Hetero-Maskuline Wunschträume: Sie will Sex!

Mit den Frauen, das ist alles ganz einfach. Findet zumindest Web.de, in Zusammenarbeit mit der auch in alternativen WG-Zimmern immer wieder angetroffenen Men’s Healths, und berichtet über die „klammheimlichen Gesten“, mit denen „uns die Frauen schon im Voraus mit(teilen), wie der Abend enden soll.“ Und präsentiert uns schließlich ganz stolz die neue Folge aus: „Todsichere Sex-Signale“.

Wenn die Frau beispielsweise eine Zahnbürste mitbringt, „will sie auch bei Ihnen übernachten. Und weiß natürlich, was ihr da blüht.“ Also merke: Wenn sie auch nur mit dem Gedanken spielt, bei einem Typen zu übernachten, dann ist alles erlaubt. Denn sie „weiß natürlich, was ihr da blüht.“ Wie – Vergewaltigung? Quatsch! Sie hatte doch ’ne Zahnbürste dabei. Logik, ick hör‘ dir trappsen…

Ein anderes und nicht weniger trügerisches Zeichen ist der Tanz:

„Es gibt ein Naturgesetz bei Frauen, und das heißt: Tanzen ist die vertikale Form einer horizontalen Beschäftigung. Im Klartext: Wenn Sie eine Frau antanzt, mit kreisenden Hüften, hochgereckten Armen, und Ihnen dabei ihren Unterkörper entgegenschiebt, will sie Sex, und zwar zack, zack.“

Genau. Frauen, die sich beim Tanzen der Musik hingeben sind Freiwild. So wollte es der sexgeile, männliche Partylöwe schon immer haben. Wenn er ihr dann wahlweise an den Po grabscht oder ihr andersweitig zu nahe kommt, dann kann das gar kein Übergriff sein. Sie hat es ihm schließlich angeboten, sie hat doch getanzt. Merke: „Es liegt an Ihnen, die Offerte anzunehmen.“ Ganz im Gegenteil dazu könnte es sich geradezu als Fehler herausstellen, wenn er nicht umgehend und instinktiv handelt: „Warten Sie aber nicht zu lange, tanzen ist anstrengend und am Ende ist sie müde und durchgeschwitzt.“

Aber nicht nur in der Disco kann mann sich problemlos Frauen aufreißen. Auch beim netten Dinnerabend ist das möglich:

„Da sitzen Sie im Restaurant zusammen, und wann immer Sie das Thema Sex streifen, glüht ein üppiges Kirschrot unter dem Make-up hervor. Diese Frau gehört zu jenen Exemplaren, die Persönliches nicht abstrahieren können.“

Vielleicht kann sie wirklich nicht abstrahieren und kriegt es mit der Angst zu tun, das der Typ ihr gegenüber die ganze Zeit über Sex redet, wird deshalb rot und wundert sich, das er gar nicht damit aufhören will. Denn schließlich weiß er: „Die bloße Erwähnung des Beischlafs ist für sie in Ihrer Nähe nicht anders als der Vollzug. Flüstern und tuscheln Sie einfach weiter, gleich ist sie weich gekocht.“

Ein ganz deutliches Zeichen ist grundsätzlich darin zu sehen, das die Frau versucht, einfach nur eine bequeme Haltung einzunehmen. Etwa wenn sie keinen Bock hat, den ganzen abend die Schuhe anzubehalten: „Sollte die Dame des Abends jetzt lässig ihre Schuhe von den Füßen kicken, zeigt sie das verräterischste aller Signale für Kopulationsbereitschaft.“ Das ist ganz logisch, „denn normalerweise und bekanntermaßen ziehen Frauen ihre Schuhe in fremden Umgebungen nicht aus“. Wie uns allen ja schon lange klar ist.

Letztlich muss sie aber nicht mal die Schuhe ausziehen, rot werden oder eine Zahnbürste dabeihaben. Es reicht schon, wenn sie überhaupt mit ihm redet:

„Sex ist Nähe. Und bevor eine Frau Sie an sich heran lässt, stellt sie diese Nähe schon mal im Kopf her. Reden ist Vorspiel – und das Auswahlkriterium schlechthin, der verbalisierte Geschlechtsakt sozusagen. ( … ) Bedeutet: Wenn eine Frau Sie zulabert, besteht die Chance, dass Sie sie später noch stöhnen hören.

