Die Pläne des Kapitals

Christian Klar ist Terrorist. Oder zumindest war er das mal. Heute ist er Strafgefangener. Was keinen Spaß macht. Darum wollte er gerne Haftlockerungen haben, was ja gut ist. Damit wird jetzt erstmal nichts. Warum? Ganz einfach: Er schrieb ein Grußwort an die diesjährige Rosa-Luxemburg-Konferenz und hat damit, glauben wir dem Focus, ein „kapitales Eigentor“ geschossen:

Klar hatte wohl bereits Ende des vergangenen Jahres eine Art Grußwort für den im Januar abgehaltenen Rosa-Luxemburg-Kongress in Berlin verfasst und dabei seine aktuelle Geisteshaltung dokumentiert.

Klar selber ist sich vermutlich gar nicht bewusst gewesen, das er grade den Ball hatte. In dem Grußwort, das sich hier in seiner Vollständigkeit nachlesen lässt, greift das Motto der Konferenz und die politischen Entwicklungen in Südamerika auf, um sie dann in Beziehung zu setzen mit der aktuellen politischen Situation in Europa. Da gäbe es weiter Imperialismus und Klassengesellschaft, können wir lesen. Sieht alles nicht so gut aus. Aber, so Klar im entscheidenden Absatz:

Trotzdem gilt hier ebenso: “Das geht anders”. Wo sollte sonst die Kraft zu kämpfen herkommen? Die spezielle Sache dürfte sein, dass die in Europa ökonomisch gerade abstürzenden großen Gesellschaftsbereiche den chauvinistischen “Rettern” entrissen werden. Sonst wird es nicht möglich sein, die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen.

Das „eine andere Welt möglich“ ist, weiß bekanntermaßen auch Attac, selber ja nicht gerade bekannt für militante Politikformen. Als zweites fällt auf, das der Absatz nicht gerade durch künstlerische Brillianz besticht, es also fraglich ist, warum das Berliner Ensemble ihm unbedingt einen Praktikumsplatz beschaffen will. Inhaltlich steht da allerdings nicht viel mehr drinne als das in Europa gerade eine fette Verarmungswelle am Start ist – was ja sogar der FAZ geläufig ist. Und das die Menschen, die vorgeben da was gegen zu tun, da wohl nicht wirklich ein Interesse dran haben. Die alte Sache mit dem Interessensgegensatz von Kapital und Arbeit (in Gewerkschaften sehr beliebt diese These), gestützt vielleicht von einem im Auftrag der Kapitalisten auftretenden Staat (was seinerzeit mal eine sehr durchgesetzte Rezeption in der Linken war, unabhängig von terroristischen Neigungen). Dann folgert Klar, das wohl mal Schluss sein müsste mit den „Plänen des Kapitals“, was ich erstmal als Neoliberalismus verstehen würde. Wenn der dann weg ist, würde die Tür aufgestoßen „für eine andere Zukunft“. Die sieht dann so aus das „die zukünftigen Neugeborenen in ein Leben treten können, das die volle Förderung aller ihrer menschlichen Potentiale bereithalten kann und die Gespenster der Entfremdung von des Menschen gesellschaftlicher Bestimmung vertrieben sind.“

Mensch kann Klar hier viel vorwerfen. Das sein Kapitalismusverständnis verkürzt wäre etwa. Oder empathisches Geschwurbel. Aber von gewalttätigem Widerstand steht da nichts. Und da steht auch nichts vom Kampf gegen das Kapital, sondern vom Kampf gegen die „Pläne des Kapitals“, was ja erstmal was anderes ist. Wenn er nun aber in der Presse als „unverbesserlich“ gebranntmarkt wird, dann stellt sich mir die Frage: ist Kritik am Neoliberalismus die neue Form des Terrorismus?


5 Antworten auf “Die Pläne des Kapitals”


  1. 1 Links=Terror 01. März 2007 um 12:35 Uhr

    Es ist schon beachtlich mit welchem Beißreflex der Medien und Politik auf dieses Gnadengesuch und dem Brief reagiert wird. Herr Beckstein sieht in den Taten der RAF die größten Verbrechen, die es jemals in Deutschland gegeben habe (aus seiner Sicht der Welt bestimmt!) und die Bildzeitung findet auch wieder zur Hochform der 70er und 80er. Klars Äußerungen kann vieles unterstellt werden, wie du es geschrieben hast („Pläne des Kapitals“ etc.), aber von Terrorismus zu reden, weil er den so genannten Neoliberalismus und kapitalistische Ausbeutung kritisiert, ist mehr als lachhaft. Es scheint mir, als solle die historische Aufarbeitung der RAF und dem so genannten Rechtsstaat zu dieser Zeit unter allen Umständen vermieden werden. Aber der Grinseköhler ist ja ein ganz neutraler und lässt sich auch nicht von irgendwelchen Stimmungen leiten und wird folglich alle Ex-RAFler freilassen. Alles wird gut und das mit dem K……….s ist auch bald vorbei. Hoffentlich

  2. 2 elser 01. März 2007 um 15:11 Uhr

    Die bürgerliche Einheitspresse mag es nicht, wenn man die „Marktwirtschaft“ kritisiert. Nennt man die Veranstaltung („Kapitalismus“) gar beim Namen, wird man dann gleich als Spinner abgestempelt (außer man schimpft wie Münte nur auf die Heuschrecken). Ein ehemals linkes Blatt wie die liberale Jungle World, steht da „Focus“, „Stern“ und co. in nichts nach, wie ich gestern (nicht besonders überrascht) festgestellt habe: „Der übliche Antiimp-Quatsch also, vorgetragen in einem Stilmix aus Botho Strauß und Robert Kurz“.

  3. 3 schorsch 01. März 2007 um 19:24 Uhr

    Ich finde auch sehr interessant, wie Klar taktische Unbeholfenheit oder gar Dummheit unterstellt wird und in Verbindung damit seine „alte Überzeugung“ nicht nur als terroristische verklärt, sondern gleichermaßen pathologisiert wird.

  4. 4 Isa 11. Juli 2008 um 9:08 Uhr

    Alles Quatsch;dient doch wieder nur zum hetzen gegen Linke. Wer das Kapital kritisiert ist im Neo-liberalismus automatisch ein Terrorist;denn Kritik verträgt das Kapital nicht.

  5. 5 Isa 11. Juli 2008 um 9:14 Uhr

    Kritik am Kapital wird sofort kriminalisiert;denn wer die `Macht`hat, bestimmt, was gesagt werden darf. Sollte man/frau sich trotzdem sein Recht auf Meinungsfreiheit nehmen,wird versucht einem mundtot zu machen, indem man als Kranke/r hingestellt wird.Scheint auch zu funktionieren – wenn da nur mal der Schein nicht trügt…

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