Runter kommen sie alle

Die Wirtschaft boomt. Zumindest schien das lange so und auch Michael Heinrich sprach in der letzten Ausgabe der Jungle World noch von Profit ohne Ende. Er gesteht zwar zu, das es den Menschen nicht viel nutzt – die Ökonomie aber trotzdem lustig und munter vor sich hinprozessiert:

„Die Wirtschaftswunderzeit war bloß eine Episode in der Entwicklung des Kapitalismus. Doch sie hat sich vor allem in Deutschland tief ins kollektive Bewusstsein eingegraben. Noch immer herrscht im eher linken Teil des Parteienspek­trums der Glaube vor, durch eine »richtige« Wirtschaftspolitik könne Vollbeschäftigung herbeigezaubert werden, der »entfesselte« Kapitalismus müsse nur wieder anständig reguliert werden. Aber auch bei Teilen der etwas radikaleren Linken beherrscht die Wirtschaftswunderzeit die Wahrnehmung, gilt ihnen die Entwicklung seither doch als Absturz in Richtung Endkrise oder zumindest als Niedergangsphase des Kapitalismus – als sei es jemals die Bestimmung des Kapi­talismus gewesen, Vollbeschäftigung und Wohlstand unters Volk zu bringen. Krise und Arbeitslosigkeit sind keineswegs Zeichen kapitalistischen Niedergangs, sondern kapitalistischer Normalität.“

Nun wäre es sicherlich mal nett gewesen zu erfahren, woher denn diese bloße „Episode“ gekommen ist und warum sie ebenso plötzlich wieder verschwunden ist. Aber davon mal ganz ab meint Heinrich scheinbar, mit dem richtigen Hinweis, es gehe im Kapitalismus ja gar nicht um die Bedürfnisse der Menschen, alle Fragen geklärt zu haben. Dabei stellt sich doch schon die Frage, ob in einer Gesellschaft, deren Reichtum auf der Verausgabung von Arbeitskraft beruht, die schlichte Tatsache das weniger Menschen im Arbeitsprozess wertschaffend am Start sind, nicht vielleicht auch ein Problem für die Ökonomie beinhalten könnte. Aber hier ist sich Heinrich etwa mit dem Gegenstandpunkt einig: Krisen kann es nicht geben, denn wenn es dysfunktional für den Kapitalismus wäre, Menschen auf die Straße zu setzen, dann würde er es ja nicht machen. Dabei bleibt dann jeder Versuch, das System als ein widersprüchliches zu denken, auf der Strecke: das es vielleicht auf der Betriebswirtschaftlichen Ebene sinnvoll sein kann, Arbeit durch Maschinen zu ersetzen, das aber gesamtgesellschaftlich, auf Dauer und bei entsprechenden Produktivitätssprüngen genau das (im Einzelnen sinnvolle) auf der allgemeinen, volkswirtschaftlichen Ebene zu einem Problem werden könnte – diese simple Widersprüchlichkeit des Kapitalismus gerät völlig aus dem Blick.

Seine Hoffnungen setzt Heinrich dabei vor allem auf China und Indien:

„Die kapitalistische Entwicklung Indiens und Chinas steht erst am Anfang; sie dürfte zukünftig einen maßgeblichen Einfluss auf Weltwirtschaft und Weltpolitik haben. Wenn sich dort in den nächsten Jahrzehnten eine kaufkräftige Mittelschicht herausbildet, die lediglich 20 bis 30 Pro­zent der Bevölkerung umfasst, während der Rest in Armut lebt, dann ist allein dies ein Markt von 600 bis 700 Millionen Menschen, der weit größer sein wird als die erweiterte EU. Gleichzeitig sichert das riesige Heer von Armen auf Jahrzehnte hinaus einen Zustrom von billiger Arbeitskraft. Für das Kapital mag im 21. Jahrhundert alles Mög­liche knapp werden, billige Arbeitskräfte werden nicht dazu gehören. Die Mehrwertrate wird weltweit zunehmen – der »relative« Mehrwert steigt mit der technologischen Entwicklung, der »absolute« Mehrwert mit der Verlängerung der Arbeitszeit und/oder der Senkung der Reallöhne.“

Auch hier geraten für ihn einige Dinge aus dem Blick: etwa der Zusammenhang des ‚Aufschwunges‘ in Indien und China mit der doppelten Verschuldung der USA: die haben nämlich nicht nur eine negative Außenhandelsbilanz, sondern Verschulden sich auch noch zunehmend. Die Kredite kommen nicht zuletzt aus China und werden dazu benutzt, den dortigen Boom zu finanzieren, indem chinesische Waren gekauft werden. Was dann die Außenhandelsbilanz schwächt. Das Ganze Konstrukt ist einigermaßen prekär und kann wohl nur dadurch aufrechterhalten werden, das der Dollar als Weltgeld von den USA militärisch gesichert wird. Das allerdings taucht bei Heinrich nicht als Problem, sondern als reines Zeichen für Prosperität auf: „Der Dollar als Weltgeld ermöglicht den USA eine riesige Verschuldung, die nicht nur zu ihrem Wohlstand beiträgt, sondern auch die Finanzierung eines Militärhaushalts ermöglicht, der so groß ist wie die Militärausgaben der gesamten übrigen Welt zusammen. Mit der wirtschaftlichen Stärke und dem militärischen Drohpotenzial kann dann wieder die Rolle des Dollars gestützt werden.“

