Luxus und Muße

‚Luxus für alle‘ ist eine im Spektrum der von mir mal eben so titulierten „Post-Antifa“ durchaus beliebte Forderung. So hat im Januar letzten Jahres in Göttingen sogar eine Party unter diesem Motto stattgefunden und auch das UmsGanze-Bündnis wollte anlässlich der Gegendemonstration zum Opernball hoch hinaus:


„So richtig beispielsweise die Parole „Luxus für Alle!“ nach wie vor als sym­bolische Bestimmung der Per­spektive gegen Verzichtsethik und Arbeitswahn ist, so begrenzt erweist sich ihr kritischer Gehalt an der bürgerlichen Realität. Denn auch Ticketpreise von über 200 Euro, großes Buffet und eine Vielzahl von Mitglie­dern der sogenannten Elite ändern nichts daran, dass der beim Opernball so mühsam zur Schau gestellte Luxus nur einen matten Abglanz des Möglichen darstellt.“

Im Grunde wird also durchaus auf die Parole gesetzt, was lediglich kritisiert wird, ist die Beschränkung auf einen bürgerlich-kapitalistischen Luxusbegriff. ‚Da geht noch mehr‘ ruft die geschulte Antifakämpferin und tritt zu diesem Behuf in den Straßenkampf ein. Und auch die Göttinger Antifa Aktion und Kritik findet anlässlich solcher Demos zumindest grundsätzlich: „Der Parole ‚Luxus für alle‘ ist zuzustimmen“, fügt allerdings hinzu: „insofern sie unter Kommunismus nicht wie der Realsozialismus eine Gemeinschaft fleißig Schaffender versteht, sondern die hedonistischen, prinzipiell schrankenlosen Bedürfnisse der Individuen in den Vordergrund stellt.“

Hier kommen wir dem Problem so langsam auf den Grund: das was hier als Luxuskonsum des hedonistischen, mit prinzipiell schrankenlosen Bedürfnissen ausgestatteten Individuum auftaucht, benötigt immer auch „eine Gemeinschaft fleißig Schaffender“ und ist in diesem Sinnen tatsächlich, wenn auch negativ, an den Horizont kapitalistischer Vergesellschaftung gebunden. Wenn tatsächlich einer Vielzahl von stetig wachsenden Bedürfnissen nachgegangen werden soll – dann müssen die entsprechenden Güter und Dienste auch produziert werden. Trotz aller Negation: wer Luxus fordert, muss auch sagen können, wo der herkommt. Und auch der Verweis auf die möglichen Potentiale technischer Innovationen befriedigt hier nur halb. Denn schließlich bedeutet „Luxus für alle“, das da mehrere Milliarden Menschen noch unterversorgt sind und die Produktion von Jachten, Sportwagen und Großbildmonitoren noch ordentlich angeheitzt werden muss. Was nicht nur für die Umwelt tendenziell den Garaus bedeuten dürfte, sondern auch ein nicht zu unterschätzendes Volumen von tätigem Schaffen voraussetzt – in welcher Form auch immer das dann organisiert sein mag.

Bei Adorno jedenfalls finden wir im 100. Aphorismus in den Minima Moralia einen Zugang, der weder in Enthaltsamkeit noch in unklaren Produktionsnotwendigkeiten endet: „Zart wäre einzig das Gröbste: das keiner mehr hungern soll“. Kein Verweis auf Luxus oder zu befriedigende Bedürfnisvielfalt steht hier im Mittelpunkt, sondern die reflektierende Betrachtung von Notwendigkeiten und Folgen: „Alles andere“, so fährt Adorno fort, „setzt für einen Zustand, der nach menschlichen Bedürfnissen zu bestimmen wäre, ein menschliches Verhalten an, das am Modell der Produktion als Selbstzweck gebildet ist.“

