G8: Soziale Bewegungen und Emanzipation

Im Juni gehts los. Nein, da ist nicht schon wieder Fußball-Weltmeisterschaft, auch wenn das sicherlich ein dankbares Interventionsfeld für die emanzipatorische Linke gewesen wäre. Vom 6. bis 8. Juni ist der G8-Gipfel in Heiligendamm. Da treffen sich die Staats- und Regierungschefs aus den Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland, USA, Kanada und Russland an der mecklenburgischen Ostseeküste, um mal ein wenig zu plauschen und gemeinsam zu überlegen, wie so sinnvoll mit dem umgegangen werden kann, was grade auf der politischen Agenda steht.

Und wie immer bei solchen oder ähnlichen Ereignissen wird auch der G8-Gipfel ein breites Spektrum von Menschen unterschiedlichster Coleur zu breiten Gegenprotesten zusammenführen. Die NPD etwa hat für den 2. Juni eine Demo in Schwerin angemeldet. Die NPD im Landtag von Meck-Pomm hat gar versucht, den Gipfel auf parlamentarischem Wege zu verhindern.

Den übrigen ProtestlerInnen gilt das allerdings nicht als globalisierungskritischer Protest. So lesen wir etwa auf Indymedia: „Die Behörden in dem beschaulichen Bundesland, die mit den Protesten zehntausender Globalisierungskritiker/innen gegen den G8-Gipfel schon genug zu tun haben, können 1500 Neonazis zusätzlich wahrlich nicht gebrauchen. Die jedoch wollen es sich nicht nehmen lassen, das Treffen der G8-Staatschefs für ihre Propaganda zu nutzen.“ Nach dieser Logik gibt es „GlobalisierungskritikerInnen und Neonazis, die aber nicht wirklich zu den Globalisierungskritikern zählen. Ohne für diese Spezies besondere Zuneigung empfinden zu müssen stellt sich hier die Frage: warum gehören die nicht dazu, wo sie doch – gleich allen anderen – bekunden, gegen Globalisierung zu sein?

Durch diesen Definitionstrick muss mensch sich nicht mehr mit dem Problem herumschlagen, dass nicht alle, die sich im Sommer in der Ostseegegend tummeln, auch wirklich auf Emanzipation aus sind. Damit ist globalisierungskritischer Protest von vorn herein auch immer ein Guter, egal welchen Inhalt er vermittelt. So kann dann auch etwa Attac auf seiner Homepage eine vergleichsweise Inhaltsleere Mobilisierung betreiben. Dort ist lediglich zu lesen, die Protestierenden hätten „genug von Krieg und Menschenrechtsverletzungen, von Umweltzerstörung, Sozialabbau, Steuergeschenken und Konzernhörigkeit!“ und „werden Gastgeberin Angela Merkel, US-Präsident George Bush sowie die Regierungschefs“ der übrigen teilnehmenden Staaten irgendwie… weiß man auch nicht. Entgegentreten oder so. Jedenfalls: „Darum fahren wir nach Heiligendamm!“

Und wie die leute da am Besten hinmobilisiert werden können, weiß Attac auch: mit Hinweis auf den Bösen aller Bösen, auf „US-Präsident George Bush“. Noch deutlicher in dieser Frage wird Linksruck. Bei denen heißt es: „Wenn George Bush, Angela Merkel & Co sich in Heiligendamm bei Rostock treffen, werden wir mit großen Demonstrationen gegen ihre Kriegstreiberei und ihren Sozialabbau demonstrieren.“ Hier hat es Bush sogar auf Platz eins geschafft. Und auch das, wofür er bei Linkruck das Synonym abgeben muss, kommt als erstes auf der Liste der Protestgründe: die „Kriegstreiberei“.

Nun findet der Gipfel ja in Deutschland statt. Und die Mobliliserung von Linkruck und Attac Deutschland beschränkt sich auch auf Deutschland. Warum da mit der Anwesenheit des Regierungschefs eines mächtigen deutschen Konkurrenten in der internationalen Konkurrenz geworben werden muss, ist erstmal nicht klar. Es sei denn, es ginge eher gegen die USA als personifiziertes Böses denn gegen den G8-Gipfel als Ausdruck der herrschenden Zustände oder doch wenigstens gegen die unliebsame Rolle, die gerade Deutschland in der Weltpolitik spielt.

Ein ganzes Stück reflektierter gibt sich da die „Interventionistische Linke“, ein Zusammenschluss aus unterschiedlichen linken und linksradikalen Gruppierungen, etwa FelS, A.L.I, Libertad!, AVANTI, oder BUKO. In deren Aufruf wird der Kapitalismus tatsächlich als globales Phänomen von Herrschaft gefasst, das es solidarisch und emanzipativ zu überwinden gilt. Aber auch sie schreibt: „Aufgabe der Linken ist, die existierenden Bedingungen eines potenziellen kollektiven Ausbruchs zu identifizieren und als politischen Entwurf zu artikulieren. Die Herrschaft des Kapitals, den Neoliberalismus und also die G8 delegitimieren zu wollen, heißt unter den aktuellen Umständen deshalb auch in letzter wie erster Konsequenz zugleich die Linke und die sozialen Bewegungen neu erfinden zu müssen.“ Das nun aber häufig Leute „ausbrechen“, manchmal sogar kollektiv, und dass das manchmal nun aber auch gar nichts mit Emanzipation zu tun hat, kommt auch hier nicht vor. Und auch der Versuch, „die sozialen Bewegungen neu erfinden zu“ wollen, klingt ein bisschen nach dem Versuch, sich das Elend schönreden zu wollen. Und so fährt die Interventionistische Linke dann auch in bester Multitude-Manier fort:

