Archiv für April 2007

Die Grenznutzenschule vergleicht Wertschöpfungserträge

Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene und heute in Form der Neoklassischen Volkswirschaftstheorie an den Universitäten institutionalisierte Grenznutzenschule wollte ein Problem lösen, das heute als „Klassisches Wertparadox“ bekannt ist: das nämlich der Gebrauchswert einer Ware sich oftmals von seinem Wert bzw. seinem Tauschwert unterscheidet. Es findet sich zum ersten Mal bei John Law, der es am Beispiel von Wasser und Diamanten verdeutlicht: Wasser habe einen sehr hohen Gebrauchswert, ohne Wasser zu leben sei schlicht unmöglich. Diamanten hätten einen wesentlich geringeren Gebrauchswert, seien dafür aber wesentlich teurer.

Für Marx war die Sache relativ klar: Waren haben eben nicht nur einen Gebrauchswert, sondern zusätzlich noch einen (Tausch-)Wert. Und letzterer hat mit ersterem erstmal nüscht zu tun. Ganz im Gegenteil verbirgt sich hinter beiden ein fundamentaler Widerspruch: steigt nämlich die Produktivität bei der Herstellung einer Ware, dann werden zwar innerhalb einer Zeiteinheit mehr Produkte davon hergestellt, die zur Herstellung dieser Produkte insgesamt benötigte Arbeit verändert sich aber eben nicht. Und da letztere laut Marx für die Wertbildung zuständig ist, es also neben der konkreten, gebrauchswertbildenden auch eine abstrakte, wertbildende Arbeit gibt, bleibt der produzierte Wert gleich.

Die Grenznutzenschule versucht nun, den ökonomisch-monetären Wert aus dem Nutzen der Dinge für die VerbraucherInnen zu erklären. Gebrauchswert und Wert werden damit vergleichsweise begriffslos in eins gesetzt. Weil die einzelne KonsumentIn den Diamanten halt so dolle wertschätzt ist er teurer. Nothing more. Das führt immer wieder zu lustigen Problemchen, etwa wenn die Wertschöpfungen unterschiedlicher Nationalökonomien miteinander verglichen werden sollen. (mehr…)

Halbbildung als Antifaschismus: Burkhard Schröder unterhält sein Publikum

Im letzten Jahr sind zwei Studien erschienen, in denen die weitere Wanderung der Gesellschaft in die Regression quantitativ begutachtet wurde. Das eine war die sogenannten Heitmeyer-Studie, die seit einigen Jahren unter dem Titel Deutsche Zustände vom Institut für Interdisziplinäre Konflikt und Gewaltforschung menschenverachtende Tendenzen in der bundesdeutschen Öffentlichkeit untersucht. Die andere wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung finanziert, in Leipzig produziert und beschäftigte sich ebenfalls mit autoritären, gemeinhin als „rechtsextrem“ titulierten Einstellungen.

Da solcherlei Ergebnisse häufig verdrängt werden, gab es nun am Mittwoch an der Uni in Göttingen eine Veranstaltung zu genau diesen Studien. Nach einem kurzen Inputreferat, in dem die wichtigsten Ergebnisse insbesondere der Leipziger Studie vorgestellt wurden, gab es zwei kurze Referate von Alex Demirovic auf der einen, von Burkhard Schröder auf der anderen Seite.

Nachdem Demirovic zunächst eher oberflächliche Bemerkungen zum Rechtsrutsch der Gesellschaft und seinen sozialen und ökonomischen Ursachen gemacht hatte, beschränkte sich Burkhard Schröder auf das, was er scheinbar am Besten kann: er provozierte, pöbelte und bezog Positionen, die er selber wohl für kritisch hielt, die wohl aber bei Lichte besehen eher davon zeugten, das er nicht so wirklich in den politischen und theoretischen Debatten der letzten, sagen wir mal: 40 Jahre, drinsteckt. Schade eigentlich. (mehr…)

Let’s break the law…

… here tonight. Das zumindest fand der Informationswissenschaftler Prof. Dr. Rainer Kuhlen von der Uni Konstanz auf der Bloggerinnen-Konferenz Re:publica. Da gab es nämlich eine Veranstaltung zum Thema „Brauchen wir eine Blog-Etikette?“ und da hat er festgestellt, das sich nur juristisch nur aufrechterhalten lässt, woran sich Menschen auch tatsächlich halten. Und so hat er laut Tonspiondie versammelten mehreren hundert Blogger aus allen Teilen der Republik dazu aufgefordert, das Urheberrecht bewusst zu brechen, wo es inzwischen obsolet sei. Dazu müsse man notfalls auch Abmahnungen in Kauf nehmen.(mehr…)

Michael Heinrich für’s Grundeinommen?

