No Way In

Am Wochenende war ich beim inoffiziellen Antifa-Bildungskongress No Way Out?, bei dem „am Beispiel von (Post)Operaismus und Wertkritik“ diskutiert werden sollte, ob es ihn nun gibt, den „way out“ Der Donnerstag ging mit einer Reihe von mehr oder minder gelungenen Einführungsverstanstaltungen ins Land, bei denen Nadja Rakowitz eine unorthodoxe Einführung in die ‚Kritik der politischen Ökonomie', eine nämlich, in der die Grundkategorien nicht ausgeführt wurden. Robert Foltin konnte im Anschluss bei seiner Einführung in Operaismus und Postoperaismus zwar eine sympathische Figur machen, letztlich aber nicht wirklich klarmachen, worum es gerade bei letzterem eigentlich gehen soll. Wesentlich weiterführender war da schon der Vortrag von Norbert Trenkle, der in einen gelungenen Rundumschlag in Sachen Wertkritik präsentierte.

Der Samstag begann dann mit zwei sog. „Workshops“, etwa dem zu Arbeit und Geschlecht, in dem das postoperaistische Konzept der Biomacht und das wertkritische ‚Wertabspaltungstheorem‘ auf ihre Bedeutung für feministische Theorie und Praxis abgeklopft werden sollten. Das war erstmal recht interessant, litt aber ähnlich wie weite Teile des Kongresses unter der fast ausschließlichen Beteiligung von Männern innerhalb der Diskussionen. Im Anschluss gab es das wohl beste und weiterführende Podium auf dem Kongress. Ernst Lohoff von der Krisis auf der einen und Thomas Seibert von der Fantomas stritten sich über den „Begriff der Arbeit“. Während Lohoff zunächst die Basics der wertkritischen Arbeitskritik referierte, holte Seibert, der selber nur eingesprungen und mäßig vorbereitet war, spontan und überzeugend das, was eigentlich für den Abend zuvor eingeplant war: eine Einführung in die Grundgedanken dessen, was unter dem Label Postoperaismus firmiert.

Als zentralen Kristallisationspunkt arbeitete er letztendlich den Begriff der Multitude heraus, unter dem er so etwas wie das Ensemble der soziale Kämpfe verstand und auf Nachfrage, wie er denn mit Phänomenen wie er denn den islamistischem Terror innerhalb dieser Vielheit verorten würde, ganz vorsichtig auch die Grenze der bisherigen Begriffsverwendung dieser Vokabel umriss. Ganz ähnlich, wie er das vor kurzem bereits in der Fantomas tat:

„Denn es fehlt, was als dunkle Seite der Multituden ( … ) bezeichnet werden kann. Dazu gehören der irakische und afghanische „Widerstand“ und die mit ihm unmittelbar und mittelbar verbundenen sozialen, ökonomischen und politischen Kräfte (zum Beispiel der Iran mitsamt den freundlichen Beziehungen zu Venezuela). Dazu gehören die untereinander allerdings nicht umstandslos vergleichbaren „Aufständischen“ und „Rebellen“ vieler bewaffneter Konflikte vor allem in Afrika und Asien und die zahllosen Akteure der Gewalt, die den Alltag der peripheren Elendsmetropolen und -territorien längst zum sozialen Krieg haben werden lassen. Es sind diese mehr als beunruhigenden Mächte, die dem Empire und seiner – ich nehme den Teil fürs Ganze – Operation Enduring Freedom tagtäglich neu Grenzen setzen: de facto wirksamere Grenzen als die, die ihm in den globalen Antikriegstagen gezogen wurden.

Dazu gehören allerdings auch die nördlichen Entsprechungen des nihilistisch-“postpolitischen“ Syndroms des Südens, nicht weniger dunkel und kaum weniger verwildert: die Nationalismen und Rassismen der europäischen und nordamerikanischen Rechten und deren nicht immer nur stilles Reservoir in der alle subalternen und mittleren Klassen durchziehenden ‚Politikverdrossenheit‘.“

Den Islamismus bezeichnete er dabei als „politisches Projekt“, das sich auf die sozialen Kämpfe aufsetze, sie damit zunächst desavouiere und daher „abgesprengt“ werden müsse.

Auf der anderen Seite des Rings wurde Ernst Lohoff mit der (berechtigten) Frage konfrontiert, wie er denn wohl gesellschaftliche Veränderung denken würde, wenn nicht mittels der sozialen Kämpfe. Das führte ihn zu der recht vagen Formulierung, mensch solle doch erst mal schauen, in welcher Welt eins lebt und welcher Welt eins leben möchte – und vorher hätten Kämpfe ohnehin keine sonderlichen Erfolgsaussichten. Was ihm, ebenfalls berechtigt, als doch recht idealistisches Weltbild ausgelegt wurde, in dem sich nun eben doch erst die Gedanken der Menschen verändern sollen, bevor sich die an der Gesellschaft etwas ändern kann.

Damit waren beide in der Kongresseinladung gehypten Theorieströmungen bereits während des ersten Podiums an die ihnen scheinbar innewohnenden Erkenntnisgrenzen gestoßen und das Ringen darum, wie mit dieser Erkenntnis umzugehen sei, hätte eigentlich beginnen können. Tat sie aber nicht. Stattdessen wurde souverän zum nächsten Thema übergegangen und die einmal herausgearbeitete Fragestellung spielte auch für den Rest des Kongresses keine Rolle mehr.

Weiter ging es dann mit einer Auseinandersetzung von Norbert Trenkle und Michael Heinrich, die sich darüber streiten wollten, was denn nun sinnvollerweise unter „Krise verstanden“ werden könnte. Nachdem Trenkle sehr souverän die holzschnittartige Version einer Zusammenbruchstheorie, bei der von heute auf morgen alles in sich zusammenbrechen würde und alle Menschen nur darauf warten müssten, wie sie ja der Krisis und auch der Exit! immer wieder zugeschrieben wird, destruiert hatte, begann Michael Heinrich sein Input einigermaßen sprachlos: da hätte er nicht mit gerechnet, auf eine so differenziert Position zu treffen, da wisse er gar nicht, was er jetzt sagen solle. Schließlich fiel ihm dann doch noch etwas ein und es ergab sich ein eher lahmer, aber immerhin solidarischer Schlagabtausch, an dessen Ende es zwar keinen wirklichen Gewinner gab, der Norbert Trenkle aber zumindest in meiner Einschätzung nicht alle Trümpfe aus seinem Ärmel gelassen hatte, die da noch drinne waren… Schade eigentlich.

Angemerkt seien dazu an dieser Stelle nur ein paar wenige Punkte: Offen blieb am Ende der Diskussion nicht nur, welche Bedeutung denn nun dem Ressourcenbedarf des Kapitalismus innerhalb des Krisenprozesses zukomme, sondern auch die Bedeutung etwa des Booms in China. Hier hatte Trenkle zunächst darauf verwiesen, das der nicht als Beispiel für eine expandierende Warenproduktion gesehen werden könne, da der weitestgehend an der durch die doppelte Verschuldung der USA entstandenen Finanzblase hänge. Heinrich hatte ihn dann kurz darauf doch wieder als vermeindliches Gegenargument aus der Tasche gezogen. Zudem war wohl auch sein Vergleich von China mit den Zuständen im europäischen Frühkapitalismus – frei nach dem Motto: die machen da halt noch eine nachgeholte ursprüngliche Akkumulation, da geht noch einiges – doch recht gewagt. Nicht zuletzt deshalb, weil die sich modernisierenden frühkapitalistischen Gesellschaften in Europa nicht gegen eine ganze Reihe bereits auf dem Niveau des 21. Jahrhunderts durchkapitalisierter Ökonomien behaupten mussten. Da macht dies ja nun doch recht schlichte Modell eher weniger Sinn.

An die Krisendebatte schloss die eher maue Auseinandersetzung von Frieder Otto-Wolf und Stefan Meretz an. Zunächst hatte Frieder Otto-Wolf seine Rolle als vermeindlicher Vertreter einer Theorie Immaterieller Arbeit nicht mal ansatzweise erfüllt, und so beschränkte sich die Diskussion ausschließlich um die kontroversen, von Stefan Meretz vorgetragenen Thesen zur Bedeutung von Wissen als Ware und Freier Software als Befreiungspotenz. In die Kritik geriet dabei vor allem die von ihm vehement verteidigte Unterteilung von konkret-allgemeiner und abstrakt-allgemeiner Arbeit und die darüber vorgenommene Klassifizierung von Wissen nicht etwa als Ware, sondern als Universalgut, das im Zweifelsfall eben als privatisiertes Universalgut erscheine. bzw. hören.

Frieder Otto-Wolf und einem weiten Teil des Publikums schien es dabei ebenso zu gehen: sie schienen nicht so richtig zu wissen, worum es hier gehen sollte und redeten mit Engelszunge auf Stefan ein, damit er doch endlich einsehen solle, was für sie offensichtlich erschien. Und so ist es leider auch hier nicht gelungen, die Debatte zu führen, die es meiner Ansicht nach wert gewesen wäre, geführt zu werden: die nämlich um den polit-ökonomischen Status von Wissen, den Ernst Lohoff in der letzten Krisis doch recht überzeugend diskutiert hatte. Und so ging diese Veranstaltung als übrigens am schlechtesten besuchte (war halt nich das klassische Thema für das Publikum) vorbei.

Wesentlich besser besucht war die anschließende Diskussion um die Möglichkeit, politische Ziele mittels Staat und Recht umzusetzen. Zunächst hatte Thomas Seibert das Konzepte der Globalen Sozialen Rechte am Beispiel der „Autonomie der Migration“ eingeführt und Sonja Buckel nach einen Ausführungen zur Rechtstheorie die Potenz solcher Forderung zur Sprengung der Verhältnisse betont, in dem sie einem Juristen, mit dem sie über Bewegungsfreiheit diskutierte, mit den Worten zitierte: „Ja, aber dann ist doch unsere schöne, westliche Lebensweise nicht mehr aufrechtzuerhalten.“ – womit eigentlich hätte klar sein dürfen, in welche Richtung die beiden BefürworterInnen argumentieren.