Für Deutschland, das sei hier nur am Rande bemerkt, prophezeit Heinrich die Möglichkeit der Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Das wundert kaum. Auch wenn er sicherlich – ähnlich wie weite Teile der linken Debatte – unter Grundeinkommen mehr versteht als das, was etwa das Netzwerk Grundeinkommen dafür hält:

„In Ländern wie Deutschland werden die überflüssigen Arbeitskräfte vielleicht durch ein »bedingungsloses Grundeinkommen« über Wasser gehalten werden: ein Einkommen auf dem Niveau von Hartz IV, bei dem die aufwändige »Bedürftigkeitsprüfung« wegfällt und mit dem dann der Abbau aller weiteren sozialstaatlichen Leistungen gerechtfertigt wird.“

Letztlich spielt er hier das Spiel mit, einfach jede sozialpolitische Forderung als „Bedingungsloses Grundeinkommen“ zu titulieren, wie es von CDU, F.D.P. und Grünen schon seit einiger Zeit gespielt wird. Für das Netzwerk Grundeinkommen sieht das anders aus. Hier soll nur als Bedingungsloses Grundeinkommen anerkannt werden, was einerseits „existenzsichernd (ist) im Sinne der Sicherung einer basalen gesellschaftlichen Teilhabe“ und andererseits „keinen Zwang zur Arbeit“ beinhaltet. Beides wäre in diesem Falle sicherlich nicht gegeben. Richtiger wäre also wohl eine Formulierung wie: „In Ländern wie Deutschland werden die überflüssigen Arbeitskräfte vielleicht durch Neuregelungen im Sozialsystem über Wasser gehalten werden, etwa in dem die aufwändige »Bedürftigkeitsprüfung« wegfällt und weitere sozialstaatlichen Leistungen abgebaut werden“. Was ja erstmal nicht unrealistisch ist.

Insbesondere, weil die Sache mit der Konjunktur für Deutschland ja erstmal wieder vorbei sein soll. Hat ja immerhin schon ein ganzes Jahr angedauert:

„Er glaube nicht, dass sich die Wachstumsraten noch einmal verbessern würden, sagte der Konjunkturchef des Münchner ifo-Instituts, Gebhard Flaig, der „Berliner Zeitung“. Der Höhepunkt sei vorbei. Auch weitere Experten erwarten eine leichte Eintrübung der Konjunktur. ( … )

Der Konjunkturexperte des Hamburger HWWI, Jörg Hinze, prophezeit „eine gewisse Abflachung der konjunkturellen Entwicklung“. Es handele sich aber lediglich um eine Normalisierung der zuvor euphorischen Erwartungen. Sollten die Zinsen, der Euro-Kurs und der Ölpreis allerdings weiter steigen, müsse mit einer stärkeren Eintrübung gerechnet werden.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin geht ebenfalls von einem leichten Abschwung aus, wie der stellvertretende Konjunkturchef Christian Dreger betonte. Grund sei vor allem die Bauwirtschaft, die auf Grund der Mehrwertsteuererhöhung schwächer als 2006 laufe.“ (SpiegelOnline)


11 Antworten auf “Runter kommen sie alle”


  1. 1 Christian Siefkes 19. Juli 2007 um 20:10 Uhr

    Aber hier ist sich Heinrich etwa mit dem Gegenstandpunkt einig: Krisen kann es nicht geben…

    Huch? Heinrich sagt doch gerade, dass Krisen ein ganz normaler Bestandteil des Kapitalismus sind! Illusorisch ist einerseits die Annahme, dass es einen dauerhaft krisenfreien Kapitalismus geben könnte; und anderseits die Annahme, dass sich in diesen Krisen schon der Zusammenbruch des Kapitalismus abzeichnet.

    Klar kann Heinrich sich in diesem kurzen Zeitungsartikel nicht ausführlich mit diesen beiden Illusionen auseinandersetzen, aber das tut er ja anderswo, z.B. in seiner Kapital-Einführung.

    Nun wäre es sicherlich mal nett gewesen zu erfahren, woher denn diese bloße “Episode” [Wirtschaftswunderzeit] gekommen ist und warum sie ebenso plötzlich wieder verschwunden ist.

    Naja, dass Boom und Krise sich im Kapitalismus regelmäßig abwechseln, sagt Heinrich ja auch immer – nur wie lange beide Phasen jeweils dauern, weiß man natürlich nicht. Warum die Boomphase nach dem 2. Weltkrieg länger als sonstige Boomphasen dauerte, und warum sich das in absehbarer Zukunft nicht wiederholen dürfte, dazu gibt es im Freie-Gesellschaft-Wiki einige Überlegungen.

    Aber selbst wenn sich solche eine Boomphase nochmal wiederholen würde, wäre sie ja doch nur eine unvermeidliche Zwischenphase zwischen ebenso unvermeidlichen Krisen. So war’s damals ja auch. Also wozu nostalgisch werden?