In linken und linksradikalen Szenekreisen ist es bis zu einem gewissen Grad gerade en vogue, sich theoretisch irgendwie auf etwas zu beziehen, das unter dem Label „Wertkritik“ läuft. Was ich ja erstmal gar nicht so schlimm finde. Nun werden aber durchaus unterschiedliche Ansätze unter diesem Namen verhandelt. Und in Teilen sind sie derart unterschiedlich, das sie in ihrer Einschätzung gesellschaftlicher Realität zu recht unterschiedlichen Ansichten kommen.

Nehmen wir etwa die häufiger disktuierte Frage des Bedingungslosen Grundeinkommens. (mehr…)

Der Kritische Flügel des Nationalsozialismus

Als der baden-würthembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) die Trauerrede für den jüngst verstorbenen Hans Filbinger (ebenfalls CDU) hielt, tat er, was alle TrauerrednerInnen tun: er lobte den Verstorbenen für alles mögliche – nur das mit den vier Todesurteilen, an denen Filbinger während der NS-Zeit mitgewirkt hatte, die hatte er plötzlich vergessen. Und das, wo auf diesen Fall und den entsprechenden politischen Skandal in den späten 70ern die schöne Formulierung von den „furchtbaren Juristen“ zurückgeht. Oettinger sah das alles etwas anders. Filbinger sei „kein Nationalsozialist“ gewesen, sondern „ein Gegner des NS- Regimes“. Die Süddeutsche Zeitung zitiert ihn gar mit den Worten: „Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.“ Filbinger habe halt in einer schlimmen Zeit gelebt und sich nur den damaligen Zwängen beugen müssen. Die vollständige Rede gibt’s übrigens hier. (mehr…)

Biosprit is auch keine Lösung

Dass das mit dem Umweltschutz alles nicht so einfach ist, habe ich ja schon einige Mal erwähnt (etwa hier 1|2|3). Solange wir Kapitalismus machen und somit auf den Wachstum nicht zuletzt des Ressourcen- und Energieverbrauchs angewiesen sind, wird das schon garnichts. Denn aller Umweltschutztechnologie zu Trotz werden sich kaum die Energiesparpotentiale erzielen lassen, die von einer stetig wachsenden Wirtschaft erforderlich gemacht werden.

Von einigen werden derzeit nachwachsende Rohstoffe als Lösung der Energie- und Klimakrise gehandelt. Jetzt hat beispielsweise der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) seine Sorgenfalten an die Presse weitergegeben. (mehr…)

Zwei Monate auf Hartz IV

Mit „Working Poor“ von Barbara Ehrenreich gibt es immer mal wieder diese Versuche, das Menschen einfach mal so, für einen Monat oder auch zwei, versuchen mit weniger auszukommen als bislang. Sich freiwillig in die Prekarität begeben, sozusagen. Der jüngste Fall ist der der Familie Schawohl, über den die taz im Artikel „Die Schawohls als Bittsteller“ berichtet. (mehr…)

Kein Problem – Verdursten tun die anderen

Das wir regelmäßig neue UNO-Teilstudien zum Klimawandel vorgelegt bekommen, daran haben sich einige bereits gewöhnt. Die neueste Studie sollte aber noch mal unsere allgemeine Aufmerksamkeit bekommen, denn da steht genau das festgehalten, was ich hier schon früher prophezeit habe: das es nämlich den Klimawandel nicht nur gibt, sondern das seine Folgen geographisch recht ungleich verteilt sind: (mehr…)

