RAF = Emanzipation?

Die RAF ist derzeit in aller Munde. Die bürgerlichen Medien kämpfen gegen ein Phantom, das es so nicht mehr wirklich gibt, die Linke ist (mal wieder) unentschlossen. Die einen kriegen bei der bloßen Erwähnung der RAF vor Freude feuchte Augen, anderen dreht sich der Magen um beim Gedanken an das, was sie mit der RAF verbinden. Ich bekenne an dieser Stelle, tendenziell doch eher zu letzterer Gruppe zu gehören. Das hatte ich bereits angemerkt in einer Debatte um linksradikale Agitationsformen bemerkt, als dort die Bemerkung viel: „1. halte ich ulrike meinhof nicht für den schlechtesten bezugspunkt, den sich die radikale linke heute auswählen kann – im gegenteil.“ Damals antworte ich so:

1. ich kenne mich nun bei ulrike meinhof nicht besonders gut aus. ich weiß nicht wie ihr weltbild war, welchen theoretischen standpunkt sie vertreten hat oder wie sie sich politisch legitimiert hat. aber ich weiß, das sie sätze geschrieben hat wie diese:

“In Dresden ist der Anti-Hitler-Krieg zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl auch bekämpft hatte: Zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung gibt. Wenn es eines Beweises bedürfte, daß es den gerechten Krieg nicht gibt – Dresden wäre der Beweis.”

In dem Text (Dresden) zitiert sich sogar den Holocaustleugner David Irving – und zwar zustimmend. Was ja erstmal (denken wir an die Demos in Dresden noch vor einigen Tagen) eher eine schwierige position ist. den kompletten text gibts hier

In dem Text “Die Freunde Israels” schreibt sie dann über den für Israel erfolgreichen 6-Tage-Krieg das Folgende:

„Erfolg und Härte des israelischen Vormarsches lösten einen Blutrausch aus, Blitzkriegtheorien schossen ins Kraut, BILD gewann in Sinai endlich, nach 25 Jahren, doch noch die Schlacht von Stalingrad. […] [D]er Einmarsch in Jerusalem wurde als Vorwegnahme einer Parade durchs Brandenburger Tor begrüßt. Hätte man die Juden, statt sie zu vergasen, mit an den Ural genommen, der zweite Weltkrieg wäre anders ausgegangen, die Fehler der Vergangenheit wurden als solche erkannt, der Antisemitismus bereut, die Läuterung fand statt, der neue deutsche Faschismus hat aus dem alten gelernt, nicht gegen – mit den Juden führt der Antikommunismus zum Sieg.”

Das der böse kriegstreiberische Kapitalist mit Hilfe des Juden den Kommunismus besiegt ist ja nun ebenfalls eher ein schwieriges Theorem. Und das die Juden grade nicht mit “an den Ural genommen” werden konnten, wiel sie von den Deutschen als Gegenrasse imaginiert wurden, fällt ebenfalls unter den Tisch.

Nun mag es aus einem anti-imperialistischen Impuls entstanden, der Feindschaft zur Bild geschuldet sein und sollte vielleicht auch im konkreten historischen Kontext gelesen werden, okay. Und sicherlich wird es auch relativiert durch Aussagen wie “Es gibt für die europäische Linke keinen Grund, ihre Solidarität mit den Verfolgten aufzugeben, sie reicht in die Gegenwart und schließt den Staat Israel ein”. (Wobei noch mal zu Fragen wäre, wie genau sich die beiden Zitate zueinander verhalten. Aber das würde hier wohl zu weit führen….) Aber trotz allem ist das Spielen mit derartigen Zusammenhängen heutzutage doch berechtigter Weise der einen oder anderen Kritik ausgesetzt.

Schwierig finde ich es auch, wenn ich mir ankucke, wie sie theoretisch ihre Praxis begründet. Im Anschluss an die Befreiung von Andreas Baader, in deren Folge jemand angeschossen und schwer verletzt wurde, kommentierte sie die Vorfälle wie folgt:

“Wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine. Wir sagen, der Typ in Uniform ist ein Schwein, kein Mensch. Und so haben wir uns mit ihnen auseinander zu setzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden. Und natürlich kann geschossen werden.“

Das finde ich vor dem Hintergrund, das wir es immer auch mit “Charaktermasken” (Marx) zu tun haben, schon eine schwierige Aussage. Das Menschen sicherlich nicht immer unschuldig sind, Handlungsspielräume haben und ihr Tun reflektieren können, ist sicherlich richtig. Aber dafür müsste mensch ja grade mit ihnen reden. Die Dämonisierung des absolut Bösen das im Zweifelsfall auch exekutiert werden darf finde ich doch zumindest noch mal diskussionswürdig…

