Weiblichkeit richtig gemacht: Neun Goldene Hausregeln

Die Ludovicia Ingolstadt ist eine „freie, partei-politisch und konfessionell ungebundene, farbentragende, nicht-schlagende Studenten- und Absolventenverbindung im Kartell des Passauer- Senioren-Convents.“ Die Kameraden „wollen einen Ausgleich zu Studium und Beruf schaffen, indem wir Freizeit sinnvoll und gesellig gestalten und helfen gleichzeitig, ein selbständiges, für die Gesellschaft wertvolles Mitglied zu werden.“ Was sich die Verbindung, die selbstständlich in keinster Weise sexistisch ist, unter sinnvoller Freizeitgestaltung und selbständigen, wertvollen Gesellschaftsmitgliedern versteht, kann mensch in der auf der Ludovicia-Hompage veröffentlichten Damenrede nachlesen. Lange Zeit habe ich überlegt, ob das vielleicht Satire sein soll. Da die restliche Seite aber eher satirefreie Zone ist (vom „Consenior Harry Poser v/o d‘Artagnan“ vielleicht mal abgesehen)

Dort wird nämlich – analog zu Eva Herman – festgestellt, die Frau stünde „heute am Scheideweg: Entweder Sie verfolgen den irrigen und menschheitsgefährdenden Kurs der Vermännlichung weiter, oder Sie entschließen sich, bevor es zu spät ist, zu Ihren schöpfungsgewollten Ursprüngen und Bestimmungen zurückzukehren. das müssen im 21. Jahrhundert natürlich nicht mehr Kinder, Küche und Kirche sein, aber diese drei gehören schon auch dazu.“

Die Quadratur des Kreises: die Frau als solche soll sich ihren „schöpfungsgewollten Ursprüngen und Bestimmungen“ widmen. Zu denen haben früher „Kinder, Küche und Kirche“ gehört. Das muss heute nicht mehr sein. Allerdings gehören die drei Punkte (wir erinnern uns: „Kinder, Küche und Kirche“) auf jeden Fall dazu. Jetzt Hirn einschalten bitte!

Fragte John F. Kennedy noch danach, was jede und jeder einzelne für sein Land tun kann (auch keine Freude!), so wird das bei der Ludovicia noch mal privatisiert: „Und vergessen Sie nicht: Je besser es uns, den -Ihren- Männern geht desto besser auch Ihnen selbst.“ Damit also alle gut geht im Hause, gibt es „Neun goldene Hausregeln um das Blatt zu wenden“ – und die möchte ich euch nicht vorenthalten.

Ganz im Sinne des ‚Je besser es dem Manne geht, geht es auch der Frau‘ steigt die Ratgeberin gleich ein mit „1. Nicht zanken, sondern danken!“, gleich gefolgt von „2. Machen Sie sich hübsch für ihn!“:

Kittelschürzen, ausgebeulte Jogginghosen und Lockenwickler sind in SEINER Gegenwart tabu. Legen Sie Rouge auf, und greifen Sie zu seinem Lieblingsparfüm, bevor er nach Hause kommt. Er darf niemals den Eindruck haben, daß Sie sich nur für auswärtige Anlässe schön machen. Wenn er erst einmal erzählt, daß seine Sekretärin eine neue Frisur hat, kann es schon zu spät sein. Sie hätten vorbeugen müssen…

Merke: Neben Aufgabe Nummer Eins (nicht widersprechen!) muss die Frau dem Manne als stetiges Objekt der Begierde dienen. Sie muss immer gut aussehen – und falls nicht ist sie selber Schuld wenn er fremdgeht. Es liegt nämlich in seinem Blute, sich stets mit hübschen Frauen umgeben zu wollen. Und damit die Frauen auch glauben, es läge in ihrem Blute, sich für den Macker hübsch zu machen, gibt es ja diese Damenrede.

Damit aber nicht genug, die Jungs verlieren keine Zeit und kommen gleich zu Punkt drei: „Hausputz ist Ihre Angelegenheit!“, denn wir wissen ja:

Verfallen Sie um Gottes Willen nicht in die längst als Sackgasse erwiesene Marotte, Ihn in Küchen- oder Haushaltsarbeiten einzubeziehen. Das kann sich nur als Bumerang herausstellen. Arbeiten wie Wischen, Waschen, Nähen, Bügeln Kochen gehören nicht unter seine Augen! Es sollte genügen, daß er das Geld nach Hause bringt. Und das soll er doch wohl auch gern tun – oder?

Oder hat hier schon mal jemensch einen Mann gesehen, der Kochen kann? Etwa Jamie Oliver oder Tim Mälzer? Wahrscheinlich sind die alle krank. Auf jeden Fall hat sich das als Sackkasse erwiesen. Aus Sicht der Männer, die da einfach keinen Bock drauf haben. Immerhin bringen sie (so sie denn nicht faul in der Hängematte rumliegen) das Geld nach Hause. Und da brauchen sie daheim halt Ruhe und Sicherheit. Darum:

In Gesellschaft, im Freundes- und Verwandtenkreis müssen Sie als unverbrüchliche Gefolgsfrau Ihres Mannes gelten. Er muß sich auf Sie blindlings verlassen können. Anerkennung und Bewunderung sollten Sie ihm vorzugsweise vor Dritten zollen. Etwa: „Manchmal frage ich mich, wie ein einziger Mensch soviel wissen kann wie mein Paul.“ Sie werden einen wärmenden, dankbaren Blick von IHM ernten. Kann es Schöneres geben?

