Die Ökologie und das antideutsche Ticket

Antideutsche habens leicht. Da liest mensch irgendwo, der Anbau von Soja-Produkten würde zur Abholzung des Regenwaldes beitragen, und schon dient das als Argument gegen den ohnehin geschmähten Vegetarismus. Da spielt dann keine Rolle mehr, das ein Großteil der Soja-Produktion, 85% nämlich, tatsächlich als Futtermittel verwendet wird. Und dass es vor allem in Deutschland hergestelltes Soja ist, das als Vegi-Futter verarbeitet wird. Womit das Argument, mit dem Justus Wertmüller dereinst die Massen in Halle beglückte, erledigt sein dürfte.

Ähnlich stumpf ist Ivo Bozic in der aktuellen Ausgabe der JungleWorld am Start. Dort stellt er nämlich die Frage „Wie rechts ist der Klimawandel?“, ganz so, als hätte der eine politische Meinung. Für ihn geht das so:

„Gäbe es überhaupt eine emanzipatorische Klimapolitik? Eine dumme Frage? Sicher, wenn man davon ausgeht, dass die Welt bald unterzugehen droht, erübrigt sie sich.“

Dumme Antwort, würde ich meinen. Sicherlich ist es das von Politik und Medien mehrheitlich kolportierte Szenario, das es beim Aufhalten des Klimawandels um ein Projekt ginge, an dem wir alle uns gleichermaßen zu beteiligten hätten. Und wenig verwunderlich ist es ebenso, das Bozic als guter Konservativer der Propaganda auf den Leim geht. Statt dessen wäre doch auch hier mal Aufklärung angesagt. Denn realistisch ist dieses Szenario keineswegs. Würde doch so ein Klimawandel die Menschen weltweit doch recht unterschiedlich treffen: den Süden stärker als den Norden beispielsweise. Obwohl er doch eher vom Norden den vom Süden verursacht wird. Und auch innerhalb der regionalen Auswirkungen gibt es noch mal individuelle Unterschiede: die einen können es sich leisten, das Haus ein paar Meter höher zu bauen oder mit einem dicken Schutzwall zu umgeben. Andere nicht.

Der Diskurs von der allseitigen Betroffenheit, die nun zu einem gemeinsamen Handeln aller verpflichtet, ist tatsächlich ein rechter: denn hier sollen alle Menschen als Individuen für das geradestehen, was doch eigentlich ein gesellschaftliches Problem ist. Während Industrie und Handel weiter vor sich hinverschmutzen dürfen, sollen die je Einzelnen sich ökologisch inschränken. Dies als Option unhinterfragt in den Raum zu stellen heißt, diesen Diskurs zu stärken. Heißt eben, rechte Ideologie zu verbreiten.

Und so spielt er dann auch in bester CDU-Manier blind den Klimaschutz gegen eine andere, in der ökologischen Linken recht verbreitete Forderung aus:

„Aber wenn es wirklich so dramatisch ernst um unser aller Überleben steht, wenn es um wenige Jahre geht, in denen sich alles entscheidet, wie uns erklärt wird, wie kann man dann ernsthaft darauf verweisen, man müsse die Forschungen zu erneuerbaren Energien intensivieren, damit man so irgendwann einmal alle Energieprobleme lösen könne.“

Die Botschaft ist altbekannt: Da Atomkraft so furchtbar umweltschonend ist, können wir in der hiesigen Situation leider nicht auf sie verzichten. Das blamiert sich schon daran, das Atomkraft schlicht nicht umweltschonend ist. Das mag für den reinen Produktionsprozess, den unmittelbaren Reaktorbetrieb also, vielleicht noch gelten. Das gilt aber schon nicht mehr, wenn der gesamte mittelbare Aufwand hinzugerechnet wird, der für den Betrieb so eines Atomkraftwerkes notwendig ist: der Bau der Kraftwerke, die Entsorgung des Restmülles (für die es noch immer kein tragbares Konzept gibt), der Abbau des (immer knapper werdenden) Urans etc.

