Arbeitslosigkeit abgeschafft

„CSU schafft Arbeitslose ab“ titelt n-tv und berichtet:

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat sich für eine Arbeitspflicht für alle Hartz-IV-Empfänger ausgesprochen und damit am Wochenende Protest beim Koalitionspartner SPD ausgelöst. „Jeder Bezieher von Hartz-IV soll künftig eine Gegenleistung erbringen“, sagte der CSU-Minister dem „Spiegel“. Jeder solle sein Einkommen mit einem regulären Job am Markt verdienen. Für Geringverdiener könne es einen staatlichen Zuschuss geben. „Sollte er keine Arbeit finden, erhält er die Grundsicherung, muss dann aber nach unserem Modell eine Gegenleistung erbringen. Dies erhöhe den Anreiz, auch gering bezahlte Arbeit anzunehmen. Ein entsprechendes Kombilohn-Modell wolle Glos demnächst vorstellen.

Die Arbeitslosen, das Vorurteil ist allgemein bekannt, sind ohnehin alle faul und wollen gar nich arbeiten. Statt dessen bestupsen sie den Staat wo es nur geht. Nun gibt es leider eine Studie diverser Wohlfahrtsverbände, aus der hervorgeht, das die Missbrauchsraten verschwindend gering sind. Je nach Fallgebiet liegen sie bei unter 3 Prozent, der finanzielle Schaden liegt meist bei unter einem Prozent der insgesamt ausgegebenen Gelder.

Das ist Glos aber egal. Ihm geht es um größeres: das nur wer arbeitet auch essen soll, ist eine der grundlegenden Ideologien im Kapitalismus. Für Arbeit gibt es Geld und für das Geld gibt es Waren. Nun bricht leider (sic!) der Zusammenhang von Arbeit und Geld – und damit von Leistung und Genuß – immer mehr auseinander. Das liegt einerseits an den riesigen Mengen von Vorleistungen vergangener Generationen, auf die die Menschen heute zurückgreifen können. Und es liegt andererseits an der schlichten Tatsache, das der konkrete Genuß nicht in den abstrakten Prozessen aufgeht, die monetären Reichtum nuneinmal ausmachen: Wertschöpfung ist an Arbeit gebunden und je stärker die technisiert wird, desto mehr treten die geleistete Tätigkeit und der erworbene Konsumanspruch auseinander.

Glos ist nun angetreten, die Krise des Leistungsprinzips zu beheben. Hartz-IV war ein erster Schritt. Jetzt kommt Zwangsarbeit. Alles ganz demokratisch, versteht sich. Und mit Zustimmung der SPD, die brauchen nur noch ein wenig um sich zu konsolidieren.


1 Antwort auf “Arbeitslosigkeit abgeschafft”


  1. 1 sedanon 08. April 2007 um 22:53 Uhr

    Mein Werdegang : Lehre, durch das jur. Staatsexamen gerasselt. arbeitslos und jetzt in Hartz IV.
    Damit ich faules Schwein wieder das Arbeiten lerne, darf ich eine „Qualifizierungsmaßnahme zum Lagerhelfer“ (eigentlich ein Witz in sich) absolvieren.
    20 Wochen/40 Std. Vollzeit und, versteht sich, für lau (d.h. 318 € Hartz).
    Meinen „Kollegen“ aus meiner Gruppe wurde z.T. schon beim Einstellungsgespräch bei den Partnerfirmen des Bildungsträgers gesteckt, dass man nicht beabsichtige jemanden fest einzustellen (Gratisarbeit wird hingegen von der Firma Dürr gerne in Anspruch genommen).
    Nicht nur, dass der Bildungsträger monatlich von der ARGE bezahlt wird. Nein, der Bildungsträger hatte meinem Praktikumsbetrieb (für meinen Vorgänger) 250 € monatlich in Rechnung gestellt.
    Die Belege habe ich bei der Buchhaltungsablage gefunden und, als Gedächtnisstütze, kopiert.

    So läßt sich natürlich leicht ein Aufschwung generieren.
    Arbeit für lau. Das läßt sogar einem chinesischen Industriellen die Neidröte ins Gesicht schießen.
    Aber egal. Hauptsache raus aus der Quartals-Arbeitlosenstatistik.

    Ach übrigens, die PDS in Baden-Würtemberg hatte ich informiert. Kommentar „Interessant, wird gleich an den Vorstand weitergeleitet.“ Seither Ruhe im Wald.
    Fazit : Auf alle Politiker von links bis rechts sei geschissen. Alles das gleiche opp. Pack.

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