Das Ganze

Vom 7.-9. Dezember 2007 findet in Frankfurt der Ums-Ganze-Kongress „No Way Out“ statt. Anhand der Theorieströmungen des (Post-)Operaismus und der Wertkritik sollen die grundsätzlichen Bedingungen, Grenzen und Herausforderungen für emanzipatorische soziale Bewegungen im 21. Jahrhundert diskutiert werden. Das klingt sehr spannend und lässt auf ein ereignisreiches Wochenende hoffen.

Einzig verwundernd stimmt die Einschätzung der OrganisatorInnen, das sie als „das grundsätzliche Ziel“ der Linken „die Überwindung des Kapitalismus“ ausmachen. Die Benennung dieser abstrakten Vokabel allerdings würde noch nichts darüber aussagen, was die je Einzelnen unter „Kapitalismus“ verstehen und wie die „politischen Subjekte“ eingeschätzt würden. Letztere Einschätzung ist sicherlich richtig, nur dachte ich bislang immer, es ginge hier „Ums Ganze“. Wer also etwa das Patriarchat nicht zu einem gegebenenfalls nach der Revolution abzuhandelnden Nebenwiderspruch machen möchte, kommt um eine Benennung an prominenter Stelle nicht herum.

Die allerdings fehlt im Aufruf – und nicht nur da. Auch die vorläufige ReferentInnen-Liste liest sich sehr stark um die Themen „Staat“ und „Kapital“ herumkonzipiert. Entsprechend sind bislang auch erst zwei ReferentInnen benannt, nämlich einerseits Sonja Buckel und andererseits Nadja Rakowitz. Die erstere hat bislang vor allem als kritische Staatstheoretikerin von sich hören gemacht, die zweite gilt nicht zuletzt durch ihr Buch „Einfache Warenproduktion“ als ausgemachte Expertin der „Kritik der politischen Ökonomie“. Nun bleibt zu hoffen, das die Liste erweitert und das Themenspektrum tatsächlich „Aufs Ganze“ gerichtet wird. Wie dem auch sei: Wir sehen uns in Frankfurt.


10 Antworten auf “Das Ganze”


  1. 1 emanzipationoderbarbarei 09. September 2007 um 11:51 Uhr
  2. 2 double f 10. September 2007 um 13:09 Uhr

    Ist mein letzter Kommentar, den ich versehentlich im falschen Beitrag gepostet habe komplett verschütt gegangen oder gibt es den noch?

  3. 3 emanzipationoderbarbarei 10. September 2007 um 16:10 Uhr

    @double f

    hab ihn dir per mail zugeschickt. das kommt davon, wenn mensch die falschen mail-addys angibt ,-)

  4. 4 double f 10. September 2007 um 20:14 Uhr

    Die Adresse stimmt, danke.
    Also auf ein neues.

    double f schrieb:
    @ E.o.B. Der Vorwurf des Hauptwiderspruchsdenkens ist falsch. Bei genauem Hinsehen fällt auf, dass es um die Annäherung an, in der radikalen Linken, verbreitete Theorierichtungen geht; besonders im Hinblick auf die Proteste gegen den G8-Gipfel. Es wird nicht der Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Aber es ist nötig, erst einmal die Grundzüge der verschiedenen Theorien zu verstehen, bevor sie in ihrer ganzen Komplexität begriffen werden können. Und schließlich gehst ja auch Du von einer kapitalistischen Gesellschaft aus. D.h. dass das moderne Patriarchat nicht verstanden werden kann, ohne einen kritischen Begriff vom Kapitalismus zu haben. Es sei denn es wird von einem tripple-oppression-Ansatz ausgegangen, in dem Kapitalismus, Patriarchat und Rassismus irgendwie unvermittelt nebeneinander stehen.

  5. 5 double f 13. September 2007 um 11:39 Uhr

    Ach ja, hatte ich vergessen:
    Die Exiterklärung ist ja wohl richtig schlecht.
    Klingt als ob sie einfach beleidgt sind, dass sie sich mit ihren Vorstellungen da nicht durchsetzen konnten.

