Zwischenbilanz

Da mich in den näxten zwei Wochen die Lohnarbeit vom fleißigen Bloggen abhalten wird, wollte ich das zum Anlass nehmen, der geneigten LeserInnenschaft mal einen Überblick über die Rahmendaten zu geben. Die Daten beziehen sich allerdings rein auf das Jahr 2007.

Soviel vorweg: bei ‚Emanzipation Oder Barbarei‘ handelt es sich um ein aufstrebendes Internetblog. Im Januar gab es im Schnitt noch 71 Zugriffe, im Februar waren es dann schon 106. Der März hält dies Level bislang, wir werden sehen. Besonders oft gelesen wurden – wenn wir den Zugriffsdaten drauen dürfen – insbesondere die Texte, die sich auf innerlinke Auseinandersetzungen beziehen. Der Veranstaltungsbericht zur Diskussion vom [a:ka] mit dem Intendanten des Jungen Theaters wurde dabei am häufigsten, nämlich 321 mal, angeklickt (link). Auch die darauf folgende Debatte um das Onlinemagazin Goest, das mir die Nutzung eines Fotos von besagtem Andreas Döring als untersagt und von Diebstahl gefaselt hat, hat überdurchschnittliche Beachtung gefunden. Der längere Artikel kam auf ganze 207 Klicks, der kürzere zur Frage der Begründung von Goest auf immerhin 61.

Aber auch die Auseinandersetzungen mit der radikalen Linken erfreuen sich großer Aufmerksamkeit. Die Kritik am Aktionskonzept des „Ums Ganze“-Bündnisses kam bislang auf 178 Zugriffe (link), die Auswertung der Presse- und Indymediaberichte auf stolze 96 (link). Der Auftakt dieses virtuellen Schlagabtauschs konnte immer 80 Zugriffe verzeichnen (link). Und auch Kritik an im weitesten Sinne antideutschen Positionen (auch wenn ein Labelcheck ergab, das ich da vielleicht manchmal etwas pauschal mit umgehe) wird immer wieder gerne genommen: die Kritik an einem Demoplakat mit dem iranischen Präsidenten über den Gleisen von Auschwitz kam auf 160 LeserInnen (link), die Kritik an der Haltung, G8-Proteste seien per se faschistisch sogar auf 166 (link).

Dieser Trend ist verbunden mit zunehmender Kritik an genau diesen Positionen in den entsprechenden Kommentarspalten. Was ja auch schön ist, allerdings zu einer kniffligen Situation für die Autorin führt: scheinbar wird das was ich zu diesen Themen schreibe gelesen. Mehr sogar als alles andere. Was den Druck, nur durchdachte und durchkonzipierte Beiträge zu verfassen spürbar (zumindest für mich) erhöht. Was auf die Dauer ja nun auch keine Freude ist. Das ist wohl der Preis des Ruhms. Wenn Benni auf dem großartigen Keimform-Blog meine ersten Annäherungen an die Frage von Filesharing und sozialem Widerstand rühmt, dann krieg‘ ich kalte Füße und traue mich ob seiner Hoffnung, er sei gespannt auf Teil 2, schon gar nicht mehr den zu veröffentlichen.

Was hier auch hineinspielt ist der größtenteils fragmentarische Charakter dieses Blogs. Ich veröffentliche viele Zwischenergebnisse aus theoretischen oder politischen Fragen, an denen ich grade knuspere. Vieles ist noch unausgegoren, manches verfolge ich nicht regelmäßig oder nur sehr langfristig. Weshalb es manchmal eine Weile dauern kann, bis einmal begonnene Veröffentlichungsreihen fortgeführt werden. Dieser Fragment-Charakter kollidiert nun aber mit den gefühlten Ansprüchen der LeserInnen.

So merke ich etwa, das ich schon beginne, die Auswahl von Beiträge auf die Lesegewohnheiten auszurichten. Das ich meine Argumente immer stärker auf linke Szene-LesserInnen zuschneide, andere Sichtweisen weniger beachte und dergleichen mehr. Scheinbar haben Angebot und Nachfrage doch eine reale Wirkung. Das jedenfalls ist eins der Probleme, über die ich in den näxten zwei Wochen (wo ich schon mal nicht hier bin) reflektieren möchte. Gedankenanregungen sind dabei gern gesehen – vielleicht gibt es ja ein Internetcafe in der Nähe…

Interessant ist vielleicht die Antwort auf die Frage, wie die Leute denn auf dies Blog kommen. Die meisten kommen über Google, gefolgt von den beiden Portalen bei Plogsport und X-Berg. Die meisten Links von anderen Blogs kriege ich von den Monsters Of Göttingen mit 101 seit Januar, Subwave mit 90, dem Keimform-Blog mit 87, Lysis mit 70, dem Blog der Gruppe 8. Mai mit 64, Koksen Kotzen Kommunismus mit 43 und Schorsch mit 40. Vielen Dank auch! ,-)

Schade finde ich übrigens, das viele Perlen die hier auf diesem Blog versteckt sind, so wenig beachtet werden. Darum zum Abschluss noch ein paar Leseempfehlungen. Schön finde ich nach wie vor den hie archivierten Text „Schritt für Schritt ins Paradies. Eine kritische Theorieskizze der Praxis“, der einst in Arbeitszusammenhängen rund um Schöner Leben Göttingen entstanden ist. Oder auch die lustigen Beschwerdemails, die im letzten Sommer beim Fachschaftsrat Sozialwissenschaft in Göttingen eingegangen sind, als der sich gegen den WM-Patriotismus ausgesprochen hat. Einen Kommentar dazu von mir gibts auch hier.