Das gilt im gewissen Sinne auch für die linksradikale Forderung nach „Luxus für alle“. Auch hier wird davon ausgegangen, das die Dinge schon irgendwie produziert werden, wird das gängige und gewohnte „Modell der Produktion als Selbstzweck“ vorausgesetzt. Und so nimmt sich der Hinweis darauf, das keiner mehr hungern solle, doch recht bescheiden aus und würde von gängigen Kampagnen wohl als Verzichtsethik gegeißelt. Adorno aber hält daran fest, das Konsum um des Konsums willen nicht alles sein kann: „Vielleicht wird die wahre Gesellschaft der Entfaltung überdrüssig und läßt aus Freiheit Möglichkeiten ungenutzt, anstatt unter irrem Zwang auf fremde Sterne einzustürmen.“ Entsprechend sah dann auch seine Vision von einer befreiten Gesellschaft aus: „auf dem Wasser liegen und friedlich in den Himmel schauen“ Nicht Luxus, sondern Muße steht hier im Mittelpunkt. Das unterscheidet ihn vom Luxus-Geraune ebenso wie von den grünen VerzichtsethikerInnen, die die Welt durch kollektive Askese bei vermehrtem Arbeitseinsatz retten möchten.

Das allerdings wäre Dialektik, und damit ist es heutzutage bekanntlich nicht mehr allzuweit her


12 Antworten auf “Luxus und Muße”


  1. 1 G8M 10. November 2007 um 18:31 Uhr

    http://gruppe8.mai.myblog.de/gruppe8.mai/art/3647845/_b_Kritik_und_Lob_des_Luxus_b_
    Kritik und Lob des Luxus –
    Überlegungen anlässlich der Mobilisierung gegen den Opernball zu Frankfurt a. M. 2006

  2. 2 Erdnah 11. November 2007 um 21:07 Uhr

    Was verstehst du darunter, dass Bedürfnisse schrankenlos sind? Ich kann max. 2 Brote am Tag futtern, aber keine hundert. Paar Liter wasser, aber keinen Teich. Zwei Radios oder Fernseher brauch ich auch nicht im gleichen Raum… außer ich habe paar Spleens, dann muss man sehen, wie man damit umgehen kann… Vom Geld kann man allerdings nie genug haben…

  3. 3 Juli 11. November 2007 um 23:39 Uhr

    Da frag mal bei den GenossInnen von A&K nach, die haben den Text geschrieben – nicht ich. Ich sage nur, dass die Luxus-Fixierung in Teilen der Linksradikalen letztlich durchaus auf einem solchen Bild aufbaut.

    Und es lässt sich, wenn schon nicht am Beispiel des Brotes, ja durchaus eine Menge an Konsum denken: von High-Tech-Geräten über Transportmittel bis hin zu ausgefallenen Lebensmitteln, die rund um den Globus transportiert werden müssen, geht da einiges.

  4. 4 dauble f 12. November 2007 um 17:26 Uhr

    Die Parole „Luxus für alle (und zwar umsonst)“ lehnt sich an die um 2003 aufgetauchte Parole „Alles für alle und zwar umsonst“ an. Es wird der vorhandene materielle Reichtum an der begrenzten Möglichkeit der Aneignung gemessen und damit auf die Form der Aneignung (Warentausch, Privateigentum etc.) von nützlichen Gegenständen (Gebrauchswerte) verwiesen.
    „Luxus für alle“ unterscheidet sich streng genommen davon nur durch die erwähnte Spitze gegen die Verzichtsethik, die es nicht nur bei der Grünen Partei gibt.
    „Luxus für alle“ ist in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft ein Ding der Unmöglichkeit, weil die Logik der kapitalistischen Produktionsweise notwendigerweise einen großen (immer größeren) Teil von Menschen von der Teilhabemöglichkeit am gesellschaftlichen Reichtum ausschließt. Theoretisch gerät also das Verhältnis von Produktion und Zirkulation in den Blick. Selbstverständlich ist damit noch keine hinreichende und fundierte Kapitalismuskritik geleistet, aber das wäre bei einem Einzeiler auch zu viel verlangt.
    Der Einwand, “eine Gemeinschaft fleißig Schaffender” muss es geben (Fortbestand der kapitalistischen Produktionsweise) geht am Ziel vorbei. Denn „Luxus für alle“ verweist doch genau auf die paradoxe Logik der kapitalistischen Produktion: Arm nicht trotz, sondern wegen Arbeit.
    Die Forderung nach einem guten Leben für alle muss zwangsläufig eine Reflektion und Kritik der kapitalistischen Produktionsweise beinhalten, es sei denn innerhalb der katholischen Soziallehre.
    @ eob: Dein Adornozitat über die Muße geht daneben, weil Du versuchst Adorno als Autorität für ein eine bestimmte ausgepinselte Utopie, ein Zukunftsbild, („am Wasser liegen“) heranziehen möchtest, das geht nicht auf. Der gute Adorno hat übrigens auch mal etwas zur Möglichkeit der Utopie (der befreiten Gesellschaft) gesagt (sinngemäß): Zu sagen, was am aktuellen Stand der Produktionskräfte heute möglich ist, sei eine mögliche Form der Ausmalung dieser Utopie. (Ich weiß nicht genau wann und wo er das gesagt hat. Ich meine es war in einem Gespräch mit Bloch, bin mir aber nicht sicher.)
    Du scheinst dich ja vor allem am Begriff des Luxus und des Hedonismus zu stören. Ganz abgesehen davon, dass ich unter Hedonismus etwas anderes verstehe als „konsumieren und sonst nichts“ (ein ganz lustiger Hip-Hop-Song aus den 90ern) und rund um die Uhr Party machen, habe ich noch ein (relativ genaues) Adorno„zitat“ für dich zum Schluss.
    Auf die Frage, was er denn von Jazz halte antwortete Adorno: Er ziehe ungarische Schnulzen vor, aber das sei seine Privatsache.