„Wir können diese Chance nur gemeinsam und als unsere gemeinsame Chance nutzen. Unter diesem ‚Wir‘ verstehen wir nicht bloß die Gruppen und Projekte des Netzwerks der Interventionistischen Linken. ‚Wir‘ meint auch nicht einfach die verschiedenen Spektren der außerparlamentarischen und parlamentarischen Linken. ‚Wir‘ meint, was man seit Seattle die „Bewegung der Bewegungen“ nennt. „Wir“ meint eine globale Konstellation emanzipatorischer Politiken, die über die Linke und über die älteren und jüngeren sozialen Bewegungen hinausreicht. Es gibt international das Potenzial gemeinsam der Herrschaft des Kapitals zu widerstehen.“

Das, „was man seit Seattle die ‚Bewegung der Bewegungen‘ nennt“, ist aber eine Mischung aus unterschiedlichsten politischen und gesellschaftlichen Strömungen und Milieus. Das erkennt die Interventionistische Linke auch durchaus n wenn sie schreibt: „Weder ersetzen die Bewegungen in ihrer Vielfalt und Spontaneität, was sich als „Linke“ von ihr differenziert, noch entfällt der Streit zwischen unterschiedlichen Weisen des Linksseins.“ Das ist sicherlich richtig. Das Bild, das sich abzeichnet, ist in etwa dieses: es gibt soziale Bewegungen, in denen ein buntes Gemisch politischer Anschauungen unterwegs ist. Und es gibt innerhalb dieser Bewegungen emanzipative Kräfte, die um Einfluss innerhalb dieser Bewegungen kämpfen.

Für die Interventionistische Linke folgt daraus dies:

„Doch zielt dieser Prozess weder auf eine letzte Einheit noch auf eine endgültige Trennung. Für eine kommende Linke wird die Kommunikation der Initiativen und der Kämpfe kein Mittel zu einem außer ihr liegenden Zweck sein, sondern das Mittel, das selbst ein Zweck ist zur Konstruktion des Gemeinsamen, des Kommunen. Wirksam wird dies allerdings nur im praktisch-erprobten Spiel der Unterschiede, in der offenen und solidarischen Konstellation seiner Differenzen und in der entschiedenen Intervention in die gesellschaftlichen, sprich: Herrschaftsverhältnisse.“

Das ist für wohl einerseits richtig als auch andererseits falsch. Das es für die „Linke“ (was auch immer das dann sein soll…) mehr oder weniger unabdingbar ist, in die sozialen Bewegungen zu gehen, ist sicherlich richtig. Ebenfalls richtig ist der in Teilen selbstzweckhafte Charakter dieses Engagements: es geht darum, sowohl andere Menschen als auch sich selbst aus dem herrschenden Irrsinn herauszureflektieren. Andererseits ist es wohl immer schwierig, innerhalb von Gruppen und Zusammenhängen ein Gemeinsames zu suchen. Das nämlich tut der Kapitalismus auch, wenn er die Waren in Wert und Arbeit als „gemeinsames Drittes“ einander gleichsetzt – und damit den ganzen Wahn erst in Gang setzt. So sehr die Linke der sozialen Bewegungen bedarf und so sehr sie nicht darumherumkommt, manchmal auch mit reaktionären Kräften zu paktieren – so wenig darf sie sich doch positiv darauf Beziehen, in all dem etwas positives zu finden, auf das Bezug zu nehmen sich lohnen könnte.

Einen anderen Aufruf aus dem radikal gesellschaftskritischen Spektrum haben die Gruppen redical-m (Göttingen), Autonome Antifa (F) Frankfurt und T.O.P.-Berlin unterschrieben. Laut deren dafürhalten soll zum G8-Protest mobilisiert werden, weil „weil die G8-Gipfel als Form begriffen werden müssen, in der sich die kapitalistische Gesellschaft im Politischen reflektiert“. Eben deshalb erregen sie die Gemüter und können helfen, mit dem kritischen Denken ernst zu machen. Soweit, so gut. Am Ende des Aufrufes wird dieser Gedanke wieder aufgegriffen:

„Nicht, weil die Gruppe der Acht das personifizierte Böse ist, sondern gerade weil Herrschaft im Kapitalismus im Grunde weder Namen noch Adresse hat, sollte der G8-Gipfel zum Anlass genommen werden, um mit der Kapitalismuskritik aufs Ganze zu gehen. Denn der ‚richtige Ort’ für antikapitalistischen Widerstand ist nie unmittelbar gegeben. Die „Richtigkeit“ bestimmt sich ausschließlich in dem Maße, in dem aus der Erfahrung gesellschaftlicher Widersprüche die Einsicht in die Notwendigkeit erwächst, ‚alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.‘“

Entgegen einer häufigen Lesart sollte bei dieser Textstelle übrigens darauf geachtet werden, das die Begründung für den tatsächlich eher kryptischen ersten Satz am Ende nachgeschoben wird. Die Argumentation geht dann etwa wie folgt: (1) Es gibt keine Ort, an dem Kapitalismuskritik ohne Probleme und Widersprüche artikuliert werden kann. Darum (2) muss geschaut werden, bei welchen Gelegenheiten den Menschen am ehesten auffallen könnte, dass da was nicht stimmt. Das könnten dann – wir kommen zum Anfang zurück – die Orte, sein, an denen sich „die kapitalistische Gesellschaft im Politischen reflektiert“ Insofern sind das durchaus zwei halbe Argumente, die am Ende durchaus Sinn machen. Was auch Antiphrasis überzeugen sollte.

