Antikapitalistisch Raven in Göttingen

Am 20. Mai ravten zwischen 250 und 500 dunkel gekleidete Menschen quer durch Göttingen. Was im Grunde eine schöne Sache ist, für Verwirrung hat lediglich gesorgt, das diese an sich begrüßenswerte Kulturveranstaltung als politische Demonstration nicht nur angemeldet, sondern auch beworben wurde. Im Rahmen des hier schon häufiger diskutierten „… ums Ganze!“ – Bündnisses (1|2|3) wollten die Veranstalterinnen „gegen den Kapitalismus und all die damit verbundenen Schweinereien demonstrieren“. Meine Kritik an dieser Art pseuderadikaler Politsimulation habe ich entsprechend schon häufiger geäußert. Nun aber, nachdem ich zum ersten Mal live davon Zeuge werden durfte, möchte ich die Kritik an dieser Stelle noch mal komprimiert darstellen.

Zum Beginn der Demo gab es zunächst eine halbe Stunde Musik von zwei stadtbekannten Elektro-DJs. Das waren die ersten 30 Minuten in denen die Chance vertan wurde, (anti-) politische Inhalte zu vermitteln. Danach gab es zwei Eingangsreferate die das Ziel der Demo klarmachen sollten:

Mit der Demonstration sollte vor allem eins klar gemacht werden: „Die Gruppe der Acht“ ist weder die „Spinne im Netz“ noch die „Schaltzentrale des Raubtierkapitalismus“, sondern der G8-Gipfel muss als Form begriffen werden, in der sich die kapitalistische Gesellschaft im Politischen reflektiert.
Genau deshalb – gerade weil Herrschaft im Kapitalismus im Grunde weder Namen noch Adresse hat – , gibt es keine richtigen oder falschen Anlässe und Orte, um mit der Kapitalismuskritik aufs Ganze zu gehen. Werbung für eine Gesellschaft zu machen, in der die Produktion an den Bedürfnissen aller Menschen orientiert ist und nicht an den Gesetzen des Marktes, geht immer und überall. Ob nun heute in Göttingen oder beim G8-Gipfel in Heiligendamm bleibt die Hauptsache, unmissverständlich zu sagen: Die Unvernunft Kapitalismus gehört abgeschafft.
(Indymedia)

In etwa diesem Duktus war auch der zweite der beiden Redebeiträge, der von der Redical [m], gehalten. Alle wesentlichen Schlagworte wurden genannt, die eigene Position wurde sicher referiert. Wer sie vorher schon geteilt hat, konnte sich noch mal eine wohlklingende Zusammenfassung anhören. Wer sich schon vorher immer gefragt hat, was die eigentlich von ihm wollen, wird hinterher auch nicht schlauer geworden sein: Gründe, warum die eigene Sichtweise auf die Welt sinnvoller oder weiterführender sein sollte als die der kritisierten „GlobalisierungskritikerInnen“ wurden nicht genannt. Zumal diese in der Regel auch gar nicht da waren. Kein Wunder, war es doch das Konzept des Abends, alle linksradikalen auf einer gemeinsamen, sich eindeutig positionierenden Demo zu versammeln. Dann müssen für die anderen auch keine Anregungen zum Nachdenken eingebaut werden. Das dann nicht-linksradikale allerdings auch nicht anwesend sind, ist dann auch kein Wunder. Attac und der DGB waren schlichtweg deshalb nicht da, weil radikale Kapitalismuskritik nunmal nicht ihr Thema ist.

Die allenfalls noch anwesenden (post-)operaistischen Kräften aus dem Umfeld des „Sozialen Zentrum“ oder des „AK Internationalismus“ hat der vorgetragene Redebeitrag auch nicht wesentlich tangiert, trugen sie doch ihre „IWF – Mörderbande“-Schilder auch weiterhin vor sich her. Da war nix mit abstrakter Herrschaft. Letztlich wird das Ganze nicht mal dazu geführt haben, das diese ihre Position überdenken mussten, war doch das einzige was an diesem Abend vorgeführt wurde, der Nachweis einer tatsächlichen politischen Irrelevanz wertkritischer Positionen für soziale Bewegungen.

