Bücher, Wissen, Ware

Bücher sind schon was tolles. Da steht unheimlich viel drinne, Informationen häufig, manchmal auch nur einfach Schönes. Manche Bücher habe ich in meinem Zimmerchen im Bücherregal stehen, andere in der WG-eigenen Fachbibliothek im Flur. Wieder andere kriege ich über Stadt- und Universitätsbibliotheken. Den Rest – und hier hört es auf Spaß zu machen – den Rest muss ich kaufen, um anschließend in ihm lesen zu können. Das hat natürlich – gesellschaftlich betrachtet – nicht unbedingt positive Folgen für die Verbreitung von Wissen. Und das, wo wir doch angeblich in einer Wissensgesellschaft leben. Da müsste doch eigentlich jedes Wissen möglichst vielen – will sagen: allen – Menschen zugänglich gemacht werden. Stattdessen wird der Kram nur für teuer Geld anderen zugänglich gemacht. Eine kluge Göttinger Unigruppe sagte einst: „Wo Bildung zur Ware wird, wird Wissenschaft zur Farce.“ Womit sie sicherlich recht hatte.

Nun gibt es gerade durch moderne Kommunikationstechnologien wie das Internet auch die technischen Möglichkeiten, die Informationen allen immer Zugänglich zu machen. Was natürlich nicht passiert, von den Leuten mal abgesehen, die sich über Google oder Amazon ihre Bücher jetzt online kaufen. Natürlich gibt es Formen etablierter Internetpiraterie wie Filesharing, die dem potenziell entegegentreten können. Und immer wieder gibt es dann mal lustige Formen des kleinteiligen Widerstandes, wie etwa von der Wiener Künstler „ubermorgen.com“. Die haben jetzt Amazon auf dem Kieker. Dort kann eins nämlich über Suchbegriffe Textstellen aus Online-Büchern einsehen, immer nur einige Seiten. Was also macht die kluge Anarchistin:

„Mit dem Service, den Amazon Deutschland seit Sommer 2005 anbietet, kann im Volltext von mittlerweile über 250.000 Titeln gezielt nach Stichwörtern gesucht werden. Das ist mehr als der Bestand einer mittelgroßen Stadtbibliothek. Als Suchergebnis bekommt der Kunde die Seiten, auf denen sein Suchwort auftaucht, auf den Bildschirm. Zu sehen gibt es jedoch nur einen kurzen Ausschnitt – mehr als ein oder zwei Mal vor oder zurück blättern ist nicht drin. Das Ganze ist schließlich als Leseprobe gedacht.

In diese Hintertür haben jetzt ubermorgen.com ihren Netzkünstler-Fuß geschoben. Eine von Projekt-Programmierer Paolo Cirio gebaute Hack-Software bombardiert Amazon so lange mit strategisch platzierten Such-Anfragen, bis es alle Seiten eines Buches beisammen hat. Diese setzt es dann zu einer vollständigen digitalen PDF-Version zusammen, die herunter geladen und weiterverteilt werden kann.“ (ZeitZünder)

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