Eine Frage allerdings bleibt auch hier offen: was genau ist das Ziel radikal-emanzipativer Kräfte während der G8-Poteste? Dem Bündnis zumindest scheint es nicht darum zu gehen, innerhalb der Protestbewegung für emanzipatorische Positionen zu werben. Denn dafür taugen Aktionsformen, die einen „unversöhnlichen Akt der Negation“ symbolisieren im Regelfall leider nicht. Black-Block-Spielereien juveniler Antifa-Kids mögen helfen, die Wut im Bauch loszuwerden, regen aber nur selten dazu an, die eigene Position zu reflektieren. Hier wären vielleicht mal andere Aktionsformen angesagt.

Aber immerhin, obwohl die schon sprichwörtlicher Fehlerquote der redical-m-Veröffentlichungen (die schon fast an die in diesem Blog heranreicht) auch auf TOP und die Antifa-F abgefärbt zu haben scheint und obwohl der gute Teddy Adorno an einigen Stellen nur allzu deutlich durchzulesen ist („Gesellschaft, das ist nicht einfach nur die Summe ihrer Mitglieder: Ihr Spezifisches besteht gerade im Übergewicht der sozialen Formen und Verhältnissen, welche die Beziehungen der Einzelnen zueinander strukturieren und organisieren.“ Vgl. Theodor W. Adorno: Gesellschaft. In: ders., Soziologische Schriften I. Frankfurt am Main 2003) so haben die drei doch einen vergleichsweise erfrischenden Text produziert. In dem sogar einige ziemlich brilliante Stellen enthalten sind, so etwa diese:

„Im Kapitalismus folgen die ökonomischen Akteure einer Rationalität, die ihnen durch die ökonomischen Verhältnisse selbst aufgezwungen ist. Mit der Menschheit verhält es sich wie in Goethes Zauberlehrling: Die Mächte, die gerufen wurden, um sich von der mühsamen Plackerei zu befreien – um das Überleben in einer gewaltigen Natur zu sichern – haben sich längst verselbständigt und beherrschen den Menschen. Selbst der Kapitalist ist durch das Band der Konkurrenz dazu verdammt, Profit zu machen oder unterzugehen. Im Angesicht von Krieg, Terror und der Verelendung ganzer Weltregionen steht die Zivilisation immer wieder mit Fassungslosigkeit vor den Resultaten ihrer eigenen Dynamik. Goethes alter Hexenmeister, der den bösen Zauber beendet und den Lehrling aus seiner misslichen Situation befreit, wäre in einer zeitgemäßen Lesart freilich weder der raffinierte Bourgeois noch der starke Staat. Die Fähigkeit, die Mittel einem vernünftigen Zweck unterzuordnen, oder anders gesprochen, den Menschen als Subjekt der eigenen, selbstbestimmten Geschichte einzusetzen, diese Meistergabe entspräche nicht dem „Lob der Klassengesellschaft“ und deren Sachzwanglogik. Im Gegenteil: Als Sinnbild für die Aufhebung des Zwangsverhältnisses ähnelt der alte Hexenmeister vielmehr dem Marxschen Gespenst des Kommunismus. „Zeitgemäß“ hieße hier allerdings, dem herrschenden Zeitgeist zu widersprechen: Gegen die Diktatur der Produktion über die Bedürfnisse, das Primat der Bedürfnisse über die Produktion einzufordern.“

Das mit der Legalität und der Legitimität, das haben sie noch nicht so ganz Begriffen. Aber dazu später mehr. Vielen Dank an Krasse-Zeiten für die schicken Linksruck-Fotos.


15 Antworten auf “G8: Soziale Bewegungen und Emanzipation”


  1. 1 egal 04. Januar 2007 um 22:30 Uhr

    „Eine Frage allerdings bleibt auch hier offen: was genau ist das Ziel radikal-emanzipativer Kräfte während der G8-Poteste? Dem Bündnis zumindest scheint es nicht darum zu gehen, innerhalb der Protestbewegung für emanzipatorische Positionen zu werben. Denn dafür taugen Aktionsformen, die einen “unversöhnlichen Akt der Negation” symbolisieren im Regelfall leider nicht.“

    Ist das nicht eine grundsätzliche Kritik an der bestehenden Protestbewegung?
    Vielfältige Aktionsformen sind etwas wunderbares. Allerdings muss es auch eben genau dies Ausdruck des “unversöhnlichen Aktes der Negation” geben– wie der auch immer aussehen mag– um nicht bei noch so gut gemeinten Verbesserungsvorschlägen stehen zu bleiben.

  2. 2 herumspringen 05. Januar 2007 um 1:38 Uhr

    Die Gruppe 8.Mai hat eine Antwort auf den Redical M Text verfasst, welche folgende Frage aufwirft: „wenn, wie behauptet, Kapital = total, wieso dann G8-Protest?“. Ganz interessant zu lesen auf jeden Fall, ohne Totalausfälle, wie sonst bei denen

  3. 3 emanzipationoderbarbarei 05. Januar 2007 um 10:17 Uhr

    @egal

    du möchtest am „unversöhnlichen Akt der Negation“ festhalten, um nicht „bei noch so gut gemeinten Verbesserungsvorschlägen stehen zu bleiben“. Und ich glaube ja, das der Zusammenhang zwischen anderen, „vielfältigen Aktionsformen“ und den behaupteten Verbesserungsvorschlägen so erstmal gar nicht existiert. Gut, häufig ist die Botschaft, das eine bessere Welt doch cooler wäre, aber mit solchen Verbesserungsvorschlägen kann ich durchaus leben. Und letztlich ist doch auch die totale Negation ein Verbesserungsvorschlag: das Falsche Ganze in die Tonne zu treten. Nur verbleibt sie halt in der Negation, bietet keine Perspektive und vermittelt sich, seien wir mal euphorisch, nur schwerlich.