Der Demonstrationszug selber hatte sich schon bevor er loszog zum üblichen identitären Block formiert: ein Haufen schwarzgekleideter, grimmick dreinblickender und viel zu warm angezogener Menschen, zumeist mit Cap ausgestattet, stellte sich im Quadrat auf und markierte sich durch eine Vielzahl von Seitentransparenten als eine Gruppe von Menschen, die mit dem Rest nicht viel zu tun haben will. Ein Gestus, der sicherlich üblich für die radikale Linke und deshalb auch nicht verwunderlich ist, nichtsdestotrotz aber ebenfalls ihre fundamentale Schwäche zum Ausdruck bringt: der Irrglaube, das richtige ließe sich vom falschen trennen, ist hier bereits in die Versuchsanordnung eingeschrieben.

Diese durch Kritische Theorie und Wertkritik beeinflusste Vorstellung von politischen Kämpfen rezipiert diese allerdings letztlich falsch. Der Gestus, einfach mal radikal dagegen sein zu wollen, ist letzlich weder der von Theodor W. Adorno noch der von Moishe Postone. Der erstere bemerkte bereits in der Minima Moralia: „Es gibt aus der Verstricktheit keinen Ausweg.“ und konzipierte selbige (also die Minima Moralia) konsequent als Versucht, sowohl die Grenzen als auch die Notwendigkeit emanzipativen Handelns im Zustand gesellschaftlicher Barbarisierung zu diskutieren. Und der letztere versucht ebenso systematisch, gerade durch die Widersprüchlichkeit der herrschenden Gesellschaftsformation hindurch nicht nur die Möglichkeit sozialer Protestbewegungen zu bestimmen, sondern auch die Rolle abzustecken, die wertkritische Positionen darin spielen könnten. Die Widersprüchlichkeit der kapitalistischen Kategorien gilt ihm nämlich als Indiz, das auch das Bewusstsein der Menschen ein widersprüchliches sein müsse und somit der Möglichkeit nach kritisch ist. Dazu wäre es allerdings nötig, innerhalb der entsprechenden Bewegungen eben diese Widersprüche zu thematisieren und zu politisieren – anstatt sie auf einer von realen Erfahrung der Agitationsobjekte losgelösten Ebene abstrakt anzusprechen.

Kapitalismuskritik wäre dann die Einheit aus Konkretion und Abstraktion. Eine Beschränkung der je eigenen Kritik auf eine abstrakte Verdammung des falschen Ganzen wäre genauso falsch wie eine konkretistische Ausrichtung auf vermeintlich änderbare Einzelphänomene. Damit verbleibt dieser Kritikreflex aber unglücklicherweise auch vollständig innerhalb der Parameter, die er eigentlich überwunden zu haben meint: Wie der gemeine Deutsche Grundstücke und Rasenflächen mittels Zaun und Schäferhund zu schützen sucht, möchte sein antifaschistisch-kapitalismuskritisches Pendant mittels Dresscode und uniformer Abgrenzung dasselbe auf politischer Ebene erreichen. Beide eint der Wille, für klare Verhältnisse zu sorgen: der Garten muss sauber bleiben, die Zuschreibungen (Wir – Ihr; mein Garten, dein Garten) müssen stets deutlich werden – sonst fühlt eins sich unwohl.

Wie es los ging, wurde es dann auch fortgesetzt. Während die Demo durch die Stadt zog gab es weder eine sich stetig wiederholende Anspracher der Bevölkerung („Wir sind heute hier, weil wir….“) noch BürgerInnenflyer. Die allerdings war wohl auch gar nicht die Zielgruppe der Demo, die vollauf mit sich selbst zufrieden war.

Tatsächlich verwunderlich ist dann aber die augenscheinliche Einschätzung der VeranstalterInnen, das Konzept sein ein voller Erfolg gewesen. So heißt es bei Indymedia:

„Für einen etwas anderen Demo-Charakter sorgten die DJs Kimliong und Felicious vom Lautsprecherwagen aus. Nicht nur gute Stimmung auf der Demo selbst war das Resultat, auch zahlreiche PassantInnen und vor allem Jugendliche interessierten sich dadurch für die Inhalte der Demonstration, viele schlossen sich ihr daraufhin spontan an.“

