Bildung Made in India

Laut einem Bericht von Heise ist Nicolas Negroponte, seineszeichens Gründer und Chef des MIT Media Lab, einer Vision gefolgt, mit der einst Jost Stollmann für die SPD in den Wahlkampf gezogen war – „daß jedes Kind einen Laptop hat“:

Da er ab Oktober 1997 keine beruflichen Verpflichtungen hatte, verfolgte er die Idee, in einer Art Community von Interessen-, Aktions- und Kommerzgemeinschaften eine Kindererziehung mit Hilfe von Computern zu verwirklichen. Hierbei erhielt er auch Unterstützung von seiner Frau, die der Auffassung war, dass jedes Kind über einen eigenen Laptop verfügen sollte.

Ging es ihm allerdings noch in erster Linie um deutsche Kinder und deutsche Wirtschaft, so geht es Negroponte um Kinder aus armen Ländern:

Unter dem Motto „Ein Laptop für jedes Kind“ startete Nicolas Negroponte, ( … ) im Januar 2005 die Bildungsinitiative OLPC, die einen Laptop für 100 Dollar anstrebt, um Kindern in armen Ländern größere Bildungschancen zu ermöglichen. Ganz scheint das Ziel nicht erreicht zu sein, denn nach jüngsten Berichten ist eher mit einem Preis von 175 Dollar zu rechen.

Nun hat das indische Bildungsministerium allerdings Skepsis angemelden. Der Grund: jedem Kind einen Laptop zu geben sei pädagogisch fragwürdig. Ich würde ja eher glauben, dass das politisch fragwürdig wäre. Denn bei Lichte betrachtet hat diese Forderung einiges von „Luxus für alle“, während auf der anderen Seite nicht mal die unmittelbaren Lebensbedürfnisse gedeckt sind.

Nehmen wir nur mal den Bereich der Bildung. Alleine in Indien liegt die Alphabetisierungsquote – je nach Bundesstaat – zwischen 47 und 90 Prozent. Das heißt: in einigen Landesteilen kann weniger als die Hälfte der Menchen überhaupt lesen. Dafür haben die Kinder jetzt aber Anspruch auf einen Laptop. Fragt sich halt nur, wer da wie mit umgeht, angesichts frappanten Bildungsunterschiede. Hardware ist halt nicht alles.

Dazu kommt, das selbst 100 Dollar für viele keine Peanuts sind. In eben dem Bundesland, das auf eine 53% Analphabeten kommt, gab es im Jahr 2004-2005 ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von etwa dem Preis, den so ein Laptop kostet. Das durchscnittliche Einkommen liegt bei 639 Dollar im Jahr. Da können wir jetzt mal kurz abschätzen, wie dolle sich die Leute über günstige Laptops freuen werden…


2 Antworten auf “Bildung Made in India”


  1. 1 schorsch 06. Mai 2007 um 23:54 Uhr

    auch ähnliche projekte sind komplett gescheitert. weiterhin kommt hinzu, dass selbst wenn ein solches projekt funktionieren würde, die infrastruktur für einen pc gebrauch auch absolut mangelhaft wäre.
    naja, eben technikdeterminismus at its best.

  2. 2 classless 07. Mai 2007 um 11:34 Uhr

    Heißt es im selben Artikel nicht, daß Indien einen Preis von 10 Dollar anstrebt und die Laborproduktionskosten schon auf unter 50 Dollar gefallen sind?

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