Heten habens leichter

Wissen sie, was Heteronormativität ist? Darunter fasst die Queer-Theory die schlichte Tatsache, das Menschen als Männlein und Weiblein wahrgenommen werden und ihnen gleichzeitig – und darauf will ich hier hinaus – ein gegengeschlechtliches Begehren unterstellt wird. Männer begehren Frauen. Frauen begehren Männer. So einfach ist das. Wissen wir doch alle.

Das Ganze hat sich im Laufe der Jahre tief in unsere Wahrnehmungen eingeschrieben und sind allgegenwärtig. Liebeslieder, Medienberichte und selbst Gesetze sind voll von der Annahme, das Wahre und Richtige sei die heterosexuelle Zweierbeziehung. Nehmen wir etwa Neil Young (männlich, heterosexuell):


I was thinking that
maybe I‘d get a maid
Find a place nearby
for her to stay.
Just someone
to keep my house clean,
Fix my meals and go away.

A maid. A man needs a maid.
A maid.

Das Problem fängt hier nicht erst beim übelen Sexismus an, für den es die scheinbar naturhafte Aufgabe der Frau ist, die Wohnung zu putzen, Essen zu kochen und immer für den Mann dazusein. Es fängt schon an bei der ganz grundsätzlichen Annahme, jeder Mann (aktiv) brauche eine Frau (passiv). Gehen wir zum CD-Regal und schlagen wir im Booklet nach. Egal welche Band. Die Welt ist voll davon.

Ganz ähnlich sieht es auch in den Medien aus, wenn die etwa über die Sorgen und Nöte von Promis berichten. Nehmen wir – nur als plakatives Beispiel – diesen Bericht bei Spiegel-Online über den Harry-Potter Darsteller Daniel Radcliffe:

Er ist 17 Jahre alt, Single, Millionär und sieht auch noch gut aus: Kein Wunder, dass sich die Mädchen um „Harry Potter“-Darsteller Daniel Radcliffe reißen. Der freut sich sogar auf die vielen Verabredungen. Doch was, wenn die Teenies sich nur in den Star verlieben statt in den Jungen Daniel?

Radcliffe selber findet das scheinbar auch normal, aber ist es eigentlich so furchtbar selbstverständlich, das sich „die Mädchen“ – und scheinbar nur die – ausgerechnet um einen Typen reißen? Mal ganz von der Frage abgesehen, warum Geld scheinbar attraktiv macht…

Als würde das nicht reichen, ist diese Ansicht aber auch bis in die Gesetze hinein niedergeschrieben. Im Grundgesetz etwa steht im Artikel 6, Ehe und Familie stünden „unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“. Ehe und Familie, das wissen wir, ist eine Sache zwischen Männern und Frauen. Für den Rest gibt es die sog. eingetragenen Lebenspartnerschaften. Und die widerrum bringen weniger Rechte für die Betroffenen mit sich als die traditionelle Ehe. Was jetzt auch höchstrichterlich bestätigt wurde:

Die so genannte Homo-Ehe muss bei der Zusatz-Altersversorgung im Öffentlichen Dienst nicht wie eine normale Ehe behandelt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe wies die Klage eines Mannes ab, der als Angestellter eine Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft gefordert hatte. Der Mann hatte geltend gemacht, er wolle bei der Zusatz- Altersversorgung wie ein verheirateter Angestellter behandelt werden. ( … )

Die Bundesrichter entschieden dagegen, das Grundgesetz lasse eine Privilegierung der Ehe zu. Die Satzung der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder knüpfe an den Familienstand an. Die Ehe dürfe wegen der Fortpflanzung und Erziehung eigenen Nachwuchses bevorzugt werden.

Heten haben’s halt doch leichter: Für sie wird nicht nur geschrieben und gesungen, sie kriegen sogar noch bessere Gesetze. Noch Fragen? Na denn: Zweigeschlechtlichkeit abschaffen!


17 Antworten auf “Heten habens leichter”


  1. 1 zeank 14. Februar 2007 um 14:07 Uhr

    Sonderlich emanzipatorisch ist das aber auch nicht, beim Staat um Gleichbehandlung zu bitten.

  2. 2 Crash 14. Februar 2007 um 17:30 Uhr

    Wo tut er das denn? „Zweigeschlechtlichkeit abschaffen“ ist glaub ich etwas universeller gemeint als irgendwelche Gesetzesänderungen.

  3. 3 zeank 15. Februar 2007 um 12:22 Uhr

    Also mal rein von der Logik her ist der Artikel ja wenn dann so aufgebaut, dass zum Schluß gesagt wird: Weil die Heten (rechtlich) bessergestellt sind, fordern wir die Aufhebung der Zweigeschlechtlichkeit. Das sollte eigentlich jedem auffallen, dass da irgendwas nicht ganz zusammenpasst.

  4. 4 emanzipationoderbarbarei 15. Februar 2007 um 17:15 Uhr

    nö, das find ich nich. es werden doch erstmal beispiele dafür gebracht, das die bestehende gesellschaft heteronormativ ist. und das sich diese bestimmung bis in die verfassung oder unterschiedlichste kulturelle erzeugnisse hinein nachvollziehen lässt.

    die tatsache, das innerhalb des bestehenden scheinbar nicht wirklich eine aufhebung dieser heteronormativität möglich ist (weil die bürgerliche gesellschaft eben auch eine strukturell patriarchale ist), spricht dann wohl dafür, die kritik eine ebene höher anzusetzen und das zugrundeliegende problem anzugehen.

    davon ab finde ich es aber auch innerhalb des bestehenden cooler, wenn einzelne menschen oder menschengruppen nicht scheiße behandelt werden. warum sollen leute unnötig leiden, wenn’s auch anders ginge? mehr sozialhilfe is halt besser als weniger sozialhilfe – deshalb wird es zwar noch nicht zur lösung aller probleme, braucht es aber doch gar nicht.

