Argumentationshilfe für Vergewaltiger

Das Männer bei Frauen Grenzen überschreiten, das es zu sexuellen Übergriffen oder gar Vergewaltigungen kommt, soll nach immer wieder gehörten Äußerungen nicht etwa an den Männern liegen, sondern an den Frauen. Das gilt für die flotten Anmachtipps auf im Web.de-Magazin ebenso wie für Wagner, der für Bild immer mal wieder Briefe an alles und jeden schreibt. Zum Beispiel auch an Marco W.. Und weil das so symptomatisch ist, möchte ich es auch in voller länge zitieren:

„Lieber Marco, zzt. in türkischer Haft,
Du bist 17, Schüler aus Uelzen in Niedersachsen. Was hast Du getan, das Dich zum U-Häftling macht? Du hast ein Mädchen geküsst, das Du unter der Sonne von Antalya, Türkei, kennen gelernt hast. Glücklich vom Strand seid ihr ins Hotel – und habt zum ersten Mal von Intimitäten gekostet.
Sie sei 15, hat sie gelogen, sie ist 13. An einem Kuss ist nichts Abscheuliches – abscheulich sind die 5, 10 Sekunden danach, wo Du als Junge deinen Verstand verlierst, dem Mädchen etwas antust, was sie will und nicht will. Das ist Dein Verbrechen.
Tausende und Abertausende junge Menschen begehen diese Verbrechen jede Nacht. Sie küssen, tanzen und lassen nichts anbrennen. Du bist der erste Junge, der im Gefängnis sitzt, weil er die Frauen nicht versteht.
Wenn sie ja sagen, meinen sie nein. Und wenn sie nein sagen, meinen sie ja. Das, mein Lieber, kannst Du mit 17 nicht wissen – das kannst Du erst wissen, wenn Du so alt bist wie ich.
Herzlichst
Dein F. J. Wagner“

Da ließe sich einiges zu schreiben. Vieles davon – und das durchaus treffend – können wir bei Girlsetfire nachlesen:

„hätte sich franz josef wagner – schon der name läßt böses erahnen – zum ziel gesetzt, nahezu jede täterschutzstrategie, jeden täterschutzmythos zu bedienen, viel wäre dem o.g. nicht mehr hinzuzufügen. geht es nach wagner, ist der fall sonnenklar: die betroffene ist schuld. schließlich habe sie gelogen. und eigentlich habe sie es ja auch gewollt. immerhin habe sie ja “nein” gesagt. in wagners logik und in der logik einer patriarchalen und heterosexistischen gesellschaft gehört dies schließlich zum “eroberungsspiel” männlicher sexualität, die die frau als “passive beute”, den mann als “aktiven eroberer” vorstellt. und überhaupt hat wagner verständnis, der junge sei schließlich “opfer” seines triebs.
zynisch aber zutreffend könnte sein kommentar so auch heißen: “argumentationshilfe für vergewaltiger”.

dem entgegenzuhalten bleibt: es geht nicht nach wagner. keine betroffene sexueller gewalt ist “schuld” oder “verantwortlich”. das ist allein der täter. und marco mußte wissen was “nein” bedeutet. nein heißt nein!“


1 Antwort auf “Argumentationshilfe für Vergewaltiger”


  1. 1 unkultur 05. August 2007 um 12:10 Uhr

    Diese Geschichte ohne Quellenangaben aufwären, also tzz tzz tzz. Hier entlang zur Strafanzeige gegen BILD: http://www.konkret-magazin.de/kvv/txt.php?text=a4

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.