  2. 2 OldCrow 19. Juli 2007 um 22:37 Uhr

    Dabei stellt sich doch schon die Frage, ob in einer Gesellschaft, deren Reichtum auf der Verausgabung von Arbeitskraft beruht, die schlichte Tatsache das weniger Menschen im Arbeitsprozess wertschaffend am Start sind, nicht vielleicht auch ein Problem für die Ökonomie beinhalten könnte. (…)
    Dabei bleibt dann jeder Versuch, das System als ein widersprüchliches zu denken, auf der Strecke: das es vielleicht auf der Betriebswirtschaftlichen Ebene sinnvoll sein kann, Arbeit durch Maschinen zu ersetzen, das aber gesamtgesellschaftlich, auf Dauer und bei entsprechenden Produktivitätssprüngen genau das (im Einzelnen sinnvolle) auf der allgemeinen, volkswirtschaftlichen Ebene zu einem Problem werden könnte – diese simple Widersprüchlichkeit des Kapitalismus gerät völlig aus dem Blick.

    Das System als Widersprüchliches denken kann nur, wer es weghaben will, und zwar nicht der Widersprüche wegen, sondern weil es denen, welche die Arbeit zu machen gezwungen sind, i.d.R. mehr schadet als nützt.

    Die Lebensbedingungen der Arbeitenden sind der Aufwand, den das Kapital betreiben muss, aber nicht sein Zweck. Was anderes als die betriebswirtschaftliche Ebene hat das auschließlich betriebswirtschaftlich denkende Kapital auch noch nie in Betracht gezogen. Die „allgemeine, volkswirtschaftliche Ebene“ ist die, auf welcher der ums Gemeinwohl besorgte Bürger die Angelegenheit zu denken pflegt und dabei stets vergisst, dass der Reichtum der Gesellschaft nicht auf der Verausgabung von Arbeitskraft beruht sondern auf ihrer Ersparung und überdies von der angewandten Arbeitskraft stets als fremdes Eigentum geschaffen wird. Und das soll es auch bleiben. Die physische Erhaltung der Arbeitskraft ist dem Kapital solange das unvermeidliche Übel, und daher notwendig, solange es die Arbeitskraft als seine Reichtumsquelle benutzen kann.

    An welchem Ort welches Volk dabei gerade als Reichtumsquelle benutzt wird, ist dem schon immer am Weltmarkt orientierten Kapital ziemlich gleichgültig. Falls ein Volk gerade nicht mehr für die Reichtumsproduktion in Betracht kommt, hat das Kapital prinzipiell zwei Möglichkeiten ‚in petto‘: Entweder die das Recht auf Eigentum garantierende Administration ein Existenzminimum definieren lassen, um die ‚überschüssige‘ Bevölkerung ruhigzustellen oder Gewalt anwenden zu lassen …

  3. 3 OldCrow 20. Juli 2007 um 20:24 Uhr

    … meint Heinrich scheinbar, mit dem richtigen Hinweis, es gehe im Kapitalismus ja gar nicht um die Bedürfnisse der Menschen, alle Fragen geklärt zu haben.

    Vielleicht behandelt er nur ganz andere Fragen als du. Dir gehts doch eher darum zu erfahren, weshalb die Zeit des ‚Wirtschaftswunders‘ nur eine ‚Episode‘ gewesen sei. D.h., im Grunde kritisierst du am Kapital, dass es gewissermaßen krisenhaft prozessiert. Daher auch dein Einfall,

    … das es vielleicht auf der Betriebswirtschaftlichen Ebene sinnvoll sein kann, Arbeit durch Maschinen zu ersetzen, das aber gesamtgesellschaftlich, auf Dauer und bei entsprechenden Produktivitätssprüngen genau das (im Einzelnen sinnvolle) auf der allgemeinen, volkswirtschaftlichen Ebene zu einem Problem werden könnte – diese simple Widersprüchlichkeit des Kapitalismus gerät völlig aus dem Blick.

    Dir geht es gar nicht darum, das Kapital loszuwerden, im Stillen wünschst du dir ein Revival des ‚Wirtschaftswunders‘, nichts weiter. Und Heinrich nimmst du übel, dass er dir nicht erklären kann, wie sowas gehen könnte und stattdessen darauf verweist, dass die Macht Imperialismus des Westens in letzter Konsequenz auf militärischer Gewalt beruht.

    Dabei vergisst oder verdrängst du aber zweierlei: 1. wird die volkswirtschaftliche Ebene stets nur von Professoren und ums ‚Gemeinwohl‘ besorgten Bürgern verhandelt und 2. war es mal das Anliegen der Ausgebeuteten, als die sich noch als Klasse begriffen, die Ausbeutung loszuwerden.

