Teilzeit-Zivis

Die Medienberichterstattung über die Demo in Rostock, die Proteste gegen den G8 und die Gewalt (von wem auch immer) bietet eine lustige Widersprüche, die nicht unerwähnt bleiben sollen:

Am Mittwoch, dem 6. Juni taucht in den Medien ein Bericht auf, in dem Demonstrierende versuchen, einen Zivilpolizisten zu enttarnen. Ein Beispiel dafür gibt es auf SpiegelOnline, der Bericht ging allerdings auch durch diverse Fernseh-Nachrichtensendungen. Mittlerweile hat die Polizei das auch bestätigt: „Die Polizei hat den Einsatz von getarnten Zivilbeamten bei Demonstrationen zum G8-Gipfel bestätigt.“ hieß es dazu etwa bei SpiegelOnline. Er habe allerdings keinesfalls provoziert – weshalb er ja auch schwarz vermummt war.

Am 6. Juni (Donnerstag) tauchen die selben Bilder wieder auf, diesmal allerdings in einem völlig anderen Kontext. Diesmal dienen sie allerdings als Beleg für friedlich Demonstrierende, die böse Gewalttäter aus ihren Reihen verbannen (auf gewisse Weise dann ja auch wieder richtig). Beispiele dafür gibt es hier und hier.

Das BB Göttingen dazu in seiner sehr lesenswerter Kommentierung:

Man sieht: alles nur eine Frage des Blickwinkels. Waren die Attacken auf unseren Vermummten gestern noch von Autonomen ausgegangen, die nur schwer von den friedlichen Demonstrierenden zurück gehalten werden konnten, sehen wir nun friedliche BlockiererInnen, die gemeinsam einen Vermummten aus ihren Reihen entfernen wollen. Aus dem mutmaßlichen Verdeckten Ermittler oder agent provocateur ist über Nacht ein Autonomer geworden, die kleineren Attacken auf ihn, die v.a. darauf zielen sein Gesicht für alle Erkennbar zu machen sind nun ein Akt der Zivilcourage der „Friedlichen Protestierer“. Das Ziel der Übung wird deutlich im Kommentar von „Heute“. Die Menge der Demonstrierenden will sich „offenbar“ von „den Gewaltbereiten“ distanzieren.

Die Polizei bleibt derweil bei ihrer Einstellung, dass da mit Sicherheit niemensch provoziert hätte und lässt dies den unsäglichen stellvertretenden Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft etwa im Christiansen-Chat berichten. Wir halten derweil fest, das mensch nicht alles glauben sollte, was so in den Medien passiert.