Um das zu erkennen, wäre es allerdings nötig, nicht bloß vom eigenen Vorurteil, das sich zu allem Überfluss auch noch vorkommt wie eine Theorie, zu fröhnen. Sondern sich stattdessen mit den realen Verhältnissen auseinanderzusetzen. Dann sieht das schon ganz anders aus, wie wir unlängst in der AntiAtomAktuell nachlesen konnten:

„Da in den Atomkraftwerken kein CO2 anfällt, wundert es nicht, dass in der Klimaschutzdebatte so getan wird, als gäbe es keine CO2 Emissionen im Zusammenhang mit Atomkraftwerken. Wird jedoch die gesamte Brennstoffspirale berücksichtigt, kommen einige WissenschaftlerInnen zu Ergebnissen, die ein völlig anderes Bild erzeugen. Bei der Atomenergie entsteht CO2 hauptsächlich beim Uranabbau und der Umwandlung des Uranerzes zu Kernbrennstoff. Da bis heute völlig ungeklärt ist, wie mit Atommüll in Zukunft umgegangen werden kann, ist es auch denkbar, dass bei der weiteren Behandlung des Atommülls erhebliche Mengen an Klimagasen frei werden.

Das Ökoinstitut Darmstadt hat versucht, CO2-Gesamtbilanzen für die verschiedenen Energieträger zu erstellen. In Gesamtbilanzen, in denen auch der Rohstoffabbau und die Aufbereitung des Brennstoffes berücksichtigt werden, hat sich gezeigt, dass bei der Erzeugung von Atomstrom 25-50 Gramm CO2 pro erzeugte Kilowattstunde Atomstrom entsteht. Das ist mehr CO2 als bei modernen Gas-Blockheizkraftwerken emittiert wird, weil die Abwärme der AKW fast gar nicht energetisch genutzt wird. Demgegenüber emittiert ein Gas-Blockheizkraftwerk etwa 23 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom. (Kurzbericht zum GEMIS Modell von Januar 2001, Ökoinstitut Darmstadt) In den Gemis Bilanzen werden mögliche Emissionen der Atommüllbehandlung nicht berücksichtigt. Atommüll sind hier zum einen die abgebrannten Brennstäbe aus den AKW´s; aber auch das abgereicherte Uran, welches bei der Urananreicherung anfällt, sowie Uranabraumhalden, die nach dem Uranabbau hinterlassen werden, und gesichert werden müssen, hat die Studie nicht mit einbezogen.

In einer Studie von Günther Haupt für die Firma Siemens zum CO2 Ausstoß der Atomkraft sind es „nur“ 25 Gramm pro erzeugte Kilowattstunde. Hier wird der Betrieb des AKW´s, die Bereitstellung des Brennstoffs und der Anlagenbau berücksichtigt. Auch hier finden sich keine Daten zur Lagerung des Atommülls. Welche Posten unter: „Bereitstellung des Brennstoffs“ fallen, ist hier nicht aufgezählt.“

Solche detaillierten Betrachtungen sind des antideutschen Sache (don‘ wanna check my labels!) nun aber nicht. Letztlich verfällt er einen Kurzschluss: von dem hoheitlich geführten Diskurs schließt er auf die Absichten und Ansichten der Linken, die sich in dem Feld bewegen. Natürlich ist mit mehr Forschung im Bereich alternativer Energien (auch wenn die sicherlich wünschenswert wären) nicht viel gewonnen. Stattdessen müsste die kapitalistische Produktionsweise selber in den Fokus von Analyse und Kritik geraten. Bevor das allerdings passiert, schlägt sich Bozic lieber auf die Seite derer, die den Wald vor lauter Bäumen bzw. das Problem vor lauter Ideologie nicht sehen.

Das gilt dann auch für seinen Einwand, Klimaschutz würde per se Entwicklungsländern schaden, weil ja politisch gefordert werde, deren Handlungsfreiheit zum Schutze des Klimas einzuschränken. Die Forderung schadet den Entwicklungsländern, soviel dürfte klar sein. Das sie allerdings das Klima schützt, ist mindestens ebenso umstritten. Und das es eben keine linke Forderung, sondern eine rechte in einem umkämpften politischen Terrain ist, spielt dann für ihn schon keine Rolle mehr.

Darüber hinaus denkt Bozic den Kapitalismus als ein recht eindeutiges und widerspruchsfreies System. Wenn Leute wie Al Gore für Klimaschutz sind, dann muss Klimaschutz wohl objektiv die Funktion haben, den Kapitalismus zu modernisieren. Und nix anderes. Nun ist der Kapitalismus – im Gegensatz zu Wahn des gemeinen Antideutschen – eine höchst widersprüchliche Veranstaltung. Da sind die Fronten eben nicht immer so einfach wie bei Star Wars – Die dunkle Bedrohung. Da stehen nicht die süßen Gungans auf der einen, die imperialistischen Kampftruppen auf der anderen Seite. Und da besteht der politische Erfolg auch nicht im Abstimmungssieg im Senat (darauf können wir tatsächlich nicht setzen), sondern in der Überzeugung in der sozialen Auseinandersetzung. Die allerdings ist pfui-bä, da müsste mensch sich ja mit der Realität und anderen Menschen auseinandersetzen.

