Komm zum Bund!

Über die Bundeswehr schreibe ich besonders gerne. Weil sich an der immer wieder zeigt, das es Bösartigkeiten und Kriegsverbrechen nicht nur in Amiland gibt. Da ist zum Beispiel die Geschichte von Murat Kurnaz, der von der Bundeswehr in einem US-Gefängnis gefoltert wurde. Auch früher gab es ja immer schon mal lustige Geschichten, Videos von Vergewaltigungen und dergleichen mehr. Da haben deutsche Soldaten mit obszönen Gesten vor Totenschädeln fotografieren lassen. Was nach allgemeiner Einschätzung unter die Rubrik „Leichenschändung“ fällt. Jetzt geht die Angst um. „Radikale Kräfte“, so gibt der afghanische Wirtschaftsminister (!) bei Spiegel-Online zu Protokoll, könnten „gegen die westlichen Truppen oder speziell gegen die Deutschen“ irgendwie Groll hegen. Was selbstverständlich völlig überflüssig sei, denn schließlich hätte die Bundeswehr „einen exzellenten Ruf im Land“. Und so ein exzellenter Ruf darf schließlich nicht wegen so ein paar Einzeltätern in Gefahr geraten.

Er bekommt Unterstützung vom Verteidungsminister: „Wer sich so verhält, der hat in der Bundeswehr keinen Platz.“ Schließlich ist die Bundeswehr eine grundgute Zusammenkunft friedensliebender und empathischer Menschen, mit einem Übermaß an Humanismus ausgestattet und schießt eigentlich auch nur mit Gummibärchen. Und überhaupt ist ja auch noch gar nicht klar, ob das alles überhaupt so schlimm ist. Es sei nämlich möglich, so berichtet das Verteidigungsministerium, „dass die Leichenteile in Afghanistan gar nicht in einem herkömmlichen Grab lagen, sondern von den Soldaten gefunden wurden.“ Er scheint vielmehr so, „dass der Schädel vermutlich aus einem Massengrab im Süden Kabuls stammen könnte.“ Und was liegt da näher, als sich mal ordentlich in Kampfausrüstung daneben fotografieren zu lassen? Richtig, nichts. Für Bundeswehrsoldaten zumindest. Wegen Humanismus, Empathie und Friedensliebe. Vielleicht auch wegen der Gummiebärchen, das ist aber noch nicht bestätigt.

Ein bisschen besorgt ist die bürgerliche Öffentlichkeit allerdings schon. Es könnte da ein Problem mit der Führung geben, mit der „inneren Führung“ um genauzusein. Wir erinnern uns: Seit der deutschen Armee kein Führer mehr vorsteht, hat diese die Führung notgedrunken nach innen verlegt. Weshalb jetzt jeder fertig ausgebildete Humanist in Grün selber dafür verantwortlich ist, das es auch niemand mitkriegt, wenn er mal wieder Fotoshootings oder Video-Sessions macht. Das scheint jetzt nichtzu klappen, denn: „Für die Bundeswehr ist dies der zweite Fall, mit dem sie in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geriet.“ Der andere Fall ist der von oben.

Nun ist aber noch nicht aller Tage abend. Der Führer von außen wird gar nicht gebraucht, schließlich sei die Bundeswehr ja lernfähig, so Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan (laut Spiegel):

„Seit 1995 seien deutsche Soldaten im Auslandseinsatz, seit 2001 in Afghanistan. Die Belastungen für die Soldaten der Bundeswehr seien seit den ersten Auslandseinsätzen vor elf Jahren unvergleichlich höher als davor. Darauf reagiere die Bundeswehr, lerne dazu und steuere ständig nach.“

Deshalb hat es wohl auch so lange gedauert, bis es endlich mal zu ordentlichen Exzessen kam. Die Jungs brauchten halt ein bissel um sich einzugewöhnen. Jetzt fühlen sie sich aber so richtig heimisch, und da kann’s losgehen. Das bestätigt auch der Präsident des Reservistenverbandes, Ernst-Reinhard Beck in der Süddeutschen Zeitung: „Es gibt ein Problem bei der Vermittlung der ethischen Seite des Soldatenberufs. Wir sind stolz auf unsere Tradition der Inneren Führung, auf das Leitbild vom Staatsbürger in Uniform.“

Diese ethische Seite, bei der es sich zweifelsohne nicht um das Erstellen makabrer Fotographien, sondern um das Erschießen selbstverständlich barbarischer Elemente auf Seiten des Feindes geht, soll nun gestärkt werden. Wegen dem Grundgesetz und dem verfassungsmäßigem Auftrag, sie wissen schon.