SchwerverbrecherInnen

Es soll sie ja noch immer geben, diese bösartigen Menschen, die den liebevoll gehätschelten Sozialstaat auf das Böseste auszunehmen trachten. Das kann sich Papa Staat natürlich nicht mehr leisten und muss dem einen Riegel vorschieben. Und wie das in westlich-zivilisierten Gesellschaften so üblich ist, wird auch hier für soziale Probleme eine technische Lösung gesucht. Wenn also Menschen versuchen, ihre wenigen Kohlen um ein paar zusätzliche Kröten aufzubessern, dann wird denen nun mittels hochtechnologisierter Überwachungsgerätschaften zuleibe gerückt – zumindest in Großbritannien. (mehr…)

Kein Gendertrouble im Studi-VZ

Im Studiverzeichnis, das ja dem Namen nach durchaus nicht auf die hegemonialen Geschlechtsidentitäten (männlich/weiblich) festgelegt ist, scheint Gendertrouble trotz allem nicht wirklich möglich zu sein. Wer sich nämlich bei der Anmeldung keine der beiden vorgegebenen Geschlechtsidentitäten (eben: männlivch/weiblich) entscheiden mag, wird schlicht und ergreifen nicht zugelassen. (mehr…)

Zapatistische Entwicklungshilfe

Im Juni des Jahres 2005 veröffentlichte die EZLN, die Zapatistische Armee der nationalen Befreiung ihre „6. Erklärung aus der Selva Lancdona“. In einem Teil, dem nämlich der dieser Erklärung zu einiger Berühmtheit zumindest innerhalb der globalen Linken verholfen hat, haben sie Angekündigt in unterschiedliche mexikanische Provinzen „eine Delegation ihrer Führung (zu) entsenden, um diese Arbeit in ganz Mexiko auf unbestimmte Zeit durchzuführen. Diese zapatistische Delegation wird, gemeinsam mit den Organisationen und Personen der Linken, die sich dieser Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald anschließen, an die Orte gehen, an die wir ausdrücklich eingeladen werden.“ Was sie getan hat und was hier eigentlich gar nicht Thema sein soll.

Denn häufig wird Bewegungen den Zapatistas ja vorgeworfen, dieser nationale Bezugsrahmen sei ein Problem, die Forderung nach „Demokratie und Freiheit für das maxikanische Volk“ sei letztlich eine bornierte Forderung und der Bezug auf den indigenen Zusammenhang sei letztlich eine romantische Verteidigung vorbürgerlicher Verhältnisse. Allen, die derartiges Denken sei (nicht zuletzt um meine neugewonnene antideutsche Identität anzukratzen) dieser Passage aus eben jener Erklärung empfohlen, in welcher die EZLN sehr detailliert diskutiert, welche Chancen ihr so zur Unterstützung internationaler Kämpfe gegen das voranschreitende Projekt von Herrschaft, Kapitalismus und Globalisierung (die zapatistische Kurzform hierfür lautet: Neoliberalismus) zur Verfügung stehen: (mehr…)

Neues von der Gödru…

Am Freitag den 30. März brachten in Göttingen einige fleißige Gödru-Verteilerinnen einen großen Teil der Göttinger Szenezeitschrift an ihren Distributionsort. Eine Stunde später, wenn wir den Augenzeuginnen trauen wollen, waren die Zeitungen weg. Nun rätseln alle, wer wohl ein Interesse daran haben könnte, die Verteilung der Ausgabe zu unterbinden. (mehr…)

Neuer Trend: Studis gründen Stiftungen

Wir erinnern uns: die Gelder der Studiengebühren fließen in die Lehre und nur in die Lehre. Da führt kein Weg dran vorbei. Darauf verwiesen die diversen Wissenschaftsminister immer voll stolz – und haben nicht selten auch juristische Absicherungen in die Gesetzestexte eingebaut, um den Schein zu wahren. Und die Zuweisungen der Universitäten werden auch nicht gekürzt, so dass die Unis tatsächlich mehr Geld haben, das sie ausgeben können. Für die Lehre. Aber das hatten wir ja schon.

Nun gibt es an zwei NRW-Unis einen neuen Trend: zumindest Teile der Studiengebühren werden in eine Stiftung gesteckt. (mehr…)