Was nun, Robert Kurz?

Weil es da so schön passend formuliert ist, nehme ich mal die Zitate vom Herdentrieb aus der Zeit:

Diese Zahlen dürfte es eigentlich gar nicht geben: Die Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit seit Januar 2006 verkündet. Denn die allgemeine Weisheit in diesem Land lautet: “Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist reguliert, verkrustet, starr.” Und ohne eine Lockerung des Kündigungsschutzes werden die Unternehmen “auch in guten Zeiten bei Neueinstellungen zurückhaltend sein.” So ist es zum Beispiel in einem Beitrag vom August 2005 auf der Website der IHK Hannover zu lesen. Im fünfzehnten Monat in Folge ist die Zahl der Arbeitslosen nun saisonbereinigt gegenüber dem Vorjahresmonat gefallen und die Zahl der Erwerbstätigen gestiegen. Nach einer zwischenzeitlichen Änderung des Kündigungsschutzes sucht man allerdings vergeblich.

Wie die Bundesagentur für Arbeit am heutigen Donnerstag meldet, ist die Zahl der Arbeitslosen im März saisonbereinigt um 65 Tausend auf nun mehr 3,832 Mill. gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit Juni 2001. Im Jahresvergleich gibt es nun 873 Tausend Arbeitslose weniger. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 9,2 Prozent, das sind 2,9 Prozentpunkte wenig als im März 2005, als die saisonbereinigte Zahl der registrierten Arbeitlosen im Gefolge des Hartz-IV-Gesetzes auf fünf Millionen gestiegen war.

Die Beschäftigung ist im Februar saisonbereinigt im 30 Tausend Erwerbstätige gestiegen. Für den März liegen noch keine Zahlen vor. Erfreulich ist auch die Entwicklung bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Ihr Zahl stieg nach Schätzungen der BA im Januar um 624 Tausend gegenüber dem Vorjahresmonat, davon entfielen deutlich mehr als die Hälfte auf Vollzeitstellen. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten nahm dagegen ab.

Nun würde Robert Kurz nie behaupten, die Hohe Arbeitslosgkeit würde am Kündigungsschutz und an starren Rechtsvorschriften liegen. Eher am Abschmelzen der Wertsubstanz, weil stetig weniger Arbeit verausgabt wird (um es mal bei der Kurzversion zu belassen). Meine Frage bleibt aber trotz alledem bestehen: Wie kann das sein? Oder: Was nun, Robert Kurz?


2 Antworten auf “Was nun, Robert Kurz?”


  1. 1 Mischka 30. März 2007 um 11:10 Uhr

    Dass die Arbeitslosenzahlen um ein paar Prozentpunkte sinken, widerlegt noch nicht Robert Kurz‘ Argumentation, oder? Wer traut schon einer Statistik, die er nicht selbst gefälscht hat. Leider habe ich keine Zahlen gefunden, jedenfalls nicht beim Statistischen Bundesamt, zum Thema MAE und andere Maßnamen, also vieviel von den 65 Tausend denn im letzten halben Jahr eine Maßname oder einen 1-Euro-Job annehmen durften. Auch schweigt sich die Statistik aus, wer einfach aus dem Arbeitsagenturterror ausgestiegen ist und versucht sich anderweitig durchzuschlagen. Ok, letztere dürften die Minderheit sein, erstere dagegen nicht.

    Mag auch sein, dass die Lohndumpingpolitik endlich erfolg hatte, denn über die Einkommen und Arbeitsbedinungungen schweigt sich diese Statistik auch aus. Vielleicht werden in Folge von Hartz-4 Mitteleuropäer wieder Konkurrenzfähig auf dem Weltarbeitsmarkt. Da müssten sie allerdings auch beim 1-Euro-Job noch Abstriche machen.

  2. 2 emanzipationoderbarbarei 31. März 2007 um 10:05 Uhr

    naja, immerhin sind die arbeitslosenzahlen mittlerweile – wenn ich die Grafik auf der herdentrieb-seite richtig in erinnerung habe – etwa auf dem stand von 1994 – und das erstmals seitdem. und sie marschieren ziemlich eindeutig in die richtung weiter.

    du hast natürlich recht, es könnte an statistischen kniffen liegen, die es ja zwischendurch auch gegeben hat. in den letzten monaten sind mir solche aber nicht wirklich untergekommen. und wenn dann zusätzlich noch die zahlen der vollbeschäftigten steigen, dann wird es langsam kniffelig.

    an die sache mit dem lohnduming glaube ich nich so richtig, denn da scheinen mir die prozentualen kürzungen doch zu gering um ernsthafte auswirkungen zu haben – immerhin zählen die lohnstückkosten und nicht die reine lohnhöhe.

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