  5. 5 fwritings 13. November 2007 um 2:44 Uhr

    Der Kritik an der Parole „Luxus für alle“ kann ich zum Teil zustimmen. Allerdings halte ich die Formulierung, dass „Luxuskonsum“ „immer auch ‚eine Gemeinschaft fleißig Schaffender‘“ (im kapitalistischen Sinne) benötige, für schwierig bzw. schlecht formuliert. Die Selbstverständlichkeit, dass Güter zunächst produziert werden müssen, bevor sie zum Konsum zur Verfügung stehen, bedeutet schließlich nicht, dass die Produktion eine kapitalistische sein muss, also eine, die von einer „Gemeinschaft fleißig Schaffender“ unter den Bedingugen des Marktes verrichtet wird. (Produktion ist ja keineswegs per se kapitalistisch.)
    Die Frage ist schließlich auch, was unter Luxus verstanden wird. Wird unter Luxus oder Hedonismus verstanden, dass mensch möglichst alle kapitalistischen Konsumgüter so konsumieren kann, wie es ihm/ihr beliebt, so läuft dies tatsächlich auf eine Affirmation der kapitalistischen Konsumtionssphäre hinaus. Leider scheint diese Sicht dem Verständnis eines großteils der Hedonismus-Linken zu entsprechen („Koksen, kotzen, Kommunismus“).
    Bini Adamczak hat eine solcherlei verkürzte Kapitalismuskritik im Anhang zu ihrem Buch „KOMMUNISMUS – kleine geschichte, wie endlich alles besser wird“ als „Kapitalismuskritik vom Standpunkt der Konsumptionssphäre“ bezeichnet. Dort schreibt sie:

    „In der Parole ‚Luxus für alle!‘ wird zwar der Ausschluss der Mehrheit der Weltbevölkerung vom gesellschaftlichen Reichtum kritisiert, aber die Formbestimmtheit des Reichtums kommt selbst nicht in die Perspektive der Kritik. Damit werden nicht nur ökologische, gesundheitliche etc. Fragen ausgeblendet, vor allem wird die Konsum-Monade, der Individualismus des Konsums und die Trennung von Konsumtions- und Produktionssphäre, und damit gleichzeitig die Passivität des Konsums und die phallische Macht des Fetischs Ware, übernommen.“ (S. 72)

  6. 6 jan 13. November 2007 um 10:15 Uhr

    Text zu einem ähnlichen Thema:

    JAN HUISKENS: Avantgarde für alle, in: Prodomo, Nr. 5 (2007)

    http://prodomo.50webs.net/5/avantgarde.html

  7. 7 double f 13. November 2007 um 16:47 Uhr

    Warum manche Antideutschen dümmer als die BILD-Zeitung sind.
    Die hat nämlich nach der Operballdemo eine ziemlich treffende Überschrift gefunden:
    „Sie randalierten, weil sie nicht in die Oper durften“.
    Aber von solchen Erkenntnissen ist der Text aus der Prodomo meilenweit entfernt.
    Der Autor kann nur– in unheimlicher Analogie zum GSP-Satzgenerator– auswendig gelernte Begriffe zusammenmischen. Eine genauere Kenntnis des Gegenstandes ist von für ihn nicht mehr nötig. Wie schön doch eine komplett selbstreferentielle Theorie sein kann. Man braucht sich gar nicht mehr mit den konkreten Ereignissen zu befassen. Denn wer braucht schon Argumente oder Erkenntnisse, wenn er Adorno und Pohrt hat.

  8. 8 double f 13. November 2007 um 17:02 Uhr

    @fwritings Bezieht sich die Autorin auch auf „Alles für alle”?
    Wenn nicht, dann scheint es mir mehr darum zu gehen, dass Leute ein Problem mit dem Luxusbegriff, Hedonismus bzw. Proll Parolen im Stil „Koksen, kotzen, Kommunismus” zu haben.
    Lies dazu einfach mal meinen ersten Beitrag. Gerade der Teil wo es um das Auspinseln von Utopien geht scheint mir sehr gut auf viele Linke, diese Diskussion mit eingeschlossen, zu zutreffen.

  9. 9 fwritings 14. November 2007 um 16:59 Uhr

    @doublef:
    Die Parole „Alles für Alle“ wir von Adamczak nicht konkret benannt, was aber daran liegen dürfte, dass sie nur eine Parole herausgegriffen hat, die für sie charakteristisch für das steht, was sie kritisiert. Beide Parolen würden meines Erachtens unter die von ihr kritisierte „Kritik des Kapitalismus vom Standpunkt der Konsumtion“ fallen. Mensch könnte auch sagen das sich die Parole auf die Forderung nach Umverteilung (d.h. die politische Verteilungssphäre) beschränkt, auch wenn das von vielen (etwa der antifa f) wohl nicht so intendiert ist. Adamczak geht es sicher nicht um die Provo-Proll-Attitüde von Parolen wie „Koksen, kotzen, Kommunismus“ oder gar um eine Verzichtsethik. Deshalb geht der Kritik an der „Kapitalismuskritik vom Standpunkt der Konsumtion“ auch eine Kritik an solchen Kapitalismuskritiken voraus, die vom Standpunkt der „Zirkulation“ (den Markt/Tausch affimierend) oder vom Standpunkt der „Produktion“ (Ontologisierung der Arbeit) ausgeht.

    Noch zu ein paar Punkten, aus deinem ersten Commentar:

    >„Luxus für alle“ ist in der bürgerlich-kapitalistischen
    >Gesellschaft ein Ding der Unmöglichkeit, weil die Logik der
    >kapitalistischen Produktionsweise notwendigerweise einen großen
    >(immer größeren) Teil von Menschen von der Teilhabemöglichkeit am
    >gesellschaftlichen Reichtum ausschließt. Theoretisch gerät also das
    >Verhältnis von Produktion und Zirkulation in den Blick.“

    So lässt sich natürlich argumentieren! Dass „Luxus“ oder „Alles für Alle“ innerhalb des KApitalismus garnicht zu verwirklichen ist und deshalb implizit die Forderung nach dessen Abschaffung, also auch einer Änderung der Produktionssphäre in sich trägt. Das Argument lässt sich aber genauso gegen die Parole richten. Nämlich insofern, das die Verwendenden Personen nicht mitreflektieren würden, dass die von ihnen geforderte Umverteilung, ohne eine Änderung der Produktion garnicht möglich ist. Es hängt also immer auch ein bisschen davon ab, wer die Parole verwendet und in welchem Kontext sie steht.

    >“Selbstverständlich ist damit noch keine hinreichende und fundierte
    >Kapitalismuskritik geleistet, aber das wäre bei einem Einzeiler
    >auch zu viel verlangt.“

    Da hast du natürlich recht. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich selbst die Parole(n) zuweilen benutze. Sie stellt vielleicht nur eine Seite der notwendigen Kritik dar, ist also eindimensional, kann aber eben durch Kontextualkisierung bzw. andere Parolen ergänzt werden.
    Dennoch finde ich, dass es in einem (Aufruf-)Text, wo mensch sich ja eben nicht auf das Parolenhafte beschränken muss, etwas unglücklich ist.

    >“Die Forderung nach einem guten Leben für alle muss zwangsläufig
    >eine Reflektion und Kritik der kapitalistischen Produktionsweise
    >beinhalten, es sei denn innerhalb der katholischen Soziallehre.“

    Was soll ich da noch hinzufügen ;-)

  10. 10 double f 14. November 2007 um 17:40 Uhr

    Das eine Parole keinen Inhalt ersetzen kann ist selbstverständlich. Allerdings kann sie Irritationen auslösen und zum nachdenken anregen, sowie zur Beschäftigung mit dem Aufruftext anregen. Übrigens ist es falsch, dass die antifa f nur parolenhaft bleiben würde. Lies dir mal die verschiedenen Aufruftexte (es gab mehr als eine Opernballdemo) durch. M.E. wir ziemlich schnell klar, dass es dabei nicht nur um die Ebene der Konsumption, sondern um den Kapitalismus insgesamt geht, der kritisiert wird. Inwieweit alle, die diese Parole verwenden die ganze Dimension der Parole erfassen, ist natürlich nicht festzustellen. Aber das gilt für jede Parole. Zumindest bei Luxus für alle habe ich allerdings den Eindruck, dass der Anteil an Leuten, die diese Parole benutzen und auch ihre ganze Dimension verstehen verhältnismäßig höher ist, als bei „Alles für alle“.
    Meine Kritik zielt zudem darauf ab, dass sich meistens auf „Luxus für alle“ konzentriert und an Begriffen wie Hedonismus etc. ausgehangen wird. Oder es werden Fun-Parolen wie KKK (nein nicht die amerikanischen Nazis) genommen und sich darüber empört. Häufig wird als Argument angeführt, es sei zynisch von Luxus zu sprechen oder gar dessen Konsum zu propagieren, solange nicht alle Grundbedürfnisse für alle gedeckt seien. Auf die Idee, dass „Luxus für alle“ die Befriedigung dieser Grundbedürfnisse für alle voraussetzt, fällt dabei unter den Tisch oder wird gar nicht erst gesehen.
    Kritik an der Beschränkung auf die Konsumption und Distribution im Kapitalismus ist da eher seltener vorhanden. Das liegt m.E. daran, dass viele Leute, die im Zuge der Umsonst-Kampagnen oder sonst wann auf den Geschmack gekommen sind solche Parolen (meistens „Alles für alle“) zu benutzen, sich über solche Fragen keine Gedanken machen und im klassisch autonomen Stil ein Leben ohne etwas bezahlen zu müssen anstreben. Bei den Umsonst-Kampagnen, -Läden oder auch beim Containern lässt sich dieses Phänomen gut beobachten. Da geht es meistens darum, sich individuell von Geldsorgen, soweit wie möglich, unabhängig zu machen und trotzdem zu konsumieren. In der Realität beschränkt sich diese Konsumption dann meistens auf den Wohlstandsmüll, den diese Gesellschaft produziert. Häufig wird diese Beschränkung dann auch noch ideologisch aufgeladen und ein low-budget-life zum Weg aus dem Kapitalismus oder wenigstens in eine gesellschaftliche Nische idealisiert. Eine wirkliche Teilhabe am real bestehenden gesellschaftlichen Reichtum (oder dessen Sozialisierung um mal ein ganz altes Wort zu benutzen *g*) sieht aber anders aus.
    Hier tut Kritik mindestens ebenso Not, wenn nicht sogar mehr.

  11. 11 bikepunk 089 16. November 2007 um 13:05 Uhr

    Kleiner reality-check – Lea Tesfaye hat im aktuellen Hinterland-Magazin einen Artikel über das Luxusleben in einem Flüchtlingslager in Äthiopien geschrieben. Sie schreibt, wie die Menschen dort versuchen etwas Weggeh- und Ess- Feierkultur zu erhalten, und an welche Grenzen das stösst. Den Artikel gibts nur als pdf:
    http://www.hinterland-magazin.de/pdf/06-63.pdf
    und hier sind noch Bilder von den Cafes in dem Lager:
    http://www.hinterland-magazin.de/bilder/06-40.jpg

  12. 12 revolution 01. April 2008 um 18:01 Uhr

    wurde darauf hingewiesen, dass mein artikel ein ähnliches thema behandelt, wie dein artikel… kannst dir das ja mal anschauen

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