spehr

Das waren noch Zeiten. Als ich 2001 noch nicht lange im wunderschönen Göttingen verweilte, stieß ich über politische und universitäre Zusammenhänge auf Christoph Spehr. Der hatte sich aufgemacht, mit unterhaltsamen Formulierungen die Debatte in der radikalen Linken zu bereichern. Er war viel im Umfeld des BUKO unterwegs und hat in dem Zusammenhang einige bis heute sehr lesenswerte Texte an den Start gebracht: Von der „Ökofalle“ über „Die Aliens sind unter uns“ bis hin zu „Gleicher als andere. Eine Grundlegung der freien Kooperation“ klang das alles sehr spannend und hat mich in meiner politischen Sozialisation in einer durchaus nicht zu unterschätzenden Intensität geprägt.

Unglücklicherweise bekam Christoph für „Gleicher als andere“ den Rosa-Luxemburg-Preis überreicht und wurde im Folgenden step by step von den Aliens eingekauft. Mittlerweile scheint er über die Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Art Politikberatung für die Linkspartei zu machen. Zu seiner Verteidigung sei allerdings gesagt, dass sich viele der Ideen, die er da in die Debatte trägt, durchaus auch in früheren Texten finden.

Ausgangspunkt ist für ihn die durchaus nicht falsche Feststellung, das es der Linken derzeit vielleicht etwas an Attraktivität mangelt. Das ist wichtig, da Menschen sich nur dann auf emanzipatorische Politik einlassen werden, wenn sie sich auch irgendwie persönlich von der ganzen Sache angesprochen werden, wenn sie sich (sei es kulturell, sei es lebensgeschichtlich) von den Idee und Anforderungen, die da an sie herangetragen werden, irgendwie zumindest abfinden, am Besten identifizieren können. Es gibt den Hang vieler Menschen, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen: „Sie machen es eben nur so lange, wie es für sie bequem ist; sonst sehen sie sich nach anderen Optionen um und wechseln, ohne mit der Wimper zu zucken und auch nur einen Finger für die alte Ordnung krum zu machen, die Fahne am Fenster, wenn eine andere Kraft gesiegt hat, für die sie auch keinen Finger krumm gemacht haben. ( … ) Irgendwann sagen sie: ‚Es reicht‘. ( … ) Sie gehen mit jedem, der weniger Druck macht.“ (Aliens, 175f)

Und da haben es die Linken natürlich schwer, stellen sie doch immer auch Anforderungen an die Menschen. Und seien es nur moralische. Das geht vielen gegen den Strich, dünken sich die Menschen doch unabhängig und selbständig. Sie „überprüfen aufmerksam ihre soziale Umwelt auf Chancen und Risiken, wobei sie Chancen ergreifen und Risiken minimieren wollen. Übergreifende gesellschaftliche Ziele stehen dabei nicht im Mittelpunkt ihres Interesses.“ So formuliert es die Pressemitteilung der Shell-Jugenstudie von 2002 über die aktuelle Generation zwischen 15 und 25. Zwar gibt es da einerseits eine Rückwendung auf traditionelle Werte wie die Familie, andererseits steht für die Befragten aber „erhöhte(s) Streben nach persönlicher Unabhängigkeit“ im Mittelpunkt. Darauf sind sie natürlich nicht alleine gekommen. An diesem Punkt sind sie von der herrschenden Propaganda von Flexibilisierung (der eigenen Lebens- und Arbeitszeit), Selbstverantwortung (für das eigene Versagen) und Unabhängigkeit (von solidarischen Absicherungen wie dem Sozialsystem) geprägt. Nur, das sie eben die Klammern weglassen (weil sie vergessen, das sie sich in einem gesellschaftlichen Zusammenhang bewegen) und die neuen Ansprüche als Freiheitsspielräume missverstehen.

