Selber Schuld

Manche sind wirklich selber schuld. Michael Broers zum Beipiel. Der glaubte nicht an die Revolution und betrat deshalb ersatzweise einen Lotto-Laden. Broers allerdings belies es nicht beim olympischen „dabeisein ist alles“ sondern gewann mal locker-flockig 2,7 Millionen Deutschmark. Das hat er natürlich nicht – wie immer mal wieder berichtet wird – hemmungslos auf den Kopf gehauen. Er hat es vielmehr investiert. In ein Autohaus, in dem er mehr oder minder seine komplette Familie untergebracht hat. Und das Autohaus ist dann halt Pleite gegangen. Heute lebt Broers von Hartz IV. Das zumindest berichtet uns Spiegel Online.

Von den 2,7 Millionen DM, was ja auch in Euro umgerechnet jetzt nicht so furchtbar schlecht wäre, hätte er bis zum Ende seines Lebens vermutlich recht ordentlich leben können – und weite Teile seiner Familie ebenfalls. Aber vom Wahn befallen ein auf Teufel komm raus ein produktives Mitglied der Gesellschaft sein zu wollen hat er das versucht, was in dieser Gesellschaft das bestimmende Prinzip ist. Er hat versucht, aus einem Euro zwei zu machen, aus zwei Millionen drei. Dabei ist er unglücklicherweise gescheitertert. Merke: niemals arbeiten, wenn es nicht unbedingt sein muss!

Ich für meinen Teil hätte sichere Anlagemöglichkeiten für die Kohlen, von meiner Altersversorgung mal ganz abgesehen. Den Weltladen in Göttingen etwa, den Roten Buchladen, den Theaterkeller oder unterstützenswerte politische Projekte wie die Krisis oder die Exit. Bis vor kurzem hätte sich sicher auch noch das Junge Theater unterstütz, aber seit die auf Heimatfront machen, sind die von der Liste gestrichen. Bleibt mehr für die anderen über, wenn ich demnäxt mit den sechs Richtigen nach Hause gehe. Jetzt müsste ich nur noch zu spielen anfangen…


5 Antworten auf “Selber Schuld”


  1. 1 MPunkt 08. Oktober 2006 um 19:49 Uhr

    Hmmm, wie kommst Du denn jetzt auf „vom Wahn befallen ein auf Teufel komm raus ein produktives Mitglied der Gesellschaft sein zu wollen“? Du schreibst doch selbst gleich im Anschluss, dass es in einer Gesellschaft, in der Geld das einzige Zugriffsmittel auf den gesellschaftlichen Reichtum ist, weil von diesem erst einmal jeder durch das staatlich aufgeherrschte Eigentum getrennt wird, sehr vernünftig ist, das Geld nicht zu verprassen (danach ist es nämlich mit dieser Zugriffsmöglichkeit vorbei), sondern es auszugeben, um es zu vermehren. Klar kann dieses Vorhaben auch scheitern – wahnsinnig wird es aber dadurch noch lange nicht.

  2. 2 Administrator 08. Oktober 2006 um 21:55 Uhr

    naja, aber wenn ich so ne million euros habe, dann reicht das auch, ohne es noch zusätzlich zu vermehren, oder? sind ja jetze nich unbedingt peanuts, würde ich meinen…

  3. 3 herumspringen 08. Oktober 2006 um 22:55 Uhr

    das jt sagt, heimatfront hat mit nazis nichts zu tun: http://herumspringen.blogsport.de/2006/10/08/heimatfronten-die-zweite/