    Die urspüngliche Idee war mal, dass die Menschen auch als vergesellschaftete Wesen leben können müssten, ohne dass die einen die anderen ausnehmen. Der Wert schien als ‚historisches Mittel‘ geeignet, die Menschen zu kooperativer Produktion zu treiben und damit zur qualitativen Verbesserung der Produktionsinstrumente. Aber der Grund, die Produktion um des Werts willen (also die ‚Wertschöpfung‘ selber) zu beseitigen, bestand nicht darin, dass diese Produktionsweise einen krisenhaften Verlauf nimmt (was ihr in der Tat ’systemimmanent‘ ist). Vielmehr bestand der Grund darin, dass die Produktion selber den wirklichen Produzenten, also den Arbeitern mehr schadet als nützt, weil das was sie produzieren stets fremdes Eigentum ist. Wenn es auf irgendeiner Ebene sinnvoll ist, nicht einfach Arbeiter zu entlassen, sondern ihnen mit der Entlassung so zu sagen das Lebensrecht zu bestreiten, dann ist es schlicht egal, ob diese Produktion irgendeinen Reichtum fabriziert oder nicht. Dann ist diese Produktion(sweise) für die Menschen schädlich, und nur deswegen gehört sie abgeschafft. Dann ist nämlich der ganze Reichtum sinnlos, weil er wie zu allen Zeiten darauf beruht, dass irgendwer arm ist. Übrigens war das auch in der Zeit des ‚Wirtschaftswunders‘ nicht anders.

    Ob man das Kapital weghaben will oder bloß ‚krisenfrei‘ haben möchte, ist daher keine Angelegenheit, die man auf professoraler und/oder ums gemeinwohl besorgter bürgerlicher Ebene klären könnte. Vielmehr stellt sich die Frage, Klassenkampf oder nicht.

    Btw, was ‚existenzsichernd‘ sei, ist eine Frage der Definition und damit wieder der Definitionsmacht.

  4. 4 emanzipationoderbarbarei 20. Juli 2007 um 21:02 Uhr

    „Huch? Heinrich sagt doch gerade, dass Krisen ein ganz normaler Bestandteil des Kapitalismus sind!“

    Das stimmt, das ist so falsch wie ich das geschrieben habe. ich würde aber doch daran festhalten wollen, das in dem theorem, es gehe dem kapitalismus doch nur um profit und nicht um die menschen, letztlich die möglichkeit negiert wird, das die widersprüchlichkeit des systems sich gegen das system selber wenden könnte. du schreibst es ja selbst: die krisen haben nichts damit zu tun, das der kapitalismus ein ernsthaftes problem kriegen könnte.

    @boomphasen

    naja, das interessante ist doch, das diese boomphase nicht nur quantitativ besonders lang war, sondern m.E. auch das einzige bislang bekannte, funktionierende „akkumulationsregime“ darstellt. und die einzige phase, in der zumindest in einer kleinen weltregion vergleichsweise großer teil der menschen vom kapitalismus nicht völlig im elend gehalten wurde. diese situation als eine art historischen zufall hinzustellen, als einen fall unter vielen, wird m.E. den vielen besonderheiten diese periode einfach nicht gerecht.

  5. 5 emanzipationoderbarbarei 27. Juli 2007 um 11:39 Uhr

    @oldcrow

    sorry, dein beitrag war in der moderationsschleife, hab ihn übersehen. :-(

    „im Grunde kritisierst du am Kapital, dass es gewissermaßen krisenhaft prozessiert. Daher auch dein Einfall“

    Nö. Ich finde nur, das es wichtig ist, bei einer Kritik am Kapitalismus nicht dabei stehenzubleiben, das er ziemlich doof ist und deshalb weggehört. Was ja erstmal stimmt. Sondern das es auch darum gehen muss, die aktuelle gesellschaftliche Situation präzise analysieren zu können. Und dazu gehört eben auch ein Begriff vom Wesen der jeweiligen Krise.

    „Dir geht es gar nicht darum, das Kapital loszuwerden, im Stillen wünschst du dir ein Revival des ‘Wirtschaftswunders’, nichts weiter.“

    *lol*

    du bist echt lustig. wie ziehst du das aus dem zitat? da steht doch erstmal nur, das kapitalismus widersprüchlich ist und nicht funktioniert.

    „1. wird die volkswirtschaftliche Ebene stets nur von Professoren und ums ‘Gemeinwohl’ besorgten Bürgern verhandelt und 2. war es mal das Anliegen der Ausgebeuteten, als die sich noch als Klasse begriffen, die Ausbeutung loszuwerden.“

    äh… ja. und wie kommst du zu dieser erkenntnis unter erstens? das ist doch eine bloße setzung. schick mal argumente rüber! *ggg*

    und was meinst du mit zwei? das es das anliegen der proleten war, die volkswirtschaftliche ebene zu verhandeln, als sie noch klassenbewusstsein haten und den kapitalismus abschaffen wollten – was sich dann ja mit (1) widersprechen würde? ich versteh’s nicht, echt!

    mir dünkt jedenfalls, du arbeitest eher mit projektionen denn das du dich mit dem auseinandersetzen würdest, was ich geschrieben habe.

  6. 6 OldCrow 30. Juli 2007 um 20:47 Uhr

    „…das es auch darum gehen muss, die aktuelle gesellschaftliche Situation präzise analysieren zu können. Und dazu gehört eben auch ein Begriff vom Wesen der jeweiligen Krise.“

    Ach ja? Und was ergäbe die Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Situation im Unterschied zu vorangegangenen, außer dass die Leute sich nicht mal mehr ansatzweise als Angehörige von Klassen begreifen und stattdessen als ‚Bürger‘ den Staat ‚in die Pflicht nehmen‘ möchten, sich ‚ums Gemeinwohl‘ zu bemühen?

