Die Großen

Wirtschaftswachstum auf der einen und Umweltschutz auf der anderen Seite wollen nicht so richtig zusammen passen. Das fällt insbesondere dann auf, wenn wir uns mal anschauen, welche Unternehmen denn so die wirtschaftlich potentesten sind, die derzeit so um den Globus herumwuseln. Nehmen wir etwa das jüngst vom US-Wirtschaftsmagzin Forbes veröffentlichte „Global 2000″-Ranking, auf das dankenswerterweise Spiegel-Online hingewiesen hat.

Unter den Top 20 findet sich immerhin lockere 5 Konzerne aus dem weiten Bereich Öl und Gas. Bereiche also, die nicht gerade für ihre ressourcenschonende Wirtschaftsweise bekannt sind. In Deutschland sieht das nicht viel anders aus. In den Top 20 sind hier 9 Unternehmen aus den Brachen Energieversorgung, Autoindustrie und Chemie.

Richtig spannend werden die Zahlen dann aber, wenn wir mittels der ökonomiekritischer Kategorien mal schauen, wie das denn so um die Wertproduktivität bestellt ist. Denn rein auf die Vermittlung und Koordinierung von Wirtschaftsprozessen bezogene Dienstleistungen sind zunächst nicht wirklich wertschaffend. Sie partizipieren vielmehr an dem von anderen Unternehmen geschaffenen Wertprodukt. Und darunter fallen mit der Banken-, Versicherungs- und Finanzbranche immerhin 12 von 20 der top-notierten Unternehmen. Wenn wir die 12 jetzt mit den 5 bösen Umweltsäuen aus der Öl- und Gasbranche adieren, dann bleiben nur noch Wal-Mart, Toyota und General Electric übrig. Immerhin, so werden die Grünen denken: Toyota. Die mit den spritsparenden Automobilen. Ganz ohne fahren werden die allerdings auch nicht…

Die erste Topnotierung eines Konzerns aus der alten New Economy ist übrigens IBM auf Platz 42, Microsoft taucht als auf Software spezialisiertes Unternehmen erst auf Platz 66 auf. Ernst Lohoff wird’s freuen. Auch hier übrigens interessant: Auf der Liste der reichsten Menschen steht der Chief von Microsoft, Bill Gates, auf Platz Eins. Die Gründer Aldi-Kette stehen da auf Platz drei. In der Liste der Top-Unternehmen taucht Aldi nicht mal auf. Es scheint da also eine Diskrepanz zu geben zwischen privatem Reichtum und wirtschaftlicher Macht. Nicht eine ums Ganze, zugegeben. Aber so eins zu eins lässt sich das scheinbar auch nicht übersetzen…


3 Antworten auf “Die Großen”


  1. 1 unqualifiziert 31. März 2007 um 22:07 Uhr

    off topic:

    interessant nur, dass privatwitschaftlich organisierte rohstoffpumper sehr oft wesentlich ökologischer agieren als staatskapitalistische ausbeuter (industrieländliche consumer power und so, zumindest in der ölbranche, da metallgewinnung allgemein ein eher unsauberes geschäft (wirkungsgrad wenns gut läuft so bei 40%) ist). Die Lohoff´sche Argumentation wird halt gefickt, wenn man sich heute das verhältniss von landwirtschaftlischer produktion zu industrieller produktion anschaut (produktion hier als durchschnittliche gesellschaftlich notwendige arbeit gesehen).

  2. 2 emanzipationoderbarbarei 01. April 2007 um 11:07 Uhr

    @unqualifiziert

    die lohoff-bemerkung bezog sich auf die frage, ob software-produktion überhaupt kapitalproduktiv ist, nicht auf industrielle produktion.

    den letzten satz hab‘ ich aber trotzdem nicht verstanden. oder zumindest nicht den kontext, also was er mir sagen soll.

  3. 3 bikepunk 089 04. April 2007 um 19:14 Uhr

    Um nochmal auf den Umweltaspekt zurückzukommen: Konzerne wie Aldi oder Walmart sind grosse Aufkäufer von Agrarprodukten, und über diese Marktmacht zentrale Akteure in der globalen Durchsetzung industrialisierter Landwirtschaft – diese wiederum ist ökologisch und sozial katastrophal, insofern gehören auch in die Kategorie „Nicht resourcensparend wirtschaftend“.

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