Männer in die Pflicht?

Eine spannende und sehr lesenswerte Neuerscheinung zur Subjektivität popkultureller Feministinnen (oder so ähnlich) hat mich auf diese mittlerweile schon etwas ältere Schlagzeile hingewiesen:

Der Schering-Käufer Bayer wird die Forschung an der „Pille für den Mann“ einstellen. Der gesamte Bereich Andrologie („Männerkunde“), an dem der Hormonspezialist Schering viele Jahre gearbeitet hatte, taucht in der neuen Forschungsstrategie von Bayer Schering Pharma nicht mehr auf. ( … )

„Wir werden die Forschung an der ,Pille für den Mann‘ nicht weiterverfolgen“, sagte Denise Rennmann, Sprecherin von Bayer Schering Pharma, der früheren Schering AG. Gründe nannte sie nicht. ( … )

An der „Pille für den Mann“ hatte Schering jahrelang zusammen mit dem niederländischen Unternehmen Organon geforscht. Nach dem Abschluss einer großen Studie im vergangenen September hatten beide aber angekündigt, künftig getrennt weiterzuarbeiten. „Die männliche Fertilitätskontrolle bleibt ein wichtiges Forschungsgebiet“, hatte Schering damals noch versichert.

„Männliche Fertillitätskontrolle“, das meint, das sich vielleicht auch mal die Typen darum kümmern könnten, das lustvolle, heterosexuelle Sexualität ohne Risiko und ungewollte Folgen möglich ist. Wobei „ohne Folgen“ sicherlich eine eher relative Kategorie ist. Schließlich ist es nicht gerade besonders gesund, wenn frau sich Tag für Tag den Körper mit Hormonen vollpumpt.

Insofern wäre „männliche Fertilitätskontrolle“ durchaus ein Beitrag zum Aufbrechen des ja nun doch recht unschönen Zustandes, das noch immer und in erster Linie Frauen für die Verhütung zuständig sind, das größere Risiko tragen und im Zweifelsfall auch krasser angeschmiert sind, wenn die Sache nicht so funzt wie geplant.

Daran allerdings haben Männer eher weniger Interesse. Das zumindest scheint die Einschätzung von Bayer gewesen zu sein:

Doch während Frauen tatsächlich zur Tablette greifen können, ist die Sache bei Männern ungleich komplizierter. Denn de „Pille“ ist eigentlich ein Kombinationspräparat aus dem männlichen Sexualhormon Testosteron, das alle drei Monate per Spritze verabreicht werden muss, und einem Implantat.

Nun ist weiterhin unklar, warum es für das Männlein zu anspruchsvoll sein soll, alle drei Monate den verehrten Hintern in die Arztpraxis zu bewegen, während es gleichzeitig kein Problem für die Frau sein soll, sich da ihr Rezept abzuholen – um sich dann tagtäglich eine Tablette einzuwerfen. Für das Männlein jedenfalls muss das eine einigermaßen unvorstellbare Drangsalierung sein, so das sich Bayer eben entschlossen hat, auf die investierten Forschungsgelder zu verzichten und ganz betriebswirtschaftlich das Patriarchat weiter Patriarchat sein zu lassen.

Wie viel Geld Schering in die Männer-Forschung gesteckt hat, ist nicht bekannt. Auch Umsatzerwartungen waren nie veröffentlicht worden. Selbst wenn das Produkt auf den Markt kommen sollte, sei nicht klar, ob Männer es akzeptierten, hatte Schering eingeräumt.

Soviel dazu.


10 Antworten auf “Männer in die Pflicht?”


  1. 1 soso 01. November 2007 um 14:45 Uhr

    Fachlich unter aller Sau. Mehr kann man dazu nicht sagen.

    Bedarf ist da, das sagen sehr viele Studien, und Finanziell wesentlich interessanter als ein Mittel gegen Aids.

    Das Problem mit der Bisherigen Forschung sind neben der teuren Herstellung, der Unsicherheit (34%), und des doch recht umstädnlichen Verabreichung (Aufwand von 2 Verhütungsmehtoden [Implantat und die 3-Monatssprizte sind für Frauen jeweils eine Funktionierende Verhütung]) sind die nicht kontrollierbaren Nebenwirkungen.

    Verhütung für den Mann ist nicht tot, nur dieser Ansatz definitiv schon, wer würde sich schon mit einem Medikament schützen mit der Wirksamkeit von heiß baden, den Nebenwirkungen einer Chemotherapie?

