Gefahrenabwägung: virtuelles und reales Ballern

Ich hatte an anderem Orte schon mal auf den Dummfug mit dem Verbot der sog. „Killer-Spiele“ hingewiesen. Und darauf, wie wiedersprüchlich und lächerlich die Argumente der BefürworterInnen dieser Maßnahme sind. Kompi verwies in der Diskussion auf das wunderschöne Editorial aus der C‘t mit dem Titel „Wurzel aller Übel“

Morgens halb acht in Deutschland: Statt Pausenbrot und Mathebuch packen reihenweise deutsche Schüler Uzis und Blendgranaten in ihre Ranzen. Andere schnappen sich beim Boxenstopp in der Küche den Integralhelm und besteigen 900-PS-Flitzer. Dann jagen sie am nächsten Zebrastreifen ein paar Rentner. Wieder andere springen mit ihren Motorrädern durch Schaufenster oder stürzen sich im Lila-Kuh-Dress mit Skiern vom nächsten Hausdach.

Da gibts nur eins: Wir müssen endlich auf den tiefschwarzen Ritter aus Bayern und seine niedersächsischen Gefährten hören und das Übel gleich an der Wurzel ausrotten. Sie haben nach gründlicher statistischer Untersuchung das – als Killerspiel inkarnierte – Böse als Erste erkannt. Auf den Scheiterhaufen mit den Killerspielen!

So einfach und bestechend der Schlachtplan auch ist, kläglich scheitern wird er: Scheiterhaufen entsprechen nicht ganz den Regeln der Political Correctness. Lobbyisten laufen Sturm gegen die PC-Spiele-Verderber und Elternverbände warnen bereits davor, dass die Kinder dann am Sonntagmorgen bereits ab 7:42 Uhr im elterlichen Schlafzimmer um Aufmerksamkeit betteln.

Emsdetten war aber nur der Anfang: Kreative Statistiker fanden kürzlich heraus, dass nicht nur Ego-Shooter unsere Kinder zerstören: Das Online-Training mit Sportspielen suggeriert ihnen, sie wären auch im realen Leben talentierte Skispringer, Motocross-Fahrer oder sturmerprobte Einhandsegler. Nun kommen die Lieferanten von Gipsbinden, Krücken und Rollstühlen nicht mehr mit der Produktion hinterher. Die Arbeitsämter fordern eindringlich Hartz-IV.5, um der gewaltigen Schwemme arbeitsloser A380-Piloten Herr zu werden, die Microsoft und Co. Tag für Tag ausbilden. Von den verheerenden Auswirkungen der Schachspiele ganz zu schweigen.

Verbote braucht das Land! Nicht nur Ego-Shooter, sondern alle potenziellen Gefahrenquellen sind zu eliminieren. So zum Beispiel Brot. Brot birgt statistisch eine weit größere Gefahr als Killerspiele. Über 90 Prozent der Amokläufer konsumieren in den 24 Stunden vor ihren Massakern Brot. Noch fataler sind Eltern. Die Statistik belegt eindeutig: Jeder Verrückte hat welche!

Wie viele Menschenleben man da retten könnte! Um Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen oder nicht anständig erziehen, brauchen wir uns dann zum Glück keine Gedanken mehr zu machen, denn sie verbietet das Gesetz ja gleich mit.

Eine andere lustige Anekdote zum Verbots-Wahnsinn hat jetzt Tobias Haase ausgegraben: Der niedersächsische Innenminister ist nicht nur einer der Protagonisten dieser Forderung, sondern gleichzeitig „verheiratet und hat zwei Kinder“, wie wir seiner Homepage entnehmen können. Einschlägige Kreise haben bereits angefangen sich Sorgen um die beiden zu machen, bis ihnen dann im nächsten Satz das ganze Grauen bewusst wurde: „Er ist Mitglied im Lions Club Holzminden und im Sportschützen-Club Holzminden.“ Beachtenswert ist dabei weniger Schünemanns Vorliebe für große Raubkatzen, sondern seine Mitgliedschaft im Sportschützen-Club. Das die mal nicht irgendwie auf seine Kinder abfärbt. Oder das der Minister gar selber Amok läuft und am Ende noch die Abschiebung von Gazele Salame zurücknimmt. Das wäre dann wohl das erste Mal, das ein Amoklauf positive Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen hätte. In diesem Sinne: Schünemann, geh du voran!

Danke an Kompi und die Reflexionsschicht für die Hinweise!


1 Antwort auf “Gefahrenabwägung: virtuelles und reales Ballern”


  1. 1 trabbi 04. Januar 2007 um 18:21 Uhr

    was mich am meisten aufregt, sit die tatsache, dass da menschen das verbot von etwas fordern, von dem sie meistens keine ahnung haben.
    in der aktuellen gamestar ist da ein interessanter artikel zu.
    so hetzte auch die presse gegen killerspiele, aber die autoren haben anscheinend noch nie eins gespielt:

    „nächtelang rannte er per joystickdurch die schulflure, versuchte in möglichst kurzer zeit möglichst viele lehrer und schüler zu erschießen.BILD, 21.11.06)
    RICHTIG: In counterstrike kämpfen immer polizisten gegen terroristen, es gibt keine lehrer und schüler. außerdem kann man das spiel nur mit maus und tastatur spielen

    „echte shooter fans spielen nur am PC. wenn ein kind also vor der konsole sitzt dürfte es eher harmlose spiele zocken oder zumindest kein fanatischer egoshooter fan sein(tz vom 22.11.06)“
    RICHTIG: fast alle erfolgreichen shooter gibts auch für die konsole(auch online spielbar). in einer aktuellen umfrage von GamePro landen egoshooter auf platz 2 nach actionspielen…

    ps: unser aller innenminister: http://www.gamestar.de/aktuell/blog/2006/12/11/der-innenminister-totet-virtuell/

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