  5. 5 zeank 15. Februar 2007 um 19:59 Uhr

    Emanzipation bedeutet doch, dass man sich gegen das Beherrschtsein wehrt und man versucht diesen Zustand zu überwinden. Wenn ich mich jetzt an den Herrscher wende und darum bitte, doch mich auch unter das „Joch der Ehe“ beugen zu lassen, dann ist das Untertanentum und genau das Gegenteil von Emanzipation. Eine emanzipatorische Kritik an der (Homo-)Ehe findest Du zb hier: http://www.whk.de/K%F6lnerErkl%E4rung.htm

  6. 6 zeank 15. Februar 2007 um 20:05 Uhr
  7. 7 emanzipationoderbarbarei 16. Februar 2007 um 12:53 Uhr

    also ich würde schon immernoch gerne wissen, wo in dem text ein bezug darauf steht, leute sollten doch auf das „joch der ehe“ einlassen. kann es wohl sein, dass du die stelle da etwas überinterpretierst, weil sich sonst deine kritik nicht halten lässt?

    oder so: warum muss ich eine freundin der homo-ehe sein um feststellen zu dürfen, das selbst die noch eine benachteiligung im vergleich zur „normalen“ ehe darstellt? vermutlich lässt sich eine „gleichberechtigte“ homo-ehe auch gar nicht erkämpfen, wäre ja auch nicht mein ziel. aber der reine feststellung zu unterstellen, sie wäre anti-emanzipativ, finde ich schon komisch…

  8. 8 zeank 16. Februar 2007 um 15:41 Uhr

    Wenn Du das so machen würdest, wäre das freilich OK. Ich lese Deine Zeilen aber anders. Wenn Du sagst, „Heten kriegen bessere Gesetze“, dann kann das natürlich auch ein besser im negativen Sinne meinen, wie „Flugzeuge sind besser Umweltverschmutzer als Fahrräder“. Ich unterstell Dir jetzt aber mal einfach, dass das so nicht gemeint war.

    Merkst Du nicht, dass da ein Zusammenhang zwischen Heteronormativität und Ehe besteht? Und dann beschwerst Du Dich ausgerechnet darüber, dass Lesben und Schwulen der Weg in die „echte“ Ehe versperrt ist.

    Ist es wirklich eine Schlechterstellung, wenn ich an was schlechtem nicht teilhaben darf?

    Du hast von Heteronormativität übrigens weniger verstanden, als Du denkst (jaja, ich weiß, Themenwechsel – gestatte es mir!). Das merkt man schon allein an der Überschrift dieses Artikels. Heteronormativität ist eine Norm, eine Maske oder eine Sichtweise wie wir auf diese Welt blicken. Dieser Norm ist leider jeder gleichermaßen unterworfen, egal ob Homo oder Hetero. Es ist ja nicht so, als wären die Heteros so böse und setzen die Heternormativität in die Welt um Schwule, Lesben, Transgender zu gängeln. Vielmehr ist so, dass wir diese Welt danach einteilen und wer halt nicht reinpasst wird zum Aussenseiter (mit den entsprechenden Folgen). Und da kaum jemand gern zum Aussenseiter wird, sind alle fleissig bemüht eben diesen Vorstellungen von einer ideelen Welt zu entsprechen und verkneifen sich so manches (sexuelles) und gehen dann so dumme Dinge ein wie eine Ehe, die nicht selten für alle Beteiligten zur Hölle wird (spätestens dann, wenn man gemeinsam auf einem rießigen Schuldenberg sitzt für ein Haus indem man nicht mehr gemeinsam wohnen möchte usw. usf.).
    Bezieht man sich bei seinen Betrachtungen zu Heternormativität z.B. auf Deutschland, würde ich sogar sagen, dass die Hauptleidtragenden eigentlich die Heten sind, da sie tagtäglich eben diseer normativen Kraft unterworfen sind, während man als „Outlaw“ eigentlich tun und lassen kann, was man will, ohne großartig Konsequenzen fürchten zu müssen.
    Nur ein Beispiel: Es gab da mal eine Studie, wonach noch in den 70er Jahren 20% aller Jugendlichen angab, schon mal gleichgeschlichten Sex gehabt zu haben. Ende der 90er waren es nur noch 2% – und zwar genau die 2%, die sich eben auch eine homosexuelle Identität zugelegt haben. Die anderen 18% verkneifen sich heute einfach das Ausleben dieser sexuellen Bedürfnisse aus Angst, dann als Homo zu gelten.

  9. 9 evoleakeak 22. Februar 2007 um 11:24 Uhr

    den titel fand ich witzig – weil ich meinte, dass er witzig gemeint sei. ist mir im folgenden der subtile humor entgangen oder meinst du’s so???

    ich finde deinen beitrag etwas einseitig, da du mMn die fronten an merkwürdigen stellen aufmachst:

    z.b. neil youngs song. der ist mit sicherheit ein gutes beispiel für geschlechtlich zugeschriebenes verhalten – aber nur halb. erstens scheint dir die stimmung des songs entgangen zu sein, denn für mich war dieses lied eher ein abgesang auf hetero. und zweitens ist das lied mittlerweile 35(!) jahre alt und sollte nicht in einem atemzug mit aktueller gesetzgebung gebraucht werden – da liegt nämlich mehr als eine generation dazwischen!

