Marx Lektürekurs (1)

Wir haben mit einigen Leute begonnen, gemeinsam das Kapital zu lesen. Einige tun das schon zum wiederholten Male, andere haben nur ein wenig hineingeschnuppert, wieder andere wagen sich das erste mal an Marx heran. Ich will hier versuchen, ein wenig die wichtigsten Erkenntnisschritte festzuhalten. Beispiele wie Interpretationen gebühren dabei selbstverständlich nicht immer mir, nur weil ich derjenige bin, der sie festhält. An einigen Stellen bin ich auf Diskussionen die wir geführt haben nicht oder nicht ausführlich eingegangen – schlichtweg weil ich sie für nicht soooo wichtig gehalten habe. An anderen Stellen habe ich Themen ausführlicher diskutiert und einen Teil der vielfältigen Sekundärliteratur herangezogen um den Gedanken plausibler zu machen.

Wir lesen im MEW 23, darum beziehen sich auch alle Seitenangaben auf die Marx-Engels-Ausgabe.

Erstes Kapitel: Die Ware

1. Die zwei Faktoren der Ware: Gebrauchswert und Wert(Wertsubstanz, Wertgröße)

Wenn wir von den diversen Vorworten absehen, beginnt der Haupttext des Kapital auf Seite 49. Marx schreibt da als erstes: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform.“

Damit ist bereits eine erste wichtige Unterscheidung gemacht. Er schreibt nicht über Reichtum im Allgemeinen und auch nicht über Gesellschaften im Allgemeinen, sondern über solche und solchen, „in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht“. Es geht ihm im Folgenden, zumindest solange er das nicht ausdrücklich erwähnt, stets um eine Analyse des Kapitalismus. Es geht ihm nicht um die Aufstellung einer sozialistischen oder kommunistischen Ökonomie, die dann etwa im Real-Sozialismus hätte verwirklicht werden können. Und auch beim Kapitalismus geht es nicht nur um eine Analyse, sondern um eine Kritik. Das wird aus dem Untertitel des Kapital deutlich: „Kritik der politischen Ökonomie“ heißt es da. Politische Ökonomie ist dabei der damalige Ausdruck für Volkswirtschaftslehre, obwohl es die Trennung von Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaften und Soziologie damals in der Form noch nicht gab. Insofern kann die Politische Ökonomie durchaus als Universalwissenschaft über die Gesellschaft angesehen werden. Wörtlich übersetzt heißt Politische Ökonomie soviel wie „(Haus)wirtschaftslehre eines politischen Gemeinwesens“.

Halten wir fest: Von der ersten Zeile des Kapital an geht es um die Analyse und die Kritik des Kapitalismus. Auch die Ware ist damit nur die allgemeine Reichtumsform im Kapitalismus – und nicht etwa in allen menschlichen Gesellschaften. Was in der bisherigen Geschichte der Marx-Interpretation durchaus umstritten ist. Dort wurde oftmals die Warenproduktion als etwas überhistorisches betrachtet. Am Anfang, da würde der Marx nur allgemeine Basiskenntnis für menschliche Gesellschaften im Allgemeinen referieren. Und erst später, wenn vom Kapital die Rede sei, ginge es auch tatsächlich um den Kapitalismus. So eine Sichtweise findet sich etwa bei Ernest Mandel, wenn er erste Formen von Warenproduktion schon vor 12.000 Jahren gefunden haben will:

Ernest Mandel

„Die Warenproduktion tauchte zum ersten Mal vor etwa zehn- bis zwölftausend Jahren im mittleren Osten im Zusammenhang mit der ersten grundlegenden Arbeitsteilung zwischen Handwerkern und Bauern auf, d.h. nach dem Entstehen der ersten Städte. Die wirtschaftliche Verfassung, in der die Produktion zum Zwecke des Tausches durch Produzenten, die ihre Produktionsbedingungen noch selbst bestimmen, nennt man einfache Warenproduktion.

Obwohl es viele Formen von einfacher Warenproduktion gab, besonders in der Antike und in der asiatischen Produktionsweise, erfuhr sie ihre bedeutendste Ausbreitung zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert in Nord- und Mittelitalien sowie im Norden und Süden der Niederlande (und in geringerem Umfang in England, Frankreich und im Westen Deutschlands). Dies war ein Ergebnis des Rückgangs der Leibeigenschaft in diesen Gebieten und der Tatsache, daß die Warenbesitzer, die miteinander Geschäfte trieben, im allgemeinen Freie und mehr oder weniger rechtlich gleichgestellt waren.“ (Ernest Mandel: Einführung in den Marxismus. Köln 1998, 42f)

Ganz ähnlich argumentiert auch Paul M. Sweezy:


