AStA jetzt lustig!

In diesem Semester zahlen die Erstis zum ersten mal Studiengebühren. Was sie nicht davon abhält, seltsam grölend durch die Innenstadt zu ziehen (großartig ist da vor allem der Smash-Hit: „Wir sind Wiwi-holiker“. Selten so gelacht ob unbündiger Kreativität). Ab dem näxten Semester jedenfalls sind dann alle dran. 500 Euro Studiengebühren plus 200 Euro sonstige Gebühren und Beiträge werden dann fällig. Und weil das nicht nur in Göttingen so ist, sondern in ganz Niedersachsen – und noch in einigen anderen Bundesländern – gibt es Planungen für einen Studiengebührenboykott. Infos dazu gibt es auf den Seiten der jeweiligen Asten, also etwa für Göttingen, Oldenburg, Hannover oder Braunschweig. Nein, das war ein Scherz. Keiner der Asten stellt Infos dazu zur Verfügung, lediglich beim Basisdemokratischen Bündnis aus Göttingen gibt es sowohl einen Artikel zu dem Thema als auch ein FAQ zu Fragen des Boykottes. Mal ganz von der letzten Ausgabe der BB-Publikation abgesehen…

Das verwundert schon ein wenig, denn sooo verschlafen wirken die meisten Asten auf den ersten Blick gar nicht. Das der AStA in Göttingen dazu nix publiziert, verwundert zumindest nicht. Denn erstens gibt es für sowas ja die Opposition, die sich fleißig Tag für Tag in die Mensa stellt und Öffentlichkeitsarbeit macht – da können sich die hochbezahlten MitarbeiterInnen des AStA auch anderen Themen widmen. Dem erstellen von lustigen Umfragen unter Studierenden, bei denen zunächst als einziges Studienfach „Saufen“ gewählt werden darf (Bild groß):

Oder bei dem sich die Auswahl der Veranstaltungen auf „Biertrinken Ia“ und „Schnapsbrennen I“ beschränkt (Bild groß):

Wenn Schwarz-Rot-Kollabs das machen würde, wäre es wenigstens lustig. Aber von den seriösen Typen mit Stock im Arsch klingt das doch eher befremdlich. Stelle mensch sich einfach mal Weshalb sie die Auswahl auch mittlerweile nicht nur erweitert, sondern auch um Anspielungen auf burschenschaftliche Saufrituale erleichtert haben. Verwundern tut es trotz allem aber nicht. Schließlich sind Kai-Horge-Oppermann und Christian Zigenhorn bereits im Oktober 2004 mit ihrem Erlebnisbericht von einer 20-stündigen Fahrt mit dem Semesterticket quer durch Niedersachsen sowohl berühmt als auch berüchtigt geworden. Damals gab es viel zu lachen, schließlich haben die die Jungs und Mädels ordentlich gebechert.

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„Um die Stimmung zu heben, schenkt Kai 10,5-prozentigen Erdbeer-Limes aus. Fundamentale Unterschiede zur Deutschen Bahn lassen sich am Ende nicht feststellen. Auch sauberer als die DB-Züge ist der Metronom nicht. Daran tragen neben der Schwerkraft aber auch Kais Rucksack und Andreas Unkonzentriertheit beim Heben desselbigen über ein rot gefülltes Schnapsglas Mitschuld.

( … )

Wir erreichen Braunschweig Hauptbahnhof. Hier haben wir 41 Minuten Aufenthalt. Genug Zeit, um Kai
zur Tankstelle zu schicken, um eine Flasche Sauren zu kaufen. Die wird uns später noch gute Dienste erweisen.“

Und wenn die Astis sich nicht gerade hemmungslos breitsaufen, kriegen sie sogar manchmal ganz tolle Dinge hin. Naja, sie kriegen Dinge hin. Das „Alternative Vorlesungsverzeichnis“ zum Beispiel. Dafür kriegen wir dann allerdings mit voller Wucht zu spüren, welchen Ideologien so ein armes ADF-Würstchen ausgesetzt ist. Der Herausgeber, Hochschulreferent Sebastian Ehricht, preist besonders gerne seine persönlichen Heroen, nämlich Peter Lösche, an: „Und da der gute sehr bald in Pension geschickt wird, können wir nur nachdrücklich empfehlen, mal den Mann hinter den TV-Interviews live zu genießen“. Da spricht der autoritäre Charakter. Wer Uniseminare besucht, um Stars in der Manege zu erleben, sollte lieber Zirkusdirektor werden als Hochschulpolitischer AStA-Referent. Und wie das so ist, liegen autoritärer Charakter auf der einen und herrschaftsförmige Denkmuster auf der anderen Seite oftmals nicht weit auseinander. Weshalb uns Seppl Ehricht auch in seinen Erläuterungen zur Veranstaltung „Die ‚Orientalisierung‘ Frankreichs im 19. Jahrhundert“ auch gleich mit seinen intimsten Gefühlen vertraut macht: „Orient, wer denkt da nicht an einen Harem? Na? Wenn das nicht die Phantasie anregt…“ Nun bin ich natürlich froh, das er beim Orient nicht als erstes an Attentäter, Terrorgefahr und dergleichen mehr denkt. Das er nun aber ob einer kulturtheoretischen Auseinandersetzung um die Wechselwirkungen von unterschiedlichen kulturellen Identitäten und Weltbilder gleich an Sex denkt, lässt tief blicken. Bei Wikipedia übrigens findet sich in dem Bericht über den „Orient“ keine Hinweise auf einen Harem. Zur weitergehenden psychologischen Deutung sei auf Sigmund Freud verwiesen.

