Postone (3): Rekonstruktion einer Kritischen Theorie der modernen Gesellschaft

[Der näxte Teil vom Postone-Reading]

[Seite 40] Die von Postone vorgestellte Neuinterpretation verdankt sich vor allem der Lektüre der Grundrisse. Sie steht in der Tradition von Georg Lukacs‘ „Geschichte und Klassenbewusstsein“ sowie der Kritischen Theorie Frankfurter Schule. [Seite 41] In dieser Tradition wurde die marxsche Kritik als Theorie der gesellschaftlichen Herstellung bestimmter, verdinglichter Formen von Subjektivität und Objektivität gelesen. Die Theorien konnten sich allerdings nicht von allen Elementen des traditionellen Marxismus lösen und hilten insbesondere am überhistorischen Arbeitsbegriff fest.

[Seite 42] Laut der von Postone vorgelegten Interpretation will Marx die spezifische Rolle herausarbeiten, die Arbeit im Kapitalismus spielt. Der Blick auf die Arbeit heißt aber nicht, das der materiellen Produktionsprozess größere Bedeutung hat als andere Gesellschaftsbereiche. Er offenbart jedoch, das Produktion kein rein technischer Prozess ist und untrennbar mit den grundlegenden gesellschaftlichen Verhältnissen verbunden und von ihnen geformt ist. Auch die ArbeiterInnenklasse ist eher wesensmäßiger Bestandteil des Kapitalismus denn seine Negation. Im Mittelpunkt soll nun ein neu interpretierter Entfremdungsbegriff stehen. Sie ist eine Kritik jeder Form von produktivistischer Kritik und zieht diese Kritik aus dem marx’schen Werk. Ebenfalls kritisiert sie die Annahme einer ewigwährenden Geschichtslogik. Der historische Materialismus ist für Postone nur innerhalb des Kapitalismus gültig!

[Seite 44] Postone möchte Theorie als Teil von Gesellschaftlichkeit darstellen und so ihre eigene Position begründen. Da sie die bürgerliche Gesellschaft weder (universalistisch) affirmiert noch einer antirationalistischen Kritik unterzieht, kann sie als Kind der bürgerlichen Verhältnisse diese trotzdem radikal kritisieren.

Die Basiskategorien sind dabei „Daseinsformen und Existenzbedingungen“ (MEW 42, 40) der Gesellschaft, die die Grundlagen einer „kritischen Ethnografie der kapitalistischen Gesellschaft“ bieten sollen. Sie werden aus ihrem inneren heraus entwickelt und strukturieren die unterschiedlichsten Dimensionen des Lebens in der Gesellschaft.

Postone kritisiert die Annahme, Marx‘ Kategorien seien rein ökonomische. Eine solche Ansicht behandelt [Seite 45] die nicht-ökonomischen Dimensionen der Theorie nur an den Stellen, an denen sie direkt an- und ausgesprochen werden. Damit werden sie für Postone aber aus dem kategorialen Analysezusammenhang herausgelöst.

Ziel ist eine systematisch-logische Darstellung der inneren Logik des marx’schen Werkes. Andere Debatten werden außen vor gelassen. Das gilt sowohl für die Entwicklung seines Werkes als auch für die [Seite 46] aktuelle Einschätzung der gesellschaftlichen Lage. Im Anschluss an diese Ausführungen stellt er die Buchstruktur vor. Was ich mir hier ersparen möchte. Morgen geht’s dann weiter mit dem näxten Teil…