„Es ist wichtig, die Warenproduktion im allgemeinen nicht mit dem Kapitalismus zu verwechseln. Es ist zwar richtig, daß nur im Kapitalismus ‚alle oder [ … ] auch nur die Mehrheit der Produkte die Form der Ware‘ (177) annehmen, so daß vom Kapitalismus sicherlich gesagt werden kann, daß er Warenproduktion impliziert. Aber das Gegenteil trifft nicht zu: Warenproduktion impliziert nicht wesentlich Kapitalismus. Tatsächlich ist ein hoher Entwicklungsstand der Warenproduktion eine notwendige Voraussetzung für das Entstehen des Kapitalismus.“ (Paul M. Sweezy: Theorie der kapitalistischen Entwicklung. Frankfurt am Main 1970, Seite 75)

Eine Gegenposition dazu würde den ersten Satz als spezifische Beschreibung für den Kapitalismus interpretieren und etwa so argumentieren wie Robert Kurz:


„Die vorindustrielle Agrargesellschaft kannte wohl das Kaufmanns- und das zinstragende Kapital als Nischenformen, aber keine produktive Kapitalverwertung; es gab Märkte, aber keine Marktwirtschaft; und es gab Geld, aber keine Geldwirtschaft. Der Zusammenhang von Ware und Geld als geschlossenes System der Reproduktion entstand erst mit der Verwandlung von Produktionsmitteln und menschlicher Arbeitskraft in industrielles Kapital.“ Robert Kurz: Die Himmelfahrt des Geldes. Krisis 16/17

Auf die Art argumentiert auch Michael Heinrich:


„In den feudalen Gesellschaften des frühen Mittelalters wurde nur ein geringer Teil der Güter getauscht; die Warenform war eher die Aushnahme als die Regel. Der überwiegende Teil der Güter bestand aus landwirtschaftichen Produkten und diese wurden entweder zum eigenen Verbrauch hergestellt oder an die Grundherren (Fürsten, Kirche) abgeliefert, also nicht getauscht. Erst im Kapitalismus wird der Tausch umfassend und damit auch die Warenform der Güter. Erst im Kapitalismus nimmt daher der Reichtum die Form einer „Warensammlung“ an und erst jetzt wird die einzelne Ware zur „Elementarform“ des Reichtums. Diese Ware, die Ware in kapitalistischen Gesellschaften, will Marx analysieren.“ (Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung. Stuttgart 2005, Seite 37)

Es kommt also nicht darauf an, ob es in einer Gesellschaft Waren gibt oder vielleicht Geld. Es ist vielmehr wichtig, welche Bedeutung diese Dinge im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang haben. Sind sie Randphänomen oder ist das Leben der Menschen nach ihnen ausgerichtet? Die von Mandel angeführte Zunahme der Warenproduktion im Spätmittelalter würde so auf den sich herausbildenden Kapitalismus verweisen.

Es bleibt allerdings eine weitere Frage: warum zum Henker meint der Marx, das er grade mit der Ware anfangen muss? Er diskutiert diese Frage im Kapital nicht, weshalb sich leicht der Eindruck aufdrängt, das wäre eine willkürliche Entscheidung gewesen. Er sprich das Thema aber in einem anderen Text, der „Einleitung zur Kritik der politischen Ökonomie“, kurz an. In dem Unterkapitel „Die Methode der politischen Ökonomie“ schreibt er:

„Es scheint das richtige zu sein, mit dem Realen und Konkreten, der wirklichen Voraussetzung zu beginnen, also z.B. in der Ökonomie mit der Bevölkerung, die die Grundlage und das Subjekt des ganzen gesellschaftlichen Produktionsakts ist. Indes zeigt sich dies bei näherer Betrachtung [als] falsch. Die Bevölkerung ist eine Abstraktion, wenn ich z.B. die Klassen, aus denen sie besteht, weglasse. Diese Klassen sind wieder ein leeres Wort, wenn ich die Elemente nicht kenne, auf denen sie beruhn. Z.B. Lohnarbeit, Kapital etc. Diese unterstellen Austausch, Teilung der Arbeit, Preise etc. Kapital z.B. ohne Lohnarbeit ist nichts, ohne Wert, Geld, Preis etc. Finge ich also mit der Bevölkerung an, so wäre das eine chaotische Vorstellung des Ganzen, und durch nähere Bestimmung würde ich analytisch immer mehr auf einfachere Begriffe kommen; von dem vorgestellten Konkreten auf immer dünnere Abstrakta, bis ich bei den einfachsten Bestimmungen angelangt wäre. Von da wäre nun die Reise wieder rückwärts anzutreten, bis ich endlich wieder bei der Bevölkerung anlangte, diesmal aber nicht als bei einer chaotischen Vorstellung eines Ganzen, sondern als einer reichen Totalität von vielen Bestimmungen und Beziehungen.“ (MEW 42, 34f)

