Bischof Mixa macht den Herman


In der Süddeutschen Zeitung meldet sich die römisch-katholische Orthodoxie zu Wort – mit einer wahrhaft parodistischen Stellungnahme zur aktuellen Familienpolitik:

Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat die Pläne von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zum Ausbau der Kleinkindbetreuung scharf kritisiert. Sie seien „schädlich für Kinder und Familien und einseitig auf eine aktive Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixiert“, sagte Mixa.

Das ist ganz furchtbar, Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern. Zumal Erwerbstätigkeit grundsätzlich furchtbar ist, ich spreche da aus eigener Erfahrung. Und wenn mensch sich nebenbei noch um Kinder kümmern muss, ist das schon eine ziemlich stressige Sache. Was allerdings auch für Väter mit Kleinkindern gilt. Kitas würden also zwar Entlastung schaffen, das Problem aber nicht lösen. Was Bischof Mixa mit dem folgenden Vergleich deutlich macht:

„Da herrschen immer noch die alten sozialistischen Vorstellungen, die von der neuen Familienministerin jetzt mit dem Etikett ’christdemokratisch’ geadelt werden.“

Wir erinnern uns: auch die ehemalige DDR (Sozialismus) war eine Arbeitsgesellschaft und nicht besonders emanzipativ. Und auch hier hattte umfassende Kinderversorgung (neben der gemeinschaftlichen Erziehung) die Folge, das die Frauenerwerbsquote ein wesentlich höheres Ausmaß erreicht hatte als das in der westlich-kapitalistischen Variante der Arbeitsgesellschaft der Fall war. Dem gilt es es also eine umfassendere Kritik gegenüberzustellen:

Die Doppelverdiener-Ehe werde von der Ministerin geradezu zum „ideologischen Fetisch“ erhoben, bemängelte der Bischof.

Fetischismus-Kritik vom Bischof, ich bin baff! Aber recht hat er: Verdienen, also das arbeiten um des Geldes willen, ist im Kapitalismus tatsächlich zum Fetisch erhoben. Was an der quasi-religiösen Anbetung des Marktes und der unhinterfragten Wirkmächtigkeit der Arbeitsreligion abzulesen ist. Und überhaupt:

Die Familienpolitik der Ministerin diene nicht in erster Linie dem Kindeswohl oder der Stärkung der Familie, sondern sei „vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren“. Dies sei kinderfeindlich.

Jawohl! Die „Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie“ wird vergrößert. Das senkt die Löhne und schadet dem Klassenkampf und verweist überhaupt auf die schlichte Tatsache, das Menschen im Kapitalismus nur als Rädchen im Getriebe zählen. Nun hat Bischof Mixa leider übersehen, das Familie und Kinderfreundlichkeit nicht unbedingt zusammengehen. Eine Uno-Studie zur Kindergewalt berichtet etwa, das „allein in Deutschland und England jede Woche zwei Kinder“ an „Misshandlungen und Vernachlässigungen“ sterben. Und nun komme ich und behaupte, „dies sei kinderfeindlich“. Schande über mich. Sagt zumindest der Bischoff:

Mixa wandte sich zugleich gegen die Versuche der Ministerin, „der elterlichen Erziehung die notwendige Qualität abzusprechen und eine ’professionelle’ Früherziehung von Kleinkindern zu propagieren“. Die „wirklichen Profis“ der Erziehung eines Kindes seien dessen Eltern und besonders die Mutter.

Solange nur zwei Kinder pro Woche sterben, kann nun wirklich nicht von fehlender Qualität gesprochen werden. Hauptsache der Laden läuft, wer wird da schon kleinlich sein? Wenn Erziehung darauf hinausläuft, dann möchte ich den deutschen Eltern zumindest nicht absprechen wollen, das sie dafür die „wirklichen Profis“ sind.

Dazu das der Laden läuft zählt dann wohl auch, as die Frau sich strickt an ihre Rolle als Mutter und Nesthüterin hält:

Wer aber mit staatlicher Förderung Mütter dazu verleite, ihre Kinder bereits kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere die Frau zur „Gebärmaschine“.

Wenn also die Frau sich nicht nur um ihre Kinder kümmert, sondern nebenbei auch noch ein eigenes Leben hat, dann wird sie zur Gebärmaschine. Wenn sie nichts anderes macht als die Kleinen zu umtüddeln, dann ist das – ich weiß auch nicht. Katholizismus vermutlich. Nun bin ich sicherlich weit davon entfernt, in der Berufstätigkeit den letzten Schrei der weiblichen Emanzipation zu verorten. Aber wie erkannte schon der Ak Gender in seinem (sic!) lesenswerten Demo-Aufruf ganz richtig:

Wir gehen nicht davon aus, dass mit der paritätischen Besetzung aller wirtschaftlichen Schlüsselpositionen der Zenit des Feminismus erreicht wäre, trotzdem muss die finanzielle Situation von Frauen auch in die kapitalismuskritische feministische Betrachtung einfließen. Die größten Leidtragenden sind dabei zum einen alleinerziehende Mütter…

Es gibt eben nicht nur Richtig und Falsch, sondern auch Falsch und noch Falscher. Etymologen mögen mir verzeihen.

Danke an den Schmetterling-Blog für den lieben Hinweis.


2 Antworten auf “Bischof Mixa macht den Herman”


  1. 1 emanzipationoderbarbarei 24. Februar 2007 um 12:38 Uhr

    Sehr lustig fand ich auch das hier:

    http://www.taz.de/pt/.1/gif.t,kari.d,1172228400

  2. 2 Tina 25. Februar 2007 um 13:56 Uhr

    Hallo Juli, ich habe mich gerade sehr amüsiert über deine Verhackstückung der Bischofszitate. Obwohl das ja alles nicht wirklich lustig ist…

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