    „du bist echt lustig. wie ziehst du das aus dem zitat? da steht doch erstmal nur, das kapitalismus widersprüchlich ist und nicht funktioniert.“

    Mag sein, dass dir das lustig vorkommt, womöglich liegt das aber auch nur daran, dass du irgendwas durcheinander wirfst. Nur weil etwas widersprüchlich ist, heißt das doch längst nicht, dass es nicht funktioniert. Das Widersprüchliche ist gerade das Charkteristikum am Kapital, anders gesagt, es funktioniert überhaupt nur als Widerspruch.

    Die Bestätigung dessen, was du mir als ‚Projektion‘ unterstellst, lieferst du doch in deinem halb bewundernden Kommentar ‚above‘:
    Dass „in einer kleinen weltregion vergleichsweise großer teil der menschen vom kapitalismus nicht völlig im elend gehalten wurde“ gilt dir schon als Nachweis, dass es die Kapitalisten mit ein paar Leuten dann doch nicht ganz so schlecht meinen können, oder entspringt das eher der Überlegung, der Zweck kapitalistischer Produktion sei es letztlich doch, die Leute mit vielen bunten Sachen zu ‚beglücken‘?

  7. 7 emanzipationoderbarbarei 31. Juli 2007 um 16:30 Uhr

    @oldcrow

    hast du nen abo beim gegenstandpunktverlag? die argumentieren meist ganz ähnlich an der realität vorbei.

    „Und was ergäbe die Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Situation im Unterschied zu vorangegangenen, außer dass die Leute sich nicht mal mehr ansatzweise als Angehörige von Klassen begreifen und stattdessen als ‘Bürger’ den Staat ‘in die Pflicht nehmen’ möchten, sich ‘ums Gemeinwohl’ zu bemühen?“

    Eine solche Analyse ergibt, das die gesellschaftliche Realität nicht in den Büchern von Peter Decker aufgeht. Die Subjektivität kapitalistischer Subjekte geht eben nicht darin auf, das sie den Staat anhimmeln. Da gibt es durchaus Brüche, die sich auch stetig verschieben. Die wirst du allerdings nie finden, weil so schwarz-weiß-Weltbilder viel einfacher sind.

    „Dass “in einer kleinen weltregion vergleichsweise großer teil der menschen vom kapitalismus nicht völlig im elend gehalten wurde” gilt dir schon als Nachweis, dass es die Kapitalisten mit ein paar Leuten dann doch nicht ganz so schlecht meinen können, oder entspringt das eher der Überlegung, der Zweck kapitalistischer Produktion sei es letztlich doch, die Leute mit vielen bunten Sachen zu ‘beglücken’?“

    Weder noch. Es entspringt eher der Erkenntnis, das es wohl keinen Sinn macht, aus emanzipatorischer Perspektive auf den Kapitalismus zu setzen. Alles andere möchtest du da vielleicht gerne drinne lesen, aber es steht da nicht. Da gilt mir gar nix als Nachweis, da konstruierst du mir einen. Und das auf ne ziemlich peinliche Art und Weise, wie ich mal anmerken möchte…

  8. 8 OldCrow 31. Juli 2007 um 20:04 Uhr

    „hast du nen abo beim gegenstandpunktverlag? die argumentieren meist ganz ähnlich an der realität vorbei.“

    Hast du eins oder wie kommst du sonst zu deiner Aussage? Sich einen Begriff vom ‚Wesen der Krise‘ machen heißt bei dir, es bemerkenswert zu finden, dass in grauer Vorzeit ein paar Leute weniger vor die Hunde gegangen sein sollen, „zumindest in einer kleinen weltregion“, immerhin, ganz tolle und vor allem sehr präzise analysiert, Glückwunsch dazu. Leute, die dir da nicht so ganz folgen oder gar vorbehaltlos Beifall zollen, argumentieren an der Realität vorbei? Bleibt eigentlich nur noch die Frage, wann du auf die Schnapsidee gekommen bist, das Kapital sei ein widersprüchliches Verhältnis und würde deswegen nicht funktionieren, vor oder nach der ‚Boomphase‘??

    Btw, um sich wirklich einen Begriff von der Sache zu machen, braucht man noch nicht mal den GSP zu lesen. Die guten alten ‚Klassiker‘ plus eine x-beliebige Tageszeitung (wegen der ‚aktuellen Situation‘) tuns auch. Allerdings könnte der Decker dir vielleicht erklären, wozu die ‚Klassiker‘ taugen und wie man sie lesen sollte ;)

  9. 9 emanzipationoderbarbarei 01. August 2007 um 11:26 Uhr

    das macht echt keinen spaß. du unterstellst mir dauernd dinge, die ich nie gesagt habe. aber davon ab:

    wenn du findest, meine aussage sei falsch, dann sag doch was gegen sie spricht. das etwa der lebensstandart in westeuropa, kanada und den usa nach dem 2. weltkrieg nicht angestiegen ist. dann können wir uns da drüber unterhalten. aber mir zu unterstellen, ich würde das nur erwähnen, weil ich von einem funktionierenden kapitalismus träumen würde, ist einfach deine erfindung.

