Heiligendamm erfolgreich?

Das Global Action Movement trifft sich an der Ostseeküste, es gehen Bilder von Riots durch die Medien und jetzt haben wir den Salat:

„Der Erfolg der G-8-Proteste spiegelt sich auch in den Attac-Mitgliederzahlen: Allein in der vergangenen Woche sind dem Netzwerk 1.300 Globalisierungskritiker beigetreten. „Das ist der höchste Anstieg, den wir in den vergangenen Jahren zu verzeichnen hatten“, so Sprecherin Frauke Distelrath. Schon im Mai sei die Mitgliederzahl um 500 nach oben geschnellt. Bald werde Attac die 20.000er-Marke knacken.“

Gleichzeitig gibt es innerhalb der Attac-Führungskreise (ja, sowas haben die!) Bemühungen, die Linken demnächst ganz draußen zu halten:

„Wahl bemüht sich dabei, Nichtregierungsorganisationen und Kirchen stärker einzubinden als bisher, und kritisiert, wie herablassend manch Linker mit diesem ‚wichtigen Spektrum der Globalisierungskritik“ umgeht.‘

Nachdem nun die linksradikale Intervention von „Ums Ganze“ und der „Interventionistischen Linken“ zuerst linksradikale Inhalte alleine schon dadurch zum verstummen gebracht hat, das nur noch über linksradikale Aktionsformen diskutiert wurde, wächst Attac jetzt so schnell wie lange nicht mehr. Was eigentlich schon klinisch Tod war, wurde hier wiederbelebt. Und gleichzeitig werden innerhalb dieses an Einfluss gewinnenden Netzwerkes die Stimmen derer lauter, die lieber mit Kirchen kuscheln als mit Linken Politik machen wollen. Die schmoren jetzt wieder in ihrem eigenen Saft und mensch fragt sich, ob es ihnen überhaupt auffallen wird. Schöne Scheiße das…


15 Antworten auf “Heiligendamm erfolgreich?”


  1. 1 golden boy 13. Juni 2007 um 15:40 Uhr

    Diese Schweine von umsganze haben es tatsächlich geschafft, dass sich der Bürgermob formiert…
    Hippie, u make my day!

  2. 2 geht's noch? 13. Juni 2007 um 17:42 Uhr

    Linksradikale Politikformen unterdrücken also die dazugehörigen Inhalte und spielen attac in die Hände? Ein solch grandiose Erklärung ist schon fast Realsatire. Was hättest du dir denn gewünscht?

  3. 3 Dorfdisco 13. Juni 2007 um 20:27 Uhr

    Ach so läuft das also… wenns keine Randale gegeben hätte dann hätten jetzt alle eine linksradikale Kritik vor den Augen wenn sie an Rostock denken würden. Ach und Attac hätte natürlich auch viel weniger Mitglieder. Mensch das ich da nicht selber drauf gekommen bin.

  4. 4 missing link 13. Juni 2007 um 20:44 Uhr

    Mir fehlt in deiner Argumentation die Verknüpfung gestiegener Mitgliedszahlen bei Attac mit den riots.

  5. 5 narodnik 13. Juni 2007 um 21:10 Uhr

    Das Primat beim Gipfel lag bei linksradikalen Aktionsformen, also von Blockaden jeglicher Art bis hin zur Massenmilitanz gegen Team Green. Währendessen hat Attac und Kameraden irgendwelche Konzerte abgehalten und in die Mikros palavert was das Zeug hält. LINKSRADIKALE INHALTE – also eine kategoriale Kritik von bürgerlicher Ideologie und marktwirtschaftlich-demokratischer Gewalt ist so marginalisiert worden. Das richtige Draufhauen wurde falsch bis garnicht vermittelt.

  6. 6 Benni Bärmann 13. Juni 2007 um 23:02 Uhr

    @missing link: In dieser Argumentation fehlt so einiges. Du warst schon besser, EOB…

  7. 7 quiztim 13. Juni 2007 um 23:31 Uhr

    das große tim laumeyer quiz:

    1. Die Demonstration:

    01. Wir haben gewisse Vorkehrungen verschlafen.

    a) Manfred Stenner, Friedenskooperative, Demonstrationsleitung Welt, 4.06.
    b) Tim Laumeyer
    c) Konrad Freiberg

    Antwort a ist richtig.