Die Analogie zur Imperialismuskritik mag hier einigen übertrieben erscheinen. Aber letztlich wird hier alles über klassische politische Frontstellungen erklärt:

„Der Emissionshandel, Kernstück des von Klimaschützern so leidenschaftlich verehrten Kyoto-Protokolls, verhindert zwar kaum Emissionen, aber den Banken, die den Handel organisieren, spült er das Geld nur so in die Kassen. Die Versicherungsbranche, die besonders vehement die Klimaangst schürt, hat die Prämien für Naturkatastrophen in die Höhe getrieben und verdient prächtig daran. Die Rückversicherer lagern gleichzeitig ihr Risiko durch den Verkauf von Katastrophenanleihen aus, an denen sich wiederum die Hedgefonds boomartig bereichern. Im Internet stößt man auf unzählige Seiten mit Ratschlägen für Banker, Broker und Anleger, wie mit dem Klimawandel, oder sollte man besser sagen: mit der Klimaangst, Geld zu verdienen ist.“

Wieder einmal sind die Schuld, denen auch der traditionelle Anti-Imp (auch hier: don‘t wanna check my labals) die Schuld gibt: die Banken, die Versicherungsbranche, die Rückversicherer. Böse, böse Finanzbranche! Das zu entlarven, so Bozic Schluss, sei „Aufgabe der Linken“.

Das dazu ein gerütteltes Maß Halbbildung gehört ist ziemlich klar und wird auch am Beispiel seiner Ausführungen zu Gletscherschmelze und der Erhöhung des Meeresspiegels deutlich:

„Dass man die wissenschaftlichen Debatten um die Klimaerwärmung als Laie nicht wirklich bewerten und einordnen kann, muss auch nicht dazu führen, jeden Unsinn mitzutragen. Kein Fernsehbericht über den Klimawandel kommt zum Beispiel ohne das Bild von auseinanderbrechenden Eisbergen aus. Die Frage, wozu wir Eisberge brauchen, stellt niemand. Stattdessen wird, während diese Bilder über die Mattscheibe flimmern, vom Steigen des Meeresspiegels geredet. Das hat allerdings nichts mit schmelzenden Eisbergen zu tun. Eisberge verdrängen gefroren genauso viel Masse wie geschmolzen. Das ist wie beim Eiswürfel im Wasserglas.“

Dieser Versuch, die globale Ökologie durch Eiswürfel im Wasserglas zu erklären ist schon mittelmäßig peinlich und erinnert stark an den Versuch der neoklassischen Volkswirtschaftslehre, ökonomische Realität mittels Austausch von Panini-Bildchen zu erklären („Ich geb dir drei Kahn für einen Ballack, der is so selten“). Denn selbst wenn der unter dem Wasser liegende Teil des Gletschers die Höhe des Meeresspiegels nicht tangiert, so gibt es doch – etwa in Grönland – auch riesige Eismassen oberhalb des Meeresspiegels. Darüber hinaus gibt es durchaus Wasserschichten mit unterschiedlicher Dichte, was bei entsprechenden Temperaturveränderungen durchaus ernstere Folgen haben könnte. Und nicht zuletzt bilden Gletscher, gerade die Gebirgsgletscher, durchaus ein wesentliches Trinkwasserreservoir für große Städte dar, so das auch hier die Frage beantwortet sein sollte, warum den Menschen das überhaupt scheren sollte. Mal abgesehen davon, das eine entsprechende Erhöhung des Meeresspiegels eben auch Teile der bewohnbaren Erdoberfläche schlicht abtauchen lässt – was sicherlich etwas mit den Menschen, die diese Fläche bewohnen möchten oder könnten, zu tun haben dürfte.

