Soziale Ungleichheit in Europa

Es ist im Grunde kaum nötig, linke Zeitungen zu lesen. Auch in den großen Blättern der bürgerlichen Welt lassen sich alle wichtigen Dinge nachlesen. So berichtet die FAZ über einen Bericht der am heutigen Montag von der EU-Kommission vorgelegt werden soll und in dem weitreichende Vorwürfe über wachsende soziale Spaltungen innerhalb Europas:

72 Millionen Bürger – das sind 15 Prozent der EU-Bevölkerung – lebten mit einem Armutsrisiko, weitere 36 Millionen seien gefährdet. Dabei wachse die Gefahr, das Armut von einer Generation zur nächsten „vererbt“ werde. ( … )

12 der 72 Millionen Europäer mit Armutsrisiko seien Ältere. Aber auch viele Alleinstehende unter 30 Jahren kommen dem Bericht zufolge kaum über die Runden: In Großbritannien seien es 37 Prozent dieser Gruppe, in Deutschland sogar 42 Prozent und in den Niederlanden 49 Prozent. Hinzu komme, dass fast jeder fünfte Jugendliche unter 18 Jahren mit einem Armutsrisiko aufwachse: Das sind 18 Millionen in einer Gruppe von 94 Millionen jungen EU-Bürgern. „In den Gesellschaften mit der größten Ungleichheit ist das Armutsrisiko am höchsten“, führen die EU-Fachleute aus. ( … )
Ein britischer Unternehmer, der vor 20 Jahren etwa 30 Mal so viel verdient habe wie einer seiner Verkäufer, kassiere heute das Hundertfache. Aber 1999 habe eines von zwölf alleinerziehenden Elternteilen ihren Kindern dort keine tägliche warme Mahlzeit und keine regenfeste Kleidung kaufen können. ( … )

Nun folgt – bereits Marx wusste das – aus einer objektiven gesellschaftlichen Lage nicht unbedingt auch ein entsprechendes Bewusstsein. Nur weil es mir dreckig geht heißt das noch lange nicht, das ich rebellisch werde und da etwas gegen zu unternehmen versuche. Oder, wie es die FAZ formuliert: „Der Bericht gibt auch Umfragezahlen von 2006 wieder, wonach 81 Prozent der EU-Bürger mit ihrem Leben zufrieden sind.“

Die FAZ allerdings – auch das möchte ich nicht verschweigen – erzählt das alles nicht, weil ihnen die Betroffenen in irgend einer Form wichtig wären. Ihr geht es – wie immer – um höheres:

Die Folge seien häufig Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum und unsoziales Verhalten. Zudem führe die Ungleichheit dazu, dass die Gesellschaft vorhandene Talente nicht genügend nutze.

Jetzt kommen wir der Sache schon näher: Es beschädigt auf Dauer die Funktionstüchtigkeit der Nation, sollte den Leuten auffallen, das sie am Ende ihre eigenen Standpunkte und die der Nation letztlich gar nicht so wirklich identisch sind. Außerdem schadet es in der Nationenkonkurrenz, wenn die eigene Volkswirtschaft ihre „Talente“ nicht ordentlich nutzt. Kapitalismus produziert also scheinbar eine Schere zwischen Arm und Reich, die sich dann selber wieder kontraproduktiv auf sein reibungsloses funktionieren auswirkt. Sachen gibt’s….


3 Antworten auf “Soziale Ungleichheit in Europa”


  1. 1 Benni Bärmann 26. Februar 2007 um 11:35 Uhr

    Ist Europa jetzt schon eine Nation? Hab ich garnicht mitgekriegt.

  2. 2 emanzipationoderbarbarei 26. Februar 2007 um 11:42 Uhr

    Das ist doch letztlich alles nur ’ne Definitionsfrage, oder?! Und selbst wenn die unmittelbare Identifikation über die deutsche Nation erfolgt, gibt es doch ein gemeinsames europäisches Wirtschaftsinteresse.

    Jedenfalls würde ich mich nicht wundern, wenn das perspektivisch mehr und mehr verschwimmt…

    (naja, ich geb schon zu: is begrifflich schon unscharf was ich da gemacht hab‘…)

  3. 3 Basti 03. März 2007 um 17:18 Uhr

    Versteh ich nicht!!!

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