Warum also grade Ulrike Meinhof ein so Toller Bezugspunkt sein soll, ist mir nicht wirklich klar. Aber du kannst es mir sicherlich erklären. ,-)

Diese Argumentation wurde jetzt von der Jungle World aufgegriffen. Joachim Bruhn etwa wählte für sein Essay den Zugang über die von Marx kreierte und von der RAF aufgegriffene Formulierung von den Charaktermasken. Marx schreibt dazu im 2. Kapitel des Kapital:

Die Personen existieren hier nur füreinander als Repräsentanten von Ware und daher als Warenbesitzer. Wir werden überhaupt im Fortgang der Entwicklung finden, daß die ökonomischen Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse sind, als deren Träger sie sich gegenübertreten.

Es ist letztlich also relativ wumpe, wer die entsprechende Funktion innerhalb des gesellschaftlichen Zusammenhangs ausfüllt, weil es letztlich immer ein Funktionszusammenhang ist. Nun gibt es natürlich trotz allem größere und kleinere Arschlöcher, an dieser Grundbestimmung ändert das aber nichts. Wenn Charaktermasken nur die „Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse“, dann sind sie damit ein gesellschaftliches Phänomen – und nicht länger ein Leibliches. Der Körper dient ihnen – analog der marx’schen Bestimmung von Gebrauchswert und Wert – lediglich als notwendiges Übel den sie brauchen, ihre Funktion ausführen zu können. Dies Zusammenwirkung von konkreten und abstrakten Aspekten ist konstitutiv für den Kaptitalismus, auch wenn sie nach außen oftmals nicht so erscheint. Nach außen erscheint die konkrete Seite (die Ware, ihr Gebrauchswert oder der Bankddirektor) als das unmittelbar wesentliche und entscheidende. Moishe Postone hat dies sehr schön als Form des romantisierenden Antikapialismus herausgearbeitet, der letztlich die Flanke zu Antisemitismus und Barbarei aufstößt.

Bruhn formuliert das so:

Christian Klar schoss auf die kaltherzige Charaktermaske von der Dresdner Bank; in die Grube fuhr der treusorgende Familienvater Jürgen Ponto, eine Seele von Mensch, interessiert an »Politik und Kultur«, »vor allem an Kunst«, wie ihn seine Tochter Corinna Ponto in Anne Siemens Interviewband »Für die RAF war er das System, für mich der Vater – Eine andere Geschichte des deutschen Terrorismus« schildert. Nicht sehr zielsicher, diese Aktion: Der Kapitalagent soll sterben, der Philantrop ist tot. ( … )

Wer auf einen Kapitalisten schießt, kann daher nur danebenschießen, trifft nicht Ausbeutung und Akkumulation, sondern den Körper eines Menschen. Andererseits taugt keineswegs jedwedes Fleisch zur Darstellung des Subjekts. Der Körper, dazu die Psyche, die ihn antreibt, bedarf gewisser Qualifikationen, die das Bürgerliche Gesetzbuch mit den Ritualen der Zulassung wie des Ausschlusses aus der Gesellschaft der mündigen Privateigentümer organisiert. Diese Anforderungen steigen mit der gesellschaftlichen Hierarchie. Als Hartz IV-Empfänger versteht man von BWL und VWL genug, wenn man mit 345 Euro hauszuhalten vermag. ( … )

Die RAF musste ihr Ziel verfehlen, indem sie es traf; Hanns-Martin Schleyer zum Beispiel. Der Boss der Bosse hatte früh schon sein Fleisch den Zwecken von Kapital und Staat angedient, war auserwählt und rekrutiert worden. Er hatte diese Zwecke von Grund auf in Heidelberg studiert, den ganzen Kanon: »Rassentheorie«, »Grundlagen der nationalsozialistischen Weltanschauung«, »Wehrwissenschaft«, außerdem natürlich Jura und Finanzwissenschaft. ( … )

Mit diesem Wissen und Können stieg er auf, bis er der RAF über den Weg lief, die ideale Zielscheibe. Eigentlich. Aber das Kommando dachte gar nicht daran, das von Elser nur verhängte Urteil an Hitler und seinen Kumpanen wenigstens im Nachhinein zu vollstrecken. Bei allem »Faschismus«-Gedröhne waren nicht Rache und historische Gerechtigkeit ihr Interesse, sondern nur ein bisschen Agitation gegen’s Finanzkapital, oder, wie Christian Klar heute noch halluziniert, gegen die Verschwörung einer »internationalen Besitzerklasse«. So ermordete die RAF Schleyer und erzeugte nichts als einen sehr nachhaltigen staatspädagogischen Eindruck.