Etwas anders sahen das dann Thomas Gehrig und Peter Decker. Gehrig zumindest sprach noch zum Thema und setzte die Bedeutung reformistischer Konzeptionen zu Luxemburgs These in Kontrast, nach der Reformforderungen vor allem die Bedeutung haben sollten, die Revolution voranzubringen – was er aber beim Konzept der Globalen Sozialen Rechte nicht sehe. Anschließend machte Peter Decker vom Gegenstandpunkt das, was Leute vom Gegenstandpunkt immer machen: er hat sog. „Argumente“ vorgetragen, die mit der eigentlichen Diskussion wenig bis gar nichts zu tun hatten. So ging es ihm vor allem darum nachzuweisen, das alle diejenigen, die Rechte einfordern, letztlich an den guten Staat glauben. Der Logik dahinter beruht auf der unhinterfragten Annahme das sich aus den konkreten Forderungen auf die Motivation bzw. die politische Analyse schließen lässt. Instrumentelles Verhalten, strategische Überlegungen und dergleichen mehr tauchen in diesem doch recht plumpen Modell schlicht nicht auf. Weshalb Thomas Seibert dann auch richtigerweise einfach die Debatte verweigerte. Was ich für eine der großartigsten Aktionen während des gesamten Kongresses halte. Es gibt Leute, mit denen muss mensch sich auch nicht auseinandersetzen. Oder, um es mit den Worten eines ungenannt bleibenden Kongress-Referenten zu sagen: „Eine Unverschämtheit, einen mit dem Decker an einen Tisch zu setzen. Das verstößt doch gegen die Menschlichkeit!“

Gegen die verstießen auch Deckers befremdlich wirkende Äußerungen über MigrantInnen, die von ihm geradezu zum Un-Subjekt gestempelt wurden: „Vielleicht sind das ja die letzten, an die man sich wenden kann, um Kämpfe zu radikalisieren“ sagte er sinngemäß, vermutlich weil ihm sonst nichts einfiel. Mit Argumenten wurde der prompt aufgeworfene Rassismusvorwurf nicht unterfüttert – aber da auch Decker keine wirklichen Argumente aufzubieten hatte, sondern eher Ressintements, die er für solche hält, war das auch ganz okay so.

Tatsächlich interessant war dann noch Sonja Buckels Versuch, eine Trennung von Staat und Recht in historischer Perspektive zu begründen – was mich nicht wirklich überzeugt hat, aber zumindest noch mal der genaueren Überprüfung bedarf. Auf diese Trennung hob sie dann auch ab, als gegen Ende der Diskussion ein Mensch aus dem Publikum sein erstaunen darüber kundtat, das hier nun anderthalben Stunden über den Staat diskutiert worden sei, ohne das auch nur ein Wort über Israel gefallen sei. Buckel verweigerte sich zwar ein „Gesinnungsbekenntnis“ abzulegen, verwies aber auf die Erfahrungen in der jüdischen Diaspora, in der lange Zeit ein nichtstaatliches Rechtsgebilde das zusammenleben von Menschen regelte und warf die Frage auf ob so ein Modell nicht auch für staatsferne Kooperationen und eine Überwindung der herrschenden Ordnung von Bedeutung sein könnte.

Am Ende des ersten Tages wurde dann noch mal um die Bedeutung von Klassenkämpfen und sozialen Bewegungen gestritten, was die Anwesenden scheinbar weniger Interessierte als das endlose Lamentieren über den Staat, so das der Raum sich doch deutlich leerte. Und so konnten dann Robert Foltin, Gerhard Hanloser und ein sympathischer junger Mann vom Express die Bedeutung sozialer Kämpfe hervorheben, während es einmal mehr Norbert Trenkle oblag, die Höhenflüge ein wenig zu dämpfen. Etwas merkwürdig mutete der sich mehr und mehr einstellende Konsens, das es schon jetzt auch mal an der Zeit wäre, die Kämpfe um Produktionsmittel zu stützen, dann aber doch an. Ganz so, als wäre gesellschaftliche Veränderung darüber zu haben, das einfach vorhandene maschinelle Aggregationen übernommen und in ArbeiterInnen-Hand selbstverwaltet werden, sich aber sonst nichts ändern müsse. Die Perspektive einer gesellschaftlichen Reproduktion jenseits der vorhandenen, kapitalistisch durchgeformten Maschinensysteme wurde jedenfalls nicht diskutiert. Und so schien dann auch die Betonung der Wichtigkeit von Kämpfen gegen Rassismus, Patriarchat und ähnlich unschöne Dinge eher angehängt denn tatsächlich substantiell vermittelt. Aber es war ja auch schon spät am Tag und mensch kann nicht alles haben.

Der Sonntag begann dann mit einer Art Knaller, als während der Workshop-Phase Ingo Elbe versuchte, der Wertkritik einen mystizistischen Wertbegriff anzudichten. Was ihm allem Anschein nach auch gelang, zumindest endete die Veranstaltung mit psychologisierenden Überlegungen aller DiskutantInnen, wie denn diese WertkritikerInnen wohl auf so schräge Ideen kämen, wie Elbe sie ihnen unterstellt hatte. Dabei waren die unterschiedlichen, von Elbe betretenen Ebenen derartig komplex, das zumindest ich nicht wirklich mitgekommen bin. Was genau wurde denn wem da vorgeworfen? Wie verhalten sich die unterschiedlichen zitierten AutorInnen zueinander? Wurde tatsächlich der Kern ihrer Theoriebildung getroffen? War der Vorwurf, das hier unglücklich formuliert wurde? Oder doch, das die Leute das so meinen, wie er es unterstellte? Was ich zumindest doch für die Krisis und die Exit! in Abrede stellen würde. Zudem hat dann doch recht selektiv bei Marx zitiert und die von den kritisierte AutorInnen vorgebrachten Textpassagen doch recht mutig interpretiert. Da der vorgetragenen Text auch online aufzufinden ist, werde ich hier wohl demnächst noch mal tätig werden und die Argumentation auseinanderzupflücken versuchen.

Im Anschluss kamen dann noch die eher mauen Auseindersetzungen über den Imperialismusbegriff, die wenig neues boten und aufgrund eines eher wenig kontrovers besetzten Podiums auch nicht besonders spannend daherkamen und die unvermeidliche Diskussion über die Zukunft sozialer Interventionen, die ich dann aber wohlweislich und vorsorglich geknickt habe, um schnell in die heimischen Gefilde zurückzukommen.

Was bleibt? Ein Kritikgeschenk zur methodischen Umsetzung des Kongresses möchte ich den VerantalterInnen noch geben, aber das würde hier wohl den Rahmen sprengen. Ansonsten habe ich auf der Hinfahrt meine Isomatte verloren, während des Kongresses meinen Schlüssel verbaselt und gleich nach der Ankunft größere Mengen Aprikosensaft in meinen neuen Rucksack geschüttet. Schöne Scheiße das!

Das Publikum übrigens war im Schnitt sehr deutsch. Analog den bräunungssüchtigen Mallorca-UrlauberInnen bedeckten sie stets rechtzeitig die Stühle mit dunklen Jäckchen und ähnlichem Privateigentum, um sich einen günstigen Sitzplatz zu reservieren. Und es war auch, wie oben schon erwähnt, sehr männlich. Zumindest was die Redebeiträge angeht. Wobei ich meine, die Tendenz festgestellt zu haben, das die für die Debatte in meinen Augen tatsächlich wesentlichen Beiträge eher von weiblich konstruierten Menschen kamen.


50 Antworten auf “No Way In”


  1. 1 Benni Bärmann 10. Dezember 2007 um 15:22 Uhr

    Ich fand den Vortrag von Nadjy Rakowitz ziemlich klasse, eben gerade weil da keine „Grundkategorien“ erklärt wurden. Das sprengt doch einfach den Rahmen eines solchen Vortrags. Statt dessen hat sie erklärt was eigentlich Ziel des Unternehmens „Kritik der politischen Ökonomie“ war. Sehr sinnvoll!

    Bei der Schlußdiskussion hast Du tatsächlich im übrigen nicht viel verpasst. Generell hat der Kongreß wohl leider sein Thema verfehlt. Es ging um keinen „Way Out“, das war fast nie Thema.

  2. 2 steffentreffen 10. Dezember 2007 um 16:42 Uhr

    Du unerträglicher Hosenscheißer. Begründung? Brauch ich nicht …

  3. 3 steffentreffen 10. Dezember 2007 um 16:48 Uhr

    „deutsch“"sehr männlich“? Sag mal welches Moralgesäuf hast du dir denn eingeflößt?! Ich hab mir anders du wie mir scheint, nicht die Mühe gemacht, die Persos der Zuhörer und Innen zu kontrollieren. Was das Mengenverhältnis der Geschlechter angeht: Naja, vllt nicht 50/50 aber die Teilnehmerinnen waren nur schwerlich als Minderheit auszumachen. Wenn man das will, kriegt man das hin, klar. Aber geht deine Befindlichkeitskritik eigentlich noch inhaltsleerer?

  4. 4 Non-Analphabet 10. Dezember 2007 um 17:17 Uhr

    Äh, das steht da doch gar nicht, das deutsch=männlich. Und da steht auch nicht, das es um die Teilnehmerzahlen ging, sondern um die Redebeiträge.

    Lesen lernen soll helfen…

  5. 5 Alphabet 10. Dezember 2007 um 17:32 Uhr

    @ Non-Alphabet

    „Das Publikum übrigens war im Schnitt sehr deutsch. (…) Und es war auch, wie oben schon erwähnt, sehr männlich.“

    Stimmt, wer lesen kann ist klar im Vorteil!

  6. 6 lincoln 10. Dezember 2007 um 17:35 Uhr

    @ steffentreffen

    Ist von dir was Schriftliches zu erwarten? Wäre prima!

  7. 7 double f 10. Dezember 2007 um 17:42 Uhr

    Wer mich kritisiert hat mich entweder falsch verstanden oder will mir böses.
    Nicht auf Kritik einzugehen, sondern sie zu diffamieren ist natürlich der einfachste Weg um sich unliebsamer Kritik nicht auseinandersetzen zu müssen.
    Deine Einschätzung zu Thomas Seiberts Diskussionsverweigerung (wie du selber schreibst) spricht Bände. Wer bei der Institutionalisierung von Rechten an den Staat denkt ist wirklich ganz besonders missgünstig. Die Tatsache, dass nur der bürgerlich-kapitalistische Staat in der heutigen Gesellschaft Rechte institutionalisieren und garantieren kann darf nicht ins Bewusstsein dringen, weil das die schöne autonome Bewusstseinsentwicklung nur stören würde. Seiberts Weigerung zu diskutieren, offenbart wohl eher seine Unfähigkeit die Verstrickung der Subjekte (Fetischismus als Stichwort) in den Kapitalismus adäquat mit seinem Ansatz zu denken.
    Die von Sonja Buckel skizzierte Nichtidentität von Recht und Staat ist überhaupt erst die Möglichkeit beim Kampf um Rechte von etwas anderen als der Affirmierung des Staates zu sprechen. Deshalb scheint mir ihre Position auch am interessantesten gewesen zu sein. Darauf wussten übrigens weder Decker noch Gehring eine Antwort.
    Mein Fazit wäre dementsprechend: Lieber kritische Theorie von Kapital und Staat als postoperaistische Diskussionsverweigerung. Und nur weil die Theorierichtungen, die du magst kritisiert werden, musst nicht gleich beleidigt sein ;)
    Den Rest besprechen wir lieber jenseits des Web 2.0.