Dem Alten vorheucheln er wäre toll, egal welchen Scheiß er abzieht! „Oh Schatz, wie toll das du meine Cousine immer so anstarst. Du siehst so sexy aus mit dem feuchten Glanz in deinen Augen“; „Das ist aber schön Michael, wie du den Alfred da grade verhauen hast. Du bist wirklich stark. Ich bewundere dich!“ Und machen wir uns nichts vor: was würde das Gemackere der Typen bringen, wenn Frauen nicht am Ende doch irgendwie drauf reagieren würden? „Sinnvolle Traditionen erhalten“ dachte sich der deutsche Mann da und ging zur Ludovicia. Die verlangt – neben dem hemmungslosen Anhimmeln – auch die bedingungslose Loyalität:

Selbst bei Irrtümern, die er äußert oder begeht, sollten Sie sich bedingungslos hinter ihn stellen, und das vor allem in der Öffentlichkeit. Es ist nicht Ihre Sache, über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit SEINER Anschauungen oder Handlungen zu befinden. Unter vier Augen können Sie ihm dann mit weiblichen Geschick Ihre Meinung schildern. Er wird Ihre Diskretion zu Schätzen wissen.

Die Waffen einer Frau! Im privaten darf sie ihn beraten, die Entscheidungen trifft aber er. Das ist der Unterschied zu früher: Da hat der Mann nicht nur die Entscheidungen getroffen, da hat er sich auch Hinweise am Küchentisch verbeten. Ein Schritt nach vorne, sozusagen. Aufgabe der Frau ist es nämlich dafür zu sorgen, das ihr Göttergatte stets einsatzbereit und gut drauf ist. Es würde ihn zermürben, kritisierte sie ihn öffentlich. Aber wenn er wirklich mal auf dem Holzweg ist, muss sie schon geschickt und diplomatisch versuchen ihn davon abzubringen. Demütig und ohne Vorwürfe. Das ist ja wohl das mindestes!

Wie es überhaupt immer die Aufgabe der Frau ist, Sorgen und Probleme von ihm abzuwenden:

Sie ehren sich und ihn, wenn Sie zusätzlich Funktionen und Verantwortungsbereiche übernehmen: Auf Tankstellen, Postämtern, in Kaufhäusern, beim TÜV und in chemischen Reinigungen haben Männer im Grunde nichts verloren. Dort begegnen sich nur die Gescheiterten. Soll Ihr Mann zu denen gehören? Und empfinden Sie es nicht als entwürdigend, ja beschämend für Sie als Frau, Ihren Mann am, Wurststand im Supermarkt zu sehen?

Nein, ein Mann bei der Verrichtung seiner täglichen Lebensnotwendigkeiten. Das wäre doch wirklich unangemessen! Da ist es doch unmittelbar einsehbar, das er hier lieber auf die Arbeit seiner Frau zugreifen sollte. Der ist es nämlich viel eher zuzumuten am „Würstchenstand im Supermarkt“ zu stehen. Schließlich treffen sich da „nur die Gescheiterten“ – und als Frau ist sie ja sowas ähnliches. Scheinbar. Das muss doch Ironie sein, oder?!

Die Frau kümmert sich also um alle wichtigen Belange im Leben des Mannes – und freut sich darüber: „Entdecken Sie den Reiz des Dienens und die Chance des Dienendürfens!“ heißt es in Punkt Sieben. Und wir lesen mit ungläubigen, vom Lachen noch feuchten Augen:

Dienen macht Freude! Und es gibt Gelegenheiten genug, ihm eine Freude zu machen. Bier hat zum Beispiel ja bekanntlich keine Beine, und keine Flasche kommt alleine vom Kühlschrank auf den Tisch. Soll ER das Bier holen, nur weil er es auch drinkt? Ihren Töchtern sollten Sie ein gutes Vorbild sein und sie auf das spätere gesellschaftliche Leben bestens vorbereiten.

Nein wirklich. Das ist ja wohl das mindeste. Der Mann ist mit dem Trinken vermutlich auch schon mehr als ausgelastet. Und während er so besoffen auf dem Sofa liegt, kann er sich eh nicht um seine Frau kümmern. Dann kann die die Zeit noch mal schnell nutzen um sich hübsch zu machen und ihm ein Fläschchen Bier aus dem Keller holen.

Allerdings musste ich bei einer kritischen Durchsicht der Seite erkennen, das die Kaspers ihre eigenen Kriterien nicht einhalten: Das Bild rechts stammt hierher und zeigt den Senior Kunibert. Und was tut er? Er steht vor einem Topf, mit einem Löffel in der Hand. Er hat eine Schürze um. Fast wie Jamie Oliver, nur das er eben nicht so gut aussieht. Ich bin schockiert. Weniger wegen dem Aussehen als vielmehr von der Geste der Selbstverständlichkeit, mit der er in dem Topf herumrührt. Das hätte doch wohl auch mal seine Frau machen können. Zumindest spricht der Ring an seinem Finger dafür, das er verheiratet ist. Das die sich nicht schämt. Ihren armen Mann dieser Demütigung auszusetzen.


3 Antworten auf “Weiblichkeit richtig gemacht: Neun Goldene Hausregeln”


  1. 1 Crash 27. Februar 2007 um 18:09 Uhr

    Jetzt stellen wir uns mal den Aufschrei vor, wenn das eine Internetseite wäre, die dem Islam irgendwie nahe steht…

  2. 2 qwerty 01. März 2007 um 22:46 Uhr

    Crash: schonmal auf „dem Islam irgendwie nahe“ stehenden websites gesurft?

  3. 3 Kunibert 30. Oktober 2010 um 9:21 Uhr

    Toll,
    sämtliche Vorurteile gegenüber Studienverbindungen wiederholen – mehr ist scheinbar nicht zu erwarten. Ihr nehmt eure langatmige Analyse hoffentlich nur genauso ernst wie die Ludovicia diese ‚Damenrede‘.
    P.S. Der Mann auf dem Photo ist nicht Kunibert!

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