Den PassantInnen war der Aufzug bestenfalls egal, und wenn sich vereinzelte Techno-Freaks eingereiht haben mögen, dann wohl weniger aufgrund spontaner Übereinstimmung mit den Inhalten der Demonstration, sonden eher aufgrund langbekannter Vorliebe für öffentliche Rave-Veranstaltungen. Was ja, wie gesagt, auch erstmal nichts schlimmes sein muss. Bei der Abschlusskundgebung standen dann entsprechend auch die üblichen verdächtigen rum und unterhielten sich über dies und das – vor allem aber über die wohl unpolitischste Demonstration, an der sie nach eigener und oft wiederholter Auskunft jemals teilgenommen haben. Aus dieser Ecke ewiggestriger NörglerInnen müssen dann wohl auch die „Wo – wo – wo bleibt das Niveau“ – Sprechchöre gekommen sein, die während der Demo immer mal wieder zu hören waren.

Das solche Veranstaltungen nur bedingt dazu taugen, das eigene Verständnis vom Kapitalismus einer breiteren Bevölkerungsgruppe zugänglich zu machen, wird dann auch am Kommentar von Goest deutlich:

„In bezug auf die eigentliche Demo wäre anzumerken, dass die Musik einfach zu laut war, die Reden meist zu abstrakt und auch akustisch nicht verständlich. Einige Parolen die auf der Demo gerufen wurden waren wirklich ziemlich platt. Kapitalismus abschaffen? Ja klar wo ist denn der Schalter? Und wenn es schon um den Kern des Kapitalismus geht, warum dann nicht gleich die Parole „Nieder mit der relativen Wertform“ und „Weg mit dem allgemeinen Tauschäquivalent“. Schöner wäre allerdings dann doch noch „Das System der Lohnarbeit muß weg – Huuu “ z.B. als TschaTschaTscha gesungen und getanzt (jetzt mal ganz ehrlich).“

Eine Kritik, so die Argumentation, die lediglich pauschal über die Unwirtlichkeit des Systems schwadroniert mag gut und schön sein, nur hilft sie nicht viel weiter. Politische Optionen konnten nicht aufgezeigt werden. Auf hohem Niveau kläglich gescheitert, sozusagen. Oder, in den Worten eines unbekannten Indymedia-Nutzis:

„Ich hatte eher das Gefühl, dass die Message durch die Mucke untergegangen ist. Und auch einige Redebeiträge würden wohl besser ankommen, wenn man nicht andauernd Marx-Vokabular benutzen würde. Insgesamt fand ich das Verhalten der Demonstranten ziemlich konsumistisch. man hat sich noch nicht mal vorher die mühe gemacht, sich g8-parolen auszudenken und hat lieber 100% dem Autonomen-klischee entsprochen.
Unberechenbarkeit ist eine Waffe“

In diesem Sinne: Für weniger linke Selbstbezogenenheit.

[Ach ja, und falls sich jemensch wundert das ich auf eventuelle Kommentare nicht antworte – ich bin erstmal zwei Tage weg jetze…]


13 Antworten auf “Antikapitalistisch Raven in Göttingen”


  1. 1 bikepunk 089 21. Mai 2007 um 15:28 Uhr

    In Göttingen gibt es auch einen „AK Internationalismus“ ? Das ist ja lustig.

  2. 2 dorf 21. Mai 2007 um 16:31 Uhr

    Oh , je!

    Die Schilder mit dem „IWF -Mördertreff“ „Fit statt Fett – Autonome in Bewegung“ und „Au Backe , AG Grauwacke“ waren Anspielungen auf die Durchsuchungsbeschlüsse.
    http://dissentnetzwerk.org/node/2382

    Ach ja was du da schreibst gilt vermutlich dann auch für:
    AK-Gender Demo zum 8.März
    Studi Demos gegen Sicherheitswahn
    Antira Demos für Bewegungsfreiheit
    etc.

    Ist halt generell das Problem von Demos, dass sie lediglich Fragmente von Kritik vermitteln können. Und dass ne Demo ne Identitätsangelegenheit ist liegt wohl in der Natur der Sache („Ich latsche mit Anderen zusammen in der Gegend rum um zu Zeigen dass ich mit der Ausrichtung der Demo sympathisiere“)

    Ansonsten sei dir ja deine Antifaphobie gegönnt. Wurde auch glaube ich schon ausführlich drüber diskutiert: http://emanzipationoderbarbarei.blogsport.de/2007/05/02/egotronic-radetzkymarsch

  3. 3 immer nur meckern, meckern, meckern 21. Mai 2007 um 17:34 Uhr

    Love me or hate me, it’s still an obsession.
    Love me or hate me, that is the question.
    If you love me then thank you!
    If you hate me then fuck you!
    tolles Lied und so reflektiert :)

  4. 4 narodnik 21. Mai 2007 um 20:56 Uhr

    Naja, die alte Dialektik von Aktion und Aufklärung. Der Agitationsmodus muss feiner ziseliert werden und Widersprüche thematisieren. Es ist doch völlig klar, daß sowas nicht harmonisch verläuft und plötzlich alle mit dem Kapital herumlaufen.