2 Antworten auf “Komm zum Bund!”


  1. 1 VM 28. Oktober 2006 um 15:10 Uhr

    Hallo,

    „Staatsbürger in Uniform“ wie wunderbar dieser Begriff doch klingt. Leider ist er mittlerweile überholt, heute sind auch „Staatsbürgerinnen in Uniform“. Nun ist es für die „StaatsbürgerInnen ohne Uniform“ oft schwerige die Innenverhältnisse dieser „demokratischen“ Armee zu durchschauen.
    Eine Frage die sich nie gestellt wird ist, was sind das eigentlich für Leute, die in dieser Armee dienen? Sind es irgendwelche konservativen PatriotInnen (allerdings würde ich solchen Leuten keine Waffe in die Hand geben), sind es rechtsradikale WaffenfetischistInnen (denen erst recht nicht) oder sind es wie in der Öffentlichkeit immer propagiert, „verantwortungsbewusste“, bürgerliche Mitglieder mitten aus der Gesellschaft.
    Nun, ich denke alle drei eben genannte Gruppen sind vertreten. Allerdings wird eine ganz andere Gruppe immer gewichtiger. Meist schulisch und/oder beruflich erfolglose Männer, irgendwo zwischen „neuer Unterschicht“ und Mittelstand. Für sie sind „Friedenseinsätze“ sehr realistische Ballerspiele. Zur Armee gehen sie, weil sie wo anders keine Chance haben und ist doch cool, sie bekommen Waffen und Munition und damit Macht, die sie niemals in ihrem langweiligen Leben in irgendeinem Kaff bekommen hätten.
    Gut, mache überstehen die Grundausbildung nicht, weil sie Problem mit ihrem Gewicht oder ihrem Allgemeinwissen haben, aber davon wird sowieso nicht viel verlangt.
    Die, die es schaffen werden dann in irgendein Land geschickt, dass die meisten nicht mal richtig aussprechen, geschweige denn schreiben können. Hier erleben sie dann die Wirklichkeit. Langweile, bei gleichzeitig ständiger Angst vor Überfallen und Anschlägen. Dazu ein belastendes Wohnumfeld und natürlich ein permanenter Mangel an körperlicher Zuwendung. Nicht zu vergessen die ganzen Ausländer, die sie nicht verstehen.
    Was also tun? Einfach das Gehirn abschalten? – Gut, dass haben die schon gemacht, als sie sich freiwillig gemeldet haben. Nein, sie machen Fotos mit – eh – Knochen.
    Ich fasse zusammen: Die deutsche Freiheit wird am Hindukusch von Leuten verteidigt, die obwohl sie jeden Scheiß machen würden, keine Arbeit finden, völlig überfordert sind und eigentlich nur da sind, weil sie sich Krieg vorstellen wie Call of Duty…

    Jetzt habe ich noch eine ganz andere Sache. Ihr kennt sicher alle youtube.com. Neben allen möglichen Lustigem und viel Überflüssigem sind dort auch sehr polische Videos geadded. Hauptsächlich Satire.
    Wenn ihr jedoch den Begriff „NPD“ eingebt findet ihr Reportagen über die NPD, aber auch Videos von Nazidemos (von beiden Seiten). Doch leider wird dort auch faschistischer und antisemitischer Mist geadded (unten einige Beispiele). Ist es nicht möglich diese einfach abzuschalten – leider. Was allerdings getan werden könnte ist die BenutzerInnennamen der AutorInnen zu veröffentlichen. Es wird sie zwar nicht abhalten, könnte aber doch einen Abschreckungseffekt haben.
    Mich würde eure Meinung interessieren, außerdem würde ich euch bitten meinen Vorschlag in eurem Umfeld zu diskutieren und zu verbreiten.

    Besten Dank und Liebe Grüße

    http://www.youtube.com/watch?v=37G8HiEFJ3g
    http://www.youtube.com/watch?v=Kljk31B-4os
    http://www.youtube.com/watch?v=gJpq0B09S3c
    http://www.youtube.com/watch?v=esPcrvQu61E BITTE MIT VORSICHT GENIEßEN IST ECHT KRASS
    http://www.youtube.com/watch?v=fetWjd-H1jI

  2. 2 Gähn 29. Oktober 2006 um 14:04 Uhr

    „Was allerdings getan werden könnte ist die BenutzerInnennamen der AutorInnen zu veröffentlichen“

    Schnarch – die Pseudonyme sind ja schon bei Youtube öffentlich, die echten Namen gibt natürlich niemand an. Jag lieber Nazis im Real Life…

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