    Oder hab ich irgendwas wichtiges übersehen?

  4. 4 emanzipationoderbarbarei 05. Januar 2007 um 11:00 Uhr

    @herumspringen

    meintest du sprachliche oder inhaltliche totalausfälle? also sprachlich scheint mir der text ja okay zu sein… *g*
    aber was ich ja schon finde ist…

    (1) … das in dem Aufruf nirgends steht „Kapital = total“. Da steht, der Kapitalismus sei „dominantes Strukturprinzip“ und der Kapitalismus habe „im Grunde weder Namen noch Adresse“. Was ja beides erstmal richtig ist. Da steht aber nirgends, das er nicht widersprüchlich wäre, das sich an den Widersprüchen nicht auch das Denken brechen könnte, das er die Totalität, die im innewohnt, tatsächlich erreichen könnte bzw. schon erreicht hätte.

    (2) … dass das logische Paradoxon keins ist, wie ich ja gegen Ende versucht habe zu Begründen. Der Vorwurf lautet, „gerade wegen der Totalität wähle man sich die G8 aus“. Nun steht in dem Aufruf, das Problem sei, das eben beim Kapitalismus Adresse und Postanschrift fehlen würden. Weshalb der richtige Ort für Interventionen „nie unmittelbar“ gegeben sei, sondern eben nur mittelbar. Und diese Mittelbarkeit, so das Argument, stelle sich her über das Maß, „in dem aus der Erfahrung gesellschaftlicher Widersprüche die Einsicht in die Notwendigkeit erwächst“ den ganzen Scheiß zu verschrotten. Das scheint mir doch zumindest nicht paradox zu machen. Und finden würde ich das auch glaube.

    (3) … das ich jetzt auch nicht wüsste, wo in dem Aufruf ein Bezug auf Medien oder Medieninteresse hergestellt würde. Vielleicht ist ja auch die Suche-Funktion an meinem Browser kaputt, aber ich hab nix gefunden.

    (4) … das, selbst wenn von Medieninteresse die Rede gewesen wäre, dies ja durchaus für eine gewisse gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Sensibilität für ein Thema spricht. Nicht im positiven Sinne, das alle dagegenwären, sondern lediglich im Allgemeinen, das sie etwas zur Kenntnis nehmen. Und das is ja in der bürgerlichen Gesellschaft schon mal ein Anfang.

    (5) … das mensch in gewisser Weise sicherlich „mit der angepeilten Randale ( … ) schlicht die vorgestanzten Erwartungen der Kulturindustrie“ erfüllt. Was aber weniger gegen ein Engagement vor Ort als vielmehr für eine Reflexion der Aktionsformen spricht.

    (6) … dass das Argument, es würde doch keinen Sinn machen sich auf einen Punkt zu stürzen, wenn das Kapital doch so unglaublich allumfassend sei, einigermaßen ignorant ist. Denn das Argument, mit dem sich in der Kritik nicht auseinandergesetzt wird, ist doch gerade, dass es den konkreten Ansatzpunkt braucht, um das abstrakte als Abstraktes kritisieren zu können. (Im Gegensatz zu ideologisierten Formen des Pseudo-Antikapitalismus, die das konkrete stellvertretend für das abstrakte zu kritisieren versuchen). Oder, mit Adorno gesprochen: Wenn es ein Skandal sein soll, dass das Allgemeine über das Besondere herscht, dann muss ich dies Verhältnis auch darstellen. Die Hälfte zu ignorieren, bringt nicht weiter. Wo kann ich besser zeigen, dass der G8 nicht das eigentlich Problem ist als auf dem G8?

    (7) … es kein Widerspruch sein muss, einerseits im Alltag widerständig zu sein, etwa wenn „wenn man wieder schlechten Sex hatte, keine oder zuwenig zärtliche Zuwendung erfährt, frühmorgens wegen Schul- bzw. Arbeitsterror von klingelnden Wecker terrorisiert wird oder die Eltern schon wieder mit Sozialpädagogik bzw. Ausgehverbot nerven.“ und andererseits zum G8 zu fahren.

    (8) … das die Behauptung der Totalität, aus der es kein Entrinnen gibt, wohl eher von der Gruppe 8. Mai kommt, die es deshalb „im höchsten Maße konterrevolutionär“ findet, überhaupt was gegen den Kapitalismus zu machen. Fragt sich, warum sie überhaupt Weblogs betreibt…

    (9) … dass es ja durchaus stimmt, das es nun angebracht wäre, sich nicht Allmacht zu phantasieren, sondern nüchtern zu analysieren, warum der Scheiß noch immer da ist. Aber auch hier: am Besten doch an dem Ort der näxten Niederlage, da, wo die Leute dafür sensibilisiert sind, das Widerstand mit Niederlagen verbunden ist.