Das mit dem Trinkwasserreservoir weiß übrigens auch Bozic – aber: „die Alpen-Gletscher nicht.“ Und wen kümmert es schon, wenn die Menschen irgendwo außerhalb der deutschen Heimat krepieren? Und so pflichtet er am Ende dann auch Harald Schmidt bei, das wir uns letztlich entscheiden müssten:

„Harald Schmidt hat über den Aletsch-Gletscher einmal gesagt: »Da sehe ich immer diese zwei Postkarten: 1912 und heute. Na und? 1912 wurden die Menschen 43 Jahre alt, heute werden sie 95. Man kann nicht alles haben. Entweder Gletscher oder frühes Ende. Oder kein Gletscher und elf neue Hüften. Man muss sich auch mal entscheiden. Entweder der Mensch oder die Natur.« Polemik, klar. Aber mit einem wahren Kern.“

Was bleibt, ist der Dualismus zwischen kapitalistischem Klimaschutz und kapitalistischer Klimazerstörung. Die Wahlmöglichkeit, sich mal über die emanzipatorischen Dimension von Klimawandel und -schutz gedanken zu machen, kommt für den Autor gar nicht auf. Das wäre nämlich ein „fauler Zauber“:

„Für radikale Linke ist Klimaschutz ohnehin kein Thema. Und wenn, stellen sie schnell fest, innerhalb des Kapitalismus könne nicht umweltfreundlich produziert werden. Kurz: Der beste Klimaschutz sei Antikapitalismus. Doch das ist fauler Zauber. Wer akut die Klimakatastrophe fürchtet, kann nicht auf ein utopisches Ziel in ferner Zukunft verweisen, an dessen Realisierung er selbst nicht ernsthaft glaubt. Außerdem: Veränderte Eigentumsverhältnisse bedeuten ja nicht automatisch veränderte Produktionsweisen. Auch im schönsten Kommunismus würden wir doch nicht zur Steinzeit zurückwollen. So wenig wie ein realsozialistisches AKW sicherer als ein kapitalistisches ist, ist ein sozialistisches Chemiewerk sauberer.“

Antikapitalismus, so lernen wir hier, hat lediglich etwas mit veränderten Eigentumsverhältnissen zu tun. Nicht aber mit veränderten Produktionsverhältnissen. Da war die Linke schon mal weiter. Wertkritik hieß das damals, wurde aber mittlerweile auch entsorgt. Die Alternative zu einer selbstzweckhaften, automatischen Prozessen folgenden Ökonomie wäre eine Vergesellschaftungsmodus, im dem die Menschen tatsächlichen Einfluss auf die Prozesse und Zugriff auf die Produkte haben.
Das wäre Antikapitalismus. Nur, das dann wohl eben niemand auf die Idee käme, freiwillig Atomkraftwerke zu bauen. Außer Ivo Bozic.

Aus dem Dilemma von kurz- und langfristigen Zielen und Notwendigkeiten kommt er dann am Ende jedenfalls nicht heraus. Denn weder der reine Bezug auf die Aufhebung des Kapitalismus als visionärer Forderung noch der auf konkrete Maßnahmen im Hier und Jetzt würde das Klima retten. Eine soziale Bewegung, die im Kontext einer schrittweisen Implementierung neuer Vergesellschaftungsmodi nicht nur die herrschende Hegemonie in Frage stellt, sondern zusätzlich schon im hier und jetzt Verbesserung erkämpft, wäre eine Hoffnung.


5 Antworten auf “Die Ökologie und das antideutsche Ticket”


  1. 1 ivo 20. Juli 2007 um 19:17 Uhr

    man kann und soll ja meinen artikel kritisieren, aber so viel unsinn ist leider sehr ärgerlich. du hast den artikel offenbar gar nicht richtig gelesen. ich habe doch nicht für atomkraft plädiert! deshalb erübrigt sich auch deine ganze auslassung dazu. und zum kapitalismus erklärst du uns auch nicht, weshalb veränderte produktionsweisen klimafreundlicher sein würden. keiner wäre dann, meinst du, auf die idee gekommen, akw zu bauen. wieso nicht? nachdem sich vier generationen im kohlebergbau verschlissen haben, könnte doch jemand sagen, es gibt eine einfachere möglichkeit, strom zu gewinnen, ohne dass wir uns alle kaputt schuften… aber egal, das ist ein weites feld.
    ärgerlicher ist: mir halbwissen vorzuwerfen wegen des eiswürfelbeispiels, und selbst dann weder das schulwissen über physik aufzubringen noch eisberge und festlandgletscher auseinander halten zu können, DAS ist peinlich. peinlich ist, davon zu reden, ein teil der eisberge sei ja über dem meeresspiegel. das ändert absolut gar nichts daran, dass dadurch der meeresspiegel nicht steigt. nicht mal dann, wenn die ganze gottverdammte polkappe auftaut. versuchs fürs erste mal mit dem eiswürfel, hier ist auch noch mal erklärt wies geht: http://www.spielundzukunft.de/www.spielundzukunft.de/index.php?StoryID=1235&PHPSESSID=a43b40893e6d
    lediglich das abschmelzen der gletscher bzw. des festlandeises auf grönland, dem letzten rest des ewigen eises der eiszeit, das damals bis kurz vor berlin reichte, führt dem ozean mehr wasser zu.
    naja… eine bessere kritik an meinem text gibts hier:
    http://schorsch.blogsport.de/2007/07/20/umweltschutz-und-naturbeherrschung/