Sie bedachte nicht, konnte nicht bedenken, wie intensiv in der Gestalt Schleyers der »stoffliche Träger« mit der Sozialfunktion verschmolzen war. Das war keine Maske mehr, sondern ein Meisterwerk plastischer Chirurgie.

Und tatsächlich scheint es ja noch unklar, inwiefern die RAF tatsächlich so auf Emanzipation aus war. Stefan Wirner etwa zog bereits eine Woche bevor die RAF in der Jungle World zum Titelthema wurde ein eher vernichtendes Resümee:

Kein Wort ist zu hören über die Verstrickung eines RAF-Mitglieds in einen Anschlag auf jüdische Auswanderer in Ungarn im Jahr 1991. Und warum wird über Ulrike Meinhofs Solidaritätserklärung mit der Gruppe »Schwarzer September«, die bei der Olympiade 1972 ins Quartier der israelischen Mannschaft eindrang und elf Israelis tötete, so anhaltend geschwiegen?

Man muss sich nur die Mühe machen und einige der zahlreichen, völlig verbissenen Bekennerschreiben der RAF lesen: Sie strotzen nur so vor Antiamerikanismus, Antizionismus und Patriotismus. In der Erklärung zum Attentat auf den damaligen Oberbefehlshaber der Nato, Alex­ander Haig, im Jahr 1979 etwa ist die Rede von »der totalen Abhängigkeit der BRD, gegen die wir kämpfen«. Das Schreiben ist mit einer Parole versehen, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts in neuem Licht erscheinen lässt: »Solidarität mit dem Kampf des palästinensischen Widerstands gegen die imperialistische Endlösung!« Für die RAF waren die Amerikaner und die Israelis die neuen Nazis, die Deutschen hingegen ein vom Imperialismus unterdrücktes Volk.

In der Erklärung zum Bombenanschlag auf das Hauptquartier der US-Army in Heidelberg 1972 etwa hieß es, die Deutschen unterstützten die Fahndung nach den Attentätern deshalb nicht, »weil sie mit den Verbrechen des amerikanischen Imperialismus« nichts zu tun haben wollten. »Weil sie ­Auschwitz, Dresden und Hamburg nicht vergessen haben, weil sie wissen, dass gegen die Massenmörder von Viet­nam Bombenanschläge gerechtfertigt sind.«

Dass ehemalige RAF-Mitglieder sich mit diesem Kapitel ihrer Geschichte nicht befassen wollen, ist das eine. Dass viele Linke heute noch immer so denken, ist das andere.

In die selbe Richtung zieht auch die amüsant zu lesende Auseinandersetzung von Maxim Biller, die gestern in der taz zu lesen war. Zum Emanzipationspotential der RAF schreibt Biller zusammengefasst:

„Und die dritte, die unpopulärste Erklärung für den seltsamen RAF-Krieg gegen die glücklichen Deutschen vor zwanzig Jahren, scheint besonders überzeugend zu sein: Viele der Terroristen waren die Kinder von halben oder ganzen Nazis – nicht von Pastoren, wie es oft apologetisch heißt! –, und wenn also einer Zuhause das Hassen von rechts lernt, wird er in seinem Zorn gegen das Bestehende natürlich ein linker Hasser sein …
Seine Feinde werden aber die selben sein wie die seiner Väter: Die Amerikaner, die Juden- und der süße Vogel Freiheit …
Oder hat hast du jemals von Baader und Meinhof und Raspe gehört, sie wollten, dass der einzelne frei lebt in einem freien Land? …
Sie hatten – wie die Faschistenkinder aus Italien, Japan und Ex-Vichy-Frankreich, wo der Linksterrorismus logischerweise genauso groß war wie bei uns – als gesellschaftliche Vision eher sowas im Sinn wie die Mischung aus Russland 1937, Nordkorea damals und heute, und ein Schuss Nasser im weitesten national-sozialen Sinne war auch dabei“