    (10) … das der pseudo-radikale Nixtu-Gestus schon ein bissel anstrengend ist: „Wer in Heiligendamm die players fightet, spielt aber – ob gewollt oder nicht – das game schon mit“ schreibt die Gruppe 8. Was sich ergänzen ließe um Sätze wie: „Wer auf sozialen Widerstand verzichtet, weil sich ja ohnehin nichts verändern lässt, spielt das Spiel bereits mit“. So ist das Spiel eben. Widersprüchlich. Der Kapitalismus schafft mit der Form von Protest und sozialer Bewegung eine Form, Widerstand zu integrieren. Aber gleichzeitig schafft er auch eine Form, die über ihn hinausweist. Und das ist dann die vielbeschworene „Dialektik der Aufklärung“. Die Frage ist eben nur, wie sich dieser Widerstand artikuliert.

    (11) … das die schlichte Feststellung, das zu befürchten ist, das die meisten Demonstrierenden nicht über „die in Deutschland populäre Gleichung ‚Kapitalismus = die Reichen‘“ hinauskommen werden, doch eher ein Grund zum hinfahren ist denn zum daheimbleiben. Schließlich gibt es noch einiges zu tun.

    (12) … das hinter dem Text die Vorstellung eines revolutionären Aktes steht, der den Kapitalismus mit einem Streich erledigt. So etwa wenn sie den „dem Gipfel folgende Arbeitstag in altbekanntem ungestörtem Trott“ stattfinden sehen und daraus das Fehlschlagen der Proteste folgern. Mal gut, möchte mensch meinen. Würde sozialer Umschwung tatsächlich von einem Tag auf den anderen durchgesetzt, wären wohl alle Beteiligten überfordert. Inclusive meines Magens, für den es dann wohl erstmal düster aussähe.

    (13) … das der Text am Ende die Radikalisierung des Gedankens, sich ein konkretes zur Kritik des Abstrakten zu suchen, betreibt. Das ist interessant und sicherlich diskutabel, aber passt nicht dazu, der G8-Protestgemeinde genau das vorzuwerfen. Studierendenproteste etwa sollen der richtige Ansatzpunkt sein. Und zwar weil es da um einen konkreten Konflikt gehe, eine konkret mögliche Verbesserungssituation, während der G8-Gipfel ja tatsächlich keine unmittelbaren Folgen bzw. angreifbaren Ergebnisse hat (mittelbare allerdings eine ganze Reihe…).

    (14) … das die Gruppe 8. Mai die Auszeichnung zum „Besten wertkritischen Neo-Operaismus im Januar 2007″ kriegen sollte…

  5. 5 egal 05. Januar 2007 um 12:39 Uhr

    1. Mit den bei noch so gut gemeinten Verbesserungsvorschlägen meinte ich Ansätze, die nicht über das Bestehende, also den Kapitalismus, hinausweisen, sondern diesen immanent bleiben. Gegen etwas bessere Lebensbedingungen habe ich rein gar nichts. Allerdings hat das dann nichts mit grundsätzlicher emanzipatorischer Kritik zu tun.
    2. O.K. dieser Zusammenhang ist von mir unterstellt. Wenn ich mir aber die letzten vergleichbaren Mobilisierungen und Proteste, dann fällt mir jedoch auf, dass die sogenannten GlobalisierungsgegnerInnen/ oder –kritikerInnen ganz schnell in zwei Sparten sortiert werden: 1. ernstzunehmende politische/kreative AktivistInnen (protestieren und demonstrieren darf prinzipiell erst mal JedeR, solange die ganze Angelegenheit ignorierbar ist; o.k. das ist jetzt etwas zynisch), 2. unpolitische KrawalltouristInnen.
    Diese Unterteilung ist strikt abzulehnen.
    3. Natürlich bietet Negation alleine keine Perspektive. Jedoch ist es dringend nötig überhaupt erst einmal diesen Gedanken zu formulieren. Wenn ich mir die übrigen aktuellen Publikationen zu G8 angucke, dann sehe ich leider kaum Ansätze, die in eine solche Richtung gehen. Wenn überhaupt mal das Wort Kapitalismus oder Kapital fällt, dann eigentlich nur im traditionellen Sinn. Die Vermittlung von grundlegender Kritik scheint mir da genau angebracht zu sein.
    4. Es bleibt zudem die Frage, inwieweit es bei den kommenden Protesten Interesse an grundlegender Gesellschaftskritik gibt und ob dieses Interesse sich hauptsächlich an der Form der Vermittlung festmacht. Ich denke z.B. nicht, dass der Bundesvorstand der Grünen Jugend
    an einer solchen Ebene der Kritik

  6. 6 egal 05. Januar 2007 um 14:41 Uhr

    Der letzte Satz soll lauten:
    Ich denke z.B. nicht, dass der Bundesvorstand der Grünen Jugend, als Parteijugend, an einer solchen Ebene der Kritik überhaupt interessiert ist, ganz gleich in welcher Form sie vermittelt ist. Es kann dort höchstens Einzelpersonen geben, die sich dafür interesieren.

  7. 7 herumspringen 05. Januar 2007 um 15:02 Uhr

    ich meinte inhaltlich. den letzten text von denen, den ich gelesen hab, würde ich als totalausfall bezeichnen.