Vielleicht war ihm aber auch bloß nicht klar, das der Orient durchaus auch was mit dem Islam zu tun haben könnte. Denn der kommt bei ihm nicht so gut weg, handelt es sich dabei doch schließlich um eine kriegerische Religion. Das schreibt er nicht so direkt, lässt es durch die Blume aber durchblicken. Über den Hinduismus etwa bemerkt er, dieser sei „im Geggensatz zum Islam sicher etwas ruhiger“ und behauptet für den Buddhismus, für ihn gelte „das gleiche wie beim Hinduismus. Eine friedliche Religion“. Was dann ja wohl heißt, das der Islam nicht so sonderlich friedlich ist.

Gänzlich abgedreht wird es dann aber, wenn er über die „Einführung in die Soziologie“ spricht: „Es riecht nach Alt-68ern und verrauchten Kommunen, aber sicher kann man auch was lernen, das mit etwas Transferleistung auch heute noch irgendwie anwendbar ist.“ Nun handelt sich es sich bei der Soziologie, wie ein Politikstudi wie Ehricht eigentlich wissen sollte, nicht unbedingt um eine rein historische Wissenschaft. Und das heißt auch nicht Sozialismus. Oder Esoterik. Da steht: Soziologie. Und das ist – Wikipedia hilft weiter, nichts weiter als dies: „Die Soziologie ( … ) beschreibt und untersucht die Struktur-, Funktions- und Entwicklungszusammenhänge der Gesellschaft.“ Sehr schön gibts das auch bei Max Weber. Bei dem nämlich ist die Soziologie „eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“ Was genau daran jetzt mit verrauchter Kommune zu tun hat, erschließtlich sich zumindest mir nicht unmittelbar. Nicht zuletzt, weil ja Max Weber nicht gerade als Vordenker der 68er bekannt geworden ist. Der gilt zwar als Vater der Soziologie, hat aber neben Philosophie vor allem Nationalökonomie und Jura studiert – beides nicht grade studentenbewegte Studiengänge.

Trotz allem – und auch das finde ich lustig – sollte unsereins sich auch mal mit Weber beschäftigen. Sagt Ehricht. Weil, „der wird ja von bestimmten Kreisen ständig zitiert, so daß man eigentlich keine Lust mehr hat, sich mit ihm zu befassen. Aber da er ja immer noch ständig zitiert wird, scheint an ihm doch noch was dran zu sein.“ Nun weiß ich nicht, in welchen Kreisen sich Ehricht so aufhält, das ihm da dauernd einer was vom ollen Max Weber vorsabbelt. Mir jedenfalls passiert das doch eher selten. Vermutlich gibt es in seinem Harem… nein, lassen wir das. Zwischendurch hatte ich ja mal gedacht, er hätte Max (Weber) mit Marx (, Karl) verwechselt. Und das ganze als Spitze gegen die Göttinger Linke gemeint. Dann allerdings würde er ja zugeben, das es sinnvoll wäre, sich mal wieder mit Marx auseinanderzusetzen. Und ob ihm sowas über die Lippen resp. über die Feder käme, würde ich ja doch bezweifeln wollen.

Was lernen wir nun aber daraus? Richtig. Das die ADF wohl auf dem richtigen Weg ist, bei den näxten Uniwahlen Ende Januar die absolute Mehrheit zu kriegen. Denn bei dieser fast schon ekeligen Mischung aus hemmungsloser Naivität und purem Ressintement, da ist der sicher so gut wie in der Tasche. Leute, die während der O-Phase grölend durch die Innenstadt ziehen, sind Erniedrigung gewohnt. Und das brauchen sie auch, nicht nur weil sie jetzt alle Bachelor studieren müssen (ließe sich kaum aushalten, wäre der Rücken nicht schon vorher ordentlich gekrümmt). Sondern eben auch, damit Basti Ehricht, Christian Zigenhorn und Kai Horge Oppermann auch im näxten Jahr wieder auf die Kosten von der Göttinger Studierendenschaft saufen gehen und reaktionären Müll verbreiten können.


1 Antwort auf “AStA jetzt lustig!”


  1. 1 Herbert 22. Dezember 2010 um 22:23 Uhr

    Und sie regieren immer noch.

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