Wir lernen also: wenn Frauen mit Männern reden, wollen sie Sex. Was auch sonst. Frauen wollen ja sowieso immer Sex. Also, fast immer. Zumindest, wenn einer der genannten Tatbestände erfüllt ist. Und so wundert es denn auch nicht, wenn unter diesem Sammelsurium der Rechtfertigung auch der Klassiker auftaucht:

„Gehen Sie mal ruhig davon aus, dass die meisten Frauen lesen können – und dass Ihre Auserwählte weder beim Einkauf noch bei der Wahl des Waschgangs hilflos danebengegriffen hat. Sprich: Sie wusste, was sie da anzieht. Warum also trägt sie diesen Stoffrest, der kaum ihre Brustwarzen bedeckt? Ganz einfach: Sie weiß, nackt zu erscheinen wäre unangebracht. So wählt sie das kleinere Übel und kommt im Minimalistenlook. Klug – denn wer nicht viel anhat, muss auch nicht viel ausziehen.“

Das die Kleidung vielleicht bequem war oder die Frau sich darin einfach wohlfühlt ist dann ziemlich egal: wer sich so anzieht, muss es doch gewollt haben. Selber schuld. Soll sich mal nicht beschweren. Dasselbe wie für knappe Kleidung gilt auch für betrunkene Frauen. Wenn sie betrunken sind, so lernen wir, wollen sie nur das eine: mal richtig rangenommen werden.

„n Gegenwart eines Mannes sturzbetrunken die Kontrolle zu verlieren – das ist der Alptraum aller Frauen. Deshalb gestatten sich die meisten Alkohol nur in kleinen Dosen. Wenn Ihre Abendbegleitung nun aber Likörchen und Prosecco in Lichtgeschwindigkeit vernichtet, dann braucht sie Mut. Ein wenig betütelt lassen sich nämlich Mutterns Einwände gegen eine flotte Nummer besser verdrängen. Schluckt sie schlagartig größere Mengen, ist auf jeden Fall was im Busch.“

Ich kann mir nicht helfen, aber das klingt alles ein wenig nach einer Aufforderung zur Vergewaltigung. Nehmen wir etwa dieses Schmankerl:

„Ihre Auserwählte kaut an den rot lackierten Fingernägeln, legt die Beine übereinander, um sie kurz danach mit nach vorn geschobener Brust wieder leicht zu spreizen. Wenn Sie jetzt nicht merken, was Sache ist, lassen Sie sich besser begraben: Diese Frau will Sex, ihr ganzer Körper sagt es laut und deutlich. Zeigen Sie auf der Stelle Initiative, denn nur selten funktioniert das so risikolos wie jetzt.“

Wenn sich eine Frau also so verhält – egal was sie sich dabei denkt dann heißt es „auf der Stelle“ aktiv zu werden, „zackzack“. Die Sprache, die Auswahl der Beispiele, die direkte Aufforderung zum Handeln, die Versicherung, die Situation sei völlig eindeutig und könne gar nicht anders interpretiert werden – alles das liegt schon ein ganzes Stück hinter dem normalen Wahnsinn, der ja auch schon schlimm genug ist. Geht sie häufig auf Toilettte will sie Sex – keine Rede von schwacher Blase oder der Möglichkeit, das sie einfach mal einen Moment Ruhe haben will vor dem Idioten am anderen Ende des Tisches.

Diese Objektivierung des weiblichen als willenloses Sexobjekt scheint mir derzeit Konjunktur zu haben. Und passt auch sehr schön zu der Behauptung, es gäbe sowieso kein Patriarchat mehr, Männer und Frauen seien Gleichberechtigt und FeministInnnen ohnehin nur wahlweise prüde Tanten die keinen abgekriegt haben oder böse Herrscherinnen, die Männer gerne unterdrücken wollen. Das kann der Mann natürlich nicht auf sich sitzen lassen, muss wieder die Aktion übernehmen. Deshalb bekämpft er den Feminismus und interpretiert jegliches Verhalten der Frau als Aufforderung zum hemmungslosen Beischlaf. Harte Zeiten erfordern harte Ideologien und so lässt das männliche, weiße und westliche Zivilisationssubjekt noch das letzte bisschen Anstand fallen, das ihm die Frauenbewegung einst so mühsam abgerungen hat.


2 Antworten auf “Hetero-Maskuline Wunschträume: Sie will Sex!”


  1. 1 nachdenklich 29. Juli 2007 um 16:48 Uhr

    Männer, die blöd genug sind, diesen Tipps auf web.de zu folgen, werden evtl. frustriert sein, wenn sie versuchen das in die Praxis umzusetzen. Oh, jetzt wird einiges klar…

  2. 2 trep 29. Juli 2007 um 18:14 Uhr

    „Ich kann mir nicht helfen, aber das klingt alles ein
    wenig nach einer Aufforderung zur Vergewaltigung.“

    „Ich kann mir nicht helfen“, „ein wenig“… alles
    Abschwächungsfloskeln die darauf hinweisen,
    dass du dir das nichtmal selbst wirklich abnimmst.

    Klar ist der Text sexistische Scheisse; beim
    kritisieren sollte man trotzdem bei dem
    bleiben was da steht.

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