    02. Zum Ende der Demo ist die Situation aber in einem Maße eskaliert, wie wir dies nicht wollten und ausdrücklich verurteilen.

    a) T.O.P. Berlin
    b) Tim Laumeyer, JW, 5.6.
    c) Monty Schädel

    Antwort b ist richtig.

    03. Wir dürfen aber nicht alles auf die Polizei schieben.

    a) Tim Laumeyer, IL, Berliner Zeitung, 5.6.
    b) Claudia Roth
    c) Werner Rätz

    Antwort a ist richtig.

    2. Die Gewalt:

    04. Die Gewalt ist durch nichts zu rechtfertigen.

    a) Angela Merkel, Welt 4.06.
    b) Tim Laumeyer
    c) Axel Falkenberg, KAVALA

    Antwort a ist richtig.

    05. Es war eine Situation, in der keine Worte mehr halfen.

    a) Axel Falkenberg, Pressesprecher der Sondereinheit Kavala.
    Welt, 4.6.
    b) T.O.P. Berlin
    c) Tim Laumeyer

    Antwort a ist richtig.

    06. Militanz heißt, nicht noch die andere Wange hinzuhalten, sondern auch mal zurückzuschlagen. Das wird in den kommenden Tagen sicher passieren. Und das ist auch gut so.

    a) Michael Kronawitter, JW, 5.6.
    b) Heiner Geissler
    c) Tim Laumeyer

    Antwort a ist richtig

    07. Wenn mich einer anfasst, dann schlage ich zurück – und wenn es ein Polizist ist, dann schlage ich zurück.

    a) Hooligan von HANSA Rostock
    b) Heiner Geissler, ehemaliger CDU-Generalsekretär, jetzt Attac-Mitglied, TAZ, 5.6.
    c) Tim Laumeyer

    Antwort b ist richtig.

    08. Die Randalierer waren nur eine kleine Minderheit. Wir wollen keine Gewalt.

    a) Monty Schädel
    b) Werner Rätz
    c) Tim Laumeyer, Mopo, 4.6.

    Antwort c ist richtig.

    09. Pflastersteine sind keine politischen Argumente.

    a) Hugo Müller-Vogg, BILD, 5.6.
    b) Tim Laumeyer
    c) Axel Falkenberg, KAVALA

    Antwort a ist richtig.

    3. Die Autonomen:

    10. Es war eine wilde Mischung aus Hooligans, Jugendlichen aus der Gegend und Leuten aus dem Ausland.

    a) Christoph Kleine, IL, WELT, 4.6.
    b) Tim Laumeyer
    c) Axel Falkenberg, KAVALA

    Antwort a ist richtig.

    11. Wenn einer ankommt, mit Kapuze und Palästinensertuch vor dem Gesicht, dann sagen wir dem, er ist unerwünscht.
    a) T.O.P. Berlin
    b) Peter Wahl, Attac, Junge Welt, 5.6.
    c) Tim Laumeyer

    Antwort b ist richtig.

    12. Wir haben in den letzten Jahren auf G8 konzentriert hingearbeitet. Hier wollten wir linke Politik sichtbar machen und die Autonomen aus der Gewaltecke rausholen.

    a) Tim Laumeyer, IL, Berliner Zeitung. 5.6.
    b) Werner Rätz
    c) Pedram Shayar, Attac

    Antwort a ist richtig.

    13. „… Auf der anderen Seite sollte nicht vergessen werden, dass es in der linksradikalen Szene in der Tat auch Protagonisten gibt, die Strassenschlachten, „Entglasungen“ und ähnliches als politische Ausdrucksform für richtig halten.“

    a) Tim Laumeyer, JW, 5.6.
    b) Monty Schädel
    c) Franz Josef Wagner, Bild

    Antwort a ist richtig.

    14. Die Polizei hat wahllos zugeschlagen.

    a) Wolf-Dieter Narr, Komitee für Grundrechte und Demokratie
    b) Michael Kronawitter, ALB
    c) Tim Laumeyer, IL, Hamburger Morgenpost, 4.6.

    Antwort c ist richtig.

    4. Das individuelle Befinden:

    15. Es geht mir schlecht.

    a) Christoph Kleine IL, Welt, 4.6.
    b) Tim Laumeyer
    c) Einsatzleiter der 23. Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei

    Antwort a ist richtig.

    16. Die Stimmung ist gut.

    a) T.O.P. Berlin
    b) Lea Voigt, Block G8, Junge Welt, 5.6.
    c) Tim Laumeyer

    Antwort b ist richtig.

