Klassenkampf 2007

Das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) an der Georg-August-Universität in Göttingen wird fleißig zur Verbesserung der Arbeitsrealität in Deutschland geforscht. Und oft gilt das kleine, gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut als „irgendwie links“. Was ja, wenn wir uns mal anschauen wer da so beschäftigt ist, in Teilen sicherlich auch gilt. Allerdings ist das Sofi auch immer mal wieder in die Kritik geraten, etwa wenn dort versucht wurde, das wissenschaftliche Schönschreiben des 5000 × 5000 Projektes bei VW. Jetzt forscht das Sofi (unter anderem und in Zusammenarbeit mit der gewerkschaftlichen Kooperationsstelle der Uni) zu aktuellen Formen des Klassenkampfes:

In einer Reihe ‚stilbildender’ Unternehmen macht Michael Schumann vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) neue Interessenkoalitionen aus, die Mitarbeiter und Management im gemeinsamen Bemühen um Beschäftigungssicherung und mehr Wettbewerbsfähigkeit einen. Neue Chancen für eine innovative Arbeitsgestaltung entstehen dort, wo Reserven für Arbeits- und Prozessoffensiven identifiziert und wo die Mitgestaltung der Beschäftigten angestrebt werden (vgl. Schumann 2003). Erfolgreichen Unternehmenskulturen gelingt die Einbindung des kreativen Potenzials ihrer Beschäftigten unter Win-Win-Konditionen.

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In großen Unternehmen, in profilstarken Regionen und in einigen Branchen wird das kreative Potenzial der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter längst systematisch angesprochen und eingebunden. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) verfügen aufgrund ihrer geringeren Größe zwar über kürzere Kommunikationswege und spezifische Kulturen, für systematische Potentialerhebungen und spezielle mitarbeiterbezogene Innovationsprozesse fehlt ihnen aber zumeist die ‚kritische Masse’, um betriebliche Optimierungsprozesse neben dem Alltagsgeschäft in Gang zu setzen. KMU in strukturschwachen Regionen wie bspw. in Südniedersachsen haben es in dieser Hinsicht besonders schwer. Spezielle Maßnahmen zur Förderung ihrer Innovationsfähigkeit stellen daher wichtige Schritte der Regional- und Strukturförderung dar.

Ziel des Projektes „Innovas – Innovative Arbeitsprozesse in Südniedersachsen“ ist es, mittels Befragungen in den Betrieben die Arbeitsabläufe zuoptimieren:

Auf innerbetrieblichen Wegen sollen kreative Potenziale in den Unternehmen aufgespürt, aktiviert und in Innovationsprozesse überführt werden. Auf der Suche nach neuen und ergänzenden Transferwegen sollen insbesondere Kooperationen zur Produktinnovation, zur technischen oder sozialen Verfahrensoptimierung oder zur gezielten Entwicklung von Humanressourcen angestoßen und Qualifizierungsprozesse in KMU positiv beeinflusst werden. In zu entwickelnden vertrauensbildenden Verfahren sollen konkrete Qualifizierungs-, Weiterbildungs-, Beratungs- und Forschungsbedarfe erkannt werden. Leitziel ist die Steigerung bzw. die Verstetigung der Innovationsfähigkeit von KMU durch Kreativitätsmaßnahmen und durch Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an betrieblichen Innovationsprozessen.

Es will dazu beitragen, die ‚schlummernden’ oder ‚verborgenen’ Potenziale der Unternehmen bzw. die Kompetenzen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu aktivieren. Sind Innovationsprozesse erst einmal angestoßen, können in der Folge Maßnahmen der verschiedensten Art vereinbart werden.

Und so freut es dann den Projektkoordinator Frank Mußmann von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften Göttingen auch,

„dass Gestaltungsprojekte der beschriebenen Art auf regionaler Ebene zwischen KMU und Projektträgern unter gewerkschaftlicher Beteiligung weitgehend problemlos möglich sind. Noch vor wenigen Jahren hätte man auf Unternehmens-, wie auf Gewerkschaftsseite größere Reserven erwarten müssen.“

Wir sehen also: die freundschaftliche Verschmelzung von Kapital und Arbeit zur großen Betriebsgemeinschaft schreitet voran… Vielen Dank noch mal an die kritische Göttinger Arbeitssoziologie.


1 Antwort auf “Klassenkampf 2007”


  1. 1 blubb 23. Februar 2007 um 12:52 Uhr

    najo die setzen eben um was die gewerkschaften sich im innersten wünschen, endlich nichtmehr gegen die interessen der arbeitgeber sein zu müssen, sondern gemeinsam für die nation arbeiten zu dürfen…
    wer so eine gewerkschaft hat braucht zumindest keine fiesen arbeitgeber mehr.

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