  8. 8 steffentreffen 10. Dezember 2007 um 17:45 Uhr

    Asche auf mein Haupt. Im ganzen Ärger über dieses Kriterium habe ich das tatsächlich übersehen und bin zum empirischen Gegenangriff übergegangen und jetzt steht das schwache Argument da.
    Weswegen ich mich nämlich so geärgert habe und was ich wichtiger finde als die Frage, wie das Geschlecht des Menschen der da was erzählt, konstruiert sein soll, ist was er da zum Thema sagt. Und das ist schon eine weitere Dreistigkeit vom blogger, dem Deckers Auslassungen zum Thema offensichtlich nicht passen: Statt zu sagen, was da falsches gesagt sein sollte, steht da die Behauptung Peter Decker hätte nicht zum Thema geredet. Das Podium war aber mit „Staat, Recht und Poltik“ überschreiben, dazu hat er kurze, vielleicht unzureichende, aber Erklärungen abgeliefert. Weil das der Diskussion nicht den Impetus gibt, den sich wohl einige erhofft, ist das ja nur logisch wenn die Debatte verweigert … Alberne Identitätshuberei ist das, da bruacht es keine Diskussion, da kann man dann weiter Spenden und Unterschriften sammeln, Petitionen verfassen etc und muss sich nicht genervt herumaalen wie es Seibert tat

  9. 9 narodnik 10. Dezember 2007 um 20:51 Uhr

    Ich bin ja wahrlich nicht der Ober-MGler hier. Aber Peter Decker derart zu übergehen finde ich blöd. Ich habe das Skript gelesen und seine Ausführungen waren wie ich finde sehr richtig – obgleich man sich jetzt streiten könnte, ob Imperialismus noch als klassisches nationalimperiales Gegeneinander geht.

    Und ob jemand m oder w ist, sollte bei inhaltlichen Auseinandersetzungen scheißegal sein. Als wenn Frauen weil sie weiblich sind richtigere Argumente bringen.

  10. 10 Juli 10. Dezember 2007 um 23:10 Uhr

    @narodnik

    naja, aber wenn (wie steffentreffen schreibt) die anwesenden gemischt männlich/weiblich sind, es dann aber nur typen reden, könnte mensch sich schon mal überlegen, ob es da wohl gründe für gibt oder ob das alles „zufall“ ist.

  11. 11 teekanne 10. Dezember 2007 um 23:44 Uhr

    @Juli:
    Willst du nun gesellschaftliche Realitäten nicht wahr haben oder was? Ist egal im Argument, wo das jetzt alles genau her kommt, ob von der Ungleichen Verteilung von Bildung, vom Matchboxauto aus der Autokiste, oder dem Patriarchat. Betrachtet man mal genau die TheoritikerInnen des Marxismus, oder auch vielen anderen Theoriezügen, dann ist und bleibt festzustellen, dass leider hauptsächlich Männer dort federführend waren und leider auch sind. Und einen Michael Heinrich kann meines Erachtens in seinen cleveren theoretischen Ausführungen erstmal keine Theoretikerin ersetzen. Wenn jemand etwas Richtiges oder Falsches sagt ist es nunmal egal, ob jemand männlich oder weiblich sozialisiert wird/wurde.
    Man muss halt die Verhältnisse so generieren, dass genau dort keine Unterschiede mehr herrschen müssen… Und das schafft man bestimmt nicht, wenn man aufgrund einer Quote jemanden zwingt, oder reden lässt, und der/die dann was falsches erzählt…
    Aber du sagt es ja selbst: „ob es da wohl gründe für gibt oder ob das alles “zufall” ist.“ Die Gründe sind das Entscheidende! Und das sind in diesem Fall, und sicherlich in vielen weiteren, nicht die OrganisatorInnen, sondern die Verhältnisse.

  12. 12 double f 11. Dezember 2007 um 0:37 Uhr

    Ist es nicht eine Ironie, dass eob– und andere– sich über das Problem der Männerdominanz in der marxistischen Theoriebildung und –diskussion auf dem Kongress beschweren und dabei selber nicht auf die Ausführungen der einzigen anwesenden Referentin (bei der Veranstaltung „Staat, Recht und Politik) eingehen? Wenn das mal nicht voll patriarchal ist.
    Diese Ausführungen von Sonja Buckel waren so ziemlich das schlauste, was ich in der ganzen Veranstaltung gehört habe. Sie hat nämlich Decker und Gehrig die Fehler in ihren Ausführungen aufgezeigt. Staat und Recht sind nicht dasselbe. Das Recht besitzt eine gewisse Autonomie. Auch wenn das nochmal genauer überprüft werden müsste, halte ich diese Position für eine gute Ausgangbasis für weitere kritisch-theoretische Überlegungen und Analysen. Das kann sehr fruchtbar sein sich damit genauer zu beschäftigen.

  13. 13 double f 11. Dezember 2007 um 1:08 Uhr

    Eine kleine Anmerkung noch zu eob’s Bericht. Die Ausführungen von Sonja Buckel zum Verhältnis von Recht und Staat waren primär rechtstheoretisch begründet. Die historischen Ausführungen dienten m.E. lediglich der Illustration.

  14. 14 geschlossene dorfdiscothek 11. Dezember 2007 um 1:49 Uhr

    Hey Juli, ich finde das jetzt echt voll so menschenverachtend wie du die Podien immer als so (Box)Ringe darstellst und von „Gewinnern“ redest. Damit reproduzierst du nämlich voll so die (Männer)herrschaft bei der es nur ums Besiegen und Unterdrücken des_der Gegenübers_Innen geht und nicht um Erkenntnisgewinn_Innen und überzeug_Innen deshalb habe auch das Lesen_Innen deines Beitrags verweigert weil, wenn du solche Wörter_Innen benutzt, jeglicher Inhalt eh ungültig ist.
    Ich dagegen bin mir voll so meiner Rolle als heterosexueller, weißer, nichtprekarisierter Mann mit deutscher Saatszugehörigkeit und Nazivorfahren bewusst und habe mich extra in der im Frankfurter Rotlichtviertel befindenden Eckkneipe Moseleck so stark betäubt, dass ich beim Kongress von meinen, durch patriachale Geltungssucht zerfressenen Wortbeiträgen abstand genommen habe und dadurch mehr (Sprach-)Raum für die weiblich konstruierten Menschen zu geschaffen werden konnte.
    (Leider ist Thomas Seibert nicht mit ins Moseleck gekommen um die dort anhaltenden Kämpfe einiger Gäste gegen das Rauchverbot mit meinem, leider verhältnismäßig schwachen Kampf um Bewegung der fest angeschraubten Bestuhlung „in Kommunikation“ zu setzen)

  15. 15 Juli 11. Dezember 2007 um 9:13 Uhr

    @double-f

    joa, das klang interessant – wenn ich mir auch hier nicht wirklich einbilden würde, auch nur ansatzweise verstanden zu haben, was sie von mir wollte…

    Und wer weiß, vielleicht ist das ja auch mein Problem mit dem Decker-Peter, und ich verstehe einfach nicht, was der von mir will…

  16. 16 wiener_innen-melange 11. Dezember 2007 um 16:51 Uhr

    allgemeiner kommentar zu gender/race-zuständen auf‘m kongress:

    da ich selber nicht in ffm war, fand ich den überblick zum kongress gut – besonders gut fand ich, inwieweit du das öfters angeprangert hast („…litt aber ähnlich wie weite Teile des Kongresses unter der fast ausschließlichen Beteiligung von Männern innerhalb der Diskussionen“…“Das Publikum übrigens war im Schnitt sehr deutsch.“…)

    viel erschüttender finde ich dann die kommentare von einigen

    steffentreffen: „Sag mal welches Moralgesäuf hast du dir denn eingeflößt?!“

    Nardodnik: „Und ob jemand m oder w ist, sollte bei inhaltlichen Auseinandersetzungen scheißegal sein. Als wenn Frauen weil sie weiblich sind richtigere Argumente bringen.“

    @steffentreffen: was hat die thematisierung von patriachalen/r strukturen/realität mit „Moral“ zu tun – vielleicht nicht eher Vernunft/Refleexion..?
    @Nardodnik: Frauen haben „natürlich“ nicht die richigeren Argumente, weil es nicht die natürlichen Frauen gibt….(aber dazu müsste jetzt eigentlich ein langer extra-comment kommen…)

    anscheinend verwirrt es einige unter deinen leser_innen, sich anhören zu müssen, dass die veranstaltung vielleicht trotz (anscheinend) niedriger beteiligungbarrieren, eine deutsch-männliche dominanz auf dem kongress herrschte (inhaltlicher sache und von der publikumsfrequenz).

    ich interpretiere dies als blindheit gegenüber einer gesellschaftlichen hegemonie, die unmarkiert ist und bleibt…
    und das finde ich schon arrogant.

    wenn, wie bspw. beschrieben, über die autonomie der migration debatiert wird, sollte es spätestens bei diesem thema die frage gestellt werden, wer hier wie über wen spricht. und da „verwundert“ eine_n der kommentar nicht, wenn DECKER folgendes gesagt hat: “Vielleicht sind das ja die letzten, an die man sich wenden kann, um Kämpfe zu radikalisieren”. so nach der art: Wenn „unser“ unwilliges radikale su(ob?/)bjekt, der arbeiter[sic!: _innen] nicht mehr will, dann nehmen wir uns halt die migrant[inn]en.
    das ist für mich eine proto-kolonialistische denkung…und nicht ausschließlich rassistisch.

    mit diesem bsp wollte ich zeigen, wie wichtig es ist, den kongress dahingehend zu kritisieren, auch wenn man so schnell keine_n adressat_in findet.

  17. 17 keta minelli 11. Dezember 2007 um 17:53 Uhr

    „Frauen haben (…) ein kleineres Gehirn“.
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,492546,00.html

    kleiner scherz.