    die idee mit den kapitalistischen widersprüchen, die selbigen vor funktionale probleme stellen, ist übrigens nicht von mir. die stammt vom ollen karl marx. um nur ein beispiel zu nehmen:

    es gibt den widerspruch von gebrauchswert und wert. letzterer bezieht sich auf die verausgabung gesellschaftlich durchschnittlich notwendiger arbeitszeit. wenn die produktiviät steigt, dann können innerhalb einer bestimmten zeit von einer bestimmten anzahl menschen zwar mehr gebrauchsgegenstände produziert weden, das bedeutet aber nicht unbedingt ein zuwachs an wertförmigen reichtum. wenn der wachsen soll, müssen mehr produkte hergestellt werden oder die produktion auf neue bereiche ausgedehnt werden.

    das wird bei zunehmender technisierung immer schwerer, und wenn es irgendwann nicht mehr klappt, dann steht der kapitalismus vor einem verwertungsproblem.

    das lässt sich auch als problem zwischen der betriebswirtschaftlichen- und der volkswirtschaftlichen ebene beschreiben. weshalb die eben nicht egal ist. im gegensatz zur bürgerlichen ökonomie, die sich deiner meinung nach da ausschließlich für interessiert, lässt sich da nämlich ein widerspruch festmachen.

    für das einzelne unternehmen ist es rational sinnvoll, möglichst viel arbeitskraft durch maschinen zu ersetzen um so einen „extraprofit“ zu erwirtschaften. das wäre quasi die „bwl-ebene“. gesamtgesellschaftlich führt das aber dazu, step by step die menschliche arbeit aus dem produktionsprozess herauszunehmen – und damit das oben benannte verwertungsproblem zu produzieren. und das gerade weil die unternehmen auf die verwertung von arbeitskraft auf dem entsprechenden produktivitätsdurschnitt angewiesen sind.

    ich finde schon, dass das widersprüchliche prozesse sind. übrigens auch solche, die durchaus widersprüchliche subjektivitäten hervorbringen, die nicht im einfachen „die wollen alle deutschland“ aufgehen. aber das wäre noch mal ein anderes thema…

    insofern braucht es tatsächlich nur einen blick in die klassiker, und schon kommt mensch der sache näher. ob das beim blick in die taz allerdings genauso funktioniert, da wäre ich mir nicht so sicher… ,-)

  10. 10 OldCrow 01. August 2007 um 23:25 Uhr

    Nimm’s nicht persönlich, d.h. mir nicht übel, ich find’s auch nicht so drollig wie du offenbar meine Einlassung, sondern eher traurig, was du so als Kritik verstanden wissen willst resp. wie du argumentierst.

    Die Sache mit der meinetwegen Sehnsucht nach ‚funktionierendem‘ Kapitalismus ist beileibe keine Erfindung von mir, sondern geht eher auf Leute wie Smith zurück, der ’ne ‚invisible hand‘ mehr oder weniger ‚gerecht walten‘ sah, und seine Nachfolger in VWL oder BWL, die allesamt behaupten, die Welt in konkurrierende Privatproduzenten zu unterteilen, sei die vernünftigste und beste aller nur denkbaren Produktionsweisen. Die kommen auch regelmäßig mit Statistiken, in denen sie belegen, dass und wo und weshalb irgendein ‚Lebensstandard‘ gestiegen oder gesunken ist. Mal ist die Konkurrenz die erfreuliche Ursache, ein andermal bewirkt sie das Gegenteil. Deswegen sind Wirtschafts- oder gar Börsenberichte zuweilen so lustig wie die Wettervorhersage.

    Wenn du dich nun argumentativ darauf einlässt zu sagen, der ‚Lebensstandard‘ in Europa oder Nordamerika sei höher als meinetwegen in Afrika oder Südamerika, dann mag das falsch oder richtig sein, aber es beinhaltet nicht einen einzigen Kritikpunkt an den Verhältnissen, auf denen das beruht. Es sei denn, du würdest sagen, es sei der Sinn der ganzen Veranstaltung, den Leuten zu einem ‚Lebensstandard‘ zu verhelfen. Das ist aber gar nicht der Fall, und wenn noch so viele es glauben wollen, die sich jetzt ganz aktuell bspw. über ‚ungerechtfertigte‘ Preiserhöhungen bei ‚Milchprodukten‘ beschweren. Btw, statt der taz sollte man dann schon lieber die FAZ oder das Handelblatt lesen, die sind diesbezüglich wesentlich ‚ergiebiger‘. Eben stand im Videotext eines TV-Senders zu lesen, Hartz-Knete würde nicht ‚ausreichen‘, um Kinder irgenwie ‚gesund‘ zu ernähren. In irgendeinem Institut haben sie den Monatssatz genommen, durch die Tage geteilt und rausbekommen, dass man für die errechnete Summe bloß beim Discounter einkaufen kann. Konsequenterweise wird nun ‚angeregt‘, über die Erhöhung des Satzes ‚nachzudenken‘ und gleichzeitig den Betroffenen empfohlen, halt trotzdem möglichst auf ‚gesunde Ernährung‘ zu achten o.s.ä.