Was aber soll uns das sagen? Nehmen wir ein anderes Beispiel: Ich könnte beispielsweise auf die Idee kommen, das Börsen heutzutage total wichtig wären und deshalb meine Analyse mit der Börse beginnen. Börsen sind ja nun Orte, an denen beispielsweise Aktien gehandelt werden. Ich kann also erst über Börsen schreiben, wenn ich weiß, was Aktien sind. Aktien sind Anteile am Kapital eines bestimmten Unternehmens. Bevor ich also über Aktien spreche, muss ich erstmal klären, was eigentlich ein Unternehmen ist und was es genau jetzt Kapital sein soll. Kapital wiederrum kann ich erst erklären, wenn ich weiß was Geld ist, Geld als Tauschmittel wiederrum kann ich nur begreifen, wenn ich eine Vorstellung davon habe, wie tauschen funktioniert. Da der Tausch sich nun auf den Besitzwechsel von Waren bezieht, ist erst die Ware diejenige Kategorie, die ich erklären kann, ohne vorher andere Kategorien klären zu müssen.

Selbstverständlich gibt es die Ware nur unter der Voraussetzung, das es auch Geld und Kapital gibt. Aber ich muss nicht verstanden haben, was Geld und Kapital en detail ausmacht, um die Ware begrifflich fassen zu können. Ich kann mich jetzt also aufmachen, „die Reise wieder rückwärts anzutreten“ und die Begriffe zu entfalten. Und das, „bis ich endlich wieder bei der Bevölkerung“ ankomme, „diesmal aber nicht als bei einer chaotischen Vorstellung eines Ganzen, sondern als einer reichen Totalität von vielen Bestimmungen und Beziehungen.“ That’s it.

Damit ist eine weitere Besonderheit ausgesprochen: Marx beginnt seine Analyse nicht mit einer wie auch immer gearteten anthropologischen Setzung. So etwas wäre die Annahme eines „homo oeconomicus“ in den Wirtschaftswissenschaften oder in der Rational Choice Theorie. Die Annahme, das Menschen Nutzenmaximierer sind und sich ihr Verhalten daher auf mathematisierte Kurven abtragen ließe, ist eben genau das: eine Annahme, für die es erstmal keinen in der Sache liegenden Grund gibt. Statt sich auf eine solche Setzung zu verlassen versucht Marx, den Beginn seiner Untersuchung aus dem Untersuchungsgegenstand – der bürgerlichen Gesellschaft – abzuleiten.

Aber kommen wir zurück zum Kapital. Wir waren immer noch beim ersten Satz: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform.“ Hier ist noch eine weitere Bestimmung enthalten, die Marx von anderen TheoretikerInnen unterscheidet. Er beginnt seine Analyse zwar mit der Ware, aber eben immer vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, in der Warenproduktion vorherrschend ist. Das heißt dann auch: es geht ihm nie um den vereinzelten Austausch zweier Waren, sondern immer um ein gesellschaftliches Verhältnis, in dem alle Waren miteinander austauschbar sind. Aber dazu vielleicht später mehr.

Marx beginnt dann, die Ware zu beschreiben. Sie ist, so beginnt er, „zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt.“ Dabei kommt es ihm in keinster Weise darauf an, welchen Charakter diese Bedürfnisse haben. Es ist also nicht gesagt, das es sich um natürliche, dem Menschen innewohnende Bedürfnisse handelt – obwohl Marx das auch nicht ausdrücklich ausschließt. „Die Natur dieser Bedürfnisse“, fährt er fort, „ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache“ Damit ist die ganz grundsätzliche Möglichkeit angesprochen, das eine Gesellschaft Bedürfnisse produzieren kann, die Bedürfnisse also „der Phantasie entspringen“. Ebenfalls egal ist, auf welche Weise das menschliche Bedürfnis befriedigt wird. Es kann sein, das die Ware das Bedürfnis „unmittelbar als Lebensmittel, d.h. als Gegenstand des Genusses“ befriedigt. Also etwa in dem ich den den Käse esse, die CD höre oder das Auto fahre. Es kann aber auch sein, dass die Ware mein Bedürfnis nur über einen „Umweg“ befriedigt, nämlich „als Produktionsmittel.“ Das wäre etwa der Fall, wenn es sich bei Ware um eine Gerät handelt, mit dem ich Käse herstellen kann. Oder um ein Mischpult, das für die Fertigstellung der CD benötigt wird. Oder um das Fließband, an dem dann das Auto produziert wird, mit dem ich gerne durch die Gegend fahren möchte.