    „Es fängt schon an bei der ganz grundsätzlichen Annahme, jeder Mann (aktiv) brauche eine Frau (passiv). Gehen wir zum CD-Regal und schlagen wir im Booklet nach. Egal welche Band. Die Welt ist voll davon.“
    ich ahne, dass du gleich nachfolgend mit vorausgegangener androzentrischer diskriminierung kommst, aber sag mal: ist dir schon mal aufgefallen, dass menschen meist aus ihrer perspektive erzählen? frauen wie männer. und dass es sehr viele bekannte bands gibt in denen männer die texte schreiben (und singen)? und dass sich die meisten dieser männer als heterosexuell begreifen – was ist daran eigentlich so skandalös? jeder jetzt lebende mensch hatte eltern, genau 2 zur zeugung. gender hin oder her: biologisch „männlich“ (oder speziell zeugungsfähig) und „weiblich“ (speziell hier gebärfähig). und alle diese menschen wissen um ihr aus HETEROsexualität entstandenes in-die-welt-geworfen-sein. ist es nicht naheliegend, noch dazu wenn zur kinderhege viel energie (von mindestens zwei menschen/eltern) nötig ist, das als norm zu nehmen? o.k. wo also ist der skandal, wenn singende männer ihr gegengeschlechtliches begehren besingen (aktiv)? und warum unterschlägst du all die singenden frauen, die nach dem superheld rufen oder ihren partner (aktiv!) besingen?
    und übrigens macht das nicht jede band sondern vorrangig die, die im jugendlichen spaß- und beziehungssuche-alter sind und einige ältere, die in heterosexuellen welten tatsächlich leben.

    deinen übergang zum deutschen rechtssystem finde ich etwas abrupt und das beispiel etwas zusammenhangslos, da ich leider nicht den ganzen sachverhalt entnehmen konnte. ich gebe dir ganz entschieden recht, dass die „ehe“ und der juristische familienbegriff sehr konservativ gefasst sind und dringend einer veränderung bedürfen. allerdings sollte der ursprüngliche gedanke hinter dem schutz der familie/ehe nicht verdeckt werden: kindererziehung ist eine gesellschaftlich wichtige aufgabe, die der staat (aus nachvollziehbaren historischen gründen) der privatsphäre der bürger primär zuordnet. und diese leistung muss auch gesellschaftlich unterstützt werden. d.h. dass ich es als vater als unwissend oder diskriminierend empfinde, wenn ich z.b. bei den von ZEANK angegebenen links lese, dass das whk die gegenseitigen pflichten von eingetragenen partnern skandalisiert. eine gleichstellung nichterziehender (und damit schließe ich NICHT wie-auch-immer-sexuelle aus!) mit erziehenden ist skandalös! lest euch mal in ruhe die beiden genannten erklärungen durch! der ton ist ZUM KOTZEN und inhaltlich werden nur andeutungen gemacht. wenn ich ohne vorwissen von z.b. nepal oder den niederlanden nach deutschland wollte und vorher diese erklärungen gelesen hätte, würde ich annehmen, dass hier homosexuelle nach einem (wie auch immer gearteten) öffentlichen „outing“ staatlich erfasst und unter polizeigewalt zwangsverheiratet werden (und zwar mit gegengeschlechtlichen partnern). ohne mich allzugut in diesem gebiet auskennen zu müssen (und ohne zu sagen, dass alles in butter sei), kann ich sagen, dass die erklärungen eine kampfansage an den (nichthomosexuellen) rest der gesellschaft ist und, dass es keine zwangsehe für homosexuelle gibt.

    was mich letztlich am meisten stört ist das gebrabbel um allgemeine diskriminierung („heten habens besser“) ohne wirklich fundierte konkrete erklärungen. damit erzeugst du (bei mir) nur den eindruck eines (aus meiner sicht eben „zu unrecht“) unzufriedenen menschen, der andere verbal denunziert und andere praxen skandalisiert. schade.

  10. 10 emanzipationoderbarbarei 22. Februar 2007 um 15:27 Uhr

    @ evoleakeak

    zur überschrift: ja, ich meine das ernst.

    zu neil young: wenn das lied ein abgesang auf heterosexismus sein soll (eine interpretation, die ich tatsächlich zum ersten mal lese), müsste es sich doch irgendwo ironisch brechen, oder? und die stelle hab ich nicht gefunden…. ich würde da eher (grade was die stimmung angeht), melancholisch-männliches selbstmitleidsgedusel reinhören wollen. ansonsten dient das lied als beispiel, es ließen sich sicherlich noch weitere textpassagen auch aus aktuelleren liedern finden. mein englisch is nur so schlecht und ich war zu faul zum suchen…

    zum schreiben aus eigener position: das hat sicherlich eine selbstverstärkende wirkung, nichts desto trotz hat es eine bestimmte wirkung. es geht ja nicht darum, überall immer gleich absicht zu unterstellen. mein punkt war ja gerade, das vorgefundene dinge unhinterfragt reproduziert werden – und dadurch gerade ihre wirkmächtigkeit erhalten. das die heten-ehe als normalität erscheint ist ja eben nur der schein – und keine biologische zwangsläufigkeit.

    worum es mir ging war dies: weil in der welt eine bestimmte form von geschlechtlichkeit und sexualität vorherrscht, tauchen andere formen von sexualität nicht auf und werden so marginalisiert. finde mal als homo ein lied, mit dem du dich (rein geschlechtlich) identifizieren kannst. oder ein buch oder einen film, in dem gefühle oder erlebnisse geschildert werden, die dich berühren. sicher, es gibt ausnahmen. „sommersturm“ ist ein kuhler film, aber eben nur einer neben vielen anderen…

    das ist schon ein krasses gefühl, stell dir einfach vor es wäre andersherum. da kommst du dir auf die dauer schon ein bissel blöd vor. ich dachte eigentlich, der gedanke wäre klar geworden…