    Allerdings würde ich nun wieder sagen, dass es deine Erfindung oder meinetwegen Interpretation ist, bei Marx stünde etwas über einen Widerspruch zwischen Gebrauchswert und Wert. Vor allem steht da nirgendwo, letzterer bezöge sich „auf die verausgabung gesellschaftlich durchschnittlich notwendiger arbeitszeit“, das wäre auch ziemlicher Quatsch. ‚Verausgabt‘ werden kann stets nur sehr bestimmte Arbeitkraft, die ihrerseits sehr konkrete Arbeit verrichtet. Die ‚durchschnittlich notwendige Arbeitszeit‘ ist ein analytisches Maß, und zwar unter der Voraussetzung, dass alle Arbeitsprodukte anschließend auf dem Markt zu ihren tatsächlichen Werten verkauft werden. D.h., wenn es so ist, dann gibt es gerade kein Verwertungsproblem, denn dann werden alle Werte tatsächlich ‚realisiert‘.

    ‚Gebrauchswert‘ ist das Ding selber, der ‚Wert‘ hat damit nichts zu schaffen, außer dass er die ökonomische Bedingung ist, unter der das Ding überhaupt erst produziert wird. D.h. der ‚Wert‘ ist das gesellschaftliche Verhältnis der Menschen, die sich als Eigentümer der Sachen gegenübertreten. Die Frage wäre zwar schon, warum sie das machen, aber um der Analyse willen verzichtet Marx ja großenteils daruf, sie zu stellen und geht stattdessen davon aus, dass es eben ‚historisch‘ so gekommen ist. Anders gesagt, wenn einer kapitalistisch produziert resp. produzieren lässt, dann geht er davon aus, dass sich die Angelegenheit für ihn als Eigentümer der Produktionsinstrumente i.d.S. ‚lohnt‘, dass er die Sachen so losschlagen kann, dass er am Ende mehr hat als am Anfang. D.h., ‚mehr Wert‘ zu produzieren, ist der Zweck der ganzen Veranstaltung. Und dies eben nicht bloß, wenn die Produktivität steigt oder ggf. der Markt erweitert werden kann, sondern unter allen Umständen und in jedem ‚Produktionszyklus‘. Warum dieser Anspruch nach ‚mehr Wert‘ ‚an sich‘ schon maßlos ist, und welche Konsequenzen das hat, ist eine ganz andere Frage, aber die hat wenig mit der nach ‚Lebensstandard‘ zu tun.

    Die Analyse vom ollen Karl Marx beschäftigt sich im Grunde mit der Frage, wie das geht, dass eben Eigentümer ihr Eigentum formal ‚gleich‘ tauschen und dabei das Eigentum der einen immer größer wird, während die anderen trotz allem ‚Lebensstandard‘ prinzipiell nicht davon loskommen, quasi von der Hand in den Mund zu leben; und zwar vollkommen unabhängig davon, ob sie in ’ner indischen Lehmhütte oder ’nem europäischen Reihenhaus residieren.

    Mit anderen Worten, Marx hatte im Gegensatz zu vielem ‚Marxisten‘ schon vorher was an den Verhältnissen auszusetzen und nicht erst im Ergebnis der Analyse. Die ergab indes, dass wenn die Eigentümer ihr Eigentum formal ‚gleich‘ tauschen, obwohl die darunter verfassten Sachen hinsichtlich ihrer ‚Gebrauchswerte‘ „ganz inkommensurable“ sind, dann jedenfalls diese ‚Gebrauchswerte‘ mit den ‚Werten‘, um derentwillen sie getauscht werden sollen, nichts zu tun haben können. Das einzige was an den Sachen wirklich gleich ist, ist dass ein Aufwand betrieben werden muss, um sie herzustellen. Der mag für eine bestimmte Sache eine bestimmte Größe haben, die unter oder über einer ‚gesellschaftlich notwendigen Durchschnittsgröße‘ liegt, aber wenn die Sache als Ware zu ihrem ‚Wert‘ gehandelt wird, dann entspricht der eben jener ‚gesellschaftliche notwendigen Durchschnittsgröße‘.

    Das bedeutet aber auch, dass in diesem Wert von dem tatsächlichen Aufwand, also der Arbeit wie von der Zeit, die sie gedauert hat, ebenso abgesehen wird, wie von dem ‚Gebrauchswert‘, in dem sich der ‚Warenwert‘, analytisch betrachtet, ‚vergegenständlicht‘ hat. Denn gleiche ‚Gebrauchswerte‘ tauscht niemand. Allerdings ist eben die Bedingung, dass in den ‚Warenwerten‘ schon ‚mehr Wert‘ quasi ‚drin‘ ist als an Kapital vorgeschossen wurde. Einzig um diese Bedingung zu erfüllen, erscheint es hin und wieder, oder je nach ‚Geschäftslage‘ auch ganz allgemein „betriebswirtschaftlich sinnvoll“, Leute rauszuschmeißen und die verbliebenen zu schnellerem Ackern anzutreiben oder gleich die Produktion zu ‚verlagern‘. Nicht für ‚Extraprofit‘ sondern überhaupt für Profit. Denn die „volkswirtschaftliche Ebene“ ist dem um die eigene Bilanz besorgten einzelnen Kapital ziemlich schnurz. Seine Existenzberechtigung zieht es allein aus dem eigenen Profit, ob nun auf Kosten der Konkurrenz oder der ‚Verbraucher‘ oder aller zusammen, ist gleichgültig. Monopolist wäre nämlich jedes Kapital gern.

