Deutsche Zustände – Erste Sondierung

Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung rund um Wilhelm Heitmeyer ist an der Uni Bielefeld ansässig und hat gerade den sechsten Teil der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ herausgegeben. Dabei kommt regelmäßig heraus, das Sexismus, Rassismus und Antisemitismus im Allgemeinen in Deutschland eher zu den abnehmen und im übrigen schon lange keine Phänomene am Rande der Gesellchaft, sondern längst eins der Mitte sind.

Viel ist zu dieser Studie bislang noch nicht öffentlich zugänglich, darum werde ich später wohl noch mal genauer darauf eingehen. Zunächst aber ein paar Spotlights. So lesen wir etwa in der taz:

„Die höchste Fremdenfeindlichkeit findet sich laut der Befragung in Mecklenburg-Vorpommern. Dort zeigen mehr als 63 Prozent der Einwohner eine solche Haltung. In Thüringen waren es 61 Prozent – der gesamtdeutsche Mittelwert liegt bei gut 48 Prozent, der Schnitt im Westen bei knapp 46 Prozent, im Osten bei 60 Prozent. So groß also ist der Anteil jener, die finden: „Es leben zu viele Ausländer in Deutschland“ und „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die in Deutschland lebenden Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken“. Für die Studie wurden bundesweit 1.740 Menschen ohne Migrationshintergrund telefonisch interviewt.“

In der Frankfurter Rundschau gibt es unter dem Titel „WM-Euphorie schürt Intoleranz“ eine etwas längere Auseinandersetzung mit den Folgen des WM-Partynationalismus für dies Themenfeld:


„Resultat ihrer Befragung vor und nach der WM: Die Wertschätzung für die Demokratie in Deutschland sank um glatte fünf Prozent auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Zugleich stimmten 86 Prozent der Befragten zu, sie seien stolz, Deutsche zu sein. Vor der WM waren es knapp 80. Fazit der Forscher: Die These, ein „gesunder patriotischer Nationalstolz“ führe auch zu größerer sozialer Bindewirkung und mehr Offenheit und Toleranz, sei eine „Fehleinschätzung“. Versuche, die darauf abzielten, nationale oder patriotische Einstellungen zu stärken, wie die Kampagne „Du bist Deutschland“ oder die deutsche Leitkultur-Debatte, könnten „höchstambivalente“ und sogar „riskante“ Folgen haben, warnte Heitmeyer.“

Halten wir fest: 86 Prozent der Befragten einer repräsentativen Studie sind stolz darauf, deutsche zu sein. Ich erinnere mich noch an Diskussionen in meiner Schulzeit, ich war in der siebten oder achten Klasse, als nach einem Theaterstück die halbe Schule mit einem bekennenden Neonazi darüber stritt, dass das ja wohl mal völlig daneben sei. Er fand das nicht – mittlweile hat er die Mehrheit überzeugt.

Auch sonst sieht es nicht gut, wie die FR weiter berichtet:

„Gewachsen sind vor allem Aversionen gegen Muslime. Gut 28 Prozent konnten sich mit der Forderung anfreunden, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden. Während die Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen mit der Höhe des Bildungsgrads abnimmt, zog sich die Abwehr gegen den Islam durch alle Schichten. Für wachsenden Antisemitismus fanden die Forscher keine Hinweise. Der „klassische Antisemitismus“ sei im Vergleich zu den Vorjahren leicht rückläufig. Wegen des Konflikts zwischen Israel und Libanon sind die Vorbehalte gegen Juden aber wieder auf den Stand von 2002 gestiegen, urteilt die Studie.“