7 Antworten auf “RAF = Emanzipation?”


  1. 1 Claudius 22. März 2007 um 15:15 Uhr

    Hallihallo,

    ich will nur man meinen Unmut hinterlassen, daß Du Dich mal wieder ausschließlich bei antideutschen Vollidioten informiert hast. Dabei ist das Thema RAF von der jüngeren Geschichte wirklich hervorragend aufgearbeitet worden. Wir alle wissen deshalb, daß die RAF sich (wie so viele Linke ihrer Zeit) mit der palestinensischen ‚Befreiungsbewegung‘ solidarisiert hat, (die im übrigen damals auch eine andere war) und in diesem Zusammenhang z.B. bei der Entführung in Landshut richtig schlimm antisemitisch war. Bei der RAF griff damals der (falsche) vergangenheitspolitische Umkehrschluss, daß mensch gerade angesichts der furchtbaren Erbschaft des Nationalsozialismus eine besondere ’sittliche Reife‘ und ethische Verpflichtung hätte, insbesondere leider auch Israel gegenüber. (Das sieht Joschka Fischer heute noch so.) Mir geht es hier also nicht darum die Politik der RAF zu rechtfertigen, sondern darum wie mit der jüngsten ‚RAF Debatte in der Öffentlichkeit umzugehen ist.

    1)Zentral für diese ist, daß die ‚Monster‘ von der RAF für immer weggesperrt werden sollen. Das ist nahe an der Todesstrafe. Thematisiert werden müssen also, aus emanzipatorischer Sicht Gefängnisse und Strafsysteme.

    2) Es wird über die Gefangegen der RAF geredet, gemeint, sind ‚Linke‘ überhaupt. Oft dabei und nahe dran ist die ‚Totalitarismustheorie‘, also daß links=rechts ist und Beides zu Gewalt führen soll. (In Wirklichkeit nur Letzteres.)

    3)Warum versuchst Du schon wieder die Marxsche Charaktermaske zu einer psychologischen Theorie zu veredeln? ‚Das Kapital‘ zielt auf das Handeln von KapitalistInnen. Um das Handeln von reaktionären Arschlöchern (z.B. Schleyer oder vielen Bullen) zu erklären bedarf es einer komplexeren Analyse ihrer Subjektivierung.

    Liebe Grüße Claudius

  2. 2 emanzipationoderbarbarei 22. März 2007 um 16:20 Uhr

    Hey Claudius!

    du findest, ich hätte lieber was zur öffentlichen RAF-Debatte schreiben sollen. Das hab ich doch, nämlich . Diesmal ging es mir um eine innerlinke Auseinandersetzung. Warum habe ich am Anfang ja begründet: weil es scheinbar Linke gibt die in meinem Blog Kommentare hinterlassen und die RAF furchtbar emanzipatorisch finden.

    Das die emanzipatorisch ist, findest du scheinbar nicht, zumindest schreibst du da nichts zu. Es ist ja gar nicht die Frage, die du wichtig findest. Warum dann aber das Problem sein soll, das ich mich nur „bei antideutschen Vollidioten informiert“ habe, ist mir nicht klar geworden. In den zitierten Ausgaben in der Jungle World gibt’s schließlich auch eine Auseinandersetzung mit der medialen Debatte. Wichtig war mir an dieser Stelle allerdings, das bei aller Richtig- und Wichtigkeit dieser Betrachtung am Ende die RAF nicht als Mythos plötzlich als positiver Bezugspunkt gewertet wird.

    Und zur marxschen Charaktermaske: Marx ging es in dem Zitat um das Handeln von WarenbesitzerInnen. Das die „ökonomischen Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse“ erscheinen sei ein Charakteristikum des Kapitalismus, schreibt er da. Und im Vorwort zum Kapital wird er sogar noch deutlicher, wenn er sagt:

    Zur Vermeidung möglicher Mißverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag.

    An der Stelle geht es darum, das es wenig Sinn macht die Maske auszupusten, wenn der Charakter bleibt und durch eine neue Maske ersetzt wird. Das habe ich auch recht ausführlich argumentiert, worauf die leider nicht eingehst. Und warum das an der Stelle nicht auch für andere FunktionsträgerInnen gelten soll, ist mir schleierhaft. Nur weil Marx sie nicht ausdrücklich erwähnt hat?

  3. 3 Leider war ich noch zu klein... 22. März 2007 um 18:02 Uhr

    In der neuen und letzten Konkret wurde sich „kritisch solidarisch“ mit der RAF beschäftigt. Dass Charaktermasken austauschbar sind, dürfte hinlänglich bekannt sein. „Der Teufel hole ihre Praxis, aber Gott erhalte sie uns als Drohung über den Häuptern jener, die das bürgerliche Leben und all die Zumutungen, welche es noch in petto hat, auszuhalten lehren wollen. Wer nicht mit Revolution droht, kriegt nicht einmal Krankengeld. Man wüßte gern, welche Untaten der Herrschenden uns die Angst erspart hat, welche die Taten der RAF unter ihnen verbreitet haben.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

  4. 4 Claudius 22. März 2007 um 19:49 Uhr

    Mmmh… ich denke, ich halte die innerlinke Auseinandersetzung angesichts ihres marginalen gesellschaftlichen Standes in der Tat für zweitrangig, würde also wohl grundsätzlich eher auf die öffentliche Meinung zielen. Dann muss ich zugeben Deinen Artikel zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der RAF schlicht übersehen zu haben.

