Arbeit macht krank

Arbeit macht krank. Das ist nichts neues, sollte aber immer wieder festgestellt werden (wie das die Zeit gerade wieder getan hat):

„In der aktuellen Statistik der Rentenversicherer sind seelische Krankheiten die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit: Für 27 Prozent der männlichen und 38 Prozent der weiblichen Frührentner war dies der Grund, aufzuhören. Und Auslöser ist immer öfter die Arbeit selbst.“

Die Ursache für diese Zahlen, die scheinbar wohl auch einen entsprechenden Trend angeben, wird in den veränderten Arbeitsbedingungen im Postfordismus gesehen:

„Der Wandel in der Arbeitswelt wird für viele zur Belastung: Ständig erreichbar zu sein, ob per E-Mail und Mobiltelefon, lässt die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen. Auf den weltweiten Märkten ist der Konkurrenzdruck groß – für die Unternehmen, aber auch für die Arbeitnehmer. Zwischen 1997 und 2004 ist der Krankenstand laut einer Statistik der Deutschen Angestellten Krankenkasse stetig gesunken, die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Probleme aber um 70 Prozent gestiegen. Bei anderen Krankenkassen zeigt sich ein ähnliches Bild.“

Darüber hinaus möchte die Zeit auch noch Existenzangst als Ursache ausmachen, weshalb gerade in von Übernahmen oder Privatisierungen bedrohten bereichen die Krankheitsfälle besonders häufig seien. Darüber hinaus wird auf ein Theorem aufmerksam gemacht, das unter dem Titel „Gratifikationskrise“ firmiert:

„Schädlicher Stress entstehe vor allem dann, wenn hohe Verausgabung mit geringen Belohnungschancen verbunden sei. ( … ) Auslöser solcher Krisen ist oft schlechte Mitarbeiterführung. Denn manchmal könnte ein anerkennendes Wort Wunder tun, wenn es denn ernst gemeint ist: In Umfragen waren Angestellte trotz guter Gehälter mit ihren Jobs unzufrieden, weil sie sich von den Chefs nicht gesehen fühlten. Umgekehrt kann Lob schlechten Lohn zumindest eine Zeitlang vergessen machen. Wissenschaftler halten die ideelle Wertschätzung deshalb für mindestens so wichtig wie finanzielle Anerkennung.“

Das erscheint mir in zweierlei Hinsicht interessant: einerseits wird hier (wie so oft) monetäre Kosten des Unternehmens durch liebevolles Betriebsklima und das Aussprechen von Anerkennung zu ersetzen. So wird die Kostenstruktur des Unternehmens entlastet und die Mitarbeiterin bleibt trotzdem am Start. Andererseits zeigt sich hier, das der Zusammenhang von Arbeit (Leistung) und Entlohnung (Geld) immer bröckeliger wird. Auf einer ideellen Ebene ließe sich so die neue, warmherzige Gratifikationsstrategie als Versuch beschreiben, die Krise des Leistungsprinzips zu kitten – und es dadurch vermutlich letztlich auch zu verändern. Aber dazu wären wohl tiefergehende Untersuchungen notwendig…


1 Antwort auf “Arbeit macht krank”


  1. 1 Roland Fruehwirth 16. November 2008 um 0:30 Uhr

    Die Abschaffung der Arbeit von Bob Black 8 DIN A4 Seiten möchte ich wärmstens empfehlen.
    MFG
    Roland

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