    Insofern ist Heinrichs Prognose, „Für das Kapital mag im 21.Jahrhundert alles Mögliche knapp werden, billige Arbeitskräfte werden nicht dazu gehören. Die Mehrwertrate wird weltweit zunehmen – der »relative« Mehrwert steigt mit der technologischen Entwicklung, der »absolute« Mehrwert mit der Verlängerung der Arbeitszeit und/oder der Senkung der Reallöhne“, nicht ganz falsch. Für die ‚Ausweitung der Märkte‘ braucht das Kapital ggf. Regierungen, die bereit sind möglichst viele ‚öffentliche Einrichtungen‘ zu ‚privatisieren‘, ob nun Verkehrsmittel, Bildungseinrichtungen oder Krankenhäuser. Es muss nur ’sichergestellt‘ werden, dass das was man da haben ist, nur als Eigentum ‚legal erworben‘ werden kann. Das geht so wie bei ‚Trinkwasser‘ oder ‚Blumenerde‘ oder ‚Abfallrecycling‘ oder ‚Wellness‘ als moderne Form von ‚Gesundheitsdienstleistung‘.

    Ob und in welcher Form die Leute dabei fürs Kapital ‚nützlich‘ sind und wie es ihnen dabei ergehen mag, ist eine ganz andere Frage. Prinzipiell wäre industrielle Produktion auch mit einer ‚postfordistischen‘ Form von ‚Neosklaverei‘ denkbar, wenn’s mit der künstlichen Verbilligung der Löhne mal nicht mehr so ‚hinhauen‘ sollte. Daran müssten die Regierungen ideologisch noch ein bischen ‚werkeln‘, aber die Propaganda-Abteilungen sind ja intensiv dabei, neben ‚Feindbildern‘ ständig neue Szenarien zu kreieren und bestehende noch mehr ‚auszuschmücken‘, um ‚unternehmerische Initiative‘ zu forcieren, wo die ‚öffentliche Hand‘ ziemlich ‚überfordert‘ ist.

  11. 11 Hinweis: 07. April 2008 um 11:36 Uhr

    Die Marx-Engels-Stiftung lädt ein zur Konferenz:

    China im Aufbruch – wohin?

    Marburg
    12./13. April 2008

    Samstag, 11.00 Uhr bis 18.30 Uhr – Sonntag, 10.00 Uhr bis 14.30 Uhr

    Nicht erst die jüngsten Unruhen in Tibet – deren „Timing“, wenige Monate vor den Olympischen Spielen in Peking, kaum Zufall sein dürfte –, verleihen der Frage nach den Perspektiven des Landes, in dem über ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt, höchste Aktualität. In den letzten Jahrzehnten hat China einen stürmischen ökonomischen Aufschwung genommen. In China produzierte Waren sind auf allen Märkten der Welt präsent; gleichzeitig macht die insgesamt gestiegene Kaufkraft der chinesischen Bevölkerung China zu einem der interessantesten Absatzmärkte für die Exportindustrie der kapitalistischen Metropolen.
    Aber Wirtschaftswachstum und sozialer Fortschritt gehen, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, nicht unbedingt Hand in Hand. Was in letzter Zeit etwa über brutale Arbeitsbedingungen in chinesischen Ziegeleien und Bergwerken, über dramatische Umweltschäden im „Land der Mitte“ zu lesen war – sind das von der westlichen Propaganda hochgespielte Einzelfälle, oder ist das symptomatisch für die soziale Schieflage einer ganzen Gesellschaft?
    Wohin geht die von einer kommunistischen Partei regierte Volksrepublik China? Zur Beantwortung dieser Frage soll diese Tagung beitragen.

    Die ReferentInnen und ihre Themen:

    Manfred Szameitat, Frankfurt a.M.: Besonderheiten des chinesischen Kapitalismus
    Prof. Dr. Helmut Peters, Berlin: VR China: 30 Jahre Reform- und Öffnungspolitik
    Prof. Dr. Theodor Bergmann, Stuttgart: Vergleich der Entwicklungsstrategien China – Indien
    Dr. Matin Baraki, Marburg: Die Afghanistanpolitik der VR China
    Ulrike Eifler, M.A., Marburg: Klassenkämpfe in China

    Rolf Berthold (ehem. Botschafter der DDR in der VR China), Berlin: Ergebnisse des 17. Parteitags der KP Chinas
    Wolfgang Pomrehn, Berlin: Umweltprobleme in China
    Prof. Dr. Manfred Lauermann, Hannover: Kulturrevolution nach 40 Jahren: Gibt es Kontinuitäten?

    R. Berthold und H. Peters werden im Rahmen ihrer Beiträge auch auf die Entwicklung in und um Tibet eingehen. Es besteht Gelegenheit zu ausführlicher Diskussion.

    Download der Ankündigung als PDF: China im Aufbruch – wohin?

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