Nun kann ich solche „nützliche Ding(e)“ nach zwei Seiten hin betrachten: Einerseits kann ich kucken, wodurch es sich von anderen Dinge unterscheidet. Papier brennt, solange es trocken ist, recht leicht. Mit Eisen ist das schon schwerer. Auf einen Stuhl kann ich mich setzen, mit einem Spaten kann ich den Garten umgraben. Sich auf den Spaten zu setzen erfordert jedoch schon einiges an Geschick. Und mit dem Stuhl einen Garten umgraben zu wollen – na viel Spaß! Das nützliche Ding ist also „ein Ganzes vieler Eigenschaften und kann daher nach verschiedenen Seiten nützlich sein. Diese verschiedenen Seiten und daher die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge zu entdecken ist geschichtliche Tat“ In einer Fußnote führt Marx näher aus, was er damit meint wenn er sagt, es sei „geschichtliche Tat“, das der Mensch „die mannigfachen Gebrauchsweisen der Dinge“ entdeckt. Die Eigenschaft des Magneten Eisen anzuziehen, so sein Beispiel, macht ihn erst dann zum nützlichen Ding, wenn die Gesellschaft weiß, was Magnetismus ist. Oder, um ein anderes – zugegebenermaßen konstruiertes – Beispiel zu wählen: Wenn an einem Baum Computer wachsen, dann können die Leute da nicht viel mit anfangen. Sie können sie vielleicht benutzen, um sich damit totzuwerfen, aber das war es dann auch schon. Erst wenn sie die Elektrizität entdecken, können sie die Computer auch als Computer benutzen.

Der zweite Gesichtspunkt, unter dem ich mir nützliche Dinge ankucken kann, ist die Menge, in der sie vorhanden sind. Wieviele Schuhe gibt es? Wieviel Kilo Eisen liegen da vor mir? Wie lang ist der Stoff? Auch das Festlegen dieser Maßeinheiten ist „geschichtliche Tat“ Sie sind durchaus verschieden. Was einerseits an „der verschiedenen Natur der zu messenden Gegenstände“ liegt, andererseits an Konvention, also Gewohnheit.

Die Tatsache, das Dinge nützlich sind, bezeichnet Marx als „Gebrauchswert“ Es liegt an den konkreten Eigenschaften des Gegenstandes, wie viel oder wie wenig er mir nutzt. Völlig irrelevant ist dafür die Frage, ob „die Aneignung seiner Gebrauchseigenschaften dem Menschen viel oder wenig Arbeit kostet.“ Für den Gebrauchswert von Lebensmitteln ist es zunächst einmal unerheblich, ob es viel oder wenig geregnet hat, ich also viel oder wenig gießen musste. Unabhängig davon, wie oft ich den Weg zwischen Regentonne und Gemüsebeet gelaufen bin, bleibt der Gebrauchswert der jeweiligen Tomate stets gleich.

In Bezug auf die Frage, was ich so mit einer Ware anfangen kann, wie es um die Qualität der Ware im Detail besteht, gibt es in der bürgerlichen Ökonomie die ziemlich irreale Grundannahme, Jede und Jeder wüsste immer genau über alle Waren bescheid. Darauf weißt Marx in der Fußnote 5 hin, wenn er schreibt: „In der bürgerlichen Gesellschaft herrscht die fictio juris, daß jeder Mensch als Warenkäufer eine enzyklopädische Warenkenntnis besitzt.“ Das gilt noch heute, wenn etwa von einer vollständigen Markttransparenz ausgegangen wird und diese Annahme eine Grundbedingung für die Gültigkeit der ganzen neoklassischen Modelle ist.

Marx geht weiterhin davon aus, das sich erst in der Nutzung wirklich zeigt, was es mit dem Gebrauchwert wirklich auf sich hat: „Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion.“ Dabei ist es durchaus denkbar, mit das unterschiedliche Menschen mit dem selben Gebrauchsgegenstand unterschiedliche Dinge tun: „Ein Diamant zum Beispiel kann als Schmuckstück dienen oder in einem Glasschneider verwendet werden.“ (Michael Berger: Karl Marx: ‚Das Kapital‘. München 2003)

Gebrauchswerte sind also konkret nutzbare Dinge, die ich häufig (sehen wir mal von Dienstleistungen ab, die natürlich auch einen Gebrauchswert haben) auch stofflich bestimmen kann. Damit ist aber erst eine Dimension des gesellschaftlichen Reichtums umrissen. Marx schreibt:

„Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des – Tauschwerts.“

Für diesen Satz hat Marx durchaus Prügel bekommen. Grund dafür ist der erste Teil. Wenn die Gesellschaftliche Form wechseln kann, in dem sich der Gebrauchswert darstellt, dann gilt der Gebrauchswert selber als etwas unkapitalistisches, außerhalb des Systems stehendes. In der Form wird er etwa von Althuisser gebraucht. Eine Kritik daran fasst Robert Kurz sehr schön zusammen:


„Er bezeichnet nicht die ‚Nützlichkeit‘ schlechthin, sondern nur die Nützlichkeit unter dem Diktat des modernen warenproduzierenden Systems. Das war für Marx im 19. Jahrhundert vielleicht noch nicht so eindeutig. Brot und Wein, Bücher und Schuhe, Hausbau und Krankenpflege schienen immer dieselben Dinge zu sein, ob sie nun kapitalistisch produziert werden oder nicht. Das hat sich gründlich geändert. Lebensmittel werden nach Verpackungsnormen gezüchtet; die Produkte enthalten ‚künstlichen Verschleiß‘, damit man schnell neue kaufen muß; Kranke werden nach betriebswirtschaftlichen Normen behandelt wie Autos in der Waschanlage.“ (Robert Kurz: Abschied vom Gebrauchswert)

