Behördliches

Die NPD möchte in Heiligenstadt demonstrieren, was (wie gewöhnlich) die bürgerlichen Parteien nicht so toll finden – und zu Gegenmaßnahmen mobilisieren. So auch die örtliche SPD, die einen Stand mit Musik beim Ordnungsamt anmeldete. 16 MusikerInnen wollten fröhlich-antifaschistische Töne produzieren – und bekamen eine Absage vom Ordnungsamt. Aber lesen wir die Originalworte der Originalpresse:

Im Freistaat Thüringen wollte das Ordnungsamt von Heiligenstadt (Eichsfeldkreis) den für Samstag geplanten Auftritt von 16 Klezmer-Musikern an einem SPD-Stand verhindern. Begründung: Rechtsextremisten könnten sich durch die traditionelle jüdische Musik provoziert fühlen. Die lokale SPD kämpfte für einen Kompromiss. Sie setzte durch, dass die Klezmer-Combo nun als Trio auftreten darf.

Der Eichsfelder SPD-Kreisvorsitzende Ronny Fritzlar sagte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dass er es „unerhört“ finde, Klezmer-Musik als „Sicherheitsrisiko“ zu bezeichnen.

Die Tatsache, das es sich ein Ordnungsamt traut, traditionelle jüdischen MusikerInnen den Auftritt zu verbieten, weil dieser Auftritt eine Provokation für die braven Bürger – in diesem Fall: die zeitgleich demonstrierenden Nazis – darstellen könnte, ist tatsächlich ein starkes Stück. Ebenso ein starkes Stück ist der weitere Verlauf, der sich etwas detaillierter in der Mitteldeutschen Zeitung – auch dieser Name ist ein starkes Stück – nachlesen lässt:

„In dem Schreiben an Fritzlar heißt es weiter: «Trotz aller Wertschätzung Ihres Engagements werden Sie aus o.a. Gründen gebeten, auf die Darbietung der Musik zu verzichten, es bei einem Informationsstand zu belassen und den Antrag entsprechend zu ändern.»

Fritzlar sagte, das Amt habe schließlich zugestimmt, nachdem er die Zahl der Musiker von 16 auf drei verringerte. „

Das Amt bittet also den Anmelder, aus Rücksicht auf die Gefühle der Nazis seinen Antrag zu ändern. Der nimmt das als Befehl von oben wahr und handelt entsprechend – mit einer Einschränkung des Antrages nämlich. Was hier fehlt ist das Rückgrat, das am Ende notwendig sein könnte, wenn sich die Zustände, in denen mensch Nazis nicht ungeschoren provozieren darf, verfestigen.

Wobei sich ja noch die ernsthafte Frage stellt, warum drei MusikerInnen weniger Provokation darstellen sollen als 16.