  18. 18 der Klassensprecher von 1984 11. Dezember 2007 um 18:23 Uhr

    So, jetzt gibt’s die Audiodokumentation der Podien, dann kann sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen:
    http://www.keimform.de/2007/12/11/die-ums-ganze-kongress-dokumentation/

  19. 19 teekanne 11. Dezember 2007 um 18:43 Uhr

    _)())__@@/@_//-_/_/__()(_)_(_((_…..
    Das kann doch kein Schwein lesen.
    Üb dich mal im schreiben melange.

  20. 20 closed dorfdiscothek 11. Dezember 2007 um 19:07 Uhr

    @wiener_innen-melange
    Sehr richtig was du da schreibst. Mensch muss aber den Kongress noch in eine andere Richtung kritisieren auch wenn mensch so schnell keine_n adressat_in findet. Auf dem Kongress gab es FLEISCH (!!!!!) zu kaufen und das 200m neben Adornos Schreibtisch und 62Jahre nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus.
    Das „UmsGanze!“-Bündnis hat damit sein (ja, hier verwende ich extra nur die MÄNNliche Form als Zeichen meines Anprangerns ) Anspruch emanzipativer Politik verwirkt.

  21. 21 cpt. ahab 11. Dezember 2007 um 19:25 Uhr

    In der Auseinandersetzung zwischen Michael Heinrich und Norbert Trenkle kam es nur zur moderaten Auseinandersetzung, weil Norbert Trenkle die originären Krisispositionen selbst bereits durchgestrichen hat. Er sprach weder von der zwingenden Entwicklung zur finalen Krise, noch vom Ende der produktiven Arbeit.

    Peter Decker bei der Veranstaltung zu Staat und Recht vorzuwerfen, er habe mit der kurzen Erklärung der Voraussetzungen des Rechts das Thema verfehlt bleibt mir unerklärlich. Die Rechtsidealistische Auffassung von Sonja Buckel verkennt die souveräne Gewalt in der Gesellschaft. Ein Recht ohne Gewaltdeckung ist eine ähnlich tolle Idee wie zum Beispiel der Postoperaismus. Das Recht kommt nur dadurch zu seiner besonderen gesellschaftlichen Bedeutung, das es eine Idee ist die mit der Möglichkeit zum gewaltätigen Exekution ausgestattet ist.

    Den Leuten Morallosigkeit vorzuwerfen, die den Staat abschaffen wollen und deswegen sich nicht für AufenthaltRECHTE von Illegalen stark machen, wobei der Staat die Instanz ist die die Rechte verweigert ist Zynismus. Dieses hat Thomas Seibert zumindestens angedeutet.

  22. 22 Juli 11. Dezember 2007 um 19:43 Uhr

    @wiener-melange

    das vom decker war im kontext eher andersrum gemeint: eher an alle anderen wenden als an diese „hungerleider“ (wie das für gewöhnlich im GSP-Jargon heißt).

    @cpt. ahab

    so wie ich die krisentheorie von krisis/exit verstehe, hat er die position vertreten, die da schon seit vielen, vielen jahren vertreten wird. nur wird sie halt für gewöhnlich anders rezipiert. das einzige was er vielleicht „aufgegeben“ hat, ist die kurzsche argumentation zur produktiven arbeiten, aber das hat die krisis ja ohnehin schon in ihrer letzten ausgabe. aber ansonsten war alles wie immer – nur weniger polemisch vorgetragen und differenziert dargestell, deshalb natürlich schwieriger zu diskutieren in dem rahmen.

    was mich aber gewundert hat, ist, das der michael heinirch ihm das mit der „wertmasse“ hat durchgehen lassen – wenn wir sein einführungsbuch ernstnehmen, dürfte es sowas „eigentlich“ gar nicht geben…

  23. 23 werner der busfahrer 11. Dezember 2007 um 21:38 Uhr

    wieviel kostet die yacht? und warum schläft der rudelführer?

  24. 24 LOL 11. Dezember 2007 um 22:52 Uhr

    @dorfdiscothek

    Kannst du deinen Blog vielleicht doch weiter betreiben? Am Besten mit einem Beitrag über den Kongress.

  25. 25 double f 12. Dezember 2007 um 0:20 Uhr

    @ cpt. ahab
    Die hat keinen rechtstheoretischen Idealismus vertreten, sondern Recht und Staat materialistisch kritisiert.
    Wenn sie damit den weisen Worten deines Idols widerspricht oder wenn du nichts anderes kennst, ist das wohl dein Problem.
    Auf die entsprechenden Ausführungen wusste Decker übrigens auch nichts zu sagen. Er hatte eben nur seine Standartargumentation drauf: Staat=Staat = Recht. Materialistische Kritik sieht jedenfalls anders aus.
    Und deine Ausführungen zur Deckung von Rechten durch Gewalt ist ungefähr ebenso brauchbar für die Analyse der kapitalistischen Gesellschaft, wie Deckers Definition der kapitalistischen Logik: „Wenn ich jemanden zum Mittel meines Zwecks/Interesses mache ist das kapitalistisch.“, nämlich gar nicht.
    Entweder handelt es sich um eine abstrakte Machttheorie, die von „dem Recht“ und „der Gewaltdeckung“ unterschiedslos zu allen Zeiten ausgeht oder es handelt sich um derartige Banalitäten– etwa die Einsicht, das ein Gemeinwesen (Deckers Formulierung) seine Mitglieder irgendwie dazu bringen muss seine Regeln zu befolgen– dass ihr Erklärungswert gleich null ist.

    @ eob Was sagt denn die Krisis jetzt zur produktiven Arbeit oder wo kann ich das nachlesen?

  26. 26 Juli 12. Dezember 2007 um 1:11 Uhr

    @double-f

    krisis 31, text von peter samol. kannste dir ausleihen wenn du magst.

  27. 27 der Klassensprecher von 1984 12. Dezember 2007 um 9:59 Uhr

    Und wenn du meinst, dein Argument trägt nicht sehr: Dann nimm halt den Sexismusvorwurf her.

  28. 28 Frauke 12. Dezember 2007 um 10:31 Uhr

    ad Kalle: Was ist kleiner? Dein Hirn oder dein Schwanz? ad alle: Prima, dass ihr solche Sexismen der stärksten Sorte unwidersprochen hinnehmt. Da fühlen sich Frauen so richtig ermuntert mitzudiskutieren. Aber naja, der wahre Grund, wenn die Männer bei solchen Diskussionen unter sich bleiben ist ja, dass Frauen einfach unpolitisch sind.

  29. 29 werner der busfahrer 12. Dezember 2007 um 10:56 Uhr

    wenn ihr den müll nicht in die tüten tut, räume ich das gepäck nicht aus!

  30. 30 Juli 12. Dezember 2007 um 11:54 Uhr

    also ich bin ja nun wirklich gegen zensur, aber die beleidigungen von „kalle“ hab ich dann doch mal gelöscht – obwohl sie eher entlarvend gewesen wären in ihrer wirkung… aber irgendwo hat ja sogar meine toleranz ihre grenzen…

  31. 31 double f 12. Dezember 2007 um 14:04 Uhr

    Danke das wäre cool.

  32. 32 dopinghustler 12. Dezember 2007 um 15:07 Uhr

    Ihr diskutiert hier nun seit 32 Kommentaren, ohne das auch nur ein Wort über Israel gefallen ist.

  33. 33 cpt. ahab 12. Dezember 2007 um 15:22 Uhr

    @juli
    bei M. Heinrich findet sich folgendes Zitat:
    -In den recht knappen Ausführungen zur Krise referiert Trenkle (S.10) die bekannte Zusammenbruchsthese der Krisis-Gruppe, „daß die moderne Warenproduktion in einen fundamentalen Krisenprozeß eingetreten ist, der nur in ihrem Untergang münden kann“-

    es ist eine Rezeption, aber mir scheint gut begründet. Wenn ich mich irre auch gut, wenn niemand mehr den Standpunkt vertritt, lohnt es sich nicht mehr so richtig darum zu streiten.

    @double f
    Probiere ich es noch mal sachlich. Um die Besonderheiten zu verstehen, muss man über die Geschäftsgrundlage Einigkeit hergestellt haben. Die scheinbare Banalität der staatlichen Gewalt, welche dem Recht zur Geltung verhilft, muss erstmal benannt werden. Beim internationalen Recht fehlt diese Deckung, somit ist seine Umsetzung deutlich prekärer. Eine umfassende Rechtstheorie, die nicht unterscheidet zwischen innerstaatlichen Recht (Strafrecht und Zivilrecht) und internationalen Recht (Völkerecht, Menschenrechte) hat damit wenig Erklärungswert. Weiterhin geht es mir zumindestens nicht darum dem Recht gerecht zu werden, sondern den Lauf der Dinge zu verstehen. Gegen die Banalität der Gewaltdeckung, hat zumindestens Sonja Buckel sich sehr deutlich gewendet. In ihren Augen war das, wenn ich mich richtig erinnere Schmidtianismus (=rechts=falsch).
    Damit sind wir tatsächlich noch garnicht bei der Besonderheit des (kapitalistischen) bürgerlichen Rechts. Wenn es darum gehen sollte, wäre es wichtig die Bedeutung von Freiheit und Gleichheit zu verstehen.
    Wessen Geistes Kind Sonja Buckel ist, hat siedeutlich damit gesagt, dass Herr Decker dankbar sein soll das Recht auf freie Meinungsäusserung wahrzunehmen. Nur weil es einem nicht verboten ist zu sagen wie ist, muss man schon Parteigägnger der herrschenden Gewalt werden. Das ist der Geist des Untertans.

  34. 34 A.M.P. 12. Dezember 2007 um 16:44 Uhr

    @Dopinghustler: Israel bildet, als bürgerlicher Staat, den Schutzraum, den Jüdinnen und Juden nach dem Holocaust, brauchten und nach wie vor brauchen, um ihre Existenz zu verteidigen und zu sichern.

  35. 35 dopinghustler 12. Dezember 2007 um 18:21 Uhr

    @a.m.p.
    Alda lüg mich net so an!!! Wenn das ein Schutzraum sein soll, dann macht die Umweltbewegung jetzt auch Autokorso gegen CO2-Ausstoß.