Darüber hinaus macht Marx hier eine Trennung auf, die noch von Bedeutung sein wird, die Trennung nämlich zwischen „Inhalt“ und „Form“. Die Gebrauchswerte sind der Inhalt des Reichtums, während es noch eine davon unterschiedene Form gibt, in der sich dieser Reichtum darstellt. Diese gesellchaftliche Form – dazu kommt Marx später – ist die Form des Wertes, die Wertform. Wenn er hier schreibt, Die Gebrauchwerte bildeten „die stofflichen Träger des – Tauschwerts“ dann betont er damit nur, das ein Ding nur dann zum Tauschwert werden kann, wenn es auch einen Gebrauchswert hat. Es soll damit also nicht gesagt sein, das der Tauschwert aus dem Gebrauchwert entstehen würde oder ähnliches.

Was dieser Tauschwert genau sein soll, wissen wir mit dieser Aussage noch nicht. Wir wissen lediglich, das er analog dem Gebrauchswert der Ware zukommt, das er aber etwas vom Gebrauchswert unterschiedenes ist. Er „erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt.“, weshalb zunächst der Eindruck entsteht, er habe etwas Beliebiges an sich. „Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives, ein der Ware innerlicher, immanenter Tauschwert“. So scheint es zumindest, wie Marx zu recht bemerkt. Die Formulierung, das etwas so oder so zu sein scheint deutet bei Marx häufig darauf hin, das es sich in Wahrheit anders verhält. So auch hier.

Marx stellt nämlich fest, das ich eine Ware nicht nur gegen eine Ware, sondern gegen eine Vielzahl anderer Waren tauschen kann. Das Kilo Bohnen etwa gegen eine bestimmte Menge Apfelsaft, eine bestimmte Anzahl Kugelschreiber oder eine bestimmte Menge Gold. Jede Ware hat also nicht nur einen Tauschwert, sondern ganz viele. „Mannigfache Tauschwerte also hat der Weizen statt eines einzigen.“ schreibt Marx. Da das aber so ist, müssen die Tauschwerte letztlich alle durcheinander ersetzbar sein. Ich kann das Kilo Bohnen etwa in Apfelsaft, in Gold oder in Kugelschreibern darstellen. Weshalb die Tauschwerte gar nicht so beliebig sein können, es sich also um „durch einander ersetzbare oder einander gleich große Tauschwerte“ handeln muss.

Es folgt daher erstens: Die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus. Zweitens aber: Der Tauschwert kann überhaupt nur die Ausdrucksweise, die „Erscheinungsform“ eines von ihm unterscheidbaren Gehalts sein.

Alle Waren, so das Argument, werden im Tausch mit einander verglichen und so einander gleichgesetzt. Sie drücken somit „drücken ein Gleiches aus.“ Es muss also etwas geben, was die Waren einander gleichsetzt. Der Tauschwert als solches ist lediglich die „Menge“ um die es geht, nicht aber die Einheit, in der diese Menge sich ausdrückt.

Marx versucht in den nächsten Kapiteln diesen Gedanken deutlicher zu machen. Wenn ich eine Menge Weizen mit einer anderen Menge Eisen gleichsetze, dann muss es „ein Gemeinsames von derselben Größe in zwei verschiednen Dingen“ geben. „Beide sind also gleich einem Dritten, das an und für sich weder das eine noch das andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwert, muß also auf dies Dritte reduzierbar sein.“ Fragt sich nur, was dieses Dritte sein soll.

Marx geht im Folgenden im Ausschlussverfahren vor. Er sagt zunächst, was es nicht sein kann.

„Dies Gemeinsame kann nicht eine geometrische, physikalische, chemische oder sonstige natürliche Eigenschaft der Waren sein. Ihre körperlichen Eigenschaften kommen überhaupt nur in Betracht, soweit selbe sie nutzbar machen, also zu Gebrauchswerten. Andererseits aber ist es grade die Abstraktion von ihren Gebrauchswerten, was das Austauschverhältnis der Waren augenscheinlich charakterisiert.

Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem verschiedner Qualität, als Tauschwerte können sie nur verschiedner Quantität sein, enthalten also kein Atom Gebrauchswert.“

Es kann also nicht der Gebrauchswert sein, der den Tauschwert konstituiert. Der Tauschwert wäre daher auch unabhängig von dem Nutzen, den ein Ding für mich hat. Das wäre etwa – mal wieder – der Fall bei der neoklassischen Volkswirtschaftslehre, die davon ausgeht, das der Wert (=Preis) der Güter von dem Nutzen abhängig ist, den ich ihnen zubillige. Der jedoch, so würde Marx wohl argumentieren, lässt sich nur schwerlich auf eine einheitliche Maßeinheit bringen. Gerade, wo es sich ja von Mensch zu Mensch unterscheidet, welchen Nutzen ich dem Gut zubillige.

