Krieg im Feindesland

Deutschland ist im Krieg. Afghanistan und so. Deutsche Interessen verbreiten, Weltfrieden erhalten und dergleichen mehr. Was ja für Deutsche ohnehin schon immer dasselbe war. Unglücklicherweise sind die anderen weder an Frieden noch an deutschen Interessen interessiert und fahren ihr eigenes Programm. In Afghanistan ist dabei nun das passiert, was im Krieg eben so passiert: 3 Menschen sind gestorben, Soldaten zudem. Soldaten sind eben, auch das hätte Tucholsky ruhig mal erwähnen können, nicht nur MörderInnen, sondern eben auch potentielle Tote.

Während ersteres nicht ausgesprochen werden darf, darf letzteres nicht unbetrauert bleiben. Und so heulen nun Bild und der deutsche Verteidigungsminister ob dieses großen Opfers, dass unser Vaterland bringen musste. Aber warum doch gleich waren die drei eigentlich da unten in Afghanistan? Urlaub? Ach nee, Kriegseinsatz, ganz vergessen. Da fragt sich dann nur, was das ganze Geheule soll: wer Kriege führt, darf sich auch nicht beschweren, wenn am Ende die eigenen Humanressourcen dabei draufgehen. Bei anderen Arbeitsunfällen wird ja auch nicht rumgeschrien, dass da jetzt die Arbeitsschutzgesetze arbeitnehmerInnenfreundlicher gestaltet werden müssten. Aber kaum haben sie eine Uniform übergezogen und eine Knarre in der Hand, werden sie zu Märtyrern. Fragt sich, was sich da geändert haben soll in den letzten 100 Jahren.

Die feindlichen Truppen jedenfalls ruhen nicht: So berichtet etwa die Frankfurter Rundschau: „Drei Tage nach dem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr in Kundus mit drei getöteten deutschen Soldaten wurde der Bundeswehrstandort in Feisabad am Dienstagabend mit drei Raketen angegriffen. Es gab keine Verletzten.“ Schade eigentlich. Ich hoffe doch, das dann wenigstens ordentlich Material bei draufgegangen ist.

Derweil wird, auch dies berichtet die FR an selbiger Stelle, die Trauer staatsoffiziell zelibriert:

„Auf dem militärischen Teil des Kölner Flughafens wurde am Mittwochabend bei einer Trauerfeier der drei Bundeswehrsoldaten gedacht, die bei einem Attentat in Kundus getötet worden waren. Jung sagte, sie hätten ‚zum Frieden in der Welt beigetragen‘“

Das deutsche Soldaten in aller Welt rumdüsen, dabei zum Frieden in der Welt beitragen und hinterher dann auch noch mit einem Mahnmal geehrt werden sollen – auch diese Geisteshaltung kommt mir leidlich bekannt vor. Sie nennt sich „Patriotismus“ und unterscheidet sich Nationalismus angeblich dadurch, dass die meisten, „die sich zum Patriotismus bekennen, die Identifikation mit dem eigenen Land zum Ausdruck bringen soll, ohne dadurch eine Abwertung anderer Völker und Nationen implizieren zu wollen.“ Und wenn im Krieg deutsche Soldaten erschossen werden, dann hat das schließlich gar überhaupt nichts mit den Menschen in dem Land zu tun, in dem sie erschossen wurden. Krieg ist ja schließlich nicht die einen gegen die anderen, sondern das Tragen von Frieden in die Welt.

George Orwell lässt grüßen. Aus Böse wird gut, aus Angriff wird Verteidigung. Und mir wird schlecht.


1 Antwort auf “Krieg im Feindesland”


  1. 1 n emu 25. Mai 2007 um 16:52 Uhr

    treffend formuliert…schön..

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