Killer-Leben verbieten

Terror in Schulen ist schon gruselig. Erst wirst du via Schulfplicht gezwungen in so einen Laden zu gehen wo du weder Bock auf die Leute noch auf das hast, was die so mit dir anstellen. Und dann, wenn dir das Ganze ohnehin schon tierisch auf den Senkel geht, kommt da ein anderer (meist männlich), dem das noch viel mehr stinkt, an und will dich, sich und ein paar andere, die zufällig des Weges kommen, mal ganz flott entsorgen. Auf den Müllhaufen der Geschichte. Schöne Scheiße.

Nun kommen PolitkerInnen und überlegen, woran das liegen könnte. Schuld kann natürlich nicht die Schule sein. Konkurrenzdruck und vorgezeichnete Armuts- und Bedeutungslosigkeitskarrieren auch nicht. Das könnte dann ja bedeuten, das da erhebliche Fehler gemacht worden in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Also wird der Feind außen gesucht. Computerspiele sollen es jetzt gewesen sein. Die deshalb jetzt verboten werden sollen. Zumindest in den Fällen, in denen sie zur Gewaltpotenzierung beitragen.

Mittlerweile gibt es ein neues Phänomen, das die Politik vor ungeahnte Probleme stellt. So lesen wir in der tageszeitung: „Zahlreiche Trittbrettfahrer halten die Behörden nach wie vor in Atem: Allein in Baden-Württemberg wurden seit der Amokwarnung am vergangenen Dienstag neun weitere Drohungen registriert.“ Die Frankfurter Rundschau berichtet: „Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) kündigte „Konsequenz und Härte“ gegen Trittbrettfahrer an. ( … ) Baden-Württembergs Innenminister Rech lobte das Amtsgericht Rastatt für die rasche Bestrafung eines Trittbrettfahrers. Der 19- Jährige erhielt im Schnellverfahren vier Wochen Dauerarrest. Er hatte zugegeben, per E-Mail einen Überfall auf eine Berufsschule in Achern angekündigt zu haben.“ Und in der Süddeutschen Zeitung lesen wir gar: „Die Anschlags-Drohung gegen eine Schule im baden-württembergischen Achern geht auf das Konto eines Trittbrettfahrers. ( … ) Als Motiv gab der 19-Jährige an, er habe seiner Freundin einen schulfreien Tag verschaffen wollen.“ – Was die Süddeutsche auf „Imponiergehabe“ zurückführt. Die Süddeutsche kennt auch die Neuigkeiten im Fall des 18-Jährigen Odenburgers, der sich vor einigen Tagen umgebracht hat: „Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass zwischen der ersten Amoklauf-Drohung und dem Selbstmord des 18-jährigen Schülers in Offenburg keine Verbindung besteht. Die Auswertung des Computers des Schülers habe keine Hinweise auf eine mögliche Gewalttat ergeben. So genannte „Killerspiele“ seien auch nicht gefunden worden.

Was sagt uns das jetzt? An den Killerspielen scheint es nicht gelegen zu haben. Dafür zeichnen sich aber „Trittbrettfahrer“ dadurch aus, dass sie „notorische Straftaten nachahmen ( … ). In der Regel will der Trittbrettfahrer damit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich lenken.“ Das ganze sieht dann in diesem Fall so aus: jemand begeht eine coole Straftat und ist dauerpräsent in den Medien. Jemand anders will das auch sein und ahmt die Tat nach. Wer ist also schuld? Richtig: Die Medien. Zumindest in den Fällen, die sich am Hype beteiligt haben. Weshalb die jetzt denklogisch – richtig! – verboten gehören. Mal sehen, wann Herrn Beckstein das auffällt.

Das ließe sich durchaus auch noch weiterspinnen. Eine Verbotsdrohung etwa kam per Email. Internet verbieten? Kein Problem! Kommt ohnehin von den Amis, das kann nix gutes sein. Und der eine wollte seiner Freundin einen schulfreien Tag verschaffen. Da rätseln die Experten noch, ob sie lieber Schule oder Liebesbeziehungen verbieten wollen. Spannend vor dem Hintergrund ist übrigens auch die Tatsache, das die meisten Drohungen bei der Polizei eingehen…

Kritisch gewendet heißt das dann, das eigentlich alles irgendwie gefährlich ist. Und irgendwie im Kapitalismus stattfindet. Ob der sich verbieten lässt, auch rein rechtlich, da bin ich mir nicht so ganz sicher. Aber wir könnten es ja mal versuchen…


2 Antworten auf “Killer-Leben verbieten”


  1. 1 trabbi 11. Dezember 2006 um 12:30 Uhr

    na ja, die idee, dass die „killerspiele“ schuld seien, ist ja nichts neues. alle paar jahre dreht mal einer durch, weil er/sie private probleme hat, und/oder mit dem leistungsdruck nicht mehr klarkommt, und eigentlich immer seien die computerspiele das problem.
    komisch nur, dass die anderen 500.000 menschen(allein ungefähr so viele spielen counterstrike) noch nicht durchgedreht sind….
    son schrott.

    ich glaube ich spiel jetzt erst mal unreal tournament und werd dann mal ein paar leute erschießen…. am besten im wahlbereich der Z-Mensa…. war das jetzt schon eine drohung….? ich finde ja eher, dass ballerspiele, so lange sie noch einen gewissen „stumpfheitsgrad“ besitzen, agressionen abbauen können, anstatt sie zu fördern. und um welche aufzubauen brauch ich keine „killerspiele“, da muss mir nur diese schöne welt anschauen. Boah, ich könnt mich da so drüber aufregen…..

  2. 2 Kompi 28. Dezember 2006 um 22:03 Uhr

    Zu dem Thema hab ich doch grad ein lustiges Editorial in der C‘t gelesen. Echt köstlich: „Brot birgt statistisch eine weit größere Gefahr als Killerspiele. Über 90 Prozent der Amokläufer konsumieren in
    den 24 Stunden vor ihren Massakern Brot. Noch fataler sind Eltern. Die Statistik belegt eindeutig: Jeder Verrückte hat welche!“

    Hier das Ganze Edi:

    Die Wurzel aller Übel

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.