  11. 11 evoleakeak 22. Februar 2007 um 16:45 Uhr

    „finde mal als homo ein lied, mit dem du dich (rein geschlechtlich) identifizieren kannst.“ „das ist schon ein krasses gefühl“
    ja, das glaube ich und kenne sowas ähnliches auch. ich finde es auch völlig in ordnung, für kultur von/für nicht-heteros zu werben.
    aber mach nicht die norm (als das mehrheitliche verstanden) der heteros für alle deine einengungen verantwortlich!
    schreib doch mal eine (wie auch immer typische) „homogeschichte“ aus deiner perspektive! im netz gibt es sicher viel austauschmöglichkeit.

    zu neil young: ich kenne seine biografie und einstellungen nicht, bin ihm auch nie begegnet. ist wahrscheinlich ‚n konsevativer alter mann. aber ich finde es schon interessant, dass du es bei „melancholisch-männliches selbstmitleidsgedusel“ stehen lässt. es könnte ja gründe haben, oder? und zwar wahrscheinlich eher nicht die konservativ eheorientierte heteronorm seiner zeit besonders bejahende? ist als beispiel natürlich auch o.k.

    „das die heten-ehe als normalität erscheint ist ja eben nur der schein – und keine biologische zwangsläufigkeit.“
    glaube ich nur zum teil. den juristischen status betreffend, statistisch gesehen kommt sie um mehrfaches häufiger vor als schwule und lesbische lebenspartnerschaften zusammen. sie ist nicht nur schein. sie ist realität!
    die idee einer biologische zwangsläufigkeit würde ich auch verwerfen. aber es gibt (noch) biologische rahmenbedingungen, was die „erzeugung“ (und – anfänglicher – „pflege“) von nachwuchs angeht. das konkrete wie wird sicher gesellschaftlich ausgehandelt. und da meine ich, sollten alle involvierten nach „gerechten“ lösungen für alle suchen und kämpfen.
    das schließt mMn aus, von einer gesellschaftlichen minderheitenposition immer auf marginalisierung durch die mehrheit zu schließen. nochmals: ich will nicht sagen, dass es keine einengenden bilder, verhaltensweisen oder gesetze gebe. mir geht auf den virtuellen senkel, immer eine „schuld“ beim heterosexuellen europäischen mann zu suchen. bei mir erzeugt das nämlich langsam ganz schönen frust. ich habe mit etlichen leuten FÜR die anerkennung von homosexuellen gestritten und diverse schwule & lesbische freunde (gehabt). aber ich fühle mich momentan doch öfter mal ganz schön angegriffen als das sogenannt mächtige subjekt im sogenannten patriarchat. ich glaube nicht besser gestellt als besagte homos und als vater sozial schlechter gestellt zu sein als vor der geburt meiner tochter.
    also werde bitte konkreter, wenn du eine „heten-habens-ja-so-gut-und-unterdrücken-mich“-aussage machst. heteronormativität ist aus meiner sicht keine sache aus der man heten vorwürfe machen könnte.

  12. 12 zeank 22. Februar 2007 um 17:53 Uhr

    @evoleakeak: Irgendwas hast du falsch verstanden. Das whk will eigentlich darauf hinaus, dass sich der Staat raushält aus den Formen des Zusammenlebens (egal ob hetero oder sonstwas) und dass das getrennt wird zum Beispiel davon, ob sich jemand um Kinder, Kranke oder Alte kümmert.

    @emanzipationoderbarbarei: Der Film Sommersturm ist ein gutes Beispiel für die Idiotie hinter der Identitätsmeierei und ist ganz und gar nicht schön, was seine politische Message angeht. Die lautet nämlich so: Sage uns, was Du bist, dafür schlagen wir Dich dann auch nicht tot.
    So wird der Hauptdarsteller in dem Film zu seinem Comming-Out gezwungen und sich dann selber überlassen und zwar unglücklich und allein. Bzw. das, wie es ihm geht, spielt eigentlich keine Rolle.
    Das Anliegen des Films ist es, für Toleranz zu werben – gut gemeint. Nur bedeutet halt Toleranz nix anderes, als dass man zwar zugibt, den anderen (aufgrund seines Schwulseins bspw.) nicht leiden zu können aber ihn anstandshalber nicht totzuschlagen. [Wem dieser Anstand fehlt, den nennt man dann halt Nazi.]
    Solange der Hauptdarsteller sich aber nicht klar positioniert hatte, war’s schon ok, ihm mal eine mitzugeben – weil das ist ja nun echt ein untragbarer Zustand, dass die Aussenwelt nicht weißt, woran sie bei einem ist…

  13. 13 evoleakeak 22. Februar 2007 um 22:29 Uhr

    @zeank:
    hmm… das habe ich in den links tatsächlich nicht gelesen. ich las folgendes:

    „Brauchbar ist sie (die homo-ehe, evo) aber zu deren einengender Normierung nach heterosexuellen Mustern, zur sexuellen Disziplinierung und Ausübung sozialer Kontrolle – und als grundlegendes Strukturelement der Frauenunterdrückung.“ oder „Der eigentliche Skandal dieser Kampagne liegt aber darin, daß, anstatt eine Debatte mit den von einem solchen Rechtsinstitut Betroffenen zu führen, es einer heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft anheimgestellt wird, zu entscheiden, welche Rechte Lesben und Schwule bekommen sollen und welche nicht.“
    ersteres verstehe ich nicht anders, denn als propagandistischen quatsch.
    bei letzterem soll es wohl vor allem um eine kritik am lsvd gehen, der sich ermächtige für schwullesben zu sprechen und gegen die ehemalige justizministerin. o.k. nix dagegen. gesagt wird aber, dass es ein skandal sei, wenn die heterosexuelle mehrheitsgesellschaft über rechte von homos entscheidet. ja, wer anders als genau die UND die betroffenen sollen denn darüber entscheiden? sicher war gemeint, „es einer heterosexuellen mehrheitsgesellschaft ALLEIN …“ steht da aber nicht. da wird die hetero-gesellschaft einfach mal komplett für EINE(n teil) ihrer vertreterinnen (?) haftbar gemacht.