    Wenn sich dann die Frage stellt, wie es denn zu diesem marginalen gesellschaftlichen Stand kommt, müssen wohl ‚die Wende‘ und ‚der Neoliberalismus‘ berücksichtigt werden. Demgegenüber können ‚die Antideutschen‘ und ‚die Wertrkritik‘ nur als Ausdruck einer Krise der Linken nicht als deren Verursacher gelten.

    Nichts also gegen die Neue Marxlektüre, allerdings wird deren Erklärungskraft wohl überstrapaziert, wenn wie in dem Bruhn Zitat oben authoritäre, rassistische (und antisemitische) Praxen als ‚Personifikation ökonomischer Interessen‘ gedeutet werden.

    Dein Claudius

    P.S.: Die Hochzeit der RAF im ‚deutschen Herbst‘ 1977 habe ich auch nicht bewusst mitbekommen. (War noch nicht im Kindergarten)

  5. 5 Claudius 24. März 2007 um 3:55 Uhr

    @Leider war ich zu klein:

    Die RAF wird die BRD wohl eher dazu motiviert haben die liberalen Bürgerrechte einzuschränken. Und so war es dann auch: Die Republik war nach dem deutschen Herbst rechtlich eine andere.

    Zum Ausbau des Wohlfahrtsstaates wird die BRD in der Zeit wohl eher die Systemkonkurrenz mit der DDR motiviert haben…

    Gruß Claudius

  6. 6 egal 26. März 2007 um 13:11 Uhr

    @ Emanzipation
    Das Problem mit dem Thema RAF ist doch, dass die wenigsten Linken heute sich damit auskennen. Da bildest du auch du keine Ausnahme, wie du ja selber zugibst.
    Solche Geschichtslosigkeit– und nein ich bin kein Fan von Helmut Kohl– ist ein verdammt großes Problem für die Linke, weil das dazu beiträgt, sich ständig im Kreis zu bewegen.
    Entsprechend dürftig fällt deine Auseinandersetzung mit ihrer Politik aus.
    Es ist zwar absolut notwendig den Antizionismus, Antiamerikanismus und auch teilweisen Antisemitismus der RAF zu kritisieren, allerdings kannst du die Auseinandersetzung nicht darauf reduzieren.
    1. weil, die von dir zitierten Äußerungen kein Monopol der RAF waren, sondern in großen Teilen der damaligen Linken Common sense waren. (Stichwort: Bombe auf das jüdische Gemeindehaus 1968 als ein anderer besonders krasser Ausdruck von antisemitischen Antizionismus, die Flugzeugentführung nach Entebbe 1976, um nur Beispiele militanter Politik zu bringen) Es greift also zu kurz und ist übrigens ein verdammt alter Hut (guckst du z.B. hier: http://www.ra-tolmein.de/cms2/documents-upload/pdf/1153328830.pdf) einfach nur die RAF für solchen Mist verantwortlich zu machen. Da ist es notwendig sich mit theoretischen, weltanschaulichen Grundlagen (Stichwort: Traditionsmarxismus mit seinem Oben-Unten-Schema oder die Reduktion des Nationalsozialismus auf terroristische Klassenherrschaft) genauer anzugucken und als Teil der Linken (Geschichte) zu begreifen. Alles andere ist nur die Wiederholung von bereits vorhandenen Wissen.
    2. weil die Texte und Erklärungen der RAF schon Anfang der 1970er Jahre nicht das entscheidende waren. Vielmehr war es das Projekt des bewaffneten Kampfes gegen die BRD, vorgestellt als Teil eines weltweiten antiimperialistischen Kampfes um Befreiung. Die RAF hat versucht die Machtfrage, mit aller Konsequenz zu stellen. Sie ist damit gescheitert, jedoch heißt das nicht, dass damit weitere Beschäftigung mit diesem Thema überflüssig wären.

  7. 7 egal 28. März 2007 um 12:56 Uhr

    @Claudius

    Wenn die RAF ursächlich den Staat zur Einschränkung von liberalen Bürgerrechten motiviert haben soll, wieso wurden die Einschränkungen nicht zurückgenommen?
    Ich denke vielmehr, das die RAF Anlass und nicht Ursache war.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.