  5. 5 emanzipationoderbarbarei 24. Mai 2007 um 8:55 Uhr

    @dorf

    naja, bei der feminismus-demo gab es zumindest eine (sehr gelungene, wie ich fand) zwischenmoderation, während der immer wieder die bevölkerung angesprochen wurde. und durch die lustige mischung aus frauen-blackbloc und pink-silver-geschissel wurde das Klima zumindest aufgelockert. Obwohl es sicherlich auch viele Ähnlichkeiten gab ja. Für die Studi-Demo für mehr Sicherheit würde ich das auch ähnlich sehen, obwohl es da (wenn ich mich recht entsinne) zumindest doch Bürgi-Flyer gegeben hat. Der Gestus der Demo war aber schon ein recht ähnlicher, wenn er auch lange nicht an das Original heranreichte. Die Antira-Demos und Kundgebungen für Bewegungsfreiheit würde ich da ambivalenter einschätzen. Die machen zumindest in einigen Fällen (ich erinnere mich noch dunkel an eine Roma-Ashkali-Solidemo vor etwa drei Jahren) einen wesentlich offeneren Eindruck, auch wenn das sicherlich nicht immer der Fall ist.

    Die Frage ist doch aber: was bringt der Hinweis darauf, dass es bei andern vor der Haustür auch stinkt? Läuft das nicht letztlich auf das urst-bürgerliche Pseudo-Argument mit den 2 Haufen Scheiße hinaus? Was ja recht ähnlich auch für den Hinweis, hier würde immer nur gemeckert, gilt: das ist die alte Kritik an der Linken, sie solle sich doch mal ordentlich produktiv zur Verbesserung des großen Ganzen einbringen. Eigentlich peinlich, sowas zu bringen.

    Zum Abschluss nochmal ein Hinweis zum Grundsatzcharakter auf Demos:

    ”Ich latsche mit Anderen zusammen in der Gegend rum um zu Zeigen dass ich mit der Ausrichtung der Demo sympathisiere”

    Hier übergehst du die entscheidende Frage: tust du das als Selbstzweck? Weil dann trifft meine obige Kritik, dass es eine nette Party sein kann, politisch aber nix austrägt. Mensch könnte fast sagen, es wäre der Rückzug der Antifa ins Private, weil sie sich lieber nicht mit denen da draußen auseinandersetzen möchte.

    Oder geht es darum, dass die, denen ich zeige, mit was ich sympathisiere, sich da auch mal Gedanken drüber machen sollten, ob sie das nicht eine sinnvolle Sache fänden? Dann musst du dir Gedanken über darüber machen, wie das Ganze bei den Leuten ankommt. Und dann zieht auch wieder die oben formulierte Kritik. Insofern muss da einfach was dran sein…

  6. 6 double f 24. Mai 2007 um 13:26 Uhr

    @ eob Glaubst du wirklich, dass sich die Passanten bei der Feminismusdemo weitergehend mit den Inhalten auseinandergesetzt haben als zu denken: „Oh die Linke/ Oh die FeministInnen/ ach die schon wieder.“ und bestenfalls (vermutlich eher selten) hinzufügen: „Das Frauen weniger verdienen ist ja schon irgendwie ungerecht.“ Glaubst du da hat jetzt irgendwer verstanden oder wenigsten zugehört hat, der/die es nicht schon vorher interessiert hat, was es mit der patriarchalen Gesellschaft oder Gender/Sex auf sich hat, weil ein Pink Silver Block und Mars TV anwesend waren?
    Bestenfalls haben die Leute gedacht „Oh wie originell“.
    Natürlich ist das kein Argument für Antifademos. Alerdings wirft es ein Licht auf den Grundsatz jeder Demo, den du schön zusammengefasst hast.
    Sogesehen ist jede Demo identitär. Allerdings sind Demos kein Selbstzweck, sondern Teil des öffentlichen Raums und der politischen
    Kultur, den es zu behalten gilt. Andere Vermittlungsformen werden davon nicht wirklich berührt. Es hat auch niemals jemand behauptet, dass Demos alleine ausreichen würden um den Kommunismus einzuführen.
    Sogesehen hast du das Konzept symbolischer Politik einfach nicht verstanden.
    Das Problem bei deiner Kritik ist außerdem, dass das Ergebnis schon von vorneherein feststeht. Du magst keine Antifademos und hängst dich deswegen sooft an ihnen und nicht an anderen Demos auf.
    Ich will auch gar nicht darüber streiten welche Demoart sinnvoller ist, da es bereits sehr schön auf den Punkt debracht wurde.