Toll ist, auch ein früher Werk, mein Versuch, Notengebung mittels Adorno und Postone zu kritisieren (hier) oder diese lustige Polemik über Juli Zeh oder …


7 Antworten auf “Zwischenbilanz”


  1. 1 benni 03. März 2007 um 21:04 Uhr

    Danke, dass Du uns so lobend erwähnst, aber gespannt auf den zweiten Teil war (veröffentlicht) vor allem Stefan. Ich natürlich auch, wenn auch nur im Stillen ;-)

    Ansonsten: Bitte vertief Dich nicht zu sehr in innerlinke Diskussionen. Das ist doch allgemein schon so verbreitet und führt letzten Endes meist zu nicht viel.

    Zur Statistik: Ich würd mal schätzen ca. die Hälfte der Keimformreferer gehen auf meine Kappe, ich hab oft diesen Weg genommen.

  2. 2 schorsch 03. März 2007 um 23:37 Uhr

    Hallo Emanzipation oder Barbarei,

    es ist lustig: einen sehr Ähnlichen Beitrag hatte ich auch vor zu schreiben, auch mit einer Leseempfehlung für, meiner Meinung nach zu wenig beachtete, Beiträge.
    Zumindest den ersten Teil hast du jetzt vorweg genommen.
    Zwar erfreut sich mein Blog nicht einer solchen Besucherrate wie deiner, allerdings habe ich auch erlebt, wie man sich selber, zumindest ansatzweise zu disziplinieren ersuchte, um mehr Besucherzahlen zu erzielen, wenigstens aber die geneigten Leser als solche erhalten zu können.
    Besonders zu Beginn dieses Jahres, als ich noch die Ferien genießen konnte und Beiträge in einer solche Frequenz veröffentlicht habe, wie du es zu schaffen pflegst, stiegen die Besucherzahlen ziemlich an.
    In dieser Phase habe ich ähnliche Gedanken gehabt, wie du sie hier artikulierst.
    Allerdings schien es mir absurd, sich dem Blog zur Verfügung zu stellen, weil die Intention (zumindest meine) eher eine andere, gegenteilige ist.
    Auch, da stimme ich „benni“ zu, erhöht sich die Schwierigkeit nicht über szeneninterne Belanglosigkeiten zu schreiben. Daher habe ich beispielsweise das Thema G8 völlig außen vor gelassen, was natürlich auch nicht unproblematisch ist.
    Ich habe mir gedacht, dass ich, als atomisiertes Subjekt, zwar nicht die Gesellschaft nach Belieben ändern kann, aber wenigstens meine Schreibgewohnheiten auf meinem Blog. Die Vorgaben, welche die kapitalistische Produktionsweise mir diktiert reichen mir, da möchte ich mir keine Weiteren hinzufügen lassen und schreibe inhaltlich was und zeitlich wann ich will.
    Eine weitere Beobachtung war, dass der durchschnittliche Blogleser, wenn ich solche Kategorien hier einführen darf, eher kurze Beiträge ließt, als sich längere anzutun.
    So zogen kleine Texte mehr Aufmerksamkeit auf sich, als ihr Pendant, also längere Texte.
    Auch erhöhten sich die Referer über Planet.X-Berg, wenn ein Beitrag um den Namen einer „Autorität“ ergänzt wurde, oder diese zitiert, z.B. Adorno.
    Achja: Angenehm ist, dass du deinen Blog nicht mit Persönlichem Gelaber vollaufen lässt. Zu viele bilden sich ein, das sei irgendwie von allgemeinerem Interessen.
    Sowenig erst mal meinerseits,

    Schorsch.

  3. 3 blubb 04. März 2007 um 12:14 Uhr

    angebot und nachfrage hängen zusammen… na sowas, ganz neue erkenntnis :-)

    meine these ist, dass die innerlinken bzw linke sachen betreffende beiträge deshalb so beliebt sind, weil sie etwas ähnliches befriedigen wie die persönlichen geschichten auf anderen blogs… es ist teilweise lustig, lächerlich, traurig, peinlich, amüsant, nachvollziehbar usw

    deshalb und natürlich aus purem egoismus, was hier auch nichts schlechtes ist, schön weiter so… ich will weiter lachen und ja dies ist eine anspruchshaltung! ;)

  4. 4 schorsch 04. März 2007 um 13:06 Uhr

    also ich find so innerlinkes und persönliches zeug eigentlich immer öde…

  5. 5 koma 05. März 2007 um 17:54 Uhr

    super, eine bessere susammenfassung der blogaktivitäten hätte selbst der vs nicht erstellen können! …aber das braucht er jetzt auch nicht mehr.

  6. 6 subwave 05. März 2007 um 18:21 Uhr

    @koma: hui, das wird den vs aber interessieren, wieviele besucher sich bestimmte artikel hier durchgelesen haben und welche blogs die meisten referrer liefern. anna und arthur haltens maul ist wichtig, aber paranoia ist nachwievor unangebracht.

    ps: wenn du sicher gehen willst, dann schmeiss dein handy in den nächsten tümpel, melde dein internet und deinen telefonanschluss ab, verschrotte deinen pc und kommuniziere nur noch über zettelchen, die du zunächst schredderst und dann verbrennst. dann wird sich der vs aber ärgern…

  7. 7 emanzipationoderbarbarei 09. März 2007 um 20:14 Uhr

    @koma

    is doch super! solange die jungs und mädels sich mit derart sinnlosen dingen beschäftigen, hab ich nix dagegen…

    @blubb

    naja, in der radikalen linken wurde das lange zeit bestritten, das angebot und nachfrage irgendwie relevante kriterien sein könnten…

    und thanx @benni & schorsch

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