In einer Antwort auf Kritiken an „Gleicher als Andere“, die darauf hinausliefen, dass es eine strukturelle Gemeinsamkeit zwischen seinem Konzept der „Freien Kooperation“ gebe, antwortete er in einem Text mit dem (heute wohl für ihn programmatischen Titel „It’s the end of the left as we know it (and we should feel fine)“ dann auch wie folgt:

„Es gehört in der Tat zur ‚Dark Side of Neoliberalism‘, dass für viele Menschen eine Situation, wo sie noch verhandeln können, sich bewegen, mobil reagieren, ihr Glück versuchen können, einer Situation vorzuziehen ist, wo Staat und soziale Kontrolle ihre Handlungsspielräume extrem gering halten – selbst um den Preis von mehr Ungleichheit. Es gibt einen Teil am Neoliberalismus, der mit Aspekten freier Kooperation spielt. ( … ) Weil er eben anknüpft an die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts: Nichts ist schlimmer, als einer allgegenwärtigen Staatsmacht gegenüber zu stehen.“

Diesen Gedanken hat nun in einem Kommentar mit dem Titel „Bitte etwas mutiger“, den er im Freitag 26/2006 untergebracht hat, aufgegriffen:
„Was der Linken aktuell vor allem fehlt, ist visionäres Kapital. Das war die Hoffnung des Sommers 2005: die Linke als die Kraft, die der Tatsache politisch Ausdruck und Macht verleiht, dass es auch ein Leben nach dem Neoliberalismus gibt. Dafür aber muss man erst mal anerkennen, was der Neoliberalismus war und für manche Zeitgenossen noch ist: ein schlüssiges Angebot. Die Neoliberalen sind rückblickend die Einzigen, die weder vor der Globalisierung Angst hatten noch vor dem Individuum und auch nicht vor den neuen flexiblen Formen der Produktion.“

Das gelte es für Spehr nun anzuerkennen und zu schauen, ob sich in diesen „neuen flexiblen Formen der Produktion“ nicht vielleicht doch auch etwas emanzipatorisches verbergen könnte: „Der Übergang zur globalen Netzwerkproduktion, die Flexibilisierung und Informationalisierung, die Explosion der Logistik und die neuen Formen individualisierter und global kollektiver Arbeit haben eine Produktivitätsdividende erbracht, die gewaltig ist. Sie ist krass ungerecht verteilt, sie ist in erheblichen Teilen nicht nachhaltig, aber sie hat auch Substanz. Heute sind daraus neue Möglichkeiten der Emanzipation und der Freiheit entstanden, die von den treibenden Interessengruppen des neoliberalen Regimes gefürchtet werden, die man ihnen entwinden muss und kann. Deshalb ist ein neues historisches Projekt fällig, und es wäre gut, wenn es ein linkes wäre.“

Das klingt ziemlich nach Michael Hardt und Toni Negri und ihrem „Empire“. Die machen sich auch auf und versuchen, in den Veränderungen der Organisations von Produktionsabläufen und Arbeitsbiographien emanzipatorische Elemente zu entdecken. „Heute haben Produktivität, Reichtum und das Schaffen eines gesellschaftlichen Surplus die Form der kooperativen Tätigkeit angenommen, die sich sprachlicher, kommunikativer und affektiver Netzwerke bedient. Indem sie ihre eigenen schöpferischen Energien ausdrückt, stellt die immaterielle Arbeit das Potenzial für eine Art des spontanen und elementaren Kommunismus bereit“ heißt es bei Hardt/Negri auf Seite 305.

Beide Konzeptionen stellen die Aspekte von Veränderungen in der Arbeitswelt in den Mittelpunkt, in denen sie freiheitliches, selbstbestimmtes Potential wittern. Das kommt der neuen Generation entgegen, die ja gerade dieses Potential ausnutzen möchte. Insofern scheint die Überlegung von Spehr jetzt erstmal nicht so furchtbar untaktisch. Allerdings setzt sie darauf, genau die selbe Verkürzung vorzunehmen, wie sie auch in der bürgerlichen Ideologiebildung vorgenommen wird.