Elmar Altvater ergänzt dies Ausschlussprinzip um weitere Beispiele:

„Kann das Gemeinsame der Energieaufwand (beispielsweise in Kilowatt-Stunden gemessen) sein, der zur Herstellung des Tauschwerts benötigt wurde? Kann das Ensemble der chemischen Elemente das Gemeinsame konstituieren? Dieses Gemeinsame würde gerade von der gesellschaftlichen Form des Wertes abstrahieren, die es zu erklären gilt. Denn Energie und stoffliche Elemente sind Gemeinsames in jeder Produktionsweise.“ (Elmar Altvater: Kapital.doc)

So bleibt also nur eine Eigenschaft der Waren, die ihnen als gemeinsames zukommt: sie alle sind Produkte menschlicher Arbeit: „Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten.“ Aber das ist eine andere Geschichte, und die wird ein andernmal erzählt…


16 Antworten auf “Marx Lektürekurs (1)”


  1. 1 bigmouth 09. November 2006 um 16:29 Uhr

    hey, die nachbereitung auf diese art und weise sieht viel versprechend aus!

  2. 2 libelle 09. November 2006 um 21:30 Uhr

    Hallo Lektürekurs,

    ihr schreibt:

    „Da ich aber selten reise und in Göttingen auch gut mit dem Bus zurechtkomme, hat so ein Auto für mich nur einen Vergleichsweise kleinen Gebrauchswert. Obwohl es vielleicht viel Arbeit gekostet hat, das Auto zu bauen. Das Fahrrad nutzt mir aber um so mehr – obwohl es viel weniger Arbeit zu seiner Herstellung gebraucht hat.“

    „Es kann also nicht der Gebrauchswert sein, der den Tauschwert konstituiert. Der Tauschwert wäre daher auch unabhängig von dem Nutzen, den ein Ding für mich hat. Das wäre etwa – mal wieder – der Fall bei der neoklassischen Volkswirtschaftslehre, die davon ausgeht, das der Wert (=Preis) der Güter von dem Nutzen abhängig ist, den ich ihnen zubillige. Der jedoch, so würde Marx wohl argumentieren, lässt sich nur schwerlich auf eine einheitliche Maßeinheit bringen. Gerade, wo es sich ja von Mensch zu Mensch unterscheidet, welchen Nutzen ich dem Gut zubillige.“

    Im ersten Zitat wird eine „Menge Gebrauchswert“ postuliert, die es in dieser Form nicht gibt (inhaltlich der „Nutzen“ der VWL). Ob man das Fahrrad oder das Auto benutzt hängt nicht an der „Menge Gebrauchswert“, die sie für ein bestimmtes Interesse haben, sondern das folgt daraus wie das eigene Interesse beschaffen ist. Will man z.B. beim Einkauf, oder auf dem Weg zur Arbeit noch ein bisschen Sport treiben (oder irgendwas anderes z.B. ein bisschen in der Gegend herumschauen), dann fährt man mit dem Fahrrad, sonst mit dem Auto. Bei der Entscheidung z.B. ob ich mit dem Fahrrad oder dem Auto auf Arbeit fahre spielt nie die „relative Größe“ der Gebrauchswerte eine Rolle (was sollte das auch sein), sondern so praktische Überlegungen wie: Wenn du heute mit dem Rad fährst wirst du nass, weil es regnet, also passt das Auto zur Interessenlage arbeitsfähig auf Arbeit anzukommen und das Fahrrad nicht. Läge mein Arbeitsort 100 km von meinem Wohnort entfernt, dann hätte das Fahrrad auch nicht einen marginalen Gebrauchswert als Transportmittel zur Arbeit, sondern überhaupt keinen. Gebrauchswert ist ein Verhältnis, das ein Ding Kraft seiner natürlichen Eigenschaften zu einem Interesse hat und als das ist es quantitativ bestimmt (ein Auto und nicht zwei braucht es um auf Arbeit zu kommen, zwei Würstchen und nicht eins oder fünf um den Appetit zu stillen). Um beim letzten Beispiel zu bleiben: Der Appetit auf Würstchen ist eben gestillt, wenn er gestillt ist. Weder isst man danach bei abnehmendem Appetit weiter, noch hört man vorher auf, solange welche da sind (es sei denn, man will abnehmen, dann ist das Interesse aber anders beschaffen).