    Da ist das altbekannte Kondom aus vielen Gründen die bessere Lösung bzw die Sterilisation da diese
    A) Kostengünstiger (1× 300€) und
    B) zuverlässiger
    C) gesünder
    D) mit einer größeren Wahrscheinlichkeit wieder rückgängig machbar (siehe Impotenz bei den Probanden)

  2. 2 Juli 02. November 2007 um 11:28 Uhr

    Soso…

    bei der Unsicherheit hätte ich jetzt gedacht, das läge daran, das noch nicht genug geforscht worden wäre. Und das mit den unkontrollierbaren Nebenwirkungen – gilt das nicht letztlich auch ein gutes Stück weit für die Pille?

    Worum es hier ging, war aber jedenfalls weniger das Interesse, die „Pille für den Mann“ als Superneuheit anzupreisen, sondern eher, die Frage aufzuwerfen, ob das einstellen der Forschung nicht doch tiefergehende Gründe hat als die behaupteten medizinischen…

  3. 3 soso 02. November 2007 um 13:12 Uhr

    Die Nebenwirkungen werden unkontrollierbarer umso mehr verschiedene Hormone kombiniert werden. Die Pille für die Frau ist sicher auch bis zu einem gewissen Grad unkalkulierbar v.a. die Östrogen haltigen Präparate.

    Das steht aber in keinem Vergleich zu diesem Ansatz.

    Es gab (gibt?) einen Forschungsansatz der auf dem „Geruchsinn“ von Spermien aufbaut, und wenn es klappt, von den Nebenwirkungen wesentlich harmloser als bsp. Gelbkörperhormonpräperate für Frauen währe. Da weiß ich allerdings nicht ob noch in diese Richtung geforscht wird.

    Ob an etwas geforscht wird, hängt natülich davon ab ob es für ein Produkt auch einen Markt gibt, ich denke der ist vorhanden sonst hätte man mit diesen Forschungen sicher nicht begonnen.

    Interessant bei dem Thema ist sicher auch das Verhältnis der höhe von Alimenten und der Anzahl an Sterilisationen in den einzelnen Europäischen Ländern…

  4. 4 tewa 02. November 2007 um 14:24 Uhr

    Na und wo bleiben jetzt die Belege für deine These
    von den andern Gründen?
    Ist die Lieferung solcher für dich als Weib“lein“ denn
    „zu anspruchsvoll“? Oder kriegst du einfach deinen
    „verehrten Hintern“ nicht hoch?

  5. 5 girlsetsfire 03. November 2007 um 1:34 Uhr

    @ tewa

    die anführungszeichen lassen deine ressentiments auch nicht ironischer wirken. der frau die last der empfängnisverhütung zu überlassen, passt einerseits sehr gut zu der zuschreibung und zuweisung reproduktiver (und ich meine nicht nur sexueller) arbeit an frauen, andererseits auch in eine hetero-patriarchale weltsicht, die die männliche sexualität als aktiv konstruiert. zu dieser vorstellung von aktivität gehört dann auch die vorstellung von dauerhafter sexueller potenz und zeugungsfähigkeit, die diesem männlichkeitskonstrukt eingeschrieben ist. et voilà. dann ist es natürlich für den lieben durchschnittsmacker kaum zumutbar selbst für die verhütung ungewollten nachwuchses zu sorgen. schließlich würde das mit der dominanten vorstellung einer dominanten männlichkeit kollidieren.
    vermutlich vermuten also schering & co. zurecht und marktrational, daß die „pille für den mann“ kaum käufer fände.

  6. 6 tewa 03. November 2007 um 3:08 Uhr

    In Anführungszeichen sind Zitate aus dem Artikel. Vielleicht
    machts das ja ironischer.

    Also mal 3 Sekunden gegoogelt:
    „New approaches for male fertility control: HE6 as an example of a putative target.
    Gottwald U, Davies B, Fritsch M, Habenicht UF.

    Corporate Business Area Gynecology and Andrology, Schering AG, Berlin, Germany. ulrich.gottwald@schering.de

    Reversible contraceptive methods for males are still not available. During the last few years several marketing studies have clearly shown that men and women would welcome a situation where men could assume responsibility for family planning.“

    Aber wie schon juli hältst auch du dich nicht
    mit Belegen oder einer rudimentären Recherche auf.

