Ernährungsprobleme und Geld

Das Kapitalismus Menschen Leiden macht, ist wohl nix neues. Mensch muss dabei den ökonomischen Unterton nicht teilen, um etwa dies zur Kenntnis zu nehmen:

Durch Hunger und Fehlernährung können, so eine Studie, mehr als 200 Millionen Kinder vor allem in Entwicklungsländern ihre geistigen Fähigkeiten nicht voll entwickeln. Besonders in den ersten fünf Lebensjahren verhindere der Hunger, dass sich das Gehirn voll entwickle, heißt es in der Fachzeitschrift „The Lancet“.

Durch einen Teufelskreis von Mangelernährung und häufigen Krankheiten würden die Kinder nur unzureichend versorgt. Das wirke sich negativ auf ihre geistige und körperliche Entwicklung aus und trage langfristig dazu bei, dass sich mangelnde Bildung und Armut über Generationen fortsetze, schreibt Sally Grantham-McGregor vom University College in London. Für die Entwicklungsländer bedeute das, dass Wissen und Arbeitskraft verloren gingen und ihr Rückstand zementiert werde.
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Die Forscher beziffern die Zahl der betroffenen Kinder auf 219 Millionen; das entspricht fast 40 Prozent dieser Altersgruppe in den unterentwickelten Ländern. Die größte Gruppe von 89 Millionen benachteiligten Kindern lebt laut Bericht in Südasien. In Schwarzafrika könne mit 61 Prozent sogar die Mehrheit der Kinder ihr geistiges Potenzial nicht ausschöpfen. Die Welt: 200 Millionen Kinder bleiben durch Hunger geistig zurück

Warum die Kinder hungern? Weil es Essen nur für Geld gibt und Geld in weiten Teilen der Welt zwar notwendige Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe ist, deshalb aber noch lange nicht im nötigen Umfang vorhanden. Der Artikel erschien am 8. Januar in der Welt. Einen Tag vorher gab es diesen Artikel, der einen vielleicht nicht unwichtigen Kontrast bietet:

Deutschlands fette Kinder sind in aller Munde. Es hat etwas gedauert, bis man das Problem erkannte: Nicht nur dumm und faul (Pisa!) ist die nachwachsende Generation, sondern auch noch dick und fett. Eine Katastrophe, die ja nun, nachdem die Mediziner sie oft genug wiederholt haben, bis ins politische Lager vorgedrungen ist und Frau Künast zum Start diverser Anti-Fettsucht-Kampagnen animiert hat. ( … )

Dass nun die Mediziner eingreifen müssen, kommt alle Beteiligten teuer zu stehen: das Kind, das die bisherige Fehlernährung mit umständlichen Abspeckprogrammen bezahlen muss; die Eltern, für die der Kampf gegen die kindlichen Pfunde zum Krampf im Familienalltag wird; die Krankenkassen, die die Kosten für aufwendige und teure Therapien bezahlen müssen. Die einzigen Gewinner in diesem Trauerspiel sind diejenigen Ärzte, die sich auf Fettleibigkeitsbekämpfung spezialisiert haben.

Ganze Fachgesellschaften widmen sich dem Problem, Forschungspreise werden ausgeschrieben, Therapieprogramme abgestimmt. Die Experten rechnen uns vor, welche materiellen Folgekosten durch Adipositas für die gesetzlichen Krankenkassen entstehen – Schätzungen belaufen sich auf 20 Milliarden Euro – und begründen damit den Nutzen ihrer Spezialprogramme.

Die Welt: Deutschlands dicke Kinder

Vielleicht sollten sich ja mal ganze Fachgesellschaften dem Problem widmen, welche Therapieprogramme den Kindern im Trikont helfen können, mit ihren Ernährungsproblemen fertig zu werden. Denkbar wären auch Forschungspreise. Allerdings bin ich mir sicher, das hier die kreative Anwendung vorhandenen Wissens bereits ausreichend wäre.

Danke an die konkret für den Hinweis auf den ersten Text.


2 Antworten auf “Ernährungsprobleme und Geld”


  1. 1 biber 17. Februar 2007 um 10:24 Uhr

    „Durch Hunger und Fehlernährung können, so eine Studie, mehr als 200 Millionen Kinder vor allem in Entwicklungsländern ihre geistigen Fähigkeiten nicht voll entwickeln.“
    …nicht zu vergessen die, bei denen die geistige Entwicklung die kleinste Sorge ist, weil sie gar nix zu beißen haben, da sie eben völlig uninteressant für „die Wirtschaft“ sind, sich einfach nicht gewinnbringend vernutzen lassen und schlicht krepieren. Wie Du schon sagtest: nix Geld, nix Fressen. Zum Kotzen.

  2. 2 bikepunk 089 17. Februar 2007 um 16:10 Uhr

    Tzm Themenkomplex globale Landwirtschaft, globale Ernährung, kann ich allen nur diesen Text aus der ak empfehlen (link in der ak finde ich auf die schnelle nicht, deshalb auf der münchenr anti g8 mobilisierungsseite):
    http://www1.autistici.org/g8/deu/start/globale-landwirtschaft/

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