Warum Freitod?

Fragen sich wohl einige? Hier ist die Antwort, aus einem Brief des alternden Sozialphilosophen an seine Frau:

Soeben bist Du 82 geworden. Und immer noch bist Du schön, anmutig und begehrenswert. Seit 58 Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe dich mehr denn je. Kürzlich habe ich mich von neuem in Dich verliebt, und wieder trage ich in meiner Brust diese zehrende Leere, die einzig die Wärme Deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag.

Nachts sehe ich manchmal die Gestalt eines Mannes, der auf einer leeren Straße in einer öden Landschaft hinter einem Leichenwagen hergeht. Dieser Mann bin ich. Und Du bist es, die der Leichenwagen wegbringt. Ich will nicht bei Deiner Einäscherung dabeisein; ich will kein Gefäß mit Deiner Asche erhalten. Ich höre die Stimme von Kathleen Ferrier, die singt: „die Welt ist leer, ich will nicht leben mehr“, und ich wache auf. Ich lausche auf Deinen Atem, meine Hand berührt dich. Jeder von uns möchte den anderen nicht überleben müssen. Oft haben wir uns gesagt, dass wir, sollten wir wundersamerweise ein zweites Leben haben, es zusammen verbringen möchten.André Gorz: Brief an B.


3 Antworten auf “Warum Freitod?”


  1. 1 gk 27. September 2007 um 3:14 Uhr

    Ich glaube, hier trifft es die Begrifflichkeit Freitod.

  2. 2 emanzipationoderbarbarei 30. September 2007 um 15:38 Uhr

    das stimmt, ich war mal so frei das zu ändern :)

  3. 3 der werther-effekt 03. Oktober 2007 um 17:17 Uhr

    … wäre etwas, was mir hierbei in den sinn kommt.
    und irgendwie verlockend klingt.
    auch, wenn es furchtbar kitschig ist.

    aber dafür hat man ja kundera ;)

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