Biosprit is auch keine Lösung

Dass das mit dem Umweltschutz alles nicht so einfach ist, habe ich ja schon einige Mal erwähnt (etwa hier 1|2|3). Solange wir Kapitalismus machen und somit auf den Wachstum nicht zuletzt des Ressourcen- und Energieverbrauchs angewiesen sind, wird das schon garnichts. Denn aller Umweltschutztechnologie zu Trotz werden sich kaum die Energiesparpotentiale erzielen lassen, die von einer stetig wachsenden Wirtschaft erforderlich gemacht werden.

Von einigen werden derzeit nachwachsende Rohstoffe als Lösung der Energie- und Klimakrise gehandelt. Jetzt hat beispielsweise der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) seine Sorgenfalten an die Presse weitergegeben. Und die gibt es an die geneigten Leserinnen weiter, so wie etwa die Zeit:

Doch eine Wunderwaffe im Kampf gegen Exportabhängigkeit, versiegende Erdölquellen und Klimawandel ist die nachwachsende Energie mitnichten. Wo Bio drauf steht, ist längst nicht in jedem Fall Bio drin. Im Gegenteil: Umweltschützer warnen vor den negativen ökologischen Folgen des Biomasse-Booms. Die Intensivierung der Landwirtschaft nimmt zu, der Flächenverbrauch steigt, kostbare Biotope verschwinden. Monokulturen von Mais und Raps fördern die Bodenerosion. Den Waldböden werden wichtige Nährstoffe entzogen, weil Reisig, Laub und Tannennadeln nicht mehr im Wald verrotten, sondern als Biomasse weiterverarbeitet werden. Hinzu kommt, dass Energielandwirte die Ökobauern verdrängen, weil sie die landwirtschaftlichen Flächen intensiver und ertragreicher nutzen. Auch könnte auf dem Umweg über den Anbau effizienter Energiepflanzen die Gentechnik in der deutschen Landwirtschaft etabliert werden.

Der BUND möchte dem Problem mit gesetzlichen Regelungen für Anbaustandarts und Nutzungsauflagen zu Leibe rücken. Was hier und da sicherlich Linderung verschaffen wird, letztlich aber keine Lösung für die Probleme im globalen Maßstab darstellen dürfte. Nehmen wir etwa Mexiko:

Gewinner und Verlierer gibt es auch im globalen Maßstab. Die Nachfrage nach Mais treibt den Preis in die Höhe und sorgt in Entwicklungsländern bereits jetzt für enorme soziale Probleme. So verdoppelte sich Anfang des Jahres zum Beispiel in Mexiko innerhalb weniger Wochen der Preis für Tortillas, einem Grundnahrungsmittel des Landes, weil die USA inzwischen auf Biosprit setzen und deshalb ihre Maisernte nicht mehr billig in das südliche Nachbarland liefern. Noch vor ein paar Jahren lagen die Probleme ganz anders. Da beschwerten sich die Mexikaner darüber, dass die amerikanischen Farmer ihren effektiv angebauten und subventionierten Mais billig nach Mexiko lieferten und dort die kleinbäuerlichen Strukturen ruinierten.

Nachdem die kleinbäuerlichen Strukturen jetzt ruiniert sind und die ehemaligen Kleinbäurinnen in Maquiladores innerhalb der Zona Franca schuften, wird jetzt der Sack zugemacht. Fragt sich halt nur wie sich die neuen LohnarbeiterInnen nun bei ihren Niedrigstlöhnen weiter reproduzieren sollen. Sehr bezeichnet auch die Geschichte mit dem Palmöl aus Südostasien:

Den globalen Irrsinn auf die Spitze treibt allerdings der Anbau von Ölpalmen in Südostasien. Denn damit in den Industrieländern aus Palmöl Biosprit erzeugt werden kann, werden dort Regenwälder abgeholzt. Nicht mehr die Rinderzucht oder die Verarbeitung von Tropenholz sind schuld an dessen weiterer Vernichtung, sondern neuerdings der Biosprit. Um in Deutschland ein wenig CO2 einzusparen und die Klimabilanz ein wenig aufzubessern, werden in Asien die für die Umwandlung von Kohlendioxid in Sauerstoff so wichtigen Urwälder vernichtet, kritisieren die Umweltschützer.

Das Ganze läuft letztlich auf eine Art Klima-Kolonialismus hinaus. Was keine Freude ist, zumindest nicht für die Betroffenen vor Ort. Und letztlich auch nicht für die Menschen in den Industrieländern. Denn der durch Rechentricks erkaufte Klimaschutz ist eben letztlich keiner. Nur gut, das in diesen zumindest Regionen als Ausgleich für ausbleibenden Klimaschutz wenigstens das Geld und die Technik vorhanden sind, die Dämme ein wenig höher zu bauen und die Zäune ein wenig dichter zu stricken – damit das weiße, männliche und zumeist heterosexuelle mitteleuropäische Subjekt auch vor den Klimafolgen Sturmflut und Migrationsbewegung geschützt ist. Ich könnte brechen, hätte ich schon was gegessen heute morgen…