  6. 6 emanzipationoderbarbarei 15. September 2007 um 15:44 Uhr

    @doublef

    Also ich finde schon, das die Formulierung „Ums Ganze“ schon einen gewissen anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Bezeichnend ist dann wohl aber doch, das es erst einmal darum gehen soll die „Grundzüge“ zu verstehen, um dann hinterher mit den Feinheiten zu kommen. Etwa, weil „das moderne Patriarchat nicht verstanden werden kann, ohne einen kritischen Begriff vom Kapitalismus zu haben.“. Was dann aber eben auch umgekehrt gilt: auch der Kapitalismus kann nicht verstanden werden, solange es keinen Vernünftigen Begriff vom Patriarchat gibt. Gerade, wenn modernes Patriarchat und Kapitalismus in ihrem grundsätzlichen aufeinanderverwiesensein analysiert werden soll, müssen beide ihren ihren platz haben. alles andere würde sogar noch hinter die besagt triple-opression zurückfallen, bei der das patriarchat zwar nur relativ begriffslos dazu-addiert wird, aber immerhin auftaucht. wenn wir die (berechtigte) kritik an der triple-opression jetzt dazu nutzen wollen, gleich den ganzen feminismus zu erledigen, dann hieße das doch wohl, das kind mit dem bade auszuschütten…

  7. 7 double f 15. September 2007 um 23:52 Uhr

    Ich finde, dass sich die Schwerpunktsetzung erklärt, wenn man den Kontext betrachtet, in dem das Ums-Ganze-Bündnis (die G8-Proteste) erstmals aufgetreten ist und der auch für den Kongress ja noch von Bedeutung ist. Es werden zwei Theorieströmungen aufgegriffen und beleuchtet, die sich in der radikalen Linken mehr oder weniger großer Popularität erfreuen und die gerade in der Debatte um solche Massenproteste wie in Rostock große Bedeutung hatten.
    Und wo habe ich denn den Feminismus verworfen? Und trotz aller vermeintlichen Wortwitze: Wenn du davon ausgehst, dass Kapitalismus und Patriarchat zusammenhängen, dann ist es nötig, einen Begriff davon zu haben. Und es reicht nicht, dass „beide (irgendwie) ihren Platz haben“, sondern es muss ein hinreichendes Verständnis von der Theorie vorhanden sein, um verstehen zu können wie sich das Verhältnis zwischen beiden gestaltet. Ansonsten wäre „das Ganze“ nur die unbegriffene Summe aller vermeintlichen Einzelwidersprüche, deren bloßes Aufzählen ausreichen würde um eine adäquate theoretische Kritik zu formulieren. Aber wie soll z.B. jemand das Wertabspaltungstheorem von Roswita Scholz verstehen können, ohne zu wissen was Wert und Wertkritik ist.
    btw. belegt doch gerade die Anfrage an die Exitleute, dass sich die Veranstalter die Themenauswahl nicht beschränken wollten.

  8. 8 double f 16. September 2007 um 0:00 Uhr

    Es sollte „vermeintliche Einzelwidersprüche“ heißen

  9. 9 emanzipationoderbarbarei 16. September 2007 um 13:37 Uhr

    @doublef

    aber wie willst du ernsthaft verstehen, was der wert ist, wenn du nicht weißt, wie er sich zu seiner abgespaltenen seite verhällt? entweder, beides geht nicht ohne einander – oder es wird begrifflos nebeneinandergestellt. und letzteres – würde ich glauben – tust du faktisch (auch wenn du das sicherlich nicht implizierst)

  10. 10 double f 16. September 2007 um 15:30 Uhr

    Glauben ist was schönes, nur belegen solltest Du es auch können. Den Vorwurf des Nebenwiderspruchs hast Du jedenfalls nirgends inhaltlich begründet, sondern nur durch die unbestimmte Formulierung „ich glaube“ unterlegt. Alleine mit der „Benennung an prominenter Stelle“ in einem Ankündigungstext ist übrigens noch gar nichts über den Inhalt ausgesagt, es sei denn dir geht es einfach nur um namedropping von Unterdrückungs-verhältnissen. Mit einer theoretischen Erfassung hat das jedenfalls noch nichts zu tun.
    Übrigens die abgespaltene Seite von was soll denn verstanden werden?
    Ich gehe davon aus, dass der Zusammenhang von Kapitalismus und Patriarchat über die Kapitalismuskritik theoretisch eingeholt werden kann. Und dafür brauche ich zuerst einmal ein theoretisches Grundverständnis, was aber eine Beschäftigung mit dem Patriarchat– auch an einer zentralen Stelle– gar nicht ausschließt, dass behauptest nur Du. Der umgekehrte Weg (über „rein“ feministische Theorien den Kapitalismus theoretisch einholen) führt aber m.E. zu begrifflichen Verwirrungen. Bleiben wir doch bei der Wertabspaltungstheorie. Nehmen wir ferner den Begriff der produktiven Arbeit. Handelt es sich bei Marx um einen analytischen Begriff, wurde er in der feministischen Debatte primär normativ benutzt. (Stichwort Anerkennung von Hausarbeit)

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