  7. 7 emanzipationoderbarbarei 24. Mai 2007 um 15:26 Uhr

    @double f

    du hast schon recht, dass auch die vermittlungsstrategie letztlich nicht viel weiter reicht als die beim antikap-rave. nur würde ich schon glauben das kommunikationsguerrilla-aktionen a la mars-tv durchaus zu den vermittlungsträchtigeren aktionen gehören. das heißt dann doch aber nur, dass die möglichkeiten, die mensch mit demos hat, nicht besonders weitgehen. und das da eher andere, dynamischere konzepte angebracht wären. nur, das von allen demo-varianten die am samstag vorgeführte wohl eine der mieseren ist, daran führt halt auch kein weg vorbei.

    und das ich die demos nicht mag war ja tatsächlich der ausgangspunkt. das dies „nicht-mögen“ aber einen polit-theoretischen hintergrund hat, sollte hier nochmal gezeigt werden. insofern wird doch umgedreht ein schuh draus: du magst diese demos und weigerst dich deshalb standhaft, auf inhaltliche argumente eingehen und weißt alles mit dem reflex zurück, andere demos wären doch auch nicht besser. anstatt auf die geäußerten kritikpunkt einzugehen. und das is schon eher ein schwaches zeichen…

  8. 8 emanzipationoderbarbarei 24. Mai 2007 um 15:37 Uhr

    Da ich nun schon häufiger auf diese eine Textstelle angesprochen wurde, möchte ich da noch mal ein paar erläuternde Hinweise zu loswerden:

    „Die allenfalls noch anwesenden (post-)operaistischen Kräften aus dem Umfeld des “Sozialen Zentrum” oder des “AK Internationalismus” hat der vorgetragene Redebeitrag auch nicht wesentlich tangiert, trugen sie doch ihre “IWF – Mörderbande”-Schilder auch weiterhin vor sich her. Da war nix mit abstrakter Herrschaft.“

    Zum einen ist es richtig, das die korrekte Aufschrift „IWF – Mördertreff“ lautete – und (ebenso wie die restlichen Schilder) eine Anspielung auf die Proteste 1988 anlässlich der damaligen IWF-Tagung in Berlin war. Inhaltlich wollte ich dazu lediglich feststellen, das die Bezeichnung des IWF als „Mördertreff“ den Regierenden eine Handlungsmacht zuschreibt, die ihnen gerade in den Redebeiträgen zu beginn der Demo abgesprochen wurden. Meine Aussage war auf die Vermittlungsreichweite der Redebeiträge bezogen und lautete: Da die Leute weiterhin diese Transpis frohgemut mit sich geführt haben, kann es mit dieser Reichweite nicht so weit hergewesen sein. Die vorgebrachten Statements waren scheinbar nicht dazu geeignet, das die Leute ihre Position radikal überdacht hätten.

    Den Kontext von den Plakaten zum Sozialen Zentrum bzw. zum AK Internat hatte ich aufgestellt, da mir die Plakate, die mir zu Beginn am Ende der Demo sehr geballt aufgefallen sind, auf ein gemeinsames Konzept zurückzugehen schienen. Und da einige Leute, die bereits öffentlich für diese beiden politischen Kontexte aufgetreten sind, diese Plakate trugen, hielt ich das für eine treffende Identitätsfestschreibung. Aber wie das mit Identitäten so ist, sind die niemals so festgefahren wie es vielleicht manchmal den Eindruck macht. Dies wollte ich mit der Formulierung „Umfeld“ zum Ausdruck bringen, welche die organisatorische und persönliche Unabhängigkeit der Teilnehmenden zum Ausdruck bringen sollte. Falls sich Einzelne dadurch falsch einsortiert fühlen sollten, so möchte ich dafür an dieser Stelle um Entschuldigung bitten. (Ich kann ja auch verstehen, das mensch mit dem SZ nicht identifiziert werden möchte. Aber das ist vielleicht ein anderes Thema….)