    „Denn das Konzept Homo-Ehe paßt hervorragend zum neoliberalen Gesellschaftsmodell; ES ENTLASTET DEN STAAT, es entsolidarisiert die Menschen voneinander, es beschränkt die Freiheiten und Rechte des Individuums und sichert so politische Herrschaft.“ (ebd.)

    ja, es entlastet den staat. aber für homos wie für heteros. ich finde nicht, dass es prinzipiell entsolidarisiert. der rest ist geschenkte verbale verrenkung so ohne inhalt…

    „Wir protestieren energisch gegen die Pläne zur Einführung der Homo-Ehe. Der am 23. Juni bekannt gewordene Gesetzentwurf stellt für alle sexualemanzipatorischen Gruppierungen und für sexuelle Minderheiten einen beispiellosen Versuch staatlicher Disziplinierung dar. Wir betrachten die geplante Regelung als schärfste Provokation einer deutschen Regierung seit Einführung des unsäglichen Schwulenparagra-phen § 175 im Jahre 1871. Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen alle Kräfte mobilisieren, um das drohende Zwangsehe-Gesetz, das den Geist der 50er Jahre atmet und den Kampf um alternative, selbstbestimmte Konzepte des Zusammenlebens auf Jahrzehnte zurückwirft, mit allen politischen Mitteln zu verhindern.“

    lass dir das mal ganz ruhig auf der zunge zergehen! „staatliche disziplinierung“– der heten demzufolge ja längst unterworfen sind, „schärfste provokation einer deutschen regierung“ – hallo??? „zwangsehe“-habe ich was verpasst? und ohne damals dabei gewesen zu sein „geist der 50er jahre“– soso…

    „Frau Däubler-Gmelin schloß Homo-Ehe-Gegner/innen des lesbisch-schwulen Spektrums im Herbst 1999 explizit von den Beratungen zwischen ihrem Ministerium und dem LSVD aus.“ naja, insofern verständlich, als sich die rechtsstellung nichtverlebenspartnerschaftlichter homos ja durch die neue gesetzeslage erstmal nicht verändert und gleichzeitig ein schwullesbisches anliegen (vom lsvd) artikuliert wurde, oder?

    christina schenk wird zitiert: „Gefordert ist der gleiche Zugang für alle Menschen zu den bisher an die Ehe gebundenen Bürgerrechten – unabhängig davon, ob sie homo- oder heterosexuell sind, und genauso unabhängig davon, ob sie allein, zu zweit, zu dritt oder zu mehreren leben. Erst dann gibt es eine wirkliche Wahlfreiheit der Lebensform.“
    und da sage ich: nein. kindererziehende menschen brauchen und verdienen besondere gesellschaftliche unterstützung. also auch keine ehemäßigen rechte für alle!

    als skandalös wird folgendes gefunden: „“Eingetragene Partner müssen sich künftig bei Bedürftigkeit gegenseitig unterstützen, was etwa den Verlust der Sozialhilfe zur Folge haben kann.“ Verbesserte Sozialleistungen für gleichgeschlechtliche Paare gibt es dagegen nur, wenn, so Beck, „Kinder vorhanden sind“. Mit der gegenseitigen Unterhaltspflicht kehrt für die Beteiligten die Zwangsfamilie zurück, denn „die Verwandten eines Lebenspartners gelten mit dem anderen Lebenspartner als verschwägert“ (dpa, 23. Juni). Wahlverwandtschaften adé.“
    aber nur, weil es jetzt auch homos betrifft – so sie sich dazu entscheiden! für heteros galt das schon vorher – oder täusch ich mich da?!?

    vielleicht unterliege ich ja einem irrtum, weil der vom whk angegriffene gesetzesentwurf nichts mit dem jetzigen gesetz zu tun hat oder ich das gesetz nicht verstanden habe. aber nachdem, was ich kapiert habe, verstehe ich nur eins nicht: den tonfall und die wahl der (teil-)adressaten, nämlich die >“heteronormative“ gesellschaft

  14. 14 Kompi 23. Februar 2007 um 1:14 Uhr

    mir geht auf den virtuellen senkel, immer eine “schuld” beim heterosexuellen europäischen mann zu suchen.

    Ich find es schade, dass ihr hier emanzipationoderbarbarei auf der einen Seite ständig vorwirft, sie würde die Schuld am heteronormativen Patriarchat einzelnen Individuen zuschreiben (westlich-weiße Männer), und andererseits könnt ihr selbst Kategorie und empirische Individuen nicht auseinander halten.
    Der Punkt bei so Herrschaftsmechanismen wie die Zweigeschlechtlichkeit ist doch gerade, dass sie sich nicht einfach wegen eines subjektiven Willens durchsetzt, sondern als „subjektlose“ Herrschaftsstruktur existiert, die den einzelnen Leuten nicht bewusst sein muss, noch sich unmittelbar von ihnen beeinflussbar sein muss.
    Und das heißt doch für den konkreten Menschen, dass er sowohl, eventuell ungewollt oder auch gegen seinen Willen, diese Struktur ständig reproduziert, als auch (und dafür kann er dann persönlich verantwortlich gemacht werden) selbst darin eigene Vorstellungen und Handlungen entwickelt. Das beides muss doch mal auseinander gehalten werden können, statt da mit den ältesten und peinlichsten Rückzugsargumenten sich zu rechtfertigen:

    ich habe mit etlichen leuten FÜR die anerkennung von homosexuellen gestritten und diverse schwule & lesbische freunde (gehabt). aber ich fühle mich momentan doch öfter mal ganz schön angegriffen als das sogenannt mächtige subjekt im sogenannten patriarchat.