Die Realität der neuen Produktionsformen ist nämlich eben keine, die Menschen befreien würde. Vielmehr werden sie immer enger ins Korsett des Kapitals eingebunden. Gruppenarbeit heißt nicht nur, das ich das Fließband los bin. Gruppenarbeit heißt auch, das ich mich gegenüber meinen unmittelbaren Arbeitskollegen verantwortlich fühle für jede Grippe, jeden blauen Montag, jede Minute, in der ich nicht vollkonzentriert arbeite. Das schränkt meine Handlungsmöglichkeiten real ein, anstatt sie – wie es auf dem ersten Blick aussieht – zu erweitern. Es mag ja durchaus sein, das die neuen Formen von Einbindung, wie sie Wirtschaftspolitik und Betriebsorganisation praktizieren, emanzipatorische Anliegen aus den 60er bis 80er Jahren aufgreifen. Das der fordistische Normalarbeitstag mit seinen starren und langatmigen Biographien nun wirklich nichts taugt darf nicht darüber hinwegtäuschen, das auch die postfordistische Flexibilisierung die Freiheitsspielräume der einzelnen nicht unbedingt erweitert. Der emanzipative Impuls wurde aufgenommen und integriert. Eine „Reform“ dieser Art (wenn wir sie denn so nennen wollen) wie diese beruht darauf, die Einzelnen immer mehr und immer tiefer ins Kollektiv (sei das nun der Betrieb oder die Volksgemeinschaft) zu integrieren. „Sie stärkt das, was ist, ergänzt es, verbessert es. Der Maßstab ist nicht die Subjektivität derer, die Emanzipation begehren; der Maßstab ist die Verfeinerung, Komplettierung, Perfektionierung der Gesellchaft. ( … ) Der Rest ist Hysterie“ (Aliens, 181f)

Wenn Spehr schreibt, die junge Generation praktiziere „schon heute in ihrem Lebensgefühl Aspekte einer künftigen Produktions- und Lebensweise.“ dann fragt sich, was das für eine Produktions- und Lebensweise ist. Es ist eine, in der die spezielle Form von Produktionsablauf und Lebenspraxis nicht mehr zur Debatte steht. Das Menschen sich aufeinander über ihre Arbeit beziehen, das Arbeit zum – tendenziell totalen – Vermittlungsmedium wird, steht hier nicht zur Debatte. Es ist geradezu naturhaft vorausgesetzt. Dabei ist es doch gerade diese Vermittlung, die letztich im Kapital als einem „automatischen Subjekt“ (Marx) mündet, die das Repressive der neuen Arbeitswelten ausmacht.

Die weiteren Ausführung im Kommentar bleiben so immer dunkel und mysteriös, weil sie nie genau benennen (vielleicht auch nicht benennen können?), was genau denn nun gemeint ist. Warum die Jugendlichen „emotional eine Welt vorweg“ nehmen, „in der Information und Kommunikation frei, global und gratis sind“ erschließt sich zumindest mir nicht so richtig. Sicher, sie nehmen den Vorteil mit, den es gibt. Sie praktizieren Filesharing und scheißen auf die Autorität von Staat und Medienkonzernen, die ihnen das austreiben wollen. Aber sie würden sich immer darauf zurückziehen, dass das natürlich kein allgemeiner Modus gesellschaftlicher Verteilung sein könnte. Oder darauf, das es dem Standort doch letztlich nutze, wenn die Informationen frei fließen. Gänzlich unbegreiflich ist dann auch die Vermutung, die aktuelle Lebenseinstellung ziele auf eine Welt, „in der die vielfältigen Formen individueller Produktivität zumindest teilweise durch ein gesellschaftliches Grundeinkommen abgegolten werden könnten“ – wäre dafür doch eine politische Perspektive notwendig, die den Leuten ja grade abgeht. Ebenso sehe ich nicht die Vielzahl kaum ein Beispiel, „in de(m) Arbeit tendenziell den Charakter flexibler, selbstbestimmter Projekte annimmt“. Und auch das „transnationale Mobilität selbstverständlich und durch globale soziale Rechte abgesichert“ widerspricht doch eher Feststellungen der Shell-Jugendstudie wie dieser: „Die meisten Jugendlichen sind nunmehr der Meinung, die Zuwanderung nach Deutschland müsse begrenzt werden.“ Da ist nicht viel mit transnationaler Mobilität, außer vielleicht wenn es um die eigene geht, wie die Studie an anderer Stelle bemerkt. Recht hat er sicherlich mit der Feststellung, das „diese jüngere Generation ( … ) bei keiner Partei und keinem Projekt bleiben (wird), das dazu quer liegt“. Dieses „dazu“ allerdings bezieht sich real auf ihre apolitische und ungesellschaftliche Orientierung auf das eigene Interesse. Solange die Menschen nicht wieder lernen, Gesellschaft als Gesellschaft zu denken – und nicht als Ansammlung von unabhängigen Individuen, deren einziger Zusammenhang ein naturfhafter (Familie, Nation) sein soll.