    Den Nutzen als gemeinsame quantitativ bestimmte Eigenschaft aller Gebrauchswerte, wie die VWL ihn behauptet gibt es also überhaupt nicht. Was soll denn die Einheit davon sein? Wenn der Gebrauchswert das ist, worin sich die Waren unterscheiden dann heißt das auch: Sie haben keine gemeinsame Eigenschaft Nutzen, die sich irgendwie quantifizieren ließe, sondern von der quantitativen Bestimmtheit des Gebrauchswertes, seinem quantitativen Bezug auf das bestimmte Bedürfnis (2 Würstchen) wird abstrahiert.

  3. 3 Administrator 09. November 2006 um 22:46 Uhr

    Hm… kann es sein das du die Stelle ein bissel überinterpretierst? Ich meine… die Tatsache, das ich individuell in der einen oder anderen Situation für mich eine Sache mehr oder weniger schätze, heißt ja noch lange nicht, das ich das (1) auf eine Nutzen-Skala ernsthaft abtragen könnte noch das ich das aufgrund dieser Tatsache (2) mit anderen Nutzen sinnvoll vergleichen könnte.

    Worum es in dem Beispiel ging, war ja gerade die Tatsache, das sich Nutzen nicht absolutieren lässt. Weil er eben situativ und personal unterschiedlich ist. Und da ist mir nicht ganz klar, worauf du hinauswillst. Gibst du mir einen Tip?

  4. 4 libelle 09. November 2006 um 22:56 Uhr

    Naja – ganz einfach: Das Fahrrad nutzt dir nicht mehr, sondern es ist eben der Gegenstand, der dir überhaupt für dein Interesse taugt, wenn du (z.B.) Einkaufen mit Sport verbinden willst. Dafür taugt dir das Auto nicht. Es ist die Beschaffenheit deines Interesses, dem das Fahrrad entspricht. Das Auto entspricht diesem Interesse nicht „weniger“, sondern garnicht – es sei denn man schiebt es (wg. Sport) – dann benutzt man es aber als Last und nicht als schnelleres Transportmittel.

    Behauptet ist: Ihr macht die Kritik des Nutzens verkehrt – argumentiert also wie A.Smith, der ja bekanntlich behauptet hat, dass Wasser einen großen Nutzen, aber einen geringen (oder keinen) Wert habe.Das ist verkehrt, da es keine quantifizierbare Eigenschaft „Nutzen“ des Wassers gibt. Das Ergebnis, zu dem ihr (und auch M.Heinrich) kommt ist schon richtig – nur das Argument vom quantifizierbaren Nutzen stimmt halt nicht.

    p.s. Ihr schreibt es ja unten selbst hin.

  5. 5 Administrator 10. November 2006 um 11:53 Uhr

    also das mit dem „ihr“ würde ich ja eher klein schreiben. ich muss mich schon die ganze zeit auf icq verteidigen, das ich so‘n scheiß gechrieben habe…

    und, tja… also ich sehe dein argument schon ein. ernsthaft „messen“ will ich ihn ja nicht, was ja tatsächlich auch schwierig wäre. und ich sehe schon auch ein, das es nur sehr begrenzt sinn macht, von „mehr“ und „weniger“ gebrauchswert zu sprechen, weil es ja eben grade um qualitative unterschiede geht. insofern ergebe ich mich einfach mal, auch wenn ich mir nicht so ganz sicher bin, ob da nicht noch ein weiterer haken ist. aber da ich den weder formuliert kriege noch an den kompetenzen derer zweifle, die da händeringend auf mich einreden, lasse ich das einfach mal sein ;-)

  6. 6 besserscheitern 10. November 2006 um 16:28 Uhr

    Ich würde ja auch sagen, dass die Warenform tatsächlich die neue strukturierende Größe ist welche den Unterschied des Kapitalismus zu den vorherigen Entwicklungsstufen auszeichnet. Im Marxschen Begriff der Ware steckt ja schon alles drin.

    Was heißt alles? Zum Beispiel die gesellschaftlichen Verhältnissse die sich auch in Gebrauchswert und Tauschwert darstellen. Gebrauchswert ist m. Meinung nach gesellschaftlich und hat erstmal nichts mit persönlichen Nutzenserwägungen zu tun. Ohne relvanten (also im gesellschaftlichen Maßstab) Gebrauchswert würden doch keine Güter als Waren produziert.

    Interessantes Unterfangen der Lektürekurs. Da werde ich mal öfter hier vorbeischauen.

  7. 7 Schorsch 10. November 2006 um 21:21 Uhr

    Noch eine kurze Ergänzung zu Kurz und Gebrauchswert:

    „Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des – Tauschwerts.“(Marx)

    Oft wird hier folgender Fehler gemacht: Die Kategorie Ware wird völlig falsch verstanden, nämlich nicht als notwendige Einheit von Gebrauchs- und Tauschwert, sondern eher als ein Medium, welches zwei Gegensätze zusammenbringt. Dann wird die Aufgabe einer „linken“ Bewegung darin gesehen, den Gebrauchswert gegen den Tauschwert stark zu machen. Kurz‘ Einwurf, der Gebrauchswert sei durch die herrschende Gesellschaft bestimmt, wird dann so verstanden, dass der eigentlich „gute“ Gebrauchswert durch den Tauschwert unterminiert werde.