    Als wenn der/die Alibi-Freund/in einem per se von allem (Hetero-)Sexismus freisprechen würde.

    Besonders aufstoßen tut mir bei eurer Selbstverteidigung ja, wenn ihr in klassischer Verkehrung, wie man sie von anti-feministschen Ressentiments à la „Die Emanzen beherrschen doch längst die Welt, die Männer sind die unterdrückten von heute“ her kennt, euch es nicht nehmen lasst, euch als ebenso von Zwangsverhältnissen Unterworfene zu den „eigentlichen Opfern“ zu stillisieren:

    Bezieht man sich bei seinen Betrachtungen zu Heternormativität z.B. auf Deutschland, würde ich sogar sagen, dass die Hauptleidtragenden eigentlich die Heten sind, da sie tagtäglich eben diseer normativen Kraft unterworfen sind, während man als “Outlaw” eigentlich tun und lassen kann, was man will, ohne großartig Konsequenzen fürchten zu müssen.“

    Vollziehen wir das nochmal nach: die Heten sind (in Deutschland) inzwischen die eigentlich Leid tragenden. Denn sie in ihrer Hetero-Zwangsidentität, die Homosexualtät ausschließt und jegliche Regungen in der Hinsicht unterdrücken muss, sind eigentlich viel mehr betroffen, als ihre Homosexuellen Genossen. Warum? Ja, weil diese wilden „Outlaws“ sich halt alles erlauben dürfen.

    Also solche Ignoranz gegenüber den homophoben Ausfällen, die auch im feinen westlich-weißen Deutschland in keinster Weise nur als Erinnerung aus einer dunklen Vorzeit existieren, ist ja wirklich schon dreist. Da braucht man eigentlich fast gar nicht tiefer rein zu gehen. Aber wenn wir schon über Heteronormativität reden, dann sollte vielleicht noch bedacht werden, dass es auch nicht soweit her sein kann mit der Emanzipation von dieser Struktur, wenn sich jeder Queer angeblich in seiner von der heterosexuellen Gesellschaft abgekoppelten kleinen Niesche austoben kann „wie er will“. Allein die Verbannung seiner Sexualität in einen abgeschlossenen Bereich, die, eben im Gegensatz zur Heterosexualität, die, wie EmanzipationOderBarbarei so schön beispielhaft hier gezeigt hat, sich durch alle möglichen Bereiche dieser Gesellschaft zieht und dort dominiert, ist ein gewaltsamer Akt. Natürlich nicht, weil jede einzelne Hete so böse zu ihm ist, sondern weil die Dichotomie von Homo/Heterosexualität, wie die Zweigeschlechtlichkeit eben eine (subjektlose) Herrschaftskategorie ist.

    Dagegen, ganz recht, hilft kein Gesetz und auch keine Homo-Ehe. Da muss schon die heteronormative Zweigeschlechtlichkeit selbst rann. Aber deswegen so zu tun, als hätte das nichts mit Heterosexualtät zu tun, ist etwa so sinnvoll, wie zu behaupten, das Auto verpeste nicht die Luft, weil mich der Kapitalismus ja zwingt, damit zur Arbeit zu fahren.

  15. 15 zeank 23. Februar 2007 um 11:06 Uhr

    @evo: dein problem ist, dass du in die texte des whk eine feindschaft homo-hetero heineininterpretierst, die da einfach nicht gegeben ist. die wird einzig und allein von dir aufs tapet gebracht, es will auf die generelle abschaffung der ehe hinaus.

    und da sage ich: nein. kindererziehende menschen brauchen und verdienen besondere gesellschaftliche unterstützung. also auch keine ehemäßigen rechte für alle!

    und da sage ich: was hat denn ehe mit kindererziehung zu tun? du scheinst mir etwas wirr zu argumentieren.

    @kompi: du hast ja schon auch recht und ich gebe zu, dass ich mit meiner rede von den „outlaws“ absichtlich provokativ argumentiert habe. mir geht es eben grade nicht darum einen ausgleich zwischen homo und hetero zu suchen (so eine art friedlicher koestizenz), sondern eben (genau wie emanzipationsoderbarbarei) um die aufhebung dieser denk- und gewaltstrukturen (emanzipation!). meine anfängliche bemerkung zielte lediglich darauf ab, dass gerade die ehe nicht als ideal dient, welches es anzustreben gälte um genau jenes zu erreichen.
    und im übrigen habe ich nicht von „den emanzen“ gesprochen und auch nicht von den „ach so unterdrückten männern“. ließ was da steht und träum weniger!

  16. 16 evoleakeak 28. Februar 2007 um 17:00 Uhr

    zuallererst: ich möchte mich für meinen stressenden ton entschuldigen; ich habe zu heftig reagiert. sorry auch, dass es etwas länger gedauert hat, aber ich dürfte eigentlich viel weniger zeit im netz verbringen als ich schon tue… ;-)

    @ kompi:

    Ich find es schade, dass ihr hier emanzipationoderbarbarei auf der einen Seite ständig vorwirft, sie würde die Schuld am heteronormativen Patriarchat einzelnen Individuen zuschreiben (westlich-weiße Männer), und andererseits könnt ihr selbst Kategorie und empirische Individuen nicht auseinander halten.