An der Stelle kommt Christoph Spehr dann allerdings auf ein altes Problem zurück. Wenn er fordert, die LInke müsse „Vorschläge machen, wie globale Kapital-Mobilität von einer zerstörerischen Erpressungsmaschine wieder zu einer gesellschaftlich kontrollierten, sozial abgewogenen Rationalisierung der Produktion werden kann“, dann ignoriert das zweierlei:

Einerseits, das Jugendliche „bezüglich der Möglichkeit, den Prozess der Globalisierung zu beeinflussen ( … ) vorrangig auf Internationale Organisationen, wie die UN oder – an erster Stelle – auf die EU“ vertrauen – wie im Teil zu „Europa und Globalisierung“ der Shell-Studie nachzulesen ist. „Auch den nationalen Regierungen wird diesbezüglich eine wichtige Bedeutung beigemessen. Globalisierungs-Kritiker, wie Attac, oder auch Verbraucherschutzorganisationen, wirken aus der Sicht der Jugendlichen eher als Korrektiv oder Gegenöffentlichkeit, ohne jedoch von der Mehrheit als gestaltende Kraft eingeschätzt zu werden.“ Da gibt es keinen sichtbaren Bedarf, ein konsistentes Regulationsmodell vorzulegen. Ihren Interessen geht die moderne Jugendliche privat nach. Politik hat lediglich die gemeinschaftlichen Interessen zu verwalten. Da haben partikulare Interessensgegensätze und politische Streitereien außen vor zu bleiben. Da muss im Sinne des großen Ganzen agiert werden.

Wenn linke Politik also mit Christoph Spehr darauf besteht, „dass es heute wie auch in einer künftigen Welt Konflikte zwischen Hand- und Kopfarbeit, zwischen sozialen und industriellen, zwischen kreativen und materiellen, zwischen privaten und öffentlichen Arbeiten gibt – Konflikte, die im Geiste von Freiheit und Gleichheit ausgehandelt werden müssen“ dann verstößt sie gerade damit gegen das Dogma derer, die sie ansprechen will: das es in einer warenproduzierenden Gesellschaft notwendiger Weise Interessensgegensätze will das bürgerlich-jungdynamische Bewusstsein nicht mehr zur Kenntnis nehmen, es weigert sich geradezu dagegen, den Gedanken auch nur zu in Betracht zu ziehen. Denn damit wäre ausgesprochen, dass diese Gesellschaft eben nur eine von vielen Möglichkeiten ist.

Womit wir beim zweiten blinden Punkt wären. So sehr Spehr betont, das es die handelnden Subjekte sind, die den Laden letztlich vorantreiben und auf die sich linke Politik deshalb einlassen müsse, so sehr verliert er aus dem Blick, wie diese Subjekte und ihre Lebensrealität konstitutiert sind. Es sind kapitalistische Subjekte in einer warenproduzierenden, kapitalistischen Gesellschaft. Und da gibt es neben einer Vielzahl von Ideologien auch eine Vielzahl objektiver Zwänge. Die nicht naturhaft sind, wie die zugehörigen Ideologien es weißmachen möchten. Aber die eben trotzdem vorhanden sind und die gemeinsam die Sichtweise der Menschena auf die Welt prägen. Es gibt keinen „spontanen und elementaren Kommunismus“, wie ihn sich Hardt/Negri herbeiwünschen. Auch wenn das schön wäre. Aber da müssen wir schon mehr für tun.

Und es reicht eben auch nicht, ein paar Vorschläge zur besseren Regulation zu machen, weil es ja kein Ganzes geben würde, das abzuschaffen wäre. Denn das gibt es. Sicherlich lässt es sich nicht abschaffen, per Befehl oder Gesetz aus der Welt schaffen. Aber es lässt sich durch eine veränderte Form sozialer Praxis von unten überwinden. Einer Praxis, in der sich Menschen als Menschen und direkt aufeinander beziehen. Und nicht als Zeitquanta und Anhängsel einer selbstbezüglichen Maschinerie.