    „Das hat sich gründlich geändert. Lebensmittel werden nach Verpackungsnormen gezüchtet; die Produkte enthalten ‘künstlichen Verschleiß’, damit man schnell neue kaufen muß; Kranke werden nach betriebswirtschaftlichen Normen behandelt wie Autos in der Waschanlage.“(Kurz)

    Die Grundsätzlichkeit zu Beginn der Äußerung, die Kurz hier posutliert, kann ich so nicht teilen. Denn im „Kapital“ erwähnt Marx beispielsweise die Vermischung von Brotteig mit Kreide und anderen Ingredienzen. Später, wenn er z.B. das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation illustriert, meine ich mich zu erinnern, dass Marx weitere Beispiele gibt. Marx wusste also durchaus um die spezielle Existenz des Gebrauchswerts in der kapitalistische Ökonomie.
    Man könnte vielleicht einwenden, Marx‘ bezeichnet einen „speziellen Gebrauchswert“, nämlich einen warenförmigen. Allerdings scheint dies auch sehr problematisch zu sein, da dies die oben angerissene Fehlannahme teilen würde. Außerdem passt dann das „zugleich“ im folgenden Satz nicht:

    „Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich (!) die stofflichen Träger des – Tauschwerts.”

    Ob Marx es also versäumt hat, diesen Sachverhalt logisch darzustellen, oder ob der logische Fehler bei Kurz liegt, vermag ich erstmal nicht zu klären. Aber historisch betrachtet liegt Kurz auf jeden Fall falsch.

  8. 8 herumspringen 13. November 2006 um 21:55 Uhr

    wann und wo ist das nächste treffen? habs total vergessen. kann man noch einsteigen?

  9. 9 Jason 15. November 2006 um 17:27 Uhr

    Das nächste Treffen ist heute, 20 Uhr im Fachgruppenraum der Pädagogik (Baurat-Gerber-Str.). Habs auch vergessen und komm heute dazu. Sie/wir wollten bis heute das Kapitel 1.1 gelesen haben (bis Seite 55 MEW laut Julian)

  10. 10 Administrator 15. November 2006 um 18:39 Uhr

    Ich hab das Beispiel, auf das libelle sich bezogen hatte, jetze rausgenommen. Es leuchtet mir glaube mittlerweile ein, das Gebrauchswert nur als gesellschaftliche Kategorie Sinn macht – und da is eben nix mit mehr und weniger.

  11. 11 classless 22. November 2006 um 22:42 Uhr

    Ihr seid auf jeden Fall einer der besten Kapital-Lesekurse, die mir bisher begegnet sind. Querverweise! Blognachbereitung! Bilder!

    Gute Sache.

  12. 12 abdel kader 29. November 2006 um 21:54 Uhr

    Ich würde ja auch sagen, dass die Warenform tatsächlich die neue strukturierende Größe ist welche den Unterschied des Kapitalismus zu den vorherigen Entwicklungsstufen auszeichnet. Im Marxschen Begriff der Ware steckt ja schon alles drin.

    Ganz großer Fehler. Das neue am Kapitalismus ist bestimmt nicht, dass es im Unterschied zu den „vorherigen Entwicklungsstufen“ jetzt die Warenform gibt. Die Ware (und den Markt) gibt es nämlich schon seit der Steinzeit. Das neue ist, dass jetzt nahezu alle Bedürfnisse über den Markt befriedigt werden und dass Arbeitskraft, Boden und Geld zu Waren werden (Polanyi: The Great Transformation). Getauscht wurde auch im Feudalismus schon, jetzt gibt es aber eine Totalität des Marktes. Marx analysiert nicht die Ware an sich, sondern den Äquivalententausch, anhand des bereits voll entwickelten Kapitalismus.

  13. 13 Manfred 30. Januar 2007 um 18:13 Uhr

    In welcher Stadt findet der Kapitallektürekurs statt?

  14. 14 mago 13. Juli 2007 um 13:37 Uhr

    Zitat:
    „sondern immer um ein gesellschaftliches Verhältnis“

    Was versteht man unter einem gesellschaftlichen Verhältnis ?

  15. 15 emanzipationoderbarbarei 19. Juli 2007 um 11:16 Uhr

    @mago

    in dem zusammenhang:

    das es nicht darum geht, wie zwei menschen sich privat und vielleicht zufällig verhalten. sondern das die entsprechende handlung eine gesamtgesellschaftliche relevanz hat. das eben alle menschen waren tauschen, und das jeder dieser tauschvorgänge vor dem hintergrund dieser tatsache zu betrachten wäre.

    klar geworden?

  16. 16 @ abdel kader 11. November 2009 um 7:47 Uhr

    Was war denn die Wertform in der Steinzeit?

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