Archiv für Juni 2007

Anifee needs You!

Am Wochenende is mal nich so viel mit Alltag, denn da geht’s zum Antifee-Festival nach Göttingen. Da gibt es nämlich nicht nur eine ganze Reihe feiner Musik , sondern auch schier unzählige Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme – un Workshops selbstverfreilich. Am Freitag um 19 Uhr etwa geht es bei den Falken um das Thema „Mehr werden?! – Die Linke zwischen reiner Lehre und Populismus“. Das finde ich ja mal nicht unspannend und werde es mir selbstverfreilich nicht entgehen lassen. Ebenso wie den Rest, denn Feiern gegen Sexismus und Nationalismus ist ne ziemlich feine Sache, wie ich finde. Und das mit dem Regen sollten wir nicht so eng sehen. Wer kuscht, ist (k)ein Hippie. Für mehr Regentänze! Oder so ähnlich.

Übrigens ist das Antifee so ein Mitmach-Festival. Wenn’s ordentlich klappen soll, solltet ihr euch also umgehend in eine der freien Schichten eintragen. Oder vor der Mensa Flyer verteilen, was ich jetzt tun werde.

So, jetze aber genug PR betrieben. Wir sehen uns dann!

Heiligendamm erfolgreich?

Das Global Action Movement trifft sich an der Ostseeküste, es gehen Bilder von Riots durch die Medien und jetzt haben wir den Salat:

„Der Erfolg der G-8-Proteste spiegelt sich auch in den Attac-Mitgliederzahlen: Allein in der vergangenen Woche sind dem Netzwerk 1.300 Globalisierungskritiker beigetreten. „Das ist der höchste Anstieg, den wir in den vergangenen Jahren zu verzeichnen hatten“, so Sprecherin Frauke Distelrath. Schon im Mai sei die Mitgliederzahl um 500 nach oben geschnellt. Bald werde Attac die 20.000er-Marke knacken.“

Gleichzeitig gibt es innerhalb der Attac-Führungskreise (ja, sowas haben die!) Bemühungen, die Linken demnächst ganz draußen zu halten:

„Wahl bemüht sich dabei, Nichtregierungsorganisationen und Kirchen stärker einzubinden als bisher, und kritisiert, wie herablassend manch Linker mit diesem ‚wichtigen Spektrum der Globalisierungskritik“ umgeht.‘

Nachdem nun die linksradikale Intervention von „Ums Ganze“ und der „Interventionistischen Linken“ zuerst linksradikale Inhalte alleine schon dadurch zum verstummen gebracht hat, das nur noch über linksradikale Aktionsformen diskutiert wurde, wächst Attac jetzt so schnell wie lange nicht mehr. Was eigentlich schon klinisch Tod war, wurde hier wiederbelebt. Und gleichzeitig werden innerhalb dieses an Einfluss gewinnenden Netzwerkes die Stimmen derer lauter, die lieber mit Kirchen kuscheln als mit Linken Politik machen wollen. Die schmoren jetzt wieder in ihrem eigenen Saft und mensch fragt sich, ob es ihnen überhaupt auffallen wird. Schöne Scheiße das…

Teilzeit-Zivis

Die Medienberichterstattung über die Demo in Rostock, die Proteste gegen den G8 und die Gewalt (von wem auch immer) bietet eine lustige Widersprüche, die nicht unerwähnt bleiben sollen:

Am Mittwoch, dem 6. Juni taucht in den Medien ein Bericht auf, in dem Demonstrierende versuchen, einen Zivilpolizisten zu enttarnen. Ein Beispiel dafür gibt es auf SpiegelOnline, der Bericht ging allerdings auch durch diverse Fernseh-Nachrichtensendungen. Mittlerweile hat die Polizei das auch bestätigt: „Die Polizei hat den Einsatz von getarnten Zivilbeamten bei Demonstrationen zum G8-Gipfel bestätigt.“ hieß es dazu etwa bei SpiegelOnline. Er habe allerdings keinesfalls provoziert – weshalb er ja auch schwarz vermummt war.