    (mindestens) zu deinem punkt 6 passt folgender kommentar:

    Wieso sollten es ausgerechnet diese Orte sein? Das einzige was den Durchschnitssdeutschen bei G8 auffällt ist dass die undemokratisch,Lügner, international zusammengesetzt oder kriegstreiberisch sind. Oder er affirmiert den Scheiß halt, wie wahrscheinlich die meisten CDUler. Aber wieso sollte man gerade da ansetzen, anstatt zb wo es mal Sinn machen würde, zb beim wilden Opelstreik in Bochum oder zuletzt dem BSH-Streik in Berlin (vgl www.klassenlos.tk), da fällt den Leuten nämlich u. U. eine Menge auf: wie unbedeutend sie sind, dass sie sich selbst organisieren könnten, dass die Gewerkschaften sie verarschen … Der G8-Protest ist nur eine dämliche Ablenkungs- und Selbstbefriedigungsmasche von Randalegeilen oder Massenfetischisten, Resonanzboden nur in geringem Ausmaße, und diesen Boden zum Schwingen bringen kann man nicht durch alternatives Mitmachen, sondern nur durch Konfrontation, zb in Form einer Gegendemo gegen die Gegendemos.

  8. 8 egal 05. Januar 2007 um 17:00 Uhr

    „Wieso sollten es ausgerechnet diese Orte sein? Das einzige was den Durchschnitssdeutschen bei G8 auffällt ist dass die undemokratisch,Lügner, international zusammengesetzt oder kriegstreiberisch sind.“

    1) Weil die Aufmerksamkeit für das Thema G8 eine Sensibilisierung für Gesellschaftskritik bedeuten kann. Zum Rest hat Emanzipation schon was gesagt.

    „Aber wieso sollte man gerade da ansetzen, anstatt zb wo es mal Sinn machen würde, zb beim wilden Opelstreik in Bochum oder zuletzt dem BSH-Streik in Berlin (vgl www.klassenlos.tk), da fällt den Leuten nämlich u. U. eine Menge auf: wie unbedeutend sie sind, dass sie sich selbst organisieren könnten, dass die Gewerkschaften sie verarschen …Der G8-Protest ist nur eine dämliche Ablenkungs- und Selbstbefriedigungsmasche von Randalegeilen oder Massenfetischisten, Resonanzboden nur in geringem Ausmaße, und diesen Boden zum Schwingen bringen kann man nicht durch alternatives Mitmachen, sondern nur durch Konfrontation, zb in Form einer Gegendemo gegen die Gegendemos.“

    2) Ich weiß nicht, warum das eine das andere ausschließen soll.
    Wer die Möglichkeit hat, in solche Arbeitskämpfe mit einer guten Kritik/Praxisidee zu intervenieren, soll das tun. Allerdings besteht dabei auch die Gefahr in das altbekannte „Flugblätter-vor-Fabriken-verteilen“ zu geraten, das sich sehr verbalradikal gibt, aber mit einer wirklich radikalen Intervention, Verankerung, Kritik und Praxis nichts zu tun hat.
    Wie war das mit den Allmachtsphantasien?
    Ich halte es für sinnvoller sich Arbeitsbereiche (für die unmittelbare politische Praxis) zu suchen, in denen man die selbst gesteckten Ziele Aufgaben auch umsetzen kann, anstatt einen praktischen Anspruch zu formulieren, der nicht einlösbar ist.

    „(14) … das die Gruppe 8. Mai die Auszeichnung zum “Besten wertkritischen Neo-Operaismus im Januar 2007″ kriegen sollte…“

    3) Ganz großes Kino. Eine wirklich gelungene Spitze.
    Die Gruppe 8. Mai hat erkannt, dass es an sich keine revolutionäre, emanzipatorische Praxis gibt. Welch eine Erkenntnis. Politische, gesellschaftliche Praxis– soweit sie nicht schon der Akt der Aufhebung ist– ist immer verkürzt, weil im Kapitalismus und dessen Verkehrsformen verbleibend. D.h. aber nicht, dass es deswegen kein Entrinnen aus dem Kapitalismus gibt.
    Es kommt darauf an, sich über der Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen Praxis bewusst zu werden. Deshalb ist die jeweilige Praxis aber keinesfalls aufzugeben.

  9. 9 g8member 05. Januar 2007 um 20:06 Uhr

    Puh, erstmal nur kurz, weil gerade von verkackter Lohnarbeit zurück und gleich Beziehungsstress …
    Also:

    „(8) … das die Behauptung der Totalität, aus der es kein Entrinnen gibt, wohl eher von der Gruppe 8. Mai kommt, die es deshalb “im höchsten Maße konterrevolutionär” findet, überhaupt was gegen den Kapitalismus zu machen. Fragt sich, warum sie überhaupt Weblogs betreibt…“

    Ich glaub totalität oder sowas stand auch im aufruf der antifajugend zum kongress. die g8m findet es gar nicht konterrevo was zu tun, deswegen ja zb auch unten der verweis auf die studiproteste. oder den generalstreik.

    „(11) … das die schlichte Feststellung, das zu befürchten ist, das die meisten Demonstrierenden nicht über “die in Deutschland populäre Gleichung ‚Kapitalismus = die Reichen’” hinauskommen werden, doch eher ein Grund zum hinfahren ist denn zum daheimbleiben. Schließlich gibt es noch einiges zu tun.“

    ja, hinfahren kann man ja, was tun auch. aber bitte keinen alternativen karneval, sondern konfrontativ gegen die reformistische linke (dazu zählt auch die alb und konsorten)

    „(12) … das hinter dem Text die Vorstellung eines revolutionären Aktes steht, der den Kapitalismus mit einem Streich erledigt. So etwa wenn sie den “dem Gipfel folgende Arbeitstag in altbekanntem ungestörtem Trott” stattfinden sehen und daraus das Fehlschlagen der Proteste folgern. Mal gut, möchte mensch meinen. Würde sozialer Umschwung tatsächlich von einem Tag auf den anderen durchgesetzt, wären wohl alle Beteiligten überfordert. Inclusive meines Magens, für den es dann wohl erstmal düster aussähe.“

    nee, gerade weil es nicht auf ein schlag geht, sondern ein langer prozess sein müsste, ist es falsch in einer zumindest hier völlig arevolutionären situation ein solches theater zu veranstalten, das nach wenigen tagen wieder verpufft ist, anstatt sich auf den aufbau langfristiger strukturen zu konzentrieren.