    17. Mir geht es gut, ich bin kein Polizist.

    a) Franz Josef Wagner, BILD, 5.6.
    b) Tim Laumeyer
    c) T.O.P. Berlin

    Antwort a ist richtig.

    5. Bündnispolitik:

    18. Wir wollen euch nicht sehen, wir wollen euch nicht haben.

    a) Peter Wahl, Attac, NDR, 4.6.
    b) Tim Laumeyer
    c) Tocotronic

    Antwort a ist richtig.

    19. Den Leuten, die die Zusammenstößen am Samstag vom Zaun gebrochen haben, haben wir jedenfalls gesagt, dass wir sie nicht dabeihaben wollen.

    a) Tim Laumeyer, Berliner Zeitung, 5.6.
    b) Monty Schädel
    c) Claudia Roth

    Antwort a ist richtig.

    20. Man darf mich hassen, solange man mich fürchtet.

    a) David Beckham
    b) T.O.P. Berlin
    c) Tim Laumeyer

    Antwort a ist richtig.

    21. Es hat nicht wenige mit klammheimlicher Freude berührt, Berliner Polizisten auch einmal rennen zu sehen.

    a) Michael Kronawitter, JW, 5.6.
    b) Tim Laumeyer
    c) T.O.P. Berlin

    Antwort a ist richtig.

    22. Ich werde oft beschimpft und sogar bedroht.

    a) Nadine, BILD-Montagsmädchen, 4.6.
    b) Tim Laumeyer
    c) Harald S., Mitglied einer Berliner Einsatzhundertschaft

    Antwort a ist richtig.

    23. Nach dem Gipfel: wir sind nur noch zwanzig Leute.

    a) Zugführer der 23. Einsatzhundertschaft
    b) TOP Berlin
    c) Tim Laumeyer, Interventionistische Linke

    Antwort b ist richtig.

  8. 8 emanzipationoderbarbarei 14. Juni 2007 um 10:09 Uhr

    zum Fehlenden Argumentationsschritt:

    Na, in der Medienwahrnehmung war es doch so, dass es auf der einen Seite die Fußball-Hooligans standen, auf der anderen Seite die Leute mit den Inhalten. Alles was sich als radikale Kritik präsentiert hat, ist über die Aktionsform definiert worden. Die Linksradikalen, das sind die, die dauernd Steine schmeißen, weil sie gegen den Kapitalismus sind. „Na ob das hilft“ denkt sich dann das bürgerliche Subjekt und lauscht weiter den Reden von Peter Wahl. Und der kann die Schiene „Wir-sind-die-mit-den-Inhalten“ weiterfahren, während der Linksradikalen unterstellt wird, sie handele aus einem Bauchgefühl heraus.

    Sicherlich war G8 und Protest auch schon vor Rostock ein Thema, aber durch die letztendlichen (und so von den Beteiligten auch gewollten) Vorgänge wurde das m.E. noch mal verstärkt. Beides zusammen (das erste sicherlich mehr als das zweite) sorgt dann dafür, das gerade Attac vom Gipfel durch neue AktivistInnen profitiert (wobei natürlich abzuwarten bleibt, ob die überhaupt was machen – und mittelfristig wird das eh wieder einschlafen, schätze ich). Während die anderen so ziemlich genau da stehen wo sie vorher auch standen. Und – das zeigt die Diskussion hier – es nicht mal richtig merken. Schade eigentlich.

  9. 9 emanzipationoderbarbarei 14. Juni 2007 um 10:13 Uhr

    @dorfdisco

    das alles toll wäre, hätte es keine randale gegeben, steht da ja nun nirgends. und es wäre ja auch tatsächlich falsch. was aber bleibt ist doch der fact, dass die strategien beider bündnisse nicht wirklich aufgegangen sind. was ein bisschen toll ist, weil ich mal wieder rechtbehalte. was aber auch mit meiner selektiven wahrnehmung zu tun haben könnte ,-)

    @gehts-noch

    naja, nicht alle politikformen, denke ich. aber diese eine in diesem fall – ja. siehe oben.

