Neuer Trend: Studis gründen Stiftungen

Wir erinnern uns: die Gelder der Studiengebühren fließen in die Lehre und nur in die Lehre. Da führt kein Weg dran vorbei. Darauf verwiesen die diversen Wissenschaftsminister immer voll stolz – und haben nicht selten auch juristische Absicherungen in die Gesetzestexte eingebaut, um den Schein zu wahren. Und die Zuweisungen der Universitäten werden auch nicht gekürzt, so dass die Unis tatsächlich mehr Geld haben, das sie ausgeben können. Für die Lehre. Aber das hatten wir ja schon.

Nun gibt es an zwei NRW-Unis einen neuen Trend: zumindest Teile der Studiengebühren werden in eine Stiftung gesteckt. An der Fachhochschule Münster sollen damit Studierende unterstützt werden die sich aufgrund kurzfristiger Finanzengpässe die Studiengebühren nicht leisten können.

Zumindest die Studenten an der Fachhochschule Münster dürfen für die soziale Abfederung der Gebühren bald selbst sorgen: Wenn das nordrhein-westfälische Innenministerium wie erwartet grünes Licht gibt, wird dort schon bald eine Stiftung gegründet. Sie speist sich aus Studiengebühren und soll Stipendien ausgeben an „die Studenten, die gerade finanzielle Engpässe haben“, sagt Rektor Klaus Niederdrenk. Eine Art Geld-Zurück-Modell für Bedürftige, die die Hochschule nicht von der Maut befreien konnte – die gesetzlichen Vorgaben dafür sind streng.

Das die gesetzlichen Vorgaben nun aber derart streng waren hatte einen Grund – es sollte verhindern, das mit den Studierendengeldern Schindluder getrieben wird. Das Studiengebührenmodell würde ohne diese strengen Regelungen nicht funktionieren. Nun sollen sie hintenrum aufgeweicht werden – weil sich herausgestellt hat, das die Studiengebührenmodelle auch mit strengen Regelungen nicht funktionieren. Was übrigbleibt ist die alte Erkenntnis, das ich es langsam leid bin, immer recht zu behalten: Studiengebührenmodelle können den vielfältigen Ansprüchen, die an sie gestellt werden, schlichtweg nicht genügen. Weshalb Studiengebühren weg sollten, eigentlich.

An der Uni Duisburg-Essen soll die Stiftung die erwarteten Einnahmeausfälle ausgleichen, wenn die Politik sich in ein paar Jahren nicht mehr an ihr Versprechen gebunden fühlt:

Es geht uns darum, etwas Nachhaltiges mit den Gebühren zu erreichen“, sagt Rainer Ambrosy, Kanzler der Uni Duisburg-Essen. Deren Stiftung soll jährlich ebenfalls eine Million Euro Grundkapital aus Studiengebühren erhalten, fünf Prozent des Aufkommens. Der Profit wird hier jedoch vorrangig in „innovative Projekte in der Lehre“ fließen, sagt Ambrosy, „Online-Tutorien zum Beispiel“. ( … )

Aber sollte das nicht sowieso mit der Campus-Maut passieren? „In ein paar Jahren spricht sicher keiner mehr davon, dass Studiengebühren allein für die Lehre und die Verbesserung der Studienbedingungen eingesetzt werden müssen“, befürchtet Ambrosy. „Das Prinzip ‚Geld rein – Geld raus‘ wäre deshalb kurzsichtig.“ Auch dem Münsteraner Rektor Klaus Niederdrenk schwant Böses: „Wer garantiert denn, dass die Politik uns nicht über kurz oder lang den Geldhahn zudreht?“

Dem Versprechen der Politik, die Zuweisungen an die Unis seien sakrosankt, schenkt das dortige Präsidium scheinbar kein allzugroßes Vertrauen. In Göttingen übrigens ist das ähnlich. Dort verkünden Professoren in Fakultätsratssitzungen auch schon mal, das die gerade diskutierten Umstrukturierungen doch in wenigen Jahren ohnehin überholt sein dürften, wenn dann die nächste Kürzungsrunde anstünde. Die Studierenden hingegen nehmen das alles so hin und freuen sich ob ihrer gestiegenen Bedeutung als Kundinnen und Kunden. Schade eigentlich.