Was ist Patriotismus?

Eine Gruppe aufrechter Deutsche möchte den Begriff der „Leitkultur“ im neuen CDU-Parteiprogramm nicht missen. Der ist ihnen wichtig, weil er nämlich ein Ausdruck von Patriotismus ist. Und Patriotismus ist bekanntlich eine wichtige Sache. Über den Patriotismus bemerkt Wikipedia derzeit lediglich, es handle sich um „eine Haltung ( … ) die eine emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation auf Grund ethnischer, politischer, kultureller oder anderer Merkmale beschreibt.“ Aus der CDU wird nun erklärt was sie damit meint, wenn sie von „Leitkultur“ oder „Patriotismus“ spricht:

Ohne „Patriotismus, ohne die Bereitschaft, in Heimat und Nation Pflichten zu erfüllen“, könne ein „Staat nicht gedeihen“, heißt es in dem Entwurf, der am Montag in der Programmkommission zur Sprache kommt. „Der dankbare Stolz auf unser Gemeinwesen, das Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit in hohem Maße verwirklicht, schafft gesellschaftlichen Zusammenhalt über alle Unterschiede der Lebensstile hinweg.“ Ohne „Bekenntnis zu uns selbst als einer durch Geschichte und Kultur geprägten Schicksalsgemeinschaft freier Bürger“ könne man „Integration und Teilhabe“ nicht fordern.(frankfurter rundschau: Umstrittene Leitkultur

Patriotismus ist also grenzenlose Opferbereitschaft gegenüber Standort und Vaterland. Und der wiederrum ist wichtig , damit das mit dem Staat auch ordentlich funktioniert. Die Einzelnen sind nichts, die Nation ist alles. Dabei braucht es den Stolz auf die Nation, um eine Gemeinsamkeit herstellen zu können. Die Menschen sollen der Nation dankbar sein und diese Gemeinsamkeit schafft dann den „gesellschaftlichen Zusammenhalt über alle Unterschiede der Lebensstiele hinweg“ . Die angeblichen Errungenschaften der Gesellschaft („Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit“) taugen allem Anschein nicht zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, weshalb die CDU zum Vaterland greifen muss. Kein Wunder, haben Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit doch je nach Lebensstil unterschiedliche Auswirkungen. Für Menschen mit dem Lebenssstil „ALG-II-Empfängerin“ heißt Solidarität vor allem, das sie sich für den Standort einzuschränken und nicht so viel zu konsumieren hat. Und die Gerechtigkei läuft schlicht darauf hinaus, das sie genausoviel kriegt wie die Frau die hinter ihr in der Arbeitsamtsschlange steht. Es ist wie bei Karl Marx:

„Was allein hier herrscht, ist Freiheit, Gleichheit, Eigentum und Bentham. Freiheit! Denn Käufer und Verkäufer einer Ware, z.B. der Arbeitskraft, sind nur durch ihren freien Willen bestimmt. Sie kontrahieren als freie, rechtlich ebenbürtige Personen. Der Kontrakt ist das Endresultat, worin sich ihre Willen einen gemeinsamen Rechtsausdruck geben. Gleichheit! Denn sie beziehen sich nur als Warenbesitzer aufeinander und tauschen Äquivalent für Äquivalent. Eigentum! Denn jeder verfügt nur über das Seine. Bentham! Denn jedem von den beiden ist es nur um sich zu tun. Die einzige Macht, die sie zusammen und in ein Verhältnis bringt, ist die ihres Eigennutzes, ihres Sondervorteils, ihrer Privatinteressen. Und eben weil so jeder nur für sich und keiner für den andren kehrt, vollbringen alle, infolge einer prästabilierten Harmonie der Dinge oder unter den Auspizien einer allpfiffigen Vorsehung, nur das Werk ihres wechselseitigen Vorteils, des Gemeinnutzens, des Gesamtinteresses.“ (MEW 23, 189f)

Nun klappt das nicht immer, das auch alle glauben, ihr Privatinteresse wäre tatsächlich identisch mit dem Allgemeininteresse. Dafür gibt es den Patriotismus. Damit alle stets daran erinnert werden, das es eine höheres Ziel gibt, auch wenn es ihnen persönlich grade eher nicht so toll gehen mag. Das drückt sich auch aus in der Formulierung der „Schicksalsgemeinschaft freier Bürger“. Weil die freien Bürger nämlich eine Schicksalsgemeinschaft sein sollen, ist es auch wichtig, das sie ihre Freiheit nicht gegen sich selber richten. Und „sie selber“ – das sind dann auch die Nation als Ausdruck dieser Schicksalsgemeinschaft. Die sich wiederrum in Vaterland und Standort materialisiert.

Merke: Am Patriotismus gibt’s nichts zu retten!