    @goldenboy

    hab ich irgendwas von bürgermob geschrieben? und was hat das mit hippies zu tun? mein tip: erst denken, dann lesen, dann denken, dann schreiben, dann denken, dann korrigieren, dann denken, dann posten. oder überhaupt mal denken. pffffff……

  10. 10 Dorfdisco 14. Juni 2007 um 10:28 Uhr

    hm, ich glaube ich habe am Freitag nen Termin… so gegen 19Uhr ;-)

  11. 11 geht\'s noch? 14. Juni 2007 um 11:14 Uhr

    Ich stelle mal die provokante These auf, dass ohne riots in einer breiten Öffentlichkeit überhaupt nichts bzw. noch viel weniger von linksradikalen Positionen präsent gewesen wäre. Das wäre vermutlich noch viel eher unter attac subsumiert wurden (eben junge Leute, die die Welt ungerecht finden). Die Migliederzahlen bei attac würde ich mit dem Medienrummel erklären, der auf jeden Fall bei solchen Events stattfindet und der attac als relativ prominenter Gruppierung zugute kommt. Ein anderer wichtiger Aspekt war sicherlich der Beitritt von Heiner Geißler. Das alles hat aber nichts mit der radikalen Linken zu tun. Es ist einfach maßlose Selbstüberschätzung, das eigenen Handeln für solche gesellschaftlichen Entwicklungen verantwortlich zu machen.
    Dann kannst du auch in bester operaistischer Manier das Proletariat für die aktuelle Lage des Kapitalismus und Hartz IV verantwortlich machen, weil die Entwicklung des Kapitalismus maßgeblich seinen Kämpfen abhänge. Es wäre ein erster wichtiger Schritt ehrlich zu selbst zu sein und die eigenen Einflussmöglichkeiten ganz nüchtern zu betrachten.
    PS. Welche Politikform meinst du jetzt eigentlich genau, die du vorziehst?

  12. 12 golden boy 14. Juni 2007 um 11:26 Uhr

    Ich hab heute schon mal nachgedacht…
    ich hätt fast zugeschlagen.

  13. 13 emanzipationoderbarbarei 15. Juni 2007 um 11:52 Uhr

    @gehts noch

    „Ich stelle mal die provokante These auf, dass ohne riots in einer breiten Öffentlichkeit überhaupt nichts bzw. noch viel weniger von linksradikalen Positionen präsent gewesen wäre.“

    Die Frage is doch aber erstmal andersrum: ist mit den Riots bekannt, was linksradikale Positionen sind? Was genau die kritisieren, was sie abschaffen möchten, was sie stattdessen wollen? Ich stelle mal die ziemlich unprovokante These auf: Nö. Kein Stück.

  14. 14 geht\\\'s noch? 15. Juni 2007 um 13:14 Uhr

    Schön wie du deine These von riots und steigenden Attacmitgliederzahlen stillschweigend revidiert hast.
    Was die genauen Inhalte angeht hast du durchaus recht. Allerdings haben Linksradikale auf diese Weise ein Maß an Aufmerksamkeit bekommen, wie sonst kaum. Das ist m.E. immer noch besser als die Alternativen. Natürlich wäre es besser gewesen, wenn das besser genutzt worden wäre. Innerhalb eines begrenzten Rahmens ist das übrigens auch passiert.
    Wie darüber hinaus die Inhalte hätten besser transportiert werden können, bleibst du nach wie vor eine Antwort schuldig.

  15. 15 bikepunk 089 17. Juni 2007 um 17:52 Uhr

    Ich zitiere mich mal selbst (und vielleicht klappts diesmal mit den tags):

    Grundsätzlich interessiert sich die Presse für Fakten und Bilder, und will dafür möglichst wenig tun. Was wir als Inhalte bezeichnen, und gerne da unterbringen würden, sind keine Fakten (aus deren Wahrnehmung) sondern Behauptungen. Die sind dann interessant, wenn sie von einem Promi kommen – enter Peter Wahl. Und weil Presseleute keine Zeit haben, irgendwas zu recherchieren müssen sie gefüttert werden – und die Bullen haben nun einmal die besseren Presseabteilungen.[…] Last not least, da wo Presseleute etwas anderes machen als PEs zu kopieren, sind sie sehr kreativ und stricken an den altbekannten Narrativen über linke – jung, naiv, gewaltbereit…
    Zu behaupten, da sei die Gewalt der Hauptgrund, dass unsere Inhalte zu kurz kommen, halte ich deshalb für falsch. Für unsere Inhalte brauchen wir unsere Medien, in den bürgerlichen kriegen wir unter dass etwas scheisse läuft und dass es uns gibt. Letzteres hat in Rostock geklappt.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.