Solange emanzipatorische Politik nicht in der Lage ist, diese Denkschranken zu durchbrechen, die Besonderheit und Absurdität dieser ganz spezifischen Lebensweise zu zeigen, die Denkbarriere aufzubrechen (und das in Theorie und Praxis) wird sich da nicht viel ändern lassen. Darum braucht es eine „Kritik der politischen Ökonomie“ wie sie etwa vom ollen Marx vorgelegt wurde. Nicht als ökonomistische Beschreibung der Gesellschaft, wie Christoph es ihr immer wieder unterstellt. Sondern als soziologische Beschreibung der Handlungsmodi und Gedankenformen, derer sich die Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft bedienen.

Spehr schreibt in der „Freiheit des Baumkängeruhs“ über eine an Marx orientierte Theorie, dass der „Begriff von Emanzipation, der in diesem Zusammenhang angeboten wird, ist abgestanden und von einem geradezu klinischen Charme (sei). Er ist ökonomistisch verkürzt und für die Fülle von Emanzipationskämpfen so nicht brauchbar. Die Linke hat es zugelassen, daß sie von einem Altherren- Freiheitsbegriff dominiert wird, dem alles Destruktive, Wilde, Aufrührerische dialektisch ausgetrieben wurde“. Und er formuliert damit eine Kritik an einer Form von Marxismus, die ich so auch teilen würde. Nur heißt dass nicht, das damit auch Marx gleich erledigt wäre. In dem steckt mehr, auch wenn die Altherren das oft nicht wahrhaben wollen. Indem Christoph das übersieht, macht er es am Ende dann auch nicht viel besser als eben diese Altherren. Schade.

Literatur:

Hardt/Negri: Empire. Die neue Weltordnung. Frankfurt/Main 2002
Spehr, Christoph: Die Aliens sind unter uns. Herrschaft und Befreiung im demokratischen Zeitalter. München 1999
Spehr, Christoph (Hrsg.:) Gleicher als andere. Eine Grundlegung der freien Kooperation. Berlin 2003


2 Antworten auf “Realität oder Wunschdenken – Anmerkungen zu Christoph Spehr”


  1. 1 Benni Bärmann 07. Oktober 2006 um 20:43 Uhr

    Ich finde Du stellst da zwei Dinge gegenüber, die auf ganz unterschiedlichen Ebenen funktionieren. Christoph spricht von „Emotionen“ und Erfahrungen, die Shell-Studie versucht das in eine empirische Studie zu kanalisieren. Da geht viel bei den Bach runter, z.B. wird doch logischerweise von Leuten ohne theoretisschen Background gerne sich unkritisch einer Sprache bedient, die sie eigentlich nicht wirklich meinen können, weil sie eben der eigenen Lebenswelt fremd ist aber halt durch das allgemeine Geschwätz so nachgeplappert wird. So würde ich es werten, wenn davon gesprochen wird die EU oder die UN machen zu lassen. Das sagen die halt, weil es von den beiden im herschenden Diskurs angebotenen Alternativen noch die nettere zu sein scheint.

    Übrigens danke, dass Du keimform.de verlinkt hast. Wir haben noch keine bloglinks, weiss auch nicht ob wir das machen, müssen wir mal drüber nachdenken. keimform.de wird im übrigen nicht nur von Stefan und mir gemacht auch wenn bisher nur wir zwei gepostet haben. Zur Zeit sind wir zu viert hoffen aber noch mehr zu werden.

  2. 2 Administrator 08. Oktober 2006 um 14:38 Uhr

    Das Leute unkritisch Begriffe nachplappern, will ich gar nicht bestreiten. Nur ist es nicht nur das. Es gibt ein vorherrschendes Denkmuster, das die individuelle, persönliche, konkrete Ebene strikt von der gesellschaftlichen, politischen, allgemeinen Ebene trennt. In dieser Logik ist die politische Ebene dann eben auch für das Allgemeine zuständig, soll also Rahmenbedingungen setzen, sozusagen das Allgemeininteresse vertreten. Unterschiedliche politische Ansichten und Einstellungen mag es dabei auf der individuellen Ebene immer geben, nur sind die eben auch als persönliche Ansichten zu betrachten. Partikularinteressen, sozusagen. Und solange im Massenbewusstsein – vielleicht mehr denn je – der Link zwischen diesen beiden Bereichen fehlt, werden Versuche linker Politik, die diesen Denkschritt voraussetzen, m. E. auch scheitern müssen.

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