    „Studierendenproteste etwa sollen der richtige Ansatzpunkt sein. Und zwar weil es da um einen konkreten Konflikt gehe, eine konkret mögliche Verbesserungssituation, während der G8-Gipfel ja tatsächlich keine unmittelbaren Folgen bzw. angreifbaren Ergebnisse hat“

    das studi-bsp erklärt sich v.a. aus der konkreten situation in ffm, wo fast alle der nun in der g8-disco involvierten mitmischten. bemerkenswert daran finde ich, dass wenige direkte aktionen gegen börse, banken (in ffm recht naheliegend) usw unternommen wurden, sondern meist einfach versucht wurde das generelle stadt- und wirtschaftsleben lahmzulegen incl. blockade der arbeitsagentur, also genau nicht konkretistisch, sondern auf der praktischen ebene relativ (wir reden von deutschen studis…) abstrakt.

    du bist sonst sehr schlau, brinsgt hier aber komische argumente gegen die g8m – merkwürdig.

  10. 10 g8member 05. Januar 2007 um 20:21 Uhr

    ach so, kurze nachfrage nachdem mein beziehungsstress erstmal abgewendet werden musste (jetzt wartet aber die dusche und die pizza ;) ):
    wieso war der letzte text zum dgb und bratwurstverbot denn ein totalausfall, herumspringen?

  11. 11 g8member 05. Januar 2007 um 21:12 Uhr

    Sorry dass ich hier schon wieder hereinschneie, aber mir ist noch was eingefallen:

    „(3) … das ich jetzt auch nicht wüsste, wo in dem Aufruf ein Bezug auf Medien oder Medieninteresse hergestellt würde. Vielleicht ist ja auch die Suche-Funktion an meinem Browser kaputt, aber ich hab nix gefunden.“

    Wir beziehen uns ja auch auf den Jugenantifa-aufruf, dort heißt es unter http://www.jugendantifakongress.tk/:

    „2007 findet der G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm bei Rostock statt. Dies bietet aus unserer Perspektive verschiedene Möglichkeiten für die politische Praxis linksradikaler Gruppen, die wir im Folgenden kurz bennen wollen: Zum einen sehen wir in der Nutzung der großen medialen Aufmerksamkeit die Chance, linksradikale Kritik in einer breiten Öffentlichkeit wahrnehmbarer zu machen.“

    Und gerade das Motiv, einmal im Leben/zum ersten Mal mediale Präsenz zu zeigen und vielleicht gar 3 Sekunden bei der Tagesschau eingeblendet zu werden, dürfte eines der wichtigsten für Jugendliche sein (wäre mir mit 16 auch nicht anders gegangen) und wird deswegen relativ ausführlich abgehandelt.

  12. 12 emanzipationoderbarbarei 06. Januar 2007 um 11:59 Uhr

    @easy

    Toll, wenn mensch mit Nummerierungen anfängt, machen die Deutschen das immer gleich nach. *g*

    aber wenn ich „alles für alle und zwar umsonst“ brülle, dann fordere ich doch auch bessere lebensbedingungen , oder? aber es ist nicht reine negation.es wird deutlich gemacht, worum es geht, ohne mit konkreten (letztlich wieder bevormundenden) realpolitischen verbesserungsvorschlägen zu kommen.

    deine zweiteilung in (1) ernstzunehmende politische/kreative AktivistInnen (protestieren und demonstrieren darf prinzipiell erst mal JedeR, solange die ganze Angelegenheit ignorierbar ist; o.k. das ist jetzt etwas zynisch) und (2) unpolitische KrawalltouristInnen scheint mir jedenfalls so nicht mit meiner wahrnehmung übereinzustimmen. bei (2) gibt es doch neben den tatsächlich unpolitischen leuten, die ohne theoretischen background einfach mal die sau rauslassen wollen auch immer leute die aufgrund einer theoretischen analyse zu dem schluss kommen, das jetzt riots auf dem plan stehen. und bei (1) gibt immer auch leute, die aufgrund einer am ganzen ansetzenden kritik zu kreativen protestformen greifen. ich denke da vor allem an leute aus diesen oder diesen zusammenhängen.

    zur frage grundsätzlicher gesellschaftskritik und dem interesse daran glaube ich, dass es darauf ankommt situationen zu schaffen, in denen leute dafür aufnahmefähig sind. und dann auch gleich die „dienstleistung“ der vermittlung bereitzustellen. frag mich nicht wie das gehen soll, aber dafür rezepte zu entwickeln stünde m.e. an.