    Weiterhin möchte ich doch auch festhalten, das diese Plakate immerhin ein Versuch waren, politische Inhalte auf einer ansonsten eher apolitischen Veranstaltung zu setzen. Weshalb mir diese Aktion – trotz allem politischen Dissens im Detail – eine der liebsten auf der Demo war.

  9. 9 ... 24. Mai 2007 um 18:44 Uhr

    ich habe dann eine frage, die nicht polemisch oder so gemeint ist… aus welchem interesse beteiligst du dich dann an solcherlei – wenn ich es recht verstanden habe – unsinnigen aktionen?

    ps. der begriff von politisch und apolitisch als dichotomie erscheint mir schlicht falsch.

  10. 10 double f 24. Mai 2007 um 22:13 Uhr

    Ich kann mich nur wiederholen. Wie weit denkst (ich sage bewusst nicht mehr glauben, weil das anscheinend zu argumentfreien Bekenntnissen führt) du kann Straßentheater wirklich/oder besser etwas vermitteln?
    Zu dem Vorherfeststehenden Positionen:
    Wenn du Indymediaartikel, der nun wirklich sehr kurz war, als Quelle nimmst oder angeblich zum ersten mal eine solche Demo miterlebt hast, aber bereits vorher die gleiche Kritik äußerst, wie hinterher, dann steht das Ergebnis der Analyse bereits vor der Betrachtung des
    Gegenstandes fest.
    Auf deine Kritik reagiere ich deswegen so, weil ich darin in erster Linie ein „Ich finde das doof und suche mir mal die passenden Argumente zurecht“ sehe. Der polit-theoretische Hintergrund ist m.E. mehr Fassade, weil du nirgendwo ausführst, wie es denn besser gehen würde oder was andere Demos denn genau besser macht. Eine bessere oder etwas hübschere Zwischenmoderation (wer findet denn Wortspiele über Diskursblasen außer Unilinken lustig?*) oder Schilder mit Parolen kannst du ja nicht ernsthaft als Indikator für eine besser gelungene Vermittlung nehmen. Auch die großen theoretischen Worte die du benutzt täuschen nicht darüber hinweg, dass du eigentlich auch keine Idee hast, wie denn Vermittlung
    auf Demos besser funktionieren kann. So gesehen ist deine Kritik nichts weiter, als die
    alte Leier von der schweren Verständlichkeit, die verändert werden müsste. Aber wie sollen denn komplexe Inhalte (Kapitalismus, Patriarchat, etc.) ganz einfach erklärt werden, ohne
    ohne wesentliches zu verflachen? Oder willst du jetzt „die Massen“ agitieren und dabei lieber auf Inhalte verzichten, weil das ja irgendwen verwirren könnte? Wenn es dann um konkrete Verbesserungsvorschläge linker Praxis geht, kommt nämlich meistens nicht viel mehr heraus, als der Wunsch von allen gemocht zu werden.
    Zu deinem Vorwurf ich würde Kritik abblocken. Ich halte einen schwarzen Block mit dem Label Antifa, Autonom, Linksradikal für die am wenigsten schlechte Variante um grundsätzliche Gegnerschaft zum Kapitalismus/Werbung für den Kommunismus in eine größere Öffentlichkeit zu transportieren. (welche anderen Aktionen gab es übrigens, die das in der letzten Zeit versucht haben?) So gut und wichtig ich konkrete Kämpfe einschätze, so wichtig ist es als KommunistInnen nicht bei unmittelbaren Verbesserungen, bzw. Abwehr von Verschlechterungen stehenzubleiben, sondern das Ganze zu thematisieren.
    Straßentheater ist zwar gut geeignet um die Stimmung etwas aufzulockern, ist aber m.E. als Symbol für radikalen Widerstand nur begrenzt geeignet.
    Also für weniger pseudo-Massenansätze und die Verbreitung radikaler Kritik. *g*

    *Hast du eigentlich das Flugblatt gelesen? Jetzt sag nicht, dass es nicht primär an die linke Szene gerichtet war, anstatt an Ottonormalbürger.

