Allgemeine Gefahrenabwehrkontrolle

Demonstrationen sind immer wieder eine lustige Erfahrung, wenn es darum geht, den Rechsstaat auszulachen. Immer wieder ergeben sich da lustige Ereignisse rund um die Fragen von Rechtssicherheit, bürgerlichen Freiheitsrechten und polizeilichen Befugnissen. Und so gab es auch heute in Göttingen wieder viel zu lachen.

Wie sich das gehört, war natürlich die komplette Innenstadt mit freundlichen Menschen in meist grünen Uniformen voll, die sich selbstverständlich immer an die Regeln gehalten haben. Und so kam es dann, das ich einige nette beim Versuch, sich in Richtung Demo vorzukämpfen, beobachten durfte. Nachdem die Polizei im Rahmen einer „allgemeinen Gefahrenabwehrmaßnahme“ die Persos der beiden potentiellen GewalttäterInnen eingesammelt hatte, wurde zumindest der eine der beiden gründlich durchsucht. Der andere nicht. Nach etwa zehn Minuten gingen die beiden zu dem Wachtmeister, der ihnen die Persos abgenommen hatte. Dieser stand damit nämlich noch immer untätig in der Gegend rum, half hilflosen Frauen beim erreichen ihres Urlaubszieles oder hielt AutofahrerInnen an. Auf Nachfrage, wann sie wohl ihre Ausweise wiederhaben könnten, gab es ein barsches „Wenn es soweit ist“ zur Antwort. Auch seine Dienstnummer wollte der nette Mann nicht rausgeben, die beiden wollten sich nämlich über ihn beschweren, weil er sie nicht zur Demo lassen wolle. Doch der blieb stumm („Anna und Arthur halten’s Maul“) und verwies sie lediglich – nein, nicht an den Anwalt oder den Ermittlungsausschuss – an der Bürgertelefon.

Von dort wurden die beiden Wartenden an die Einsatzleitung weiterverbunden. Nachdem diese dann irgendwann mal abnahm, bekamen die beiden allerdings nicht viel zu hören: „Tschüss“ sagte der freundliche Mann am anderen Ende, und dann war das Telefonat auch schon vorbei, bevor es richtig begonnen hatte. Das ließen die beiden natürlich nicht auf sich sitzen und riefen, während der nette Mensch in grün gerade damit begonnen hatte, die Ausweise tatsächlich zu überprüfen, noch einmal beim Bürgertelefon an. Sie sollten, so bekamen sie diesmal die Auskunft, doch bestätigen lassen, das sie ihre Ausweise hätten überprüfen lassen. Dann könnten sie die Bescheinigung zum einen bei der näxten Kontrolle vorzeigen und zum anderen ließe sich anhand dieses Zettels nachvollziehen, wer sie da so lange haben warten lassen. Nur zu dumm, das die Leute vor Ort gar keine Bescheinigung irgendeiner Art dabeihatten – außer die zum Verhaften.

Verhaftenlassen wollten sich beiden nun nicht, drum zogen sie weiter in Richtung Anti-Nazi-Demo. Da trafen sie junge politisch interessierte und gar nicht mal so furchtbar ins autonome Clichee hineinpassende Menschen, die Halstücher und Schals abgeben mussten, wenn sie denn an der Demo teilnehmen wollten. Natürlich ebenfalls, ohne dafür eine Quittung oder etwas ähnliches zu bekommen. Andere wurden insgesamt neun mal (!) kontrolliert, bevor sie endlich am Kundgebungsort waren und wieder andere wurden gar nicht kontrolliert. Wie das geht? Ganz einfach: feinen Anzug anziehen, dann am To-Go-Kaffee-Becher schlürfend und bezeiten hektisch auf die Uhr blickend durch die Innenstadt gehen. Business-Menschen im Stress wird freiwillig niemand kontrollieren – die könnten sich wahlweise mit der Rechtslage auskennen oder wenigstens über gute Kontakte verfügen.

Ach ja, und ne Demo gab’s auch noch. Bei der die Polizei immer mal wieder die Straße für sich und ihre Spaliere, die weite Teile der Demo während des gesamten Umzuges begleiteten, benötigte. Dabei ergab sich das folgende Gespräch zwischen einem Ordnungshüter und einem Menschen mit Fahne:

Demonstrantin: Haben sie da grade an meine Fahne gefasst.
Polizistin: Ihre Fahne hing in meinem Gesicht!
D: Dann gehen sie doch einfach weiter auf den Bürgersteig, dahin wo sie eben auch noch standen. Dann haben sie auch meine Fahne nicht im Gesicht.
P: Nein, ich mache hier nur das, was mein Chef mir gesagt hat.
D: Ach, und der hat ihnen gesagt, sie sollen an meine Fahne fassen?
P: *schweigen*

Es ist immer wieder schön. Viel mehr war allerdings nicht los. Zumindest hab‘ ich da nix von mitbekommen. Das näxte mal gibt’s dann vielleicht auch mal einen Bericht mit richtig Äktschn und so.

Ach ja, und eine