  13. 13 emanzipationoderbarbarei 06. Januar 2007 um 12:14 Uhr

    @g8member

    ach so, den aufruf zum antifa-kongress hatte ich gar nich gelesen. hatte den text als ne reine antwort auf den „ums-ganze“-text gelesen. wobei ja beide aus einem ähnlichen spektrum zu kommen scheinen.

    ansonsten finde ich ja alternativen karneval toll. in echt. „konfrontativ gegen die reformistische linke“ ist sicherlich gut fürs gemeinschaftsgefühl, aber das war’s m.e. auch schon. die nehmen das nämlich so wahr wie es gemeint ist: als konfrontation. und nicht als gesprächsangebot. in göttingen ist es seit genua gelungen viele leute beispielsweise aus attac-zusammenhängen herauszureflektieren. aber das nicht durch konfrontative flugis, wie sie etwas das [a:ka] bei der attac-konferenz verteilt hat.

    das mit dem aufbau langfristiger strukturen finde ich auch so. wobei der ja die „umsganze“-aktion schon auch mittelfristig geplant ist, immerhin. da soll ja – wenn ich das richtig mitbekommen hab – beim opernball, am 1. mai und beim G8 interveniert werden. darüber hinaus würde ich aber auch sagen: langfristige strukturen machen nur sinn, wenn sie nicht in der negation verharren sondern sagen können, wo sie hinwollen. aber da haben wir vermutlich einen ganz grundsätzlichen dissens…

    das die studi-proteste in ffm sich wenig gegen banken gerichtet haben, finde ich zwar auch überraschend, aber auch nich so schlimm. is ja nich so besonders unproblematisch, so ne reine bankenkritik… jedenfalls würde ich so sachen wie studiproteste (die sich ja in göttingen ebenfalls anbieten) oder streikaktionen nicht gegen events wie G8 oder anderes aufrechnen wollen. beides hat vorteile, aber beides hat eben auch nachteile. ein paar davon sind ja schon genannt worden. vielleicht sollte ich da mal nen text zu schreiben… *grübel*

    ansonsten hat die spezifische reaktion auf die g8mai sicher auch was mit pawlow und seinem hund zu tun: ich bin halt allergisch gegen diese linksradikale alle-sozialproteste-sind-doof schiene. und hab die da wohl gewittert…

  14. 14 g8member 07. Januar 2007 um 2:22 Uhr

    „“konfrontativ gegen die reformistische linke” ist sicherlich gut fürs gemeinschaftsgefühl, aber das war’s m.e. auch schon. die nehmen das nämlich so wahr wie es gemeint ist: als konfrontation. und nicht als gesprächsangebot. in göttingen ist es seit genua gelungen viele leute beispielsweise aus attac-zusammenhängen herauszureflektieren. aber das nicht durch konfrontative flugis, wie sie etwas das [a:ka] bei der attac-konferenz verteilt hat.“

    Ich denke es ist möglich durch eine gute Mischung aus ätzender Kritik, offen-toleranter Haltung und Beharrlichkeit Leute aus diesen Kreisen loszueisen, nicht umsonst waren etliche ADs früher bei Linksruck … Konfrontation ist ein Element dieser Strategie, weil es die Linken erst mal vor den Kopf stößt und damit einen Raum, eine Lücke eröffnet, in die dann (andere) mit weniger offensiver und mehr inhaltlicher Argumentation stoßen können

    „das mit dem aufbau langfristiger strukturen finde ich auch so. wobei der ja die “umsganze”-aktion schon auch mittelfristig geplant ist, immerhin. da soll ja – wenn ich das richtig mitbekommen hab – beim opernball, am 1. mai und beim G8 interveniert werden.“

    Naja, Opernball ist ja selbe Schrott wie G8, nur in piefiger …
    Ich weiß nicht wieso man jetzt die ganzen Fehler der Autonomen aus den letzten beiden Jahrzehnten jetzt auf antinational getrimmt wiederholen muss, und mit Strukturaufbau haben solche kurzatmigen Kampagnen zu Riot-Events auch nichts zu tun.

    „darüber hinaus würde ich aber auch sagen: langfristige strukturen machen nur sinn, wenn sie nicht in der negation verharren sondern sagen können, wo sie hinwollen. aber da haben wir vermutlich einen ganz grundsätzlichen dissens…“

    Bin jetzt zu faul den verlinkten Text nachzulesen, denke aber dass Negation immer nur bestimmt sein kann und darum schon eine Richtung weist, und klar, diese Richtung muss auch in der Organisationsform und Lebenspraxis der Akteur_innen drinstecken, wenn diese auch immer vom falschen Ganzen überformt bleiben werden (zb Tausch in Umsonstläden, Selbstausbeutung im AZ, Männerdominanz in Theoriezirkeln..)

    „das die studi-proteste in ffm sich wenig gegen banken gerichtet haben, finde ich zwar auch überraschend, aber auch nich so schlimm.“

    Klar. Mit naheliegend meinte ich a) aus geographischen Gründen und b) weil das Normalbewusstsein ja gerne alles Übel bei Banken sucht

  15. 15 someguy 08. Januar 2007 um 0:02 Uhr

    „Und gerade das Motiv, einmal im Leben/zum ersten Mal mediale Präsenz zu zeigen und vielleicht gar 3 Sekunden bei der Tagesschau eingeblendet zu werden, dürfte eines der wichtigsten für Jugendliche sein (wäre mir mit 16 auch nicht anders gegangen) und wird deswegen relativ ausführlich abgehandelt.“

    Traurig das selbst in linken Kreisen die Formel
    jung= dumm/aktionistisch/randalorientiert immer noch halten muss.
    Wäre ja mal gut drüber nachzudenken ob das nicht auch nur Konstrukt ist.

    „ja, hinfahren kann man ja, was tun auch. aber bitte keinen alternativen karneval, sondern konfrontativ gegen die reformistische linke (dazu zählt auch die alb und konsorten)“

    steht das nicht konträr zum text? hatte eher sowas wie ein „hinfahren? auf gar keinen fall“ herausgelesen.
    außerdem wurde im text ja der aufruf der [f] etc kritisiert, wieso zählt jetzt nur noch die alb zu den reformisten?

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