    sehe ich etwas anders. emanzipationoderbarbarei hat versucht, heteronormativität in unserer gesellschaft zu beschreiben und das auch recht anschaulich getan. doch war sie nicht sehr „objektiv“ dabei; in gewisser weise hat sie stereotyp argumentiert: erstens hat sie ihren blick nur auf die heteronormativität stützenden (angenommenen) heteros gerichtet: neil young und Daniel Radcliffe plus aufgerufene weibliche teeny-schar. keine rede von den ebenso handelnden homos. und zweitens hat mich der erneute griff in die alte schublade sauer gemacht: mann aktiv (und schön altes beispiel rausgekramt, damit aus unserer heutigen sicht auch: „böse“) und frau passiv, mit zumutungen zugeschüttet. das nervt mich! wo ist die kritik an stereotypen schwulen körperinszenierungen, einseitiger „lesbischer“ politik oder der schwierigkeit, wenn queer „zufällig“ dem jetzt heteronormalen entspricht, das als bewusst gewähles modell zu verteidigen? aus einer eingenommenen „homo“-perspektive nur über „heteros“ zu schreiben kommt meiner meinung nach schon einer schuldzuweisung nahe.
    bei deinem zitat ist es noch etwas vertrackter, da du neben dem gesellschaftlichen binären strukturmechanismus (der ja als HERRSCHAFTSMODELL oft verstanden wird) „heteronormativität“ noch das axiom des patriarchats einführst. und wenngleich feministische wissenschaftlerInnen sich über jahre hinweg mühen, die mechanismen einer als noch existent betrachteten „vaterschafts(!)herrschaft“ theoretisch zu fassen und mit raewyn connell z.b. von der persönlichen ansprache der herrscher häufiger absehen, so unterstellen sie männern (nicht vätern, denn das wäre, wie ich jetzt persönlich weiß doppelt gelogen), eine ebene abstrakter, nach wie vor dominant zu sein. z.b. „unter patriarchat werden daher die beziehungen zwischen den geschlechtern verstanden, in denen männer dominant und frauen untergeordnet sind.“ (eva cyba „patriarchat: wandel und aktualität. in becker & kortendiek (hrsg.) (2004): handbuch frauen- und geschlechterforschung.) ich muss mich da als mann angesprochen fühlen.
    und dann glaube ich, dass wir nicht die verbindungen zwischen gesellschaftlicher mikro- und makroebene leugnen sollten (auch wenn ich dir zustimme, dass wir alle mehr oder minder unbewusst unsere sozialen strukturen mitherstellen und die menschen kaum aus „allein persönlicher kraft“ in eine bestimmte -z.b. „mächtigere“– lage kommen).

    Der Punkt bei so Herrschaftsmechanismen wie die Zweigeschlechtlichkeit ist doch gerade, dass sie sich nicht einfach wegen eines subjektiven Willens durchsetzt, sondern als “subjektlose” Herrschaftsstruktur existiert, die den einzelnen Leuten nicht bewusst sein muss, noch sich unmittelbar von ihnen beeinflussbar sein muss.

    ja, da stimme ih dir größtenteils zu, außer, dass ich „zweigeschlechtlichkeit“ nicht p r i m ä r als herrschaftsmechanismus begreifen würde, ebensowenig wie gebärfähigkeit, und, dass die (nicht herrschafts-)struktur von den individuen beeinflussbar sein MUSS, wenn sie als SOZIALE (und nicht völlig biologisch determinierte) verstanden wird! sie muss vielleicht nicht in einem planbaren sinne veränderbar sein, aber sie wird von konkreten individuen getragen. homos wie heteros, trans, frauen, kindern, queer, liegendpinklern – whatever. damit ist jedeR auch persönlich angesprochen. und wenn eben Emanzipation-oder-Barbarei in ihrem Beitrag unterstellt, dass „heten“ die gewinner des (von dir herrschafts!-)systems sind, dann fühle ich mich doch als (nach weitläufiger feministischer meinung „oberster“) nutznießer mies, wenn vor allem ich (als -männlicher- hetero) angesprochen werde, mir also mehr handlungsfähigkeit unterstellt wird als homos.

    Für sie w i r d nicht nur geschrieben und gesungen, sie k r i e g e n sogar noch bessere Gesetze. (e-o-b)

    für sie wird nicht nur geschrieben und gesungen, sondern sie schreiben und singen ihren mist halt auch selbst, ebenso wie sie bei den gesetzen einen größeren einfluß haben. übrigens ist das grundgesetz vor jahrzenten entstanden!
    wenn heteros ihre macht überproportional ausnutzen, um „homo“-interessen zu beschneiden, dann soll das natürlich skandalisiert werden! fand ich nur in den genannten beispielen nicht. ich glaube, dass sich unsere interessen und ansichten an vielen punkten überschneiden. und ich kann schon auch erahnen, an wie vielen stellen das leben als „homo“ schwieriger ist, denn als hetero. ich bin mit dabei, wenns drum geht einiges zu verändern, aber nicht als falsch gesehener „doppelter nutzniesser“ – der bin ich nämlich nicht!

    mit den ältesten und peinlichsten Rückzugsargumenten sich zu rechtfertigen

    danke für das kompliment! ich war nicht auf dem rückzug sondern warb um gemeinsame aktion für veränderung. vielleicht gibt es ja eben nicht nur die gräben „homo“&“hetero“ sondern auch verbindendes?
    den „alibi-freund“ halte ich für eine persönliche beleidigung (aus mangel an argumenten?), oder ich habe nicht verstanden, was du meinst. das ist deutlich unter der gürtellinie – vor allem der meiner freunde.

