Fluchtschicksale

Das Leben im tendenziell globalen Kapitalismus ist für die meisten Menschen auf der Welt keine Freude. Die wenigen Wohlstandsinseln, die derzeit qua neoliberaler Sparpolitik niedergerissen werden, sind für weite Teile der Menschheit schlicht nicht erreichbar. Das Gro der afrikanischen MigrantInnen etwa wandert innerhalb Afrikas. Nur wenige machen sich auf den Weg Richtung Europa. Was dann die amstführenden Charaktermasken in Europa gar nicht so lustig finden. Und entsprechend versuchen, eine große Quasi-Mauer um Europa zu ziehen. Wie ich bereits an anderem Ort ausführlich diskutiert habe. Auch darauf, das Flüchtlingsschicksale aufgrund der immer perfideren Abschottung Europas eher mehr und schlimmer werden, hatte ich hingewiesen.

Ein ebenso tragisches wie eindrucksvolles Beispiel dafür hat sich gerade vor der Küste Senegals ereignet, wo „zwischen 80 und 102 Senegalesen“ ertrunken sind, wie die taz berichtet und betroffen feststellt: „Das Drama der afrikanischen Auswanderung nach Europa mit kleinen Fischerbooten auf dem Atlantik hat seine bisher größte Katastrophe produziert.“ Im Detail liest sich das wie folgt:

Die Angst davor, von den EU-Patrouillen entdeckt zu werden, zwang die Migranten nicht nur zu einer längeren Reise, sondern könnte sie auch in den Tod getrieben haben. Erst am vergangenen Mittwoch wurden an einem Strand nahe Senegals Hauptstadt Dakar 29 Schiffbrüchige angeschwemmt. Sie berichteten, ihr Boot habe vor der Küste Mauretaniens kehrtmachen müssen, um nicht von den EU-Überwachern gesehen zu werden. 22 der Bootsinsassen seien unterwegs gestorben. Zwei der Geretteten starben noch am Strand.

Während die Migranten auf See waren, hat sich in der europäisch-afrikanischen Migrationspolitik einiges getan. Spanien und Senegal vereinbarten legale, kontingentierte Einwanderung: Am Mittwoch gewährte Spanien die ersten 75 von geplanten 4.000 Einreisevisa Senegalesen, die von spanischen Unternehmen ausgesucht worden waren. Am Freitag bestätigte der EU-Gipfel in Brüssel, die EU strebe nächstes Jahr unter deutscher Präsidentschaft eine Migrationspolitik gegenüber Afrika an, „die auf bestimmte Arbeitsmarktbedürfnisse von EU-Mitgliedstaaten abgestimmt ist“.

All das ist angesichts des Massenelends von Millionen perspektivlosen Jugendlichen in Westafrika nichts.

Da bleibt nur der Hinweis auf die guten, alten Demosprüche: Um Europa keine Mauer, Bleiberecht für alle und auf Dauer.