  7. 7 tewa 03. November 2007 um 3:09 Uhr
  8. 8 girlsetsfire 03. November 2007 um 14:57 Uhr

    1. marketing studien von schering: wie „objektiv“
    2. julis und meine aussage bezieht sich auf eine patriarchale formation, die a) heute wirkmächtig ist und b) uns eine prognose auf die zukunft stellen läßt.
    3. zwischen männlichen ankündigungen, verantwortung für alles und jenes zu übernehmen, was gesellschaftlich immer noch als „frauensache“ gilt, und der tatsächlichen praxis sind unterschiede von hier bis zum mars.

  9. 9 tewa 03. November 2007 um 17:03 Uhr

    „1. marketing studien von schering: wie “objektiv”“

    Ich weiss überhaupt nicht was man dazu sagen soll…
    Nochmal von vorne…

    Deine Behauptung: „vermutlich vermuten also schering & co. zurecht und marktrational, daß die “pille für den mann” kaum käufer fände.“

    Jetzt bring ich dir ne Studie von Schering die besagt, dass
    sie genau vom Gegenteil ausgehen, aufbauend auf „several“
    Studien (die nicht notwendig von Schering gemacht worden sind)
    die „clearly“ gezeigt haben, dass Frauen und Männer
    es begrüßen würden, wenn Männer Verantwortung übernehmen
    könnten.

    Jetzt sagst du, die Studie wäre nicht objektiv…

    Was sollte objektiver darüber Auskunft geben was Schering
    vermutet, als das was sie Veröffentlichen in zig Artikeln
    und Konferenzen?
    Was denn nu? Bei ihrem „marktrationalen“ Verhalten stützen
    sie sich auf nicht objektive Studien, die das Gegenteil von dem
    besagen von dem sie „marktrational“ ausgehen?
    Aber da steckt bestimmmt ne Scheringsche Verschwörung dahinter.

    Zum Spass nochmal gegoogelt, diesmal ne australische
    Studie:

    „Conclusions:
    MHC appears to be acceptable to a majority of Australian men when surveyed in a postpartum context.“

    Quelle: http://www.mja.com.au/public/issues/176_05_040302/wes10403.html

    „3. zwischen männlichen ankündigungen, verantwortung für alles und jenes zu übernehmen, was gesellschaftlich immer noch als “frauensache” gilt, und der tatsächlichen praxis sind unterschiede von hier bis zum mars.“

    Dieser Winkelzug macht deine Behauptung unwiderlegbar bis
    zu dem Zeitpunkt zu dem es vergleichbare Verhütungsmittel
    für den Mann gibt. Egal was Studien zeigen, die Männer
    tun ja eh was anderes als sie sagen.

    Das passt dann auch zu eurem offenbar geschlossenem Weltbild,
    dessen Diskussion bei euch völlig ohne Belege (die werden
    von mir jetzt schon zum 3. mal gefordert) auskommt.

  10. 10 lustig 08. November 2007 um 21:16 Uhr

    ja ich finds recht einfach täglich ne tablette zu nehmen (hallo wo sind wir denn? was soll an dem akt denn das problem sein…müssen recht viele menschen so oder so…) im vergleich zu einer vermutlichen implantation von einer depoteinrichtung in form einer operation…
    ob so oder so ist die hormonzufuhr erstmal ansich schon ein problem, das ist geschlechtlich irrelevant. im speziellen hängt es dann natürlich vom präperat ab und dessen nebenwirkungen.
    von etwas schlechtem auf etwas noch schlechteres zurückzugreifen weil dies das genderbewusstsein einzelner herren hier aufbessern würde ist rational betrachtet absurd, aber in dem bereich verzagt halt auch mal das rationale…

    girlsetsfire:

    ja eine markteinführungsstudie von schering ist nicht objektiv, aber insgesamt sehr zuverlässig. in eben jener werden risiken und chancen einer markteinführung abgewogen und aufgrund dessen inestitionentscheidungen gefällt. somit ist es recht sinnlos, dass schering behaupten sollte das das alle nehmen würden, wenn es garnicht stimmt und sie so milliarden versenken… kommt immer beim errechnen des jahresabschlusses nicht so gut wenn man sowas verbockt.
    zweifel gegen studien ist ja ansich berechtigt, aber kurz mal drüber nachdenken und den beissreflex zurückzuschrauben hat auch a und zu sinn.

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