    @zeank:
    ich finde auch, dass das lebenspartnerschaftsgesetz nicht das gelbe vom ei ist, zumindest finde ich die (z.b. steuerliche) begünstigung der ehe ohne Kinder (früher immer unterstellt) nicht gut. richtig, ich als hetero darf heiraten und wäre als nichterziehender gegenüber einer erziehenden lesbe bevorteilt.das gehört abgeschafft – keine frage. vielleicht war der entwurf etwas anderes als das jetzige lebenspartnerschaftsgesetz? jedenfalls finde ich die whk-empörung deutlich überzogen und die argumentation teilweise übel.
    nochmal, was ich einfach nicht verstehe, was meinen die z.b. mit:
    1.“Zwangsehe-Gesetz“,
    2. „“Eingetragene Partner müssen sich künftig bei Bedürftigkeit gegenseitig unterstützen, was etwa den Verlust der Sozialhilfe zur Folge haben kann.“ Verbesserte Sozialleistungen für gleichgeschlechtliche Paare gibt es dagegen nur, wenn, so Beck, „Kinder vorhanden sind“"
    3. „Der eigentliche Skandal dieser Kampagne liegt aber darin, daß, anstatt eine Debatte mit den von einem solchen Rechtsinstitut Betroffenen zu führen, es einer heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft anheimgestellt wird, zu entscheiden, welche Rechte Lesben und Schwule bekommen sollen und welche nicht.“
    4. „Brauchbar ist sie (die HOMO-ehe) aber zu deren einengender Normierung nach heterosexuellen Mustern, zur sexuellen Disziplinierung und Ausübung sozialer Kontrolle – und als grundlegendes Strukturelement der F r a u e n u n t e r d r ü c k u n g .“

    1. zwingt niemand jemand in eine ehe/lebenspartnerschaft
    2. gilt das für heteros genauso, es sei denn sie heiraten (die ungerechtigkeit der ehe wird aber nich als zentrales argument genannt!)
    3. halbwahr: nicht die „mehrheitsgesellschaft“ sondern eine konkrete anzahl von politikern hat mit dem lsvd (!!!!) GEMEINSAM über dieses gesetz beratschlagt. ja, da zeigt sich eine obrigkeitsstaatliche fassade des gesetzgebungsverfahrens, aber es zeigt sich ähnlich für umweltgesetzgebung, wo auch viele betroffenenorganisationen/ngo nicht dabei sind UND die rolle des lsvd wird meiner einschätzung nach etwas heruntergespielt.
    4. wer glaubt heute noch, dass bei frisch verheirateten die ehe (wahrscheinlich gemeint: das arbeitsregulierende ehegattensplitting) größtenteils ein grundlegendes strukturelement der frauenunterdrückung sei? und in einer lesben-ehe?

    was hat denn ehe mit kindererziehung zu tun? du scheinst mir etwas wirr zu argumentieren.

    nix. ich meinte mit „ehemäßigen rechte“ die finanzielle förderung von ehen.
    vielleicht hat sich da ja in der zwischenzeit was geändert, ich dachte, dass die gegenseitige verpflichtung zur unterstützung für beide geschlechter gilt und nicht wie skandalisiert nur für lebenspartnerschafts-homos:

    Eingetragene Partner müssen sich künftig bei Bedürftigkeit gegenseitig unterstützen, was etwa den Verlust der Sozialhilfe zur Folge haben kann.” Verbesserte Sozialleistungen für gleichgeschlechtliche Paare gibt es dagegen nur, wenn, so Beck, “Kinder vorhanden sind”.

    aber du hast recht, ich habe die verbindenden elemente nicht wahrgenommen. vielleicht sind es auch nur einige mißverständliche formulierungen, denn ich kann die texte auch größtenteils so lesen, dass ich im wesentlichen zustimmen würde. aber einige formulierungen finde ich zu überzogen und eben tendenziell einseitig, so dass ich das gefühl habe, eher als auf der „gegenseite“ stehender angesprochen zu werden.

    @ emanzipationoderbarbarei:
    ich möchte mich nochmal bei dir persönlich für meinen stressenden ton entschuldigen.

    ich würde gern von konkreten diskriminierungen oder marginalisierenden mechanismen lesen, deine beispiele fand ich nicht so gut. interessant fände ich, ob (und wenn ja wie -stark, oft…) z.b. bands von/mit „homos“ gedeckelt werden, wie das mit fernsehprogramm aussieht o.ä.
    du wirbst ja für ein heraustreten aus der heteronormen kategorienschublade – ich bin mir sehr unsicher, welche gewinne und verluste das für wen hätte – kannst du einige gedanken bloggen, wie du dir eine nichtheteronormative zukunft vostellen kannst?

  17. 17 Liberaler 01. Februar 2010 um 18:32 Uhr

    Die heterosexistische Formatierung der Mehrheit wird durch die menschenfeindliche Entrechtung von Homosexuellen mittels direkten staatlichen Terrors (z.B. §175), die inzwischen überwunden wurde ebenso vertieft wie durch mildere staatliche Akte der Gewalt gegen Schwule und Lesben. Die höhere Einkommenssteuer z.B. zahlt niemand freiwillig. Sie wird Homosexuellen mittels Gewalt abgepresst. Wer nur soviel zahlt wie Heterosexuelle, die verheiratet sein dürfen, zahlen, der wird finanziell und sozial vernichtet und wird als Krönung heterosexistischer Unterdrückung letzendlich ins Gefängnis kommandiert.

    Auch würde z.B. im Falle des Verlustes eines sorgeberechtigten Homosexuellen, für das Kind den doppelten Verlust seiner sozialen Eltern bedeuten, da bei Anwendung gleichen Rechtes wie bei heterosexuellen, die heiraten dürfen, die Sorge für das Kind als Kindesentführung ebenso wie im Nicht Homo-Zusatzsteuerzahlungswillensfall ins Gefängnis führen.

    Es sind diese Akte der Repression die bekämpft gehören. Der Staat ist es, der die Überlegenheitheitsgefühle von Heterosexisten mittels massiver Gewalt materialisiert. Auch der Gewalt des wütendenden Heterosexistischen Gewalttäters darf nicht mittels geeigneter Waffen entgegengetreten werden. Auch hierfür sorgt (in Deutschland seit der Machtergreifung der Nazis) wieder der Staat.

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