  11. 11 das dorf 25. Mai 2007 um 9:42 Uhr

    Die Frage ist doch aber: was bringt der Hinweis darauf, dass es bei andern vor der Haustür auch stinkt?

    Natürlich ist der Verweis auf die anderen Demos kein Argument. Trotzdem zeigt es, dass du offensichtlich mit zweierlei Maß an die Sache rangeht. Wenn du die Zwischenmoderationen („Feminismus ist die coolste Kritik überhaupt“) und den Pink-Silver bzw. Black-Block des Ak-Genders dann auch noch als besonders gelungen hervorhebst zeigt dies eher auf wie sehr du selber in einer Szene-Kultur-Sicht auf die ganze Angelegenheit verhaftet bist. Du führst hier nämlich minimale Unterschiede an, die vermutlich auch nur Leuten auffallen die regelmäßig an Demos teilnehmen, und meinst damit das große und generelle Problem – wie weit nutzen Demos um Kritik greifbar zu machen?- mit diesen klären zu können.
    Kann ja sein, dass dir der kulturelle Ausdruck anderer Demos besser gefällt. Dann benenne dies doch aber auch bitte so und spiel dich hier nicht als den Anwalt des Bürgers am Rand einer Demo auf.

    Sonst noch: Der Lauti war der Einzige den ich je in GÖ auf linksradikalen Demos gesehen habe der offen gestaltet war, Leute mit Bunten Klamotten direkt zu den Anwesenden gesprochen haben statt verschanzt aus der Anonymität heraus die Umherstehenden anzubellen. Es gab sehr wohl Zwischendurchsagen die drehten sich aber eher um die Durchsuchungen. Die Demo war in drei „Bereiche“ aufgeteilt. Vorne geschlossener Teil (Nur kurz warum dies einen Sinn hat: 1.Bullen sammeln fürs Fotoalbum und nicht alle Menschen die sich staatskritisch äußern, wollen in irgendwelchen Karteien auftauchen. 2. Bietet ein geschlossenes Konzept besseren Schutz vor Bullenübergriffen [remember: die ganze Zeit Spalier, Knüppelorgie vor der Volksbank – dies wird in deiner „Analyse“ der Demo dann übrigens auch mit keinem Wort erwähnt] 3. Ist dieser offensive Ausdruck auch immer Symbol von genereller Ablehnung gegen das Bestehende. So wird er zumindest nach außen wargenommen. Und das ist dann auch das Maximale was mit einer Demo an Ausenstehende vermittelt werden kann [womit wir eigentlich wieder bei dem Punkt sind in wie weit Demos überhaupt etwas zur Vermittlung von Kritik beitragen können). . Nun gut, nach dem geschlossenen Teil, bei dem auch kaum Musik zu hören war kam der aufgelockerte Musik-Politparty-Teil um den Lauti rum der eher gezeigt hat dass die bösen Linksradikalen eigentlich auch recht freundlich sein können, nicht immer so verbohrt sind , auch Spaß haben und trotzdem das Schweinesystem scheisse finden.
    Und danach war die Demo eine offene Angelegenheit die eher einen Spaziergangcharakter hatte- Also nix da Rave (vielleicht warst du auch noch nie auf nem Rave und benutzt den Begriff deshalb falsch).

    Was ich übringens insgesamt an deinem Abgearbeite an dieser Demo seltsam finde ist, dass so weit ich gehört habe sehr breit eingeladen wurde um sich an der Vorbereitung zu beteiligen. Wenn du schon so nen guten Plan hast wie Menschen erreicht werden können, warum bringst du dich da nicht ein sondern ballerst deine Kritik nur im web 2.0 rum ?

  12. 12 richtig raven 25. Mai 2007 um 20:07 Uhr

    eindeutig kein rave wie dieses video schlüssig beweist: http://www.youtube.com/watch?v=MNreofvOKVU&mode=related&search=

    kriterien aus diesem lehrfilm wurden da eindeutig nicht erfüllt…

  13. 13 qwerty 26. Mai 2007 um 21:04 Uhr

    Und als wäre die kleine Gruppe Passanten überhaupt eine relevante Zielgruppe.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.