  4. 4 MPunkt 09. Oktober 2006 um 0:39 Uhr

    Da weiß ich jetzt immer noch nicht, was da der „Wahn“ sein soll, im Kapitalismus ein kapitalistisches Unternehmen aufzuziehen. Um das sinnvoll machen zu können, ist ja (normaler Weise) einiges an Startkapital nötig. Schließlich müssen Maschinen angeschafft, Räume gemietet und hergerichtet, Arbeitskräfte gekauft, stark Werbung gemacht etc. werden, damit das Geschäft überhaupt erst einmal ins Laufen kommt. Da kann man immer sagen: die hätten von dem Geld, was sie als Startkapital eingesetzt haben, aber ne ganze Weile ein auskömmliches Leben führen können. Allein: das ist dann eben früher oder später weg – und es sind auch schon mehrfach Lottospieler auf diesem Wege ihr gewonnenes Geld recht schnell wieder losgeworden. Wenn das hingegen mit dem kapitalistischen Unternehmen klappt, hat man eine permanente Einnahmequelle – und gilt dann als der Hero, der sich nicht auf seinem Geld ausgeruht, sondern selbst (nunja …) was geschaffen hat und damit auch noch Arbeitsplätze blablabla. Scheitert das, ja dann wäre es im Nachhinein eben schlauer gewesen, sich von dem Geld ein paar Jahre ein auskömmliches Leben zu machen. Aber letztlich am Ausbleiben des Erfolgs jetzt Wahn festzumachen … tss tss tss.

    P.S.: Dem „normalen“ Umgang mit Geld, wenn man irgendwie mal an welches kommen sollte :( , ist das vom Prinzip her übrigens gar nicht so unähnlich. Wenn man es in Aktien anlegt, dann kauft man sich ja Anteile an Firmen, die auch genau dasselbe vorhaben, nämlich aus Geld mehr Geld zu machen, um an deren Geschäft beteiligt zu sein. Und auch die können selbstverständlich scheitern. Oder man legt es gegen Zinsen auf einem Sparbuch an … und wie kommen die Zinsen zustande? Weil die Bank es gegen mehr Zinsen an kapitalistische Unternehmen verleiht, welche diese aus ihren erwarteten Gewinn decken sollen und wollen. Und auch die können scheitern und die Banken dann über „faule Kredite“ rumheulen. Okay, hier kommt dann heutzutage der Staat mit rein, der durch Bankgesetze und Bankenaufsicht dafür sorgt, dass man im Normalfall auch sein Geld von der Bank wiederbekommt (schließlich soll man es denen ja anvertrauen; vom Prinzip her kann man aber sein Geld auch so loswerden. Auch alles Wahnis?

  5. 5 Administrator 09. Oktober 2006 um 10:21 Uhr

    @mpunkt

    naja, bei zinsen und sparbuch gibt es schon nicht so das risiko. zumindest kann ich mich an keine sparkass erinnern, die in den letzten 30 jahren pleitegegangen wäre. ansonsten bin ich ja in mathematischer hinsich eher eine nulpe, aber mir und meinem rechner hat sich das wie folgt dargestellt: es gibt bestimmt 70000 pro jahr bei der städtischen sparkasse (bei 5 % zinsen auf 2,4 Mio €). und das sind dann 5800 pro monat. wenn ich mich hier und da ein wenig einschränken würde, täte mir das schon reichen. und dann wären auch immer noch großzügige spenden an regionale subkulturelle projekte drinne…

    ich würde also meinen (vorbehaltlich diverser rechenfehler): mensch kommt mit den kohlen auch ohne arbeit und unternehmensgründung aus. wenn dann noch leute auf die idee kommen, trotzdem unbedingt arbeiten zu müssen (soll es ja geben), dann könnte das ja durchaus mit der gesellschaftlich durchgesetzten ansicht, erst die arbeit würde den menschen zum menschen machen, zusammenhängen. und von der würde ich tatsächlich behaupten, das sie wahnhafte züge hat. weil es da nicht mehr um das objekte interesse geht, das ich halt schuften muss, damit meine chefin mir die kohlen rüberschiebt. da geht es dann eben um den irrglauben, ich würde irgendwie darin aufgehen, dinge in fremdem auftrag und für (bestenfalls) fremde interessen zu tun.

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