  2. 2 gk 21. Juli 2007 um 1:40 Uhr

    Wie soll Umweltschutz denn möglich sein, ohne auch (!) Individuen zum Handeln aufzurufen? Ob ich nun Auto fahre oder nicht, das ist eine individuelle Entscheidung, oder? Überflüssiges Fahren (oder falsches Essen) hat auch eine Auswirkung. Selbst wenn ich mir Individueen als Menschen denke, die von gesellschaftlichen Einflüssen gesteuert werden, sind es ja immer noch die jeweiligen Schritte, die zählen.

  3. 3 emanzipationoderbarbarei 21. Juli 2007 um 12:25 Uhr

    @ivo

    wenn ein gesellschaftliches großprojekt wie ein atomkraftwerk gebaut wird, dann gehört (aus der perspektive einer gesellschaft von freien und gleichen) sicherlich auch dazu, das vorher geklärt wird, wo der ganze müll hinterher hinkommt. und da den schlicht niemensch haben will, glaube ich tatsächlich, das dann keine atomkraftwerke gebaut würden.

    dazu kommt, das die sog. „alternativen energien“ oder „regenerativen energien“ meist (nicht immer, klar) kleinräumiger einsetzbar sind. einfach mal ne solaranlage aufs dach schrauben – kein problem. wozu also weiterhin auf gesellschaftliche großprojekte setzen, wenn das gar nicht nötig ist?

    und mit der umweltverschmutzung gibt es ja durchaus 2 momente: einmal die qualität der technischen anlagen (wieviel Treibhausgase stößt die maschine aus?) und die quantität (wieviele solcher maschinen gibt es?). und neigt der kapitalismus ja dazu, eine unmenge an bedürfnissen zu produzieren, die bei direkter absprache und solidarischer ressourcen-nutzung gar nicht nötig wären. ich zumindest bräuchte kein eigenes auto, wenn ich auf das meiner nachbar_innen zugreifen könnte. und auch unsere bohrmaschine nutze ich nicht soooo häufig, das sich die anschaffung so richtig gelohnt hätte. dazu kommt noch die sache mit dem geplanten verschleiß (warum geht der dvd-player eigentlich imm 2 wochen nach ablauf der garantiefrist kaputt?) und den modetrends bei allem und jedem. wäre nicht der verwertungsimperativ bestimmend, ließe sich da sicherlich die eine oder andere ressourcensparende maßnahme problemlos durchführen. leider ist er es noch, darum stößt das sehr schnell an grenzen…

    nur das mit dem festlandeis stimmt aber leider, dafür muss ich mich wohl entschuldigen. aber der satz hat so gereizt, den hätte ich mir nimmer verkneifen können… im ergebnis, so würde ich aber meinen, ändert sich nichts. auch wenn grönland kein schwimmender eisberg ist…

  4. 4 emanzipationoderbarbarei 21. Juli 2007 um 12:30 Uhr

    @gk

    naja, aber warum du manchmal auto fahren musst, das ist doch schon eine gesellschaftliche frage, oder?! selbst wenn du dich selbst einschränkst und auf alle freiwilligen fahren verzichtest, musst du vielleicht trotzdem täglich 100 km zur Arbeit fahren. Und dann sind die Extra-Fahrten zum Supermarkt schon fast Peanuts…

    Die Gesellschaft, so würde ich meinen, ist nämlich mehr als nur die Handlungen der je Einzelnen. Und darum reicht es eben auch nicht, nur die Handlungen dieser Einzelnen in den Blick zu nehmen. Vielmehr sollten wir uns mal überlegen, welche Strukturen und Institutionen uns so dazu bringen, uns so und nicht anders zu verhalten.

    Und nicht zuletzt: was ist eigentlich mit dem Energie-Ausstoß, der nicht von Privatpersonen verursacht wird? Sondern beispielsweise von der Industrie? Solange der bleibt, sind sogar die Fahrten zur Arbeit Peanuts… ,-)

  5. 5 panini 28. Juli 2007 um 21:43 Uhr

    ”Ich geb dir drei Kahn für einen Ballack, der is so selten.”

    Dabei war das doch so toll damals. Den Kapitalismus zu „verstehen“ überfordert ganz schön.

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