Pottern verboten

Das lesen resp. hören von Harry-Potter-Romanen, in Fachkreisen auch unter der Bezeichnung „pottern“ bekannt, unterliegt zur Zeit größeren rechtlichen und finanziellen Gefahren. Zumindest, wenn eins im thüringischen Pößneck bei der Druckerei GGP arbeitet. Warum, das erklärt uns das Börsenblatt des deutschen Buchhandels:

„Nach Informationen des „Thüringen Journals“ des MDR werden in den nächsten Tagen zunächst 250.000 Exemplare der englischsprachigen Ausgabe „Harry Potter and the Deathly Hallows“ gedruckt. Alle Mitarbeiter und Praktikanten der Druckerei GGP hätten in den vergangenen Tagen eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschreibe müssen, wonach sie weder Texte lesen noch Fotos oder Kopien anfertigen durften – Taschen- und Autokontrollen inklusive. Bei Zuwiderhandlungen drohen den Mitarbeitern neben der fristlosen Kündigung auch die volle Übernahme der Vertragsstrafe des britischen Verlags.“

Das sind harte Maßnahmen! Job weg und verschuldet bis ans Ende meiner Tage – nur weil ich wissen will, ob Snape ein Guter oder ein Böser ist. Das ist es mir – zugegebenermaßen – tatsächlich nicht wert. Vielleicht ein Fall für ‚Ocean’s 13′? Die zumindest hätten einiges zu tun, sind die Maßnahmen im Detail doch ziemlich ausgefuchst, wie wir die Welt gemäß einem Artikel in Daily Mirror berichtet:

„Die Mitarbeiter der Druckerei im thüringischen Pößneck würden jeden Morgen und nach Feierabend durchsucht, ebenso ihre Taschen und Autos. ( … ) Außerdem müssten die Drucker in Dunkelheit arbeiten, damit sie das Buch nicht lesen können, berichtete die Zeitung weiter. ( … ) Die Mitarbeiter mussten eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnen. Zudem bewachen zusätzliche Sicherheitsleute den Druck rund um die Uhr.“

Pottermanie hin oder her – das geht mir dann doch ein bissel zu weit. Ich Frage mich ernsthaft, was Betriebsrat und Gewerkschaft dazu sagen. Mal ganz abgesehen von der Frage, wie die DruckerInnen die Qualität des Druckes überprüfen und beurteilen können sollen, wenn sie im Dunkeln arbeiten. Obwohl ich geneigte GewerkschaftsaktivistInnen nicht davon abhalten möchte mal nach Plößneck zu fahren – vielleicht können sie ja mittels militanter Polit-Aktion ein Exemplar ergattern und mich mal reinlesen lassen – so sei doch an dieser Stelle noch mal die Quelle der Informationen problematisiert. Der Daily Mirror nämlich steht journalistisch in etwa auf dem Niveau des Tagespropheten – oder, in Muggel-Deutschland wohl eher bekannt – der Bild-Zeitung.


2 Antworten auf “Pottern verboten”


  1. 1 wah 29. Mai 2007 um 13:34 Uhr

    und ich dachte schon der staat hätte mal was gutes getan und das ganze verboten… das wäre mal schön.
    mein gott wenn das ding da bald rauskommt ist man als mensch der das zeug hasst wieder nirgends sicher… überall dieses geblubber… furchtbar… so ein schöner meteorit auf pößneck wäre ein traum… und im doppelten sinne sicherlich gut…

  2. 2 A.M.P. 29. Mai 2007 um 15:55 Uhr

    Mir wurde von einer Kennerin der Szene gesagt, wie das letzte Buch endet. Harry stirbt und Snape ist der Retter der Erde … oder so ähnlich.
    Autos der MitarbeiterInnen wurden durchsucht? Und wie soll ein Drucker im dunklen arbeiten?
    Fragen über Fragen, hauptsache den letzten Potterband gibt es als Hörspiel. Kleiner Tipp, schneller als bei Pottter kann niemensch (wie geil ist das denn!)einschlafen.

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