Am 6. Juni (Donnerstag) tauchen die selben Bilder wieder auf, diesmal allerdings in einem völlig anderen Kontext. Diesmal dienen sie allerdings als Beleg für friedlich Demonstrierende, die böse Gewalttäter aus ihren Reihen verbannen (auf gewisse Weise dann ja auch wieder richtig). Beispiele dafür gibt es hier und hier. (mehr…)

Behördliches

Die NPD möchte in Heiligenstadt demonstrieren, was (wie gewöhnlich) die bürgerlichen Parteien nicht so toll finden – und zu Gegenmaßnahmen mobilisieren. So auch die örtliche SPD, die einen Stand mit Musik beim Ordnungsamt anmeldete. 16 MusikerInnen wollten fröhlich-antifaschistische Töne produzieren – und bekamen eine Absage vom Ordnungsamt. (mehr…)

Medienpräsenz

Es gibt zwei Fehleinschätzungen über die G8-Proteste, die vielleicht sogar dieselbe sind, nur von unterschiedlichen Positionen aus vorgetragen werden. In der einen Variante wird sich aus einer linksliberalen Position heraus beschwert, das durch die Krawalle in Rostock jede Diskussion über die Inhalte der globalisierungskritischen Bewegung aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden seien. Stattdessen nämlich würde lediglich über die Gewalt berichtet. In der anderen Variante wird die Eskalation am Ende der Demo als Erfolg linkradikaler Intervention verkauft. Beides, so möchte ich behaupten, ist schlicht falsch. (mehr…)

Grundkonsens aufgekündigt

Als Gewinnerin der G8-Proteste können wohl – once again – vorallem die Führungskader von Attac gelten. Schließlich waren sie es, die durch militante Riots von Polizei und rebellischen AntikapitalistInnen in die Medien geprügelt wurden. Das ist kein Zufall, schließlich sind sie diejenigen, die die medienkompatiblen Inhalte anzubieten hatten. Dazu zählen neben den ebenso gerngesehenen wie dummblöden Distanzierungen von Demo-Gewalt (eine schöne Replik darauf hat Raul Zelik geschrieben) auch die inhaltlichen Positionen, die da so vertreten wurden.

Bislang galt (zumindest offiziell) bei Attac, das der Laden „keine verbindliche theoretische, weltanschauliche, religiöse oder ideologische Basis“ hat, sondern sich lediglich auf einen Grundkonsens bezieht, von dem aus agiert wird. (mehr…)

Gewalt: Sowas kommt von Sowas

Rostock brennt und die Botschaft des Medienoligopols ist so eindeutig wie selten. Nachdem die Demo friedlich durch die Stadt zog hat ein Haufen „gewaltbereiter Autonomer“ (BildOnline) bzw. „äußerst brutal vorgehender Autonomer“ (SpiegelOnline) die Polizei angegriffen, was zu einer spontanen Solidarisierung der „richtigen“ Demonstrationsteilnehmer mit der Polizei geführt hat. Unklar ist nun allerdings, inwieweit diese Schilderung tatsächlich der Realität entspricht. (mehr…)

Über Afrika im Bilde

Der G8-Gipfel steht vor der Tür und so darf Bob Geldof für einen Tag Chefredakteur bei der Bildzeitung spielen. Er nutzt das dann auch gleich, um die deutsche Bevölkerung mit Empirie zu schocken:

„30 000 Menschen sterben in Afrika jeden Tag an Armut“

Das sind gut 11 Millionen im Jahr. 220 Millionen in den letzten 20 Jahren. Capitalism kills, könnte mensch meinen. Wahlweise könnte auch von Imperialismus oder zumindest doch von imperialer Weltordnung die Rede sein, vielleicht sogar von Kapitalismus, wenn gleichzeitig von Deutschland als einer Wohlstandgesellschaft gesprochen wird. Von derlei Dingen sprechen Geldof und seine Bildzeitung allerdings nicht. Dafür sprechen sie viel von Deutschland:


„Die Deutschen blicken auf dieses kleine Mädchen. Oder ist es ein Junge? Wir wissen es nicht. Sterbende Kinder haben kein Geschlecht.
Uns wird übel, wir schämen uns, wir sind wütend. Dies ist ein Mensch!
Dieses Baby hat Eltern. Eine Mama und einen Papa, die zusehen müssen, wie ihr kleines Kind stirbt. Und das nur weil sie arm sind! Diese Szene spielt sich in diesem Moment überall in Afrika ab, einem so wunderschönen Kontinent. ( … )
Und wir fragen die Mitglieder der deutschen Regierung: Wird Ihnen bei diesem Foto nicht auch übel? Schämen Sie sich nicht genauso wie wir?
Wollen Sie diesem schreienden Unrecht nicht ein Ende setzen? Der Unterschied zwischen den Lesern und Ihnen, der Regierung, ist:
SIE KÖNNEN etwas daran ändern und die Menschen WOLLEN, dass Sie das tun. Das ist Ihr Job!
In Gottes Namen und im Namen Deutschlands – machen Sie Ihren Job! Machen Sie endlich Schluss mit dem Elend!“

Der Pathos tropft, aber glücklicherweile kommt da jemand, und eilt dem sterbenden Kind zur Hilfe: Deutschland. Juchee! Gut, das es Deutschland gibt. Und Gott. Denn der will auch, dass das Kind nicht verhungert. Allerdings will er auch nicht – zumindest wenn wir dem Papst glauben schenken dürfen – das die Eltern verhüten. Aber egal, hier geht es nicht um Spitzfindigkeiten, hier geht es um Deutschland. Geldof scheint zu wissen, womit er die Deutschen kriegt. Für einen ordentlichen Schuss Patriotismus sind die zu allem bereit. Dann können sie sich nämlich in dem Glauben suhlen, sie wären im Grunde doch ganz tuffige Menschen, die mit dem Elend der Welt nichts zu schaffen haben. Was an der schlichten Realität vorbeigeht, das die Situation in Afrika eine Folge kapitalistischer Vergesellschaftung ist. Die mittlerweile im Weltmaßstab stattfinden und an der auch Deutschland durchaus teilhat. Solange aber der Deutsche nicht drüber nachdenken muss, unter welchen Bedingungen sein Kaffee angebaut und wie er gehandelt wurde, ist alles im Lot auffem Boot. (mehr…)

Die Qual des Wahl

Die Regierung ist schwer dabei, aus dem Protest gegen die G8 eine Sympathiekundgebung für deutsche Politik und gegen amerikanische Uneinsichtigkeit zu machen. Bei Teilen der globalen Bewegung kommt das super an. Peter Wahl etwa vertraute der Tagesschau seine Sicht auf die Dinge an:

„Es gibt für den G8-Gipfel von Heiligendamm keine substanziellen Vorschläge, wie die dringenden Probleme gelöst werden können. In der Klimafrage verhindert die US-Regierung alle Fortschritte, die in einer guten Erklärung münden könnten. Die Bush-Regierung weicht jeden Beschlussvorschlag so sehr auf, dass es sogar besser wäre, wenn es in Heiligendamm gar keine Erklärung zum Klima gibt.“

Die böse, böse US-Regierung ist also Schuld. Ihr wird unterstellt, sie würde Fortschritte zu einer „guten Erklärung“ verhindern. Was ja unterstellt, die Vorschläge der EU bzw. der Bundesregierung wären dazu angetan, eine solche zu erzielen. Das aber auch die Bundesregierung über Klimaschutzziele nicht jenseits der eigenen ökonomischen Rahmenbedingungen diskutiert, spielt hier keine Rolle. Patriotismus wird so unhinterfragt vorausgesetzt, das er nicht mal mehr erwähnt werden muss. (mehr…)