  36. 36 double f 12. Dezember 2007 um 19:03 Uhr

    @ cpt. ahab

    Mit Banalität habe ich die Tatsache gemeint, dass, dass ein Gemeinwesen (Zitat Decker) seine Mitglieder irgendwie dazu bringen muss seine Regeln zu befolgen. Das gilt für jede Form menschlichen Gemeinwesens und nicht nur für den bürgerlichen Staat. Soweit nehme ich an sind wir uns einig. Damit ist aber noch überhaupt nichts darüber ausgesagt, wie das genau passiert. Zur adäquaten Beschreibung des bürgerlichen Staates und der bürgerlich- kapitalistischen Gesellschaft taugt diese Bestimmung wenig hin, weil damit nur die Aussage getroffen wird, das der Staat und im Kapitalismus (Das Verhältnis Staat und Gesellschaft im Kapitalismus wäre genauer zu bestimmen. Das hat m.E. Michael Heinrich um längen besser charakterisiert als Decker mit seinem doch sehr schematischen Staatsableitungsansatz. Aber das ist eine andere Diskussion.) auch ein menschliches Gemeinwesen ist. Wenn du nicht gerade Anthropologie betreibst und über „den“ Menschen, anstatt von historisch-spezifischen Gesellschaftsformationen und den Menschen in diesen, reden willst, ist der Aussagewert gleich null. Wenn du diese Bestimmung aber als das entscheidende Moment der Kapitalismuskritik ausgibst, dann sitzt du einer abstrakten Machttheorie auf, die nur vom „Gemeinwesen“, „Rechten“, „Herrschern“ und „Untertanen“ als allgemeine Bestimmungen ausgeht, aber zur Erfassung und Beschreibung der spezifisch historischen Gesellschaftsformation des Kapitalismus unfähig ist. Entsprechend hat Decker ja auch abei seinem zweiten Vortrag „kapitalistisch“ (siehe meinen vorherigen Post) definiert. (kleiner Literaturtipp zur Reichweite der Marxschen Analyse des Kapitalismus: Moishe Postone: Zeit, Arbeit und Gesellschaftliche Herrschaft) Soweit meine Ausführungen.

    Zur Geltung von Rechten: Es muss ein Konsens darüber herrschen und dieser muss gewährleistet sein, was Rechte sind und was nicht. Nichts anderes hat– soweit ich sie richtig verstanden habe– Sonja Buckel ausgeführt. Insoweit hat übrigens dieser amüsante Einwurf dieses Klischeeantideutschen doch etwas Gutes gehabt. Anhand des Beispiels der jüdischen Religion lässt sich ja tatsächlich zeigen, dass (hier religiöse) Rechte nicht zwangsläufig an eine Staatsgewalt gebunden sind, sondern auch unabhängig dieser Gewaltkonstruktion bestehen können. Natürlich ist es notwendig Religion allgemein und auch deren Rechtsvorstellungen zu kritisieren, keine Frage. Hier ging es aber um die Frage, ob Rechte an sich an eine Staatlichkeit gekoppelt sind. Um die Unterschiede vom Zivil-, Straf- und internationalen Recht im Sinne einer korrekten bürgerlichen Rechtstheorie ging es überhaupt nicht. Stattdessen ging es um– Vorsicht: Ich habe mein Marxwörterbuch auswendig
    gelernt ;) – materialistische Kritik des Rechts. Dazu gehört auch die Unterscheidung zwischen Form und Inhalt des Rechts. Im hier und jetzt– also weit von jeglicher revolutionären Situation entfernt– stellt sich die Frage, inwieweit die immanenten Forderungen (hier Rechte)
    dazu geeignet sind, den unter den Zumutungen des Kapitalismus leidenden Menschen Handlungsmöglichkeiten zur besseren Bedürfnisbefriedigung trotz der dem Kapitalismus immanenten Zwänge zu eröffnen, bzw. in begrenzten Maße Freiheiten zu eröffnen, die es erlauben, über die eigene Verstricktheit in die kapitalistische Gesellschaft zu reflektieren und sich vielleicht sogar über die Abschaffung des Kapitalismus Gedanken zu machen. (als natürlich bester möglicher Fall). Im Bezug zum Kampf um Rechte noch eine Anmerkung. Sich auf „große Theoretiker“ zu beziehen riecht zwar immer nach der Suche nach Autorität, aber in dieser Hinsicht ist mein Ruf sowieso schon ruiniert, also ist es auch egal. Ich fand nämlich die Position von Michael Heinrich zu dieser Frage sehr gut, bei der Frage nach der Bedeutung von immanenten Verbesserungen, die Konsequenzen (z.B. neue Handlungsspielräume) für die Betroffenen ins Zentrum zu stellen und nicht nur die Frage, ob etwas immanent ist.
    Ich weiß nicht, ob Sonja Buckel das alles so klar hat, aber ich fand ihre Unterscheidung von Recht der Form und dem Inhalt nach, einen sehr interessanten Gedanken, den es lohnt sich weiter anzugucken.
    Diese Unterscheidung zwischen Formbestimmung (dazu wurde ja auch einiges auf dem Kongress gesagt) und Inhalt des Rechts hat sie, soweit ich das verstanden habe, mit der Praxis der Rechtssprechung begründet. Diese Praxis der Rechtssprechung ist eben nicht vollständig identisch mit der Formbestimmung des Staats, das würde die vollständige Identität aller Akteure im Rechtsdiskurs mit dem citoyen, als Rechtskategorie, bedeuten. Das wäre genauso, als ob du Akteure im kapitalistischen Warenverkehr mit ihren Charaktermasken/ Funktionen für das Kapital identisch setzen würdest.
    Gerade diese Unterscheidung von Formbestimmung und Inhalt ist es aber, die radikale Kritik
    genauer in den Blick nehmen sollte um sich einen adäquaten Begriff vom Staat und vom Recht zu machen. Deine Position scheint mir letztlich auf das hinauszulaufen was Thomas Gehrig– auch wenn ich seine große Sympathie für Rosa Luxemburgs Revolutionstheorie für etwas naiv halte– als „Staatslinke“ bezeichnet hat, die so sehr auf den Staat fixiert ist, dass sie ihn am liebsten „abstrakt zerschlagen“ möchte. Materialistische Kritik zielt m.E. nicht auf eine solche abtrakte Zerschlagung, sondern auf bestimmte Negation, also die Aufhebung des Staates im besten dreifachen Sinne. (1€ ins marxistische Phrasenschwein) Wenn es dir darum geht den „Lauf der Dinge“ zu verstehen, dann lohnt es manchmal auch über den Rand der eigenen Theoriebildung hinaus zu schauen und alternative Ansätze genauer zu überprüfen, anstatt in altbekannter Manier mit einer nützlichen Kategorie (hier „Idealismus“) abzutun. Die billigen Beleidigungen des „Rechtsidealismus“ oder eines „Geist des Untertans“ scheinen auch eher dem Reflex eines Parteisoldaten zu entspringen, der alles angreifen muss, was seinem Weltbild oder den Ausführungen seines Generalsekretärs widersprechen, indem er das auswendig gelernte und gegen die Realität abgedichtete Parteiprogramm, runter rattert. Eine genauere Kenntnis des Ansatzes von Sonja Buckel kann ich bei dir jedenfalls nicht erkennen. Vielmehr machst du den Eindruck nach einzelnen Schlagwörtern (wie eine etwaige Autonomie des Rechts) Ausschau zu halten.

  37. 37 Christian Siefkes 12. Dezember 2007 um 19:56 Uhr

    Meine Einschätzung des Kongresses ist hier zu finden (Trackback hat anscheinend nicht funktioniert).

  38. 38 Juli 12. Dezember 2007 um 23:37 Uhr

    @ahab

    das der Heinrich das geschrieben und so gesehen hat, bezweifele ich ja auch gar nicht. nur würde ich behaupten, das seit mindestens 10 jahren die krisis das in der form nicht (mehr?) vertritt und ich auch für die zeit davor mir nicht sicher wäre, ob das ernsthaft so vertreten oder nur unsauber formuliert wurde.

    ob das begründet ist, kann sich m.e. jedenfalls nur aus dem ergeben, was die krisis tatsächlich geschrieben hat – und nicht aus dem, wie heinrich es referiert.

  39. 39 cpt. ahab 13. Dezember 2007 um 2:40 Uhr

    @juli
    „daß die moderne Warenproduktion in einen fundamentalen Krisenprozeß eingetreten ist, der nur in ihrem Untergang münden kann” Norbert Trenkle in Streifzüge 3/1998, S.7-10.

    @double f
    Von mir aus Parteisoldat, mein Generalsekretär ist Peter Decker jeden falls nicht und dabei es Dir wohl eher um die Denunziation meines Standpunktes. Nun zur Sache:

    Da es uns ja beide um die besondere historisch-spezifische Situation geht, sprechen wir doch darüber. In der BRD 2007 erfreut sich das Recht einer besonderen Bedeutung. Es gilt. Gelten tut es aus mehreren Gründen und zwar weil es erstens allgemein anerkannt in der Bevölkerung ist und zweitens der Rechtsbruch durch die Polizei und Gerichte sanktioniert wird. Dieses Recht setzt im Gegensatz zu früheren Rechtsepochen die Subjekte als gleiche und freie. Dieses ist Notwendig um die Vertragsfähigkeit der Bürger zu gewährleisten und im Streitfall einen juristisch-neutralen Standpunkt einzunehmen.
    Der Form nach wird das Recht vom Bundestag/rat verabschiedet und durch die Gerichte exekutiert. Ihr Inhalt ist sehr unterschiedlich, umfasst zum Beispiel den bekannten Paragraphen 129a „Bildung einer terroristischen Vereinigung“ und vieles mehr.
    Von dem jüdischen Recht habe ich keinen blassen Schimmer, eines kann ich jedoch dazu sagen, es hatte keine Bedeutung. Das es keine Bedeutung hatte, hat den Grund das sich der Souverän nicht dahinter gestellt hat.
    Ob man nun den Staat „abstrakt zerschlagen“ möchte oder aufheben, scheint mir Dialektizismus zu sein. Sind ja schön die drei Bedeutungen des Wortes Aufheben, eine Klärung welcher Staatsfunktionen es danach braucht ist das genauso wenig.
    Legetimität verleiht sich sowohl das Recht als auch das Denken über Ware, Wert und Eigentum durch ständiges einüben. Will man das fetischisierte Denken durchbrechen, im Sinne einer radikalen Kritik am ideellen Durchschnitt der aktuellen Herrschaft, muss diese sehr deutlich sein. Fehlt es an der Deutlichkeit, wird die Ungeheuerlichkeit von den Adressaten überhört.

    Das es mehr Recht gibt, als das welches sich Staat als seine Verkehrregeln gibt, ist tatsächlcih eine Banalität. Das das Recht bestimmte Freiheiten hat und nur vermittelt durch die Politik bestimmt wird auch.

    Mit Rechtsidealismus war gemeint, das bemühen minoritärer Anteile des Rechts wider ihrer tatsächlichen Bedeutung, gegen den geltenden Anteil des Rechts in Stellung zu bringen. Der Begriff ist geschenkt, an dem hänge ich nicht.

    Wenn du im Lob des Rechts auf freie Meinungsäusserung nicht erkennen magst, das es dabei um den Standpunkt eines Untertans handelt verstehe ich dich nicht. Das verlangen sich beim Staat zu bedanken, das er einem nicht verbietet seine Ansichten zu äußern, ist schon ein erstaunlich niedriger Standpunkt für die Befreiung von der Herrschaft.

  40. 40 Juli 13. Dezember 2007 um 13:54 Uhr

    @cpt. ahab

    naja, aber da ist doch die Frage: was heißt „fundamentale Krise“. Heißt das, dass die Choose Morgen vorbei ist – oder heißt das, das es sich um einen Krisenprozess handelt, der sich über einige Zeit hinzieht.

    Unter „fundamental“ wäre in beiden Fällen der unumkehrbare Prozess zu verstehen – nicht aber die Plötzlichkeit des Endes. Und – so meine Interpretation – das der Trenkle den Prozess hervorgehoben hat, liegt daran, das in der Interpretation das fundamentale auf die Plötzlichkeit projeziert wird.

    Oder ist das so furchtbar weit hergeholt?

  41. 41 double f 13. Dezember 2007 um 15:06 Uhr

    Erstmal finde ich es gut, dass eine Diskussion trotz der Polemik von beiden Seiten überhaupt möglich ist. Ich hänge auch so an meinen.
    Nur eine kleine Korrektur: Das Recht setzt keine freien und gleichen Subjekte, sondern sanktioniert die materiellen Verhältnisse, die in der bürgerlichen Gesellschaft herrschen. Das Recht ist nicht die Ursache, sondern die Festschreibung der bürgerlichen Gesellschaft und des Staates. Das Recht als Deus ex Machina zu bezeichnen, der alles schafft wäre ja tatsächlich Anpassung an die bürgerliche Rechtsphilosophie. Nicht das du das getan hättest, aber es klang etwas missverständlich.
    Ich weiß nicht genau was du mit „Dialektizismus“ meinst. Mir kam es darauf an, die Notwendigkeit einer adäquaten Begriffsbildung von Staat und Recht an. Das Problem bei Decker und auch bei deinen Ausführungen sehe ich darin, dass beides (Staat und Recht) als ein für allemal Gesetztes und Unveränderliches erscheint. Das widerspricht z.B. den Ausführungen von Michael Heinrich, dass das Staatsinteresse immer erst in der öffentlich politischen Sphäre ausgehandelt werden muss. Die interessante Frage ist, inwieweit der Inhalt dessen was verhandelt wird und dann zum Inhalt des Rechts wird, immer schon mit der Formbestimmung des Staats und Rechts (Beides sind wie gesagt nicht identisch, aber das kannst du auch anders sehen.) vollständig identisch ist. Hier lohnt m.E. eine genauere Betrachtung, die diesen Unterschied von Inhalt und Form in die materialistische Kritik aufnimmt und sich der Frage stellt, was dieser Inhalt ist und ob er sich nicht erweitern, bzw. gegen die Form selber ein Stück weit in Anschlag gebracht werden kann. Historisch gesehen ist das ja durchaus möglich gewesen, wenn die Ideale der bürgerlichen Revolution (mit ihrem Universalismus) gegen die bürgerliche Gesellschaft in Anschlag gebracht worden sind.
    Diese politische Kritik war übrigens für die Herausbildung einer sozialistisch-kommunistischen Bewegung und auch die Kritik der politischen Ökonomie von Marx von zentraler Bedeutung. Das heißt nicht, dass dem unreflektierten positiven Bezug auf das Recht Tür und Tor geöffnet werden sollen oder das die Fetischkritik und die Kritik der Formbestimmtheit ausgeblendet werden, sondern dass es gilt nach Möglichkeiten und Bedingungen für kommunistische (oder gerne auch emanzipatorisch, transzendierend, transformatorisch ;) ) im Bestehenden zu suchen und dabei auch vor möglichen Irrtümern nicht zurückzuschrecken. Die Entwicklung der Gesellschaft ist zwar durch die kapitalistischen Verhältnisse maßgeblich geprägt, allerdings nicht determiniert. Das Problem bei Decker sehe ich vor allem darin, das er vom Begriff her denkt, aber nicht die Prozesshaftigkeit der kapitalistischen Gesellschaft erfassen kann, sondern meint damit alles relevante gesagt zu haben. (o.k. das ist jetzt überspitzt) Die Art und Weise der Produktion der gesellschaftlichen Verhältnisse kann er nicht adäquat denken, sondern bestenfalls deskriptiv beschreiben.

    Der Exkurs zum jüdischen Recht war nur als historischer Verweis darauf gemeint, dass Staat und Recht nicht immer an einander gekoppelt sind. Und wenn du aber meinst, dass ein Recht für eine Religionsgemeinschaft, die sich weit über 2000 Jahre erhalten und an diesem Recht orientiert hat, keine Bedeutung hat, dann liegt hier offensichtlich eine merkwürdige Auffassung darüber vor, was von Bedeutung ist und was nicht. (Aber hier kann ich mit einem Dissenz gut leben.)
    Das mit dem Lob der Meinungsfreiheit habe ich so nicht bekommen. Kann sein dass da was war. Über Meinungsfreiheit gebe es übrigens weit mehr zu sagen, als deine Ausführungen, aber das ist ein anderes Thema. Was mir bei dir im Bezug darauf aufgefallen ist, dass es dir anscheinend hinreicht jemanden an ihren Äußerungen zu Meinungsfreiheit abzuurteilen und als guten Untertanen zu denunzieren, deren Ausführungen aufgrund ihrer Position zu Meinungsfreiheit sowie so schon disqualifiziert seien. Das habe ich mit dem Parteisoldaten gemeint, der nur auf der Suche nach Schlagwörtern ist, anhand deren er eine missliebige Position ins Abseits katapultieren kann. Und nur mal nebenbei würdest du diesen Maßstab (jemanden anhand einzelnener Position aus dem Kreis diskussionswürdiger Ansätze auszuschließen, und nichts anderes beinhalten die Vorwürfe des Rechtsidealismus und des Untertanengeists) beidseitig anlegen, dann müsstest du dir auch mal die Frage, was Decker eigentlich sonst noch zu sagen hat. Die Rassismus- und Sexismusvorwürfe auf dem Kongress waren zwar daneben, grundsätzlich würde ich dem GSP schon attestieren in dieser Richtung, mal diplomatisch ausgedrückt, blinde Flecken zu haben. Ganz zu schweigen davon, dass man nur dankbar sein kann, dass Decker nichts zu Israel gesagt hat.

  42. 42 g.o. 13. Dezember 2007 um 19:10 Uhr

    delete_party_program

    Die Ankündigung für den „Ums Ganze“-Kongress verspricht nicht nur die Welt zu erklären. Sie ist auch ein Zeugnis für den Zustand dessen, was gemeinhin als „linke Szene“ bezeichnet wird. Der Veranstaltung kommt daher mehr eine diagnostische Funktion zu, als dass sie substanziell neue Einsichten liefern wird.

    Wer sich die drei Folgen von „Ums Ganze-TV“ auf Youtube angesehen hat, der wird verstehen, was sich die Beteiligten unter der Triade Theorie-Organisation-Praxis vergestellt haben. Verweist die Reihenfolge der Begriffe vermutlich auf die intendierte Abfolge der Schritte hin zur kommunistischen Revolution, so führt die Internet-TV-Serie vor, wie sich eine Symbiose aller drei Momente zu einer – wie könnte es anders sein – dialektischen Einheit darstellt. Die audiovisuelle Botschaft ist klar: das „Schweinesystem“, „Staat und Kapital“ und Bereitschaftspolizisten gilt es durch „Krawall und Remmidemmi“ zu bekämpfen. Als theoretisch reflektierter Zusammenschluss will man jedoch „Pseudoaktivität“ vermeiden und lieber den „unversöhnlichen Akt der Negation“ wählen. Was dieses kryptische Raunen aber bedeuten soll – das, so lässt sich vermuten, soll auf dem Kongress zu Wertkritik und (Post)Operaismus geklärt werden. Moment? Kam die Theorie nicht vor der Praxis?

    Doch zurück zur Ankündigung. Die grundsätzlich begrüßenswerte Entscheidung, einen Kongress zu veranstalten, auf dem Fragen der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation mit Hinblick auf ihre Veränderung geklärt werden sollen bekommt einen faden Beigeschmack beim Blick auf die Liste der Referent_innen. Wer sich das Label „Theorie“ zueigen macht, der muss sich auch dem zwanglosen Zwang des besseren Arguments unterwerfen. Doch ein solches Verfahren wird umgangen durch vorzeitige Auswahl des Sag- und Denkbaren und der ressentimentgeladenen Indifferenz gegenüber dem, was anderes besagt. So ist ein gros der Beteiligten aus dem Umfeld der Zeitschriften Krisis und Exit! als den Zentralorganen der wertkritischen Fraktion. Dieser esoterische Verein muss nicht jedem bekannt sein und es fragt sich, warum die Veranstalter_innen ausgerechnet eine solche Auswahl treffen mussten. Die Selbstetikettierung als „links“ ist gerade in Zeiten der Vorherrschaft von Lechts und Rinks kein Grant für eine qualitativ hochwertige Einschätzung gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse. Die platte Dichotomie: Wertkritk = „da geht nischts“ vs. Postoperaismus = „die Multitude bringst“, eignet sich nicht für eine Analyse komplizierter gesellschaftlicher Tendenzen. Auch wenn es sich nicht um eine „Verrätselung der Welt“ handelt, wie es denjenigen Leuten erscheint, für die die Dinge eh schon klar sind, so sollte doch vor einer Überformung eines reflektierten common sense durch pseudo-theoretisches Gelaber gewarnt werden. Ein Blick auf die drei Meter „Prokla“ im Regal genügt, um sich vor Augen zu führen, dass sich bereits einige Leute Gedanken über die Themen Kapitalismus, Klassenkampf etc. etc. gemacht haben. Sehr verwunderlich ist auch die Tatsache, dass der Beitrag der Gruppe TOP Berlin zu falscher Kapitalismuskritik (Jungle World, Nr. 44) nicht mit einem Wort Phänomene wie Antisemitismus und Antiamerikanismus erwähnt. Schließlich handelt es sich dabei um die zengtralen Themen des linken Diskurses in den letzten Jahren.

    Die Bedeutungslosigkeit einer solchen Veranstaltung resultiert u.a. aus dem Umstand, dass hier eine homogene „linke“ Masse gebildet wird, die den Kontakt zum wissenschaftlichen Mainstream und seinen kritischen Randgebieten schon längst gekappt hat. Was danach übrig bleibt ist eine Suppe aus adornitischem Brummen und marxistischen Stereotypen, in der „Praxis“ garniert mit chicker Elektromusik. Warum ist es nicht möglich Menschen einzuladen, die sich auch empirisch mit sozialen Kämpfen, ihrer Logik und ihrem emanzipatorischen Gehalten auseinandergesetzt haben? Warum muss der naive Versuch unternommen werden, Gesellschaft aus dem theoretischen Stehgreif zu erklären? Warum ist Kritik hier wieder auf „den Hautwiderspruch“ „des Kapitalismus“ fixiert? Wer entscheidet, wer woran am meisten leidet? Wie ist der normative Maßstab bestimmt, den wir an Gesellschaft in emanzipatorischer Absicht anlegen? Anstatt verzweifelt nach festen Makro-Interpretationen zu suchen sollte an erster Stelle die richtige Formulierung der theoretischen Probleme stehen. Das dies nicht annähernd im Aufruf geschieht ist traurig. Der linke Reflex gegen die als bürgerlich verschriene (Sozial-)Wissenschaft führt zur Selbstreferanzialität und zur Abkapselung von wichtigen Erkenntnisprozessen.
    Doch wie sollte sich diese Lage ändern, wenn die subkulturell angehauchte „Szene“ aus pupertierenden Jugendlichen und infantilisierten „Erwachsenen“ besteht? Vielleicht ist es ratsam die allgemeine Tendenz der Infantilisierung auch als Prozess innerhalb der „Linken“ anzusehen. Die pseude-proletarische Pose des „Ums Ganze“-Bündnisses soll mit einem intendierten Intellektualismus kombiniert werden, den man sich realiter dann lieber doch nicht zu eigen machen will. Was daraus spricht ist nicht die Einsicht in die historisch gewordene Trennung von geistiger und körperlicher Arbeit und die zweifelhafte Divergenz ihrer Bewertungen als vielmehr ein praktischer Antiintellektualismus, der sich sein eigenes Unvermögen noch als Stärke zuschreibt und die Not zur Tugend verklärt. Die Parole „Ums Ganze“ ist nicht nur Zeichen der scheinbaren Radikalität, sondern wird auch zum Alibi für die reflexionslose narzisstische Darstellung: Wem es ums Ganze geht, der muss sich um Kleinkram nicht mehr kümmern. Verbalradikalität tritt an die Stelle materialer Arbeit. Ums mit Meister Teddy W. Adorno zu sagen: „Das von ihnen deffamierte Denken strengt offenbar die Praktischen ungebührlich an: es bereitet zuviel Arbeit, ist zu praktisch. Wer denkt setzt Widerstand; bequemer ist mit dem Strom, erklärte er sich auch als gegen den Strom, mitzuschwimmen. Indem man einer regressiven und deformierten Gestalt des Lustprinzips nachgibt, es sich leichter macht, sich gehenläßt, darf man überdies eine moralische Prämie von den Gleichgesinnten erhoffen.“ Die Orientierung am ganz Großen, denn darauf läuft de facto das Motto hinaus, suspendiert von der anstrengenden Arbeit, sich die Mannigfaltigkeit gesellschaftlicher Phänomene zu vergegenwärtigen und die Größe der Aufgabe wird transponiert ins Ego der Bekennenden.

    Felix Baums Kritik (Jungle World, Nr. 44) an den angeblich abstrakt-aufklärerischen Bestrebungen der Veranstalter ist zu entgegenen, dass die Beteiligten des „Ums Ganze“-Bündnisses keine Avantgarde sind, dass sie sich aber auch keinesfalls als eine solche ausgeben. Nicht ein aufklärerisches Anliegen gilt es zu kritisieren, sondern die sich in der „Praxis“ offenbarende Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Eine solche spektakuläre Praxis der Selbstbespaßung hat den Anspruch auf Intellektualität schon längst über Bord geworfen. Dem liesse sich die schwache Idee entgegensetzen, sein individuelles Leben so einzurichten, dass man sich nicht dumm machen lässt. Wie die vielen kleinen Auseinandersetzungen im Alltag so lässt sich intellektuelle Praxis auch nur denken als ein Alltagshandeln, das – ganz klassisch – auf Mündigkeit im besten Sinne des Wortes abzielt. Alles andere ist Politik. In diesem Sinne: Face the facts: „Just Communism“ is only a party program, not a party program!

    http://groupeourson.blogsport.de/

  43. 43 cpt. ahab 13. Dezember 2007 um 23:49 Uhr

    @juli

    genau doch weit hergeholt. Fundamentale Krise meint zumindestens einen sich selbst limitierenden Kapitalismus. Über das Datum hat noch nie jemand was gesagt, da wäre ja auch der Quatsch aufgeflogen.

    @double ff
    Dein Vorwurf das Decker die Gesellschaft sich zu deskriptiv nähert und damit ihre Prozesshaftigkeit verkennt must du noch belegen.
    Der Staat ist keine Geheimwissenschaft und die wesentlichen Informationen bekommt man schon, wenn man sich seine Verfassung und Praxis anschaut.

    „Das Problem bei Decker und auch bei deinen Ausführungen sehe ich darin, dass beides (Staat und Recht) als ein für allemal Gesetztes und Unveränderliches erscheint.“ double ff
    Der Staat ist ständig im Wandel, genauso wie das Recht. Dieses sich verändernde Recht ist Ausdruck des politischen Diskurses. Alle Unternehmungen des Staates nach innen tätigt der Staat als Recht und Gesetz. Auf gesellschaftliche Veränderungen, wie zum Beispiel ein verändertes Sicherheitsbedürfnis reagiert der Staat mit neuen Gesetzen. Zum Beispiel die Vorratsdatenspeicherung.

    „Das Recht setzt keine freien und gleichen Subjekte, sondern sanktioniert die materiellen Verhältnisse, die in der bürgerlichen Gesellschaft herrschen.“ double ff
    Das stimmt, das Macht der Staat in rechtlicher Form in seiner Verfassung. Grundgesetz: Artikel 2 -Allgemeine Handlungsfreiheit; Freiheit der Person; Recht auf Leben – ,Artikel 3 Absatz (1) – Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.-

    Bezüglich Decker und Israel gebe ich dir volkommen recht, das hätte jeden kritischen Gedanken von ihm in der Diskussion verdeckt. Zum Geschlechterverhältnis gibt es hingegen sehr interessante Text aus seinem Umfeld. Zur Sexismus und Rassismusrezeption des Kongresses hat in wirklich bewundernswerterweise Dorfdiskothek alles gesagt.

    Wichtig ist mir nicht die linke Gedanken und Theoriegeschichte, sondern zu Fragen wie die Scheisse derzeit aufs Dach kommt. Ich bin Auffklärungsidealist. Linksradikale Politik muss sich darauf konzentrieren das sie gehört, verstanden und akzeptiert wird. Den „Club freier Menschen“ wollen nur die Kommunisten, somit muss man sich solche auf gesagte weise basteln.

  44. 44 Juli 14. Dezember 2007 um 20:11 Uhr

    … aber den sich selbst limitierenden kapitalismus hat er doch auch weiterhin behauptet erkennen zu können. insofern hätte sich dann ja tatsächlich nix geändert.

  45. 45 double f 15. Dezember 2007 um 22:40 Uhr

    „Dein Vorwurf das Decker die Gesellschaft sich zu deskriptiv nähert und damit ihre Prozesshaftigkeit verkennt must du noch belegen.
    Der Staat ist keine Geheimwissenschaft und die wesentlichen Informationen bekommt man schon, wenn man sich seine Verfassung und Praxis anschaut.“ cpt. ahab

    Zumindest habe ich von Decker nur gehört, dass der Staat ein Gewaltverhältnis ist und Kapitalinteressen schützt; ganz abgesehen von seiner, wie gesagt, ziemlich reduzierten Definition von „kapitalistisch“. Den von dir angeführten politischen Diskurs und Wandel des Staates hat nicht Decker, sondern die anderen Referenten– nicht nur in dieser Veranstaltung– angeführt. Wer vom „Wandel des Staates“ spricht wird von den GSP-(Fans) meiner Erfahrung nach sowieso meistens als Demokratieidealist abgekanzelt. Wie das staatliche Interesse ermittelt wird und wieso die Subjekte die bestehenden Verhältnisse akzeptieren und reproduzieren (also die Fetischisierung der Verhältnisse, die du selber ins Spiel gebracht hast) ist in der Theoriebildung des GSP nicht von Belang.
    Das mit der Geheimwissenschaft ist doch nun wirklich eine billige Nummer. Aber wenn das neuste Argument gegen Materialismus jetzt „Geheimwissenschaft“ lautet. Das Argument mit der Verständlichkeit kenne ich eigentlich sonst nur von solchen BewegungsfetischistInnen, die glauben, es reiche aus, alle Leute dort abzuholen wo sie stehen.
    Aber wenn es ausreicht in die Verfassung der BRD und vielleicht noch in die grauen Bände zu gucken um alles nötige über „den“ bürgerlichen Staat und dessen Kritik zu wissen. Das läuft doch in letzter Konsequenz auf eine Abwendung von anderen Theorieansätzen zugunsten des GSP-Ansatzes hinaus, weil mit dem dann angeblich alles Wichtige gesagt sei. Das ist wirklich ML-Parteidenken. Übrigens geht deine Vorstellung, „sich Kommunisten zu basteln“ in eine ähnliche Richtung. Von einem reflektierten Verständnis der Entstehung gesellschaftlicher und sozialer Bewegung ist relativ wenig zu sehen. Aber du wirst vermutlich einwenden, dass es dir nur um Aufklärung geht und nichts anderes möglich ist.
    Wäre ich gemein, dann könnte ich dein Selbstbezeichnung als „Aufklärungsidealist“ für bare Münze nehmen und als Eingeständnis nehmen. Falsch ist es nicht ganz, weil ich in deinen Ausführungen wenig von einer materialistischen Begründung des Aufklärungsanspruches finden kann. Der scheint mir letztlich immer noch der falschen Annahme aus den 1970er Jahren anzuhängen, dass es nur hinreichend vieler Kapitallesekreise bedürfte, um das gesellschaftliche Bewusstsein zu kippen. Wie falsches Bewusstsein entsteht und wie es aufgebrochen werden kann kommt bei einem derartigen „Aufklärungsidealismus“, wie du ihn vorschlägst, systematisch zu kurz.
    Zum Thema Sexismus und Rassismus: Wenn sich deine politischen Ansichten zu dem Thema auf dem Niveau von Dorfdiskos Blog befinden, o.k.
    Was den Gegenstandpunkt betrifft: Die Vorwürfe auf dem Kongress waren lächerlich. Grundsätzlich halte ich sie aber für berechtigt. Das Thema Rassismus war hier schon mal Thema:http://kf.xberg.de/forum/thread.php?threadid=2786&threadview=0&hilight=&hilightuser=0&sid=d317ba4e04aa365cc96f04bf12a1fbe2&page=1
    Und zum Thema Sexismus muss man sich nur mal den aktuellen Artikel zum Fall Marco in der Türkei angucken: http://www.gegenstandpunkt.com/gs/07/3/Marco.html Einen Vergewaltigungsvorwurf zu einer heftigen Feierei und Knutscherei umzudichten, meine Fresse. In diesem Punkt unterscheiden die sich nicht von der BILD-Zeitung. Inhaltlich nimmt sich das eigentlich nichts mit „infantile Inquisition“.

  46. 46 cpt. ahab 16. Dezember 2007 um 21:11 Uhr

    @double ff

    Du bist einfach ein Denunziant.Schrobelst moralisch verbrämt, ein bisschen durch die Welt. Findest alles irgendwie spannend, nennst das materialistisch und sagst nichts, aber auch rein garnichts zum Gegenstand aus.

    Von wo nach wo verändert sich denn der Staat ganz konkret? Da mustt Du erstmal sagen wie er denn ist, bevor du erzählst wie er sich verändert.

    Was ist denn verkürzt an Deckers „kapitalistisch“?

    Deine hypermoralische Zurrichtung lässt dich doch zusammenzucken, wenn du den Begriff „Vergewaltigungsvowurf“ hörst. Über jeden Krieg und menschliches Elend, kannste rational und flapsig daherquatschen, aber nicht bei sowas. Deine linke Sozialisierung wird da zur Erkenntnisbremse für den Alltagsverstand. Wie sind die beiden zusammen im Bett gelandet? Durch gemeinsames Knutschen und Feierei. In dem Text geht es halt garnicht darum, was dann weiter passiert ist, sondern um den nationalen Skandal.

    Wenn man sich mit jemanden über etwas austauschen möchte, muss man sich natürlich so artikulieren, das der andere das versteht.

  47. 47 double f 17. Dezember 2007 um 17:28 Uhr

    Jetzt sollte ich es noch einmal sachlich versuchen.
    Die redundante Verwendung des Wortes Materialismus ist wirklich eine Schwachstelle in meinen Ausführungen, die eigentlich nichts aussagt.
    Um was es mir geht, ganz egal wie man das jetzt nennt, ist eine Staatskritik, die nicht hinter den Stand der marxistischen Theoriebildung zurückfällt und auch nicht der Ökonomiekritik sich willkürlich hinzugesellt. Das Verhältnis muss Staat und Kapital muss adäquat erfasst werden. Nach diesem Anspruch bewerte ich staatskritische Ansätze. Und mein Ergebnis, dass ich auch in meinen letzten Beiträgen versucht habe auszuführen, im Bezug auf den GSP lautet: Diesem Anspruch wird sein Ansatz nicht gerecht, weil hier die Untersuchung bei den Grundkenntnissen– die ich übrigens niemals bestritten habe– dem Staat als ein Gewaltverhältnis, das das Kapital schützt, stehen bleibt. Dieser Theorieansatz ist auch nicht beliebig erweiterbar, sondern stellt nach, eigenem Anspruch, das Ganze (Relevante) der Staatskritik dar. (siehe etwa die Formulierung im bürgerlichen Staat: „Das ist die Staatsableitungsdebatte.“) Gegen diesen Vollständigkeitsanspruch habe ich mich polemisch („ML-Parteidenken“) gewandt, indem ich die äußerste Konsequenz dieses Anspruches skizziert habe. Das heißt aber nicht, dass ich alles was vom GSP kommt per se ablehne. Ebenso bezieht sich meine Polemik gegen „Aufklärungsidealismus“ auf dessen Logik. Vielleicht habe ich auch fälschlicherweise eine flapsige Formulierung zu hoch gehängt.
    Aber im Gegensatz zu dir versuche ich nicht Leute persönlich plump zu beleidigen, sondern kritisiere ihre Argumentation; zugegebenermaßen vielleicht etwas übertrieben im Ton und z.T. am Gegenstand (das was du mit „Aufklärungsidealismus“) vorbei. Dieses Verfahren müsste dir eigentlich bekannt sein, weil genauso auch Decker argumentiert hat. (Was meint jemand, der Rechte einfordert. Nicht: Was sagt dieser jemand.) Aber vielleicht ist es wirklich besser genauer zu prüfen, was eigentlich gesagt wurde und nicht wild zu spekulieren, was irgendjemand gemeint hat.

    „Wenn man sich mit jemanden über etwas austauschen möchte, muss man sich natürlich so artikulieren, das der andere das versteht.“ cpt. ahab

    „Der Staat ist ständig im Wandel, genauso wie das Recht. Dieses sich verändernde Recht ist Ausdruck des politischen Diskurses.“ cpt. ahab

    „Von wo nach wo verändert sich denn der Staat ganz konkret? Da mustt Du erstmal sagen wie er denn ist, bevor du erzählst wie er sich verändert.“ cpt. ahab

    Wenn du Formulierungen selber einführst, warum soll ich sie dann ausführen?
    Ich war davon ausgegangen, dass sei zwischen uns relativ klar. Meine Kritik an Decker war ja genau, dass ich ihm diese Klarheit, zumindest innerhalb seiner Staatsanalyse, abspreche, weil es einfach nicht vorkommt, sondern immer schon ausgemacht ist. (Das Staatsinteresse) Meine These ist, dass der politische Diskurs einer genauen Untersuchung bedarf und nicht als a priori setzt werden darf. Hier kommt der von dir angeführte Fetischismus ins Spiel, um eine angemessene Kritik der Politik formulieren zu können. Das heißt jedoch nicht, dass mit dem Fetisch-Kapitel schon alles gesagt wäre, es muss vielmehr sinnvoll auf die Politikanalyse bezogen werden. Genau da sehe ich auch das Interessante bei der Buckel. Sie wirft eine wichtige Frage auf. Wie ihre Antwort darauf genau ausgefällt, kann ich anhand eines so kurzen Vortrages nicht ausmachen. Dafür müsste ich mich eingehender mit ihrem Ansatz beschäftigen. Ich habe mich aber gegen eine Vorverurteilung à la „das ist Staatsidealismus“ gewandt. Wenn das für dich „Schrobelei“ ist, einen Ansatz genau zu prüfen und nicht nur auf ein zwei Stichwörter im Vortrag zu warten, dann bitte.

    „Deine hypermoralische Zurrichtung lässt dich doch zusammenzucken, wenn du den Begriff “Vergewaltigungsvowurf” hörst. Über jeden Krieg und menschliches Elend, kannste rational und flapsig daherquatschen, aber nicht bei sowas. Deine linke Sozialisierung wird da zur Erkenntnisbremse für den Alltagsverstand. Wie sind die beiden zusammen im Bett gelandet? Durch gemeinsames Knutschen und Feierei. In dem Text geht es halt garnicht darum, was dann weiter passiert ist, sondern um den nationalen Skandal.“

    Genau das ist, was ich mit Unterstellungen meinte. Du versuchst es mit Psychologisierung und Pathologisierung. Meine „linke Sozialisation“ verunmögliche mir eine sachliche Argumentation, die der GSP liefere. Was weißt du überhaupt, was ich über das Thema sexuelle Gewalt denke?
    Entgegen deiner Behauptung, dass in dem Text vom GSP außer der Beschreibung des nationalen Skandals thematisiert wird, steht da sehr wohl etwas zum konkreten Sachverhalt drin: Es handle sich nicht um eine Vergewaltigung, sondern um einen Urlaubsflirt, in dem alles auf situativen Einverständnis beruhte. Erst im Nachhinein habe das „frühreife Gewissen“ des Mädchens für Probleme gesorgt. Genauso verteidigt der BILD-Kolumnist Marco. Er ist das Opfer der unberechenbaren weiblichen Natur, die ihm erst zu verstehen gibt „ja, ich will“ und das später aus Scham widerruft und Vergewaltigung schreit; wie hinterlistig. Die Möglichkeit, dass er bereits im Hotelzimmer gegen ihren Willen gehandelt hat ist diesem Kolumnisten, wie auch dem GSP, unvorstellbar. Das hat nichts mit den Ereignissen im Hotelzimmer– über die auch ich nichts sagen kann–, aber sehr viel mit Denken der Kommentatoren zu tun. Das nenne ich sexistisch. Ohne Kenntnis des konkreten Vorfalls ist das Urteil bereits getroffen: Schließlich „weiß“ das doch jeder Mann, dass es schon mal vorkommt, dass die Alte im Nachhinein rumzickt. Sexuelle Gewalt, gibt’s das überhaupt? Also kannst du deine reflexartigen Moralvorwürfe ruhig stecken lassen.
    Und das mit dem „kapitalistisch“ habe ich schon ausgeführt.

  48. 48 Martin 21. Januar 2008 um 21:12 Uhr

    Ist der Einführungsvortrag zur Kritik der Politischen Ökonomie irgendwo zu finden? Eine Einführung jenseits der Erörterung der Basiskategorien zu geben – so wie es laut obigen Bericht auf dem Kongress geschah –, finde ich sehr spannend und würde mich von daher interessieren

  49. 49 (notwendig)? 22. September 2009 um 17:05 Uhr

    hi. danke für deine interessant ausgeführte kritik. ganz so ähnlich ging es uns auch in köln auf der dortigen antifakonferenz 2008, damals gegen den „anti-islam-kongresss“ der nazis rund um proköln. bloß, daß es dort noch einige eskapaden von und mit sektierern gab, die die orgagruppe zum glück etwas in den griff bekommen hat. gegen gewisse ausdrucksweisen wurde dort aber trotzdem nichts unternommen. eine arrogante schwäche die ich pauschal dem gesamten umsganze bündnis unterstelle da ich bisher leider noch nicht viel anderes von ihnen gehört habe… aber eine schöne mode gegen das spektakel sind sie derzeit schon! ;)

  50. 50 Chuck Oneill 